Ev. Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen
Ihre evangelische Kirche in Hessens Norden

Zum Weiterdenken

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die Texte zur Verfügung, die - zumeist - aus der Mitte unseres Kirchenkreises für die Hofgeismarer Allgemeine und die Wolfhager Allgemeine erstellt werden - zum Nachlesen, Nachdenken und Weiterdenken.

 

14. Mai

Gedanken zum Sonntag
Mittelalterlich

Von Pfarrer Daniel Fricke

Daniel Fricke ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Bad Karlshafen-Helmarshausen.

Im Moment lese ich Ken Follets Buch „Die Tore der Welt“. Es ist ein historischer Roman, der im Mittelalter spielt. Damals waren es harte Zeiten. Entweder hat der Krieg tiefe Spuren durch das Land und das Leben der Menschen geschlagen. Oder die Pest hat die Menschen getötet. Dagegen schützen konnte man sich durch ein Stück Stoff, das man sich über Mund und Nase gezogen hat. Gegen den Krieg konnte man sich nicht schützen.

Man musste einfach Glück haben, dass es vor Ort keinen Krieg gab. Denn im Krieg haben meist alle verloren. Und doch gab es damals immer wieder machtsüchtige Gestalten, die vor allem wollten, dass alle sie fürchten.
Es war für sie eine Schmach und unerträglich, wenn jemand ihnen unerschrocken die Stirn bot. Gut, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben. Und doch kommt mir unsere Zeit manchmal mittelalterlich vor, wenn ich das Buch zur Seite lege. Damals haben immer mehr Menschen erkannt, dass Gott uns liebt. Trotz aller Schwierigkeit haben sie fest dran geglaubt.

Ich wünsche auch uns, dass wir auf Gottes Liebe vertrauen können. Egal wie dunkel die Zeiten sind.


Glaubenssache:
Staub von den Füßen schütteln

Von Pfarrerin Dr. Gisela Natt

Dr. Gisela Natt Ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Bad Emstal-Sand.

Sind Sie schon mal umgezogen?
Mir steht gerade ein Umzug bevor. Ich ziehe aus einem großen Haus in eine kleine Wohnung. Darum bin ich seit einiger Zeit am aussortieren: Was geht mit? Was könnte ich verschenken? Was muss in den Müll?

Dabei nehme ich alles in die Hand, was sich über Jahre und Jahrzehnte angesammelt hat.
Viele Erinnerungen kommen hoch. Da sind die Geschenke von Kindern und Freunden. Da sind die vom ersten Geld gekauften Taschenbücher. Da ist viel Geerbtes von Eltern und Tanten.
Bisher war das so in Ordnung mit diesem Hausrat. Jetzt aber spüre ich die Last der Dinge.
Denn bei jedem Buch denke ich, dass könnte ich ja nochmal lesen wollen. Oder, was noch schlimmer ist, ich denke: Das könnte ich irgendwann nochmal gebrauchen. Oder ich spüre die Scheu, etwas, das mir vermacht wurde, aus der Hand zu geben.

Ach, dass Dinge so einen Druck ausüben können!
Dabei wünsche ich mir diese Leichtigkeit, wie sie in diesem Bild der Bibel anklingt: Sich den Staub von den Füßen schütteln und weiter gehen. Es hört sich so gut an, ohne den Ballast des Alten sich der Zukunft zuzuwenden.
Doch erst muss wohl harte Arbeit geleistet werden. Ich muss innerlich und äußerlich loslassen. Das schmerzt. Und ich merke, so schüttle ich den vielen Staub von meinen Füßen, indem ich nach und nach die Abfalltonnen fülle.

Dann aber winken gute Aussichten, nämlich viel Freude und Heiliger Geist. Auch davon erzählt die Bibel. Und darauf vertraue ich.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auf Ihren Wegstücken gutes Gelingen, Freude und den Heiligen Geist.


7. Mai

Gedanken zum Sonntag

Von Pfarrer Stephan Bretschneider

Stephan Bretschneider ist Pfarrer für die Ev. Stadtkirchengemeinde Hofgeismar.

