Sag mal, weinst du?

Sag mal, weinst du?

Sag mal, weinst du?

# Zum Weiterdenken

Sag mal, weinst du?

Von Vikarin Marie Raschner 

„Sag mal, weinst du oder ist das der Regen, der von deiner Nasenspitze tropft?“ tönt es aus meinem Autoradio. Früher fand ich das Lied von der Band „Echt“ ziemlich kitschig. Heute bleibe ich an dieser Frage hängen. „Sag mal, weinst du?“ – Ja, manchmal weine ich. Vielleicht sogar gleich wieder, wenn das Lied vorbei ist und die Nachrichten anfangen. Wenn ich höre, was gerade alles in der Welt passiert.

Auch von Jesus wird erzählt, dass er weint. Sein Freund Lazarus ist gestorben. Die Menschen um ihn herum sind voller Trauer. Und Jesus? Er weint mit. Obwohl er weiß, dass er seinen Freund gleich wieder ins Leben zurückholen wird. Aber bevor irgendetwas besser wird, gibt es diesen einen Moment, in dem nichts gelöst ist. Kein „Alles wird gut“. Keine schnellen Antworten. Nur Trauer.

Der kürzeste Satz der Bibel heißt: „Da weinte Jesus.“ Das ist der Monatsspruch für März. Drei Worte, die zeigen: Da ist jemand, den das Leid anderer nicht kalt lässt. Jemand, der sich berühren lässt. Jemand, der mitfühlt.

Und vielleicht brauchen wir gerade genau das: Menschen, die nicht wegschauen, wenn jemand leidet. Die mitfühlen. Die zulassen, dass es ihnen nahegeht.

„Sag mal, weinst du?“ – Ja, manchmal sind das wirklich Tränen, die von der Nasenspitze tropfen. Bei Jesus, bei mir, bei vielen anderen. Und genau das macht mir Hoffnung: Solange wir nicht abstumpfen und solange uns das Leid anderer nicht egal ist, kann ich hoffen. Hoffen, dass es irgendwann wieder besser wird.


 Marie Raschner ist Vikarin in der evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen.

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