27.03.2026 0 Kommentare
Schatten des Kreuzes
Schatten des Kreuzes
# Zum Weiterdenken

Schatten des Kreuzes
Von Prädikant Günther Dreisbach

Die morgen beginnende Woche ist eine nachdenkliche Woche. Klar: Manche können nicht abwarten, dass es Ostern wird. Es ist modern geworden, schon vor Ostern die Vorgärten österlich zu schmücken.
In den Gottesdiensten dieser Woche lesen und hören wir aber erst einmal Berichte vom Leiden und Sterben Jesu. Die Luft in Jerusalem wird holzhaltiger. Die Schatten des Kreuzes ziehen herauf. Und es ist unerträglich, das Leiden Jesu vorgeführt zu bekommen. Jedes Jahr. Immer wieder. Damals und heute. Immer mehr aus der engen Schar der Jünger verschwinden aus dem Geschehen, verkrümeln sich im Gelände. Sie können das Leiden Jesu nicht mit ansehen.
Aber ist es nicht auch ein Beispiel dafür, wie es in unserer Welt aussieht? Doch nicht österlich. Im Iran nicht und in der Ukraine nicht – um nur zwei der Länder zu nennen, in denen gestorben wird, weil die Mächtigen sich nicht vernünftig einigen können. Weil ihnen Menschenleben egal sind. Weil ihnen Jesus egal ist. Da wird gestorben, da werden Menschen gequält. Wie damals in Jerusalem der Rabbi Jesus aus der Stadt Nazareth.
Ich will nicht zu früh an Ostern denken. Ich will abwarten. Ich will Tag für Tag auf Jesus sehen, auf den Mann am Kreuz. Und ich will das Kreuzzeichen als ein Pluszeichen sehen, als ein Zeichen der Güte Gottes. Das ist schwer genug. Aber da muss ich durch. Ohne den senkrechten Balken des Kreuzes ist mein Leben ein Minus. Erst der senkrechte Balken macht aus dem Minus meines Lebens ein Plus. Diese stille Woche erinnert mich daran: Das Kreuzzeichen ist das Zeichen der Güte Gottes. Plus.
Kirchenrat Günther Dreisbach ist Prädikant im Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen.
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