Die aktuellen Zeiten sind nicht gerade rosig und eher selten ein Grund zum Jubeln. Sie wissen schon, woran ich denke. Und dann kommt morgen ein Sonntag daher, der seit alters den Namen Jubilate trägt – Jubilate: Jubelt, freut euch! Klingt doch eher unpassend in dieser Zeit, oder?
Aber dann frage ich mich: Hatten die Menschen früher mehr Grund zur Freude und zum Jubeln als wir Menschen heute? Wahrscheinlich war es so: Mal mehr und mal auch noch weniger.
Und ich frage mich auch: Was bedeutet eigentlich Jubel und Freude? Ist damit nur die ausgelassene Freude und der große Jubel gemeint nach einem tollen Tor beim Fußballspiel oder nach einem grandiosen Auftritt der Lieblingsband? Oder gibt es auch noch eine andere Art des Jubels und der Freude?

Ich lese immer wieder gerne in den Psalmen der Bibel. Dies sind alte Gedichte und Lieder voller Lebensweisheit und Gottvertrauen. Manche davon sind geprägt von Jubel und Lebensfreude, andere von Klage und Trauer. Und dann gibt es auch jene, die mit der Klage vor Gott beginnen, die viel Not und Sorge zum Ausdruck bringen und die doch in Freude und Dankbarkeit und sogar Jubel enden.
Solch einen Psalm habe ich neulich (wieder-)entdeckt. Seine Worte haben mir gut getan: Aus der Klage zur Freude, aus der Sorge zu neuem Mut, aus dem Tod zum Leben.

Greifen Sie doch einfach (wieder mal) zur Bibel und lesen Sie z.B. Psalm 13, Vers für Vers. Vielleicht tun Ihnen diese Worte auch so gut wie mir – heute, morgen, am Sonntag Jubilate, in dieser Zeit.


Glaubenssache
Im Labyrinth

Von Pfarrer Oliver Jusek

Oliver Jusek ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Elbenberg.

Es ist echt warm. Die Sonne brennt und es gibt keinen Schatten. Ich bin in der siebten Klasse und wir machen gerade einen Schüleraustausch. Eine Woche sind wir in England. Sprechen die Sprache kaum und sind bei uns völlig fremden Familien untergebracht. Und jetzt dieser Ausflug. In einen echten englischen Garten. Der hat ein Labyrinth. Natürlich hat der ein Labyrinth. Mitten drin stehen wir gerade. Keine Ahnung wo es langgeht. Es ist echt warm. Die Sonne brennt. In einem Labyrinth gibt es keinen Schatten. Sackgasse für Sackgasse laufen wir durch diese immergleichen grünen Gänge. Plötzlich kommt uns ein Mann in grüner Arbeitskleidung entgegen. Er ist schon etwas älter. Sonnengebräunt. Er lächelt uns freundlich und auch ein bisschen verschmitzt an. Er deutet uns an, dass wir ihm folgen sollen. Zwei Abzweigungen und wir sind draußen. Die Erleichterung spüre ich noch heute.

So einen freundlich lächelnden Menschen wünsche ich mir so manches mal in meinem Leben. Einen, der weiß wo es langgeht. Der mir den Weg zeigt. Dann wenn ich wieder das Gefühl habe: Niemand versteht mich so richtig. Ich weiß gar nicht wo ich lang muss.
Das hätte was. Zwei Abzweigungen und dann ist das Thema durch.  Doch zeigt die Erfahrung, dass das Leben so nicht funktioniert. In den allerseltensten Fällen taucht jemand auf und zeigt einem den Ausgang aus der Misere. Doch was mir damals im Labyrinth mindestens genauso geholfen hat, war der Mitschüler an meiner Seite. Ab und an haben wir heute noch Kontakt.

Ich hatte keine Ahnung wo lang. Aber ich war nicht allein.
So eine Begleitung sagt Gott dir zu! „Ich lasse dich nicht aus den Augen.“ Psalm 32,8


30. April

Glaubenssache:
In die Wolken

Von Pfarrerin Kathrin Wittich-Jung

Kathrin Wittich-Jung ist Pfarrerin und Studienleiterin am Evangelischen Studienseminar Hofgeismar in der Arbeitsstelle Gottesdienst. (Foto:medio.tv/schauderna)

Als Kind habe ich es geliebt: Im warmen Gras liegen und in den Himmel starren. Den blauen Himmel betrachten und gegen die Sonne blinzeln und Wolken anschauen. Je länger ich in die Wolken geschaut habe, umso mehr habe ich gesehen:
Einen großen Elefanten. Ein Herz. Drachen und Hasen.

