20.02.2026 0 Kommentare
Mit Gefühl
Mit Gefühl
# Zum Weiterdenken

Mit Gefühl
Von Pfarrer Martin Jung

Wie geht´s dir? – eine kurze Frage, auf die ich meistens auch nur kurz antworte: Gut, schlecht, mittel. Und dann geht es weiter im Gespräch. Warum ist das so? Manchmal will ich nicht mit anderen über meine Gefühle sprechen und manchmal bin ich selbst gar nicht sicher, wie ich mich gerade fühle. Wann setze ich mich schon mal hin und frage mich selbst: Wie geht´s mir gerade? In der Fastenaktion „Sieben Wochen ohne Härte – mit Gefühl“ werden wir eingeladen, genau da einmal stehen zu bleiben.
Mitten im Alltag, im Stress, in der Arbeit und in der Familie – einfach mal sich hinsetzen und in sich reinhören. Darauf hören, was mein Herz mir sagt. Und ja, das kann manchmal hart sein. Gefühle sind manchmal unbequem. Traurigkeit passt nicht in einen vollen Terminkalender, Wut wirkt unangebracht, Angst will ich am liebsten wegschieben. Also mache ich mich hart – nach außen und nach innen. Reiß dich zusammen, sagen wir uns. Oder: Das wird schon. Doch was würde passieren, wenn ich stattdessen ehrlich bin? Wenn wir uns selbst erlauben zu sagen: Mir geht es gerade nicht gut – oder auch: Ich weiß es nicht? In der Bibel begegnen uns viele Menschen, die Gott genau das sagen. Die Psalmen sind voll von Klagen, Fragen und Gefühlen. Jesus selbst weint, hat Angst, ist zornig und voller Mitgefühl.
Gott hält das aus. Mehr noch: Gott sucht genau diese ehrlichen Begegnungen. Nicht die kurze Antwort, sondern das offene Herz. Vielleicht beginnt das ganz klein. Mit einem Moment der Stille. Mit der Frage am Abend: Wie ging es mir heute wirklich? Bei einer Andacht oder mit einem einfachen Gebet. Oder mit einem offenen „Wie geht’s dir?“ – und der Zeit, die Antwort auch wirklich hören zu wollen.
Martin Jung ist Pfarrer für die evangelische Kirchengemeinde Wolfhagen.
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