Herbstlicht

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Herbstlicht

# Zum Weiterdenken

Herbstlicht

Von Pfarrerin Adelheid Römer-Bornmann

Porträtfoto von Pfarrerin Adelheid Römer‑Bornmann vor einem hellen Hintergrund. Sie trägt eine Brille.
© Ev. KK Hofgeismar-Wolfhagen / S. Wollert

Die Morgen im Herbst haben etwas Besonderes. Wenn wir früh unterwegs sind, liegt Tau auf dem Gras. Die Bäume beginnen sich zu verfärben. Und die Sonne schenkt noch einmal ihre warmen Strahlen, bevor die Tage kürzer werden.

Der Herbst ist eine Zeit des Wandels. Manches geht zu Ende, Neues kündigt sich an. Erleben wir das gerade auch gesellschaftlich? Wahlen liegen hinter uns, deren Ergebnisse nicht nur mich erschrecken. Politische Debatten prägen die Nachrichten. Viele Menschen fragen sich, wohin unser Land steuert. Die Stimmen sind laut, die Meinungen verschieden, der Umgangston rau. Nicht selten spüren wir Verunsicherung, Enttäuschung und Angst.

Da tut es gut, einen Augenblick auf die Natur zu schauen. Die Bäume klammern sich nicht an ihre Blätter. Sie lassen los im Vertrauen darauf, dass das Leben weitergeht. Der Tau am Morgen erinnert daran, dass Gott jeden Tag neu schenkt. Und das Herbstlicht erzählt von einer Wärme, die bleibt, auch wenn die Nächte kühler werden.

Der Prophet Jesaja sagt: Wer sich an Gott hält, wird nicht vom Gegenwind bestimmt. Wie ein Vogel, der sich vom Wind tragen lässt, gewinnt er einen neuen Blick für das Wesentliche. Er findet Kraft für das, was heute nötig ist, Geduld für das, was noch wachsen muss, und Vertrauen in das, was morgen kommt.

Neue Kraft brauchen wir heute vielleicht mehr denn je. Nicht, um Recht zu behalten. Nicht, um lauter zu sein als andere. Sondern um hoffnungsvoll zu bleiben, respektvoll und menschlich miteinander umzugehen und vor allem den Blick auf das Gute nicht zu verlieren.

Adelheid Römer-Bornmann ist Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Stadt Liebenau sowie Seelsorgerin in den Kreiskliniken Hofgeismar und Wolfhagen und in den Seniorenheimen in Wolfhagen.

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