Kalter Kaffee

Kalter Kaffee

Kalter Kaffee

# Zum Weiterdenken

Kalter Kaffee

Von Pfarrer Rick Schapöhler

Kaffee kalt – na toll, schon wieder. Ich hatte mir extra einen Kaffee für die Pause gemacht. Doch dann: Alltag. Telefon, WhatsApp-Nachrichten, die Türklingel.

Als ich endlich Zeit für den Kaffee habe, ist er kalt. Schade. „Kalter Kaffee macht schön!“, hat meine Oma immer gesagt. Ich zucke mit den Schultern und stürze die kalte, schwarze Suppe hinunter. An der Haustür klingelt es erneut …

Der kalte Kaffee ist irgendwie symptomatisch. Für einen Alltag, der alles fordert und alles in sich aufsaugt – auch die Wärme der wesentlichen Dinge. Im Klein-Klein verliere ich oft den Blick für das, was wirklich wichtig ist; für das, was jetzt gerade dran ist.

„Alles hat seine Zeit“, heißt es in der Bibel. Aber eben nicht alles hat immer seine Zeit.

Wie oft verliere ich den Kontakt zu dem, was ich gerade tue – oder zu mir selbst, oder auch zu Gott –, weil so viel auf mich einstürmt?

Nach dem dritten kalten Kaffee in dieser Woche beschließe ich: Handy weg, Türklingel aus. Der Kaffee kommt in den Thermobecher, und ich gehe eine große Runde durch den Wald – mit meinem Dackel und meinem Becher.

Zeit für mich. Zeit für meinen Hund. Und Zeit für Gott – denn der klopft oft erst dann an, wenn das Alltagsgedröhn leiser wird.

Gott öffne ich gern die Tür.

Und dann sitze ich da: auf einer Bank im Wald, mit einem heißen Kaffee in der Hand, während mein Hund zufrieden mit einem Stock spielt.

Alles hat eben seine Zeit.

 

Rick Schapöhler ist Pfarrer im Kirchspiel Malsburg für die Kirchengemeinde Breuna-Oberlistingen.

Dies könnte Sie auch interessieren