Als Erwachsene liege ich nicht mehr im Gras und schaue in den Himmel. Anderes ist wichtiger: Die Welt. Und die Sorgen. Gedanken kreisen um den Krieg  in der Ukraine. Da ist kaum Platz für den Himmel. Und doch genieße ich es, wenn doch mal Zeit ist, in den Himmel zu blicken. In der Bibel heißt es: Wer Gott dient, den nimmt er mit Wohlgefallen an, und sein Gebet reicht bis in die Wolken.
Ein wunderbares Bild. Ich mag die Vorstellung, dass die Gebete so durch die Wolken hindurch gehen. Bis zu Gott. Er hört uns egal wie weit die Entfernung ist.

Manchmal suche ich mir bewusst Raum und Zeit für das Gebet. Dann kehre ich dem Alltag kurz den Rücken und werde still.
Dann kommt Ruhe in die aufgewühlte Seele. Da purzeln die Worte aus dem Herz und irgendwie kommt Klarheit ins Chaos. Das Herz wird leicht. Meine Worte ziehen hoch zu den Wolken und noch weiter.
Manchmal da gibt es noch nicht mal Worte für meine Gefühle. Dann sitze ich einfach nur da. Meine Gedanken sind weit weg und doch bei mir. Es fließen keine Worte nur Gedanken und die Gefühle. Einfach so. Zu ihm. Mein Geist ist offen und weit. Seine Ruhe kommt zu mir. Auf einmal kann ich meine Gedanken ordnen und finde neue Kraft und Mut. Und vielleicht ist es das, was hilft: Das Gefühl: Ich bin nicht allein. In diesen Tagen besonders.

16. April

Gedanken zum Sonntag:
Osterfreu(n)de

Von Pfarrerin Adelheid Römer-Bornmann

Adelheid Römer-Bornmann ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Niedermeiser und der Kreisklinik Hofgeismar.

Die Kinder haben Ferien. Die Sonne scheint. Der Frühling kündigt sich an. Viele machen Urlaub, genießen ihre freie Zeit. Für mich ist die Woche vor Ostern immer eine nachdenkliche Zeit. Eine Zeit der Vorbereitung und Feier zahlreicher Gottesdienste. In diesem Jahr haben Freundschaft, Leid, Tod und Auferstehung noch einmal ein besonderes Gesicht bekommen. Die Bilder und Nachrichten vom Krieg in der Ukraine erschrecken mich. Werden weitere Waffenlieferungen den Krieg wirklich beenden oder erhöhen sie nur die Zahl der Opfer? Wie wird es in Syrien und anderen Krisengebieten unserer Welt weitergehen? Wie können wir den Geflüchteten am besten helfen? Viele Fragen gehen mir durch den Kopf.

Hoffnungslosigkeit macht sich breit. - Da begegnet mir eine Freundin: „Du, sei mir nicht böse, aber in diesem Jahr bin ich bei der Osternachtsfeier nicht dabei. Die Kinder werden in unserem Garten Ostereier suchen. Das kennen sie noch nicht und ich möchte es gerne miterleben! Später beim Gottesdienst bin ich dann da!“ Sie strahlt über das ganze Gesicht. Ihre Fröhlichkeit ist ansteckend. Ich weiß, in ihrer Ferienwohnung hat sie Frauen und Kinder aus der Ukraine aufgenommen. Mit ihnen möchte sie den Ostermorgen feiern. Und neben all dem Schweren stellt sich auch bei mir Fröhlichkeit ein.

So einfach kann Osterfreude aussehen: im Miteinander von Menschen, die gemeinsam feiern! Davon möchte ich mich anstecken lassen. Die Gegensätze dieser Welt will ich aushalten. Die Hoffnung zum Guten will ich nicht aufgeben, denn: Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!


Glaubenssache:
Viel zu tun

Von Pfarrerin Katharina Ufholz

Katharina Ufholz ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Wolfhagen.

Es ist Anfang der Woche. Ich sitze an den Vorbereitungen für meine Ostergottesdienste. Um mich herum lauter Bücher und Hefte. Beim Lesen stoße ich auf einen Satz, der mir seitdem nicht aus dem Kopf geht: „Die Hoffnung hat viel zu tun in diesen Tagen.“

Sofort habe ich ein Bild vor Augen. Die Hoffnung, so ganz und gar menschlich. Ich stelle mir vor, wie sie durch die Welt eilt – mit hochgekrempelten Ärmeln und Schweiß auf der Stirn. Mit Händen, die helfen und Worten, die Mut machen wollen. Wo es am dunkelsten und die Verzweiflung am größten ist, dort will sie sein. Dort wird sie am meisten gebraucht. Und so bahnt sie sich ihren Weg durch Stacheldrahtzaun und sitzt selbst in den Trümmern zerstörter Städte.

Ostern ist das Fest der Hoffnung. Wir feiern, dass Jesus auferstanden ist. Das Leben hat den Tod besiegt. Für mich ist es immer ein besonderer Moment, wenn ich in der Osternacht zusammen mit anderen in der Kirche bin. Völlig im Dunkeln sitzen wir da. Dann wird endlich das Osterlicht entzündet und bringt Licht in die Dunkelheit. Und indem wir es einander weitergeben, wird der Raum allmählich heller und heller. Hoffnung breitet sich aus: Hoffnung auf Neubeginn, wo alles verloren scheint. Hoffnung auf neues Leben, wo wir umgeben sind vom Tod. Hoffnung auf Frieden mitten im Krieg.
„Die Hoffnung hat viel zu tun in diesen Tagen.“ Helfen wir ihr und geben, wo wir es können, ein Stück Hoffnung weiter.

9. April

Gedanken zum Sonntag:
Träume sind keine Schäume

Von Pfarrerin Anne Hammann

Vor einiger Zeit saß ich – meinen Gedanken nachhängend – in einem Cafe. Neben mir bemerkte ich ein Paar jüngeren Alters, das Kontakt suchend immer wieder zu mir herübersah. Als wir dann ins Gespräch kamen, fragte mich die Frau ziemlich bald, was ich denn beruflich so machte. Ich sagte ihr, dass ich Pfarrerin sei und ahnte nicht, welche Wendung diese Information in unseren Austausch bringen würde.

Innerhalb von wenigen Minuten erzählte mir die Frau ihr ganzes Leben, und so erfuhr ich, dass sie – da ihre Mutter schwer krank und ein Vater nie bekannt gewesen war – bei ihrer Tante aufwuchs. Als diese starb, war meine Gesprächspartnerin sehr traurig, denn sie hatte ihre Tante sehr geliebt. In einer der auf den endgültigen Abschied folgenden Nächte hatte die Trauernde einen Traum: Die Tante sei ihr erschienen und sie habe diese gefragt, wie lange sie selbst, die Träumerin, noch zu leben hätte. Da habe die Tante sich abgewandt, und ein weißes, einmal in der Mitte gefaltetes Blatt geholt, um es ihr zu überreichen. Als die Träumende dieses gerade entfalten wollte, um den Inhalt zu erfassen, wurde sie wach.
„Was bedeutet dieser Traum?“, fragte sie mich.
Ich überlegte eine Weile und sagte ihr dann: „Ich glaube, auf dem Blatt stand gar nichts, schon gar keine Zahl. Ihre Tante hat Sie in dieser Nacht besucht, um Ihnen mitzuteilen, dass Sie noch viel Zeit haben und jeden neuen Tag wie ein noch unbeschriebenes Blatt beginnen dürfen.“

Und das gilt, liebe Leser*innen, für uns alle. Im Glauben an Jesus Christus dürfen wir immer wieder neu beginnen.
Denn „Gott hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und ans Kreuz geheftet.“ (Kol.2,14)

Möge diese Gewissheit nicht nur inneren, sondern auch äußeren Frieden bringen – uns und der ganzen Welt. So wie John Lennon in seinem berühmten Lied „Imaging“ singt: „Imaging all the people sharing all the world….”
In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen gesegneten Palmsonntag!

Anne Hammann ist Schulpfarrerin an der Arnold-Bode-Schule in Kassel.


Glaubenssache:
Frieden schaffen…

Von Ursula Muth

Ursula Muth ist im Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Wolfhagen.

…ohne Waffen? Ob sie immer noch daran glaube, frage ich meine Schwester. Sie hat zusammen mit inzwischen 43000 Prominenten einen Aufruf gegen die Aufrüstung der BRD unterschrieben. Ich fand das schon immer bestechend klar – aber auch provozierend: Jede Waffenproduktion sei falsch, denn so würden Kriege angeheizt, Rüstungsfirmen reich und soziale Bereiche vernachlässigt. Mit Putins Angriff auf die Ukraine und erst recht jetzt angesichts der grausamen Kriegsbilder, die uns erreichen, steht der Pazifismus in der Kritik: Abschreckung, sogar Waffenlieferungen tun Not. Es scheint weltfremd und naiv, wenn die Evangelische Kirche in Deutschland seit 2019 fordert, „Jesus mit aktivem Gewaltverzicht zu folgen“.

Ich fürchte, wir haben gegen einen Machthaber, der für Vernunft nicht mehr zugänglich ist, ohne Abschreckung keine Chance. Putin sagte, man solle sich von der Vorstellung verabschieden, dass „die Guten“, also er, immer gewaltfrei sein müssten. Er sieht keine Bedrohung in der Osterweiterung der Nato, scheint mir, sondern will dem "historischen Schicksal Russlands" zu Gerechtigkeit verhelfen. Es geht ihm nicht um ein gemeinsames Aushandeln von Sicherheit und Gerechtigkeit.

Das mühselige Suchen von Wegen zu einem gedeihlichen Miteinander ist unsere Aufgabe als Christen. Wir haben die Hoffnung, Gewalt vermeiden zu können bzw. da zu minimieren, wo Androhung und Ausübung von Gewalt unvermeidlich sind. Es ist eine empfindliche Balance. Gut, dass es Pazifisten und Friedensgebete gibt, die zur Besinnung rufen und vor Gefahren gewaltsamer Auseinandersetzungen warnen.

2. April

Gedanken zum Sonntag:
Gold im Herzen

Von Pfarrer Markus Schnepel

Markus Schnepel ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Stadtkirchengemeinde Hofgeismar.

Ganz schön eisig. So mit nackten Füßen im Sand. Aber was für ein herrlicher Abend. Ich stehe am letzten Dienstagabend mit mehr als 20 Konfis auf dem Beachvolleyballfeld neben der Jugendherberge Helmarshausen. Die Abendsonne taucht uns in goldenes Licht. Was wir da spielen, kann man nicht wirklich Volleyball nennen. Es ist eher Quatschball. Und es macht allen einen Riesenspaß. Mir auch. Da wird gealbert und gekichert, wie ich es lange vermisst habe.

Eine wild zusammengewürfelte Gruppe von 8. Klässlern, die sich so vorher auch noch nicht getroffen hatten, da wir wegen Corona streng getrennt in Gruppen unterrichten. „Geht das denn?“, fährt es mir durch die Knochen. Ist das wirklich verantwortlich angesichts der hohen Inzidenzen? Können wir das denn so unbeschwert genießen, wo andere vor dem Krieg flüchten müssen? Wir haben es gewagt. Wir haben gehört und gespürt, dass wir Gottes geliebte Kinder sind.

In einer bewegenden Tauferinnerungsfeier haben wir es uns gegenseitig zugesagt und mit einem Wasserkreuz in die Hand geschrieben. Wir nehmen es als Proviant in Seele und Herz auf. Für die Tage, in denen uns das Gold der Sonne ausgeht und uns nicht mehr nach Kichern zumute ist. Ihr wart super, Konfis! Gott sei Dank, dass es euch gibt!


Glaubenssache:
Versteckspiel oder was dahinter?

Von Gemeindereferent Alexander von Rüden

Alexander von Rüden ist Gemeindereferent im katholischen Pastoralverbund St. Heimerad Wolfhager Land.

„Wo hat sich denn der Vitus versteckt?“ – Ich spiele mit meinem dreijährigen Sohn Verstecken. Er hat sich ein Tuch über den Kopf gelegt und meint, nun sei er unsichtbar. Irgendwann hebe ich es langsam hoch, und ich blicke in ein strahlendes Gesicht. Vitus greift zu neuem Verhüllmaterial – Tüchern und Decken – und hält tapfer die Spannung aus, bis ich ihn finde.

Um ein Verhüllen anderer Art geht es ab heute in den katholischen Kirchen: Die Kreuze werden mit einem violetten Tuch zugehängt. Jetzt sind es nur noch zwei Wochen bis Ostern. Die Kreuzverhüllung macht diese letzte Etappe der Vorbereitungszeit optisch sichtbar: Unsere Augen fasten nun eine sonst gewohnte Ansicht. Genau darin liegt das Ansinnen, durch die Verhüllung bewusst auf das Kreuz dahinter hinzuweisen und es wieder neu in den Blickpunkt zu rücken.
Für mich versinnbildlicht das Verhüllen der Kreuze noch etwas anderes: Ich vertraue darauf, dass Gott da ist, auch wenn ich in gerade nicht sehen, nicht spüren kann. Warum gehen die Kriegswirren ständig weiter? Warum kehrt kein Friede ein? Ich weiß es nicht und verstehe es nicht! Auch Menschen, von denen die Bibel berichtet, hatten ihre Zweifel und Nöte: Mose, Elija, Hiob, die Emmausjünger …

Letztlich stellte sich immer heraus: Gott ist und bleibt und geht mit an der Seite der Geschundenen. Auch in der Finsternis. Auch im Verborgenen. Auch in der Dunkelheit der Geschichte. Mir bleibt da nur das Vertrauen, dass das auch jetzt so ist und die Menschen nicht allein ihrem Schicksal überlassen sind.
„Wo ist der Vitus?“ – „Da!“
Wo ist Gott? Er ist da!


26. März

Glaubenssache:
Vater, vergib!

Von Pfarrer Karl-Alfred Dautermann

Porträt Karl-Alfred DautermannPfarrer Karl-Alfred Dautermann ist Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Wolfhagen-Ippinghausen und Bad Arolsen. (Foto: privat)

"Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!" (Lukas 23,24) – ein alter Passionstext läuft mir über den Weg. Ja wirklich, sie wissen nicht was sie tun! Es gibt so Vieles, was mich richtig aufregt und manchmal wütend macht, manchmal ohnmächtig.

Die immerwährende Pandemie mit ihren widerstreitenden Meinungen. Und jetzt der schreckliche Krieg, der so viel Leid über alle Welt bringt und wahrscheinlich noch bringen wird. Als ob wir nicht schon genug Kummer hätten. Der Klimawandel wartet ja nicht und meine vermüllte Umwelt zeigt mir unsere Gedankenlosigkeit auf Schritt und Tritt. Hat meine Generation (ich bin Jahrgang 1961) vielleicht auf der ganzen Linie versagt? Waren wir wirklich so naiv, nach Mauerfall und neuen globalen Chancen zu glauben, unser Glück würde auf ewig halten?

Vergebt uns! Die Rechnung bezahlen die, denen wir diese Welt übergeben, unsere Kinder und Enkelkinder.

Ertragen kann ich das nur, weil mir schon vergeben ist. Es ist Jesus Christus, der diesen Satz von der Vergebung spricht. Da haben sie ihn schon angenagelt ans Kreuz, unschuldig verurteilt von den Mächtigen seiner Zeit. Sie ahnen nicht, dass er auch für sie stirbt, für die Schuld der ganzen Welt. Von dieser Vergebung lebe auch ich. Das enthebt mich nicht meiner Verantwortung für meine Zeit, für meine Welt.

Ich bin dankbar für alle, die erneut und immer wieder Verantwortung übernehmen und zupacken. Denn die Kriegsherren und Zerstörer werden eines Tages diese Welt auch wieder verlassen. Wie aber sollen die Völker wieder zusammenfinden, wenn nicht durch Versöhnung? Jesus Christus hat es uns vorgemacht. Dafür lasst uns beten und arbeiten. Herr, erbarme dich! Christus erbarme dich!

19. März

Gedanken zum Sonntag:
Frieden stiften

Von Pfarrer Dr. Jochen Gerlach

Dr. Jochen Gerlach ist leitender Pfarrer in der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen.

"Selig sind die Frieden stiften", vertritt Jesus in der Bergpredigt. Dies ist die Grundhaltung von Christinnen und Christen mit vielen anderen in der Friedensbewegung. Es ist die tiefe Überzeugung und Erfahrung, dass nur Prävention, Dialog und der Verzicht auf Drohungen den Frieden erhalten kann und dass es keine Rechtfertigung für Krieg gibt. Militärische Gewalt kann nur das allerallerletzte Mittel sein, um noch schlimmeres Leid zu verhindern - so etwa im März 1999 die Bombardierung Serbiens, um die grausamen Tötungen der Albaner im Kosovo zu stoppen.

Entsetzt sehen wir die Bilder, wie die russische Armee in der Ukraine Wohnungen, Krankenhäuser, Kindergärten zerstört und unzählige Menschen tötet. Die russische Führung will den Widerstand der ukrainischen Kämpferinnen und Soldaten, den Mut aller Freiwilligen, den Durchhaltewillen aller Bürgerinnen und Bürger brechen. Diesen Widerstand habe ich genau wie viele andere seit dem Beginn des Krieges bewundert, ihre Tapferkeit, ihren Mut, die Entschlossenheit, das eigene Land und die eigene Freiheit zu verteidigen. Das Recht auf Widerstand begründet auch die Waffenlieferungen an die Kämpferinnen und Kämpfer. Das Gesetz von Gewalt und gewaltsamen Widerstand führt aber zu einer „Spirale der Gewalt“, unter der die ukrainische Bevölkerung leidet und die wir medial miterleben. Sie führt - wenn sie weiterläuft - bis zur völligen Zerstörung und Erschöpfung durch ein beidseitiges Ausbluten.

Christliche Friedensethik spricht Widerstandskämpferinnen und -kämpfern nicht ihr Recht ab, ihr Land zu verteidigen. Sie verbietet auch nicht, sie zu unterstützen. Aber die Einstellung Jesu trägt viel Realismus in sich, weil er weiß, wohin die Wege der Gewalt führen. Es gibt erste Hoffnungszeichen, dass Verhandlungen, die Frieden stiften, aufgenommen werden. Hier werden schmerzhafte Kompromisse ausgelotet, die die Ansprüche der Großmächte und das Recht auf Selbstbestimmung der Ukrainer berücksichtigten. Dies ist allemal besser als das gegenseitige Töten und die schrecklichen Zerstörungen.

Uns bleibt das Gebet um Frieden und die Aufgabe, den flüchtenden Menschen mit viel Einsatz und Geld zu helfen, und die Bereitschaft, die Lasten der Sanktionen auch langfristig zu tragen.


Glaubenssache:
Verleih uns Frieden!

Von Prädikant Günther Dreisbach

Kirchenrat Günther Dreisbach ist Prädikant in der Evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen.

Die christliche Gemeinde singt so: »Verleih uns Frieden gnädiglich«. Seit es die christliche Gemeinde gibt, singt sie für den Frieden. In den römischen Katakomben und in den Hungerlagern Sibiriens. Am Ufer des Mississippi und im Konzentrationslager in Auschwitz. In den Kindergärten und auf dem Friedhof. Beim monatlichen Friedensgebet im kleinen Kreis in der Kirche und mit 250 Menschen auf dem Marktplatz. Na und? Was bringt es?

Klar fragen wir so. Und es ist gut, dass wir so fragen. Ich finde die Antwort in der Weihnachtsgeschichte. Da singen die Engel über dem Hirtenfeld von Bethlehem: »Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.« Das heißt doch: Je mehr Gott die Ehre bekommt, umso mehr Chancen hat der Friede. Und je mehr Gott vergessen, missachtet wird, desto mehr Unfrieden und Unzufriedenheit wird es geben. Dieses Grundgesetz müssen wir deutlich machen in diesem Jahr 2022 nach Christus, nach dem Gesang der Engel in einem Land, das schon so lange wieder von Unfrieden geplagt ist.

Ich bin mitschuldig. Ich habe zu wenig für den Frieden und für die Politiker gebetet. Alle vier Wochen in der Stadtkirche, zwar ökumenisch, aber das war zu wenig. Ich weiß es doch: Nur Gott kann ein verfinstertes Herz erhellen, wie das von Wladimir Putin. Ich glaube: Die Umkehr zu Gott ist die einzige Chance für den Frieden. Gott loben, das ist unser Amt. Beten wir weiter intensiv für den Frieden. Intensiver als bisher. Nicht nur auf dem Marktplatz. Nicht nur in der Kirche. Auch zu Hause, als Mittagsgebet oder ... Hören Sie bitte nicht auf zu beten für den Frieden.

12. März

Gedanken zum Sonntag

Von Pfarrer Jonathan Bergau

Jonathan Bergau ist Pfarrer für die evangelischen Kirchengemeinden Oedelsheim, Gieselwerder, Heisebeck und Arenborn.

Drei Fragezeichen stehen vor mir auf dem Bildschirm. Zu mehr habe ich es noch nicht gebracht. Dabei will ich doch die Andacht schreiben. Was ist jetzt dran, was ist richtig? Die Gedanken schwirren in meinem Kopf. Ich schaue die Nachrichten, lese die Neuigkeiten und bleibe mit meinem Fragezeichen sitzen. Ich möchte doch etwas tun, möchte dazu beitragen, dass das Furchtbare ein bisschen gelindert wird.

Etwas zu tun, tut gut. Ich kann spenden, Wohnraum dem Landkreis anbieten und...??? Da sind sie wieder, meine drei Fragezeichen. In all dem spüre ich eine Leere. Ist es richtig, diese Leere zuzulassen, nicht zu wissen, was das absolut Richtige ist? Ich würde jetzt gerne eine Leerzeile einziehen, eine Pause in all dem Denken, in all den Gesprächen, in all den vielen Aktivitäten. Zur Ruhe kommen, zu mir und schließlich zu Gott. Mir ist aufgefallen, dass sich Jesus in den biblischen Geschichten immer mal zurückzieht: zum Beten, aber auch zum Ausruhen. Ich suche diese, die meine Fragen zulassen.

Einer dieser Zufluchtsorte sind die Friedensgebete, die in vielen Gemeinden an verschiedenen Tagen und Orten gestaltet werden. Es geht bei diesen Gebeten nicht um Antworten, auch nicht um Vertröstung. Die Friedensgebete möchten Freiraum bieten für eigene Gedanken, für Zweifel und Fragen, auch für Hoffnung in Gegenwart des lebendigen Gottes.

Ich wünsche Ihnen, dass sie Gelegenheiten finden, mit ihren Fragezeichen nicht allein zu bleiben.


Glaubenssache

Von Lektorin Maryam Parikhahzarmehr

Maryam Parikhahzarmehr ist Lektorin in der Ev. Kirchengemeinde Wolfhagen.

Eure Heiligkeit Kyrill I.,
in großer Sorge um den Frieden in der Welt und besonders in der Ukraine wende ich mich an Sie, den Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche. Wir haben die gleichen Grundlagen für unseren Glauben. Wir vertrauen beide auf die Botschaft der Engel, die in Bethlehem über dem Jesuskind den Frieden verkündigt haben.

Ich bitte Sie inständig: Wirken Sie auf Präsident Putin ein, dass er den Krieg gegen die Menschen in der Ukraine beendet. Die Menschen sind doch unsere Schwestern und Brüder. Gott will doch nicht, dass ein Mensch den anderen tötet. Das muss man doch dem Präsidenten des großen Russlands deutlich machen können. Ich habe im Internet so schöne Bilder gesehen, die Eure Heiligkeit und den Präsidenten zeigen. Ich gewinne den Eindruck, dass es Ihnen gelingen kann, dass es Ihnen gelingen muss, friedlichen Einfluss zu nehmen.

Bitte tun