Nach 55 Jahren: Günther Dreisbach wird aus dem Verkündigungsdienst verabschiedet

Nach 55 Jahren: Günther Dreisbach wird aus dem Verkündigungsdienst verabschiedet

Nach 55 Jahren: Günther Dreisbach wird aus dem Verkündigungsdienst verabschiedet

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Nach 55 Jahren: Günther Dreisbach wird aus dem Verkündigungsdienst verabschiedet

Wolfhagen. Was aus einer Not heraus begann, endet offiziell am 17. Mai mit einem feierlichen Gottesdienst: Günther Dreisbach wird als Prädikant der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck von Dekan Jan Friedrich Eisenberg aus seinem Ehrenamt verabschiedet.

Frühstart - von der Predigtvertretung zum Lektorenamt

1971 wurde der Wolfhager offiziell zum Lektor berufen. Damit durfte er sogenannte Lesegottesdienste halten, in denen Lektoren Vorlagen der Landeskirche oder von Pfarrerinnen und Pfarrern nutzen. „Begonnen hatte aber eigentlich alles schon zwei Jahre vorher“, erzählt Dreisbach. „Damals, 1969, hat Dekan Otto Wassermann mir eine Predigt in die Hand gegeben und mich nach Dörnberg geschickt, um den kranken Pfarrer Bach zu vertreten. Da war ich gerade 19 Jahre alt.“ Für ihn war das ein einschneidendes und prägendes Erlebnis: „Dass mir, einem faulen und unbegabten Schüler, jemand etwas zutraute, war ein wichtiger Grundstein.“

Eine Voraussetzung fürs Lektorenamt ist aber heute wie damals die Volljährigkeit. „Und wir wurden es damals erst mit 21“, schmunzelt Dreisbach. Erst seit 1975 wird man bereits mit 18 mündig.

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck nahm Dreisbach aber nicht nur ehrenamtlich in ihren Dienst. Von der Ausbildung bis zu seinem Ruhestand arbeitete er in der Verwaltung der Landeskirche, zuletzt als Leiter der Personalverwaltung der Theologen.

Vom Lektor zum Prädikant

Nach 24 offiziellen Jahren im Lektorenamt wurde Günther Dreisbach 1995 als Prädikant berufen. Damit erhielt er das Recht selbständig Gottesdienste und Predigten zu erarbeiten, zu beerdigen, zu taufen und das Abendmahl zu feiern. Aus diesem Amt wird er nun verabschiedet. „Nach dem Prädikantengesetz endet dieser Auftrag mit Vollendung des 70. Lebensjahrs. Das kann um sechs Jahre verlängert werden – so wie bei mir“, erklärt Dreisbach. „Aber auch diese Jahre sind jetzt ins Land gegangen: Ich werde in diesen Tagen 76.“

"Ein treuer Diener seiner Kirche"

Deshalb wird Dekan Jan Friedrich Eisenberg ihn am 17. Mai im Gottesdienst um 10:00 Uhr in der Wolfhager Stadtkirche St. Anna offiziell von diesem Auftrag entbinden. „Ich bin mit vielen im Kirchenkreis – vor allem in und um Wolfhagen – dankbar, dass Günther Dreisbach in unzähligen Gottesdiensten und Andachten das Wort Gottes verkündigt hat“, so Eisenberg. „Er hat dabei immer wieder mit großem Einsatz versucht, den Menschen das nahe zu bringen, was ihn trägt, was er von Gott verstanden hat. Er war und ist ein treuer Diener seiner Kirche.“

Diese Verdienste, die auch die Arbeit für Christinnen und Christen in der Diaspora umfassen, wurden bereits 2012 gewürdigt. Damals wurde ihm der Ehrentitel „Kirchenrat“ verliehen, die höchste Auszeichnung, die die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck vergibt.

Gottesdienste, die in Erinnerung bleiben

Am Ende dieses langen Weges blickt Dreisbach auch auf viele besondere Gottesdienste zurück – schöne wie schwere. Eine besondere Herausforderung war es, als er sonntags beim Betreten der Kirche eine große Schar schwarz gekleideter Menschen sah. Es waren die Angehörigen und Freunde eines Mannes, der kurz zuvor bei einem Motorradunfall gestorben war. „Eine Information im Vorfeld hätte mir gut geholfen. So haben die Organistin und ich wenigstens noch schnell die Lieder geändert und den Rest habe ich mit Gottes Hilfe auch irgendwie geschafft“, sagt er nachdenklich.

Ein anderer Gottesdienst stellte sich vermutlich erst im Nachhinein als besonders erfreulich heraus: „Ein Pfarrerehepaar im damaligen Kirchenkreis Hofgeismar hatte mich gebeten, ihre Tochter zu taufen.“ Das hatte er gerne übernommen, sah sich aber im Gottesdienst dann nicht nur den Taufeltern und der normalen Gemeinde gegenüber, sondern auch dem Predigerseminardirektor, dem Ausbildungsdezernenten, dem Dekan und mehreren weiteren Pfarrern. „Danach gab es viele positive Rückmeldungen – das war schön“, erinnert sich dankbar.

Klares Ziel und Humor

Nun ist es für ihn an der Zeit, ein Stück weit zurückzutreten. „Mein Lieblingsapostel ist Andreas, denn der hat seinen Bruder Simon zu Jesus geführt. Das wollte ich auch: Menschen zu Jesus führen“, sagt der scheidende Prädikant. Und weil er seinen ganz eigenen Humor auch im Alter nicht verloren hat, schiebt er nach: „Aber ob und wie oft das gelungen ist, darüber gibt es keine Statistik in unserer ansonsten statistikreichen Kirche.“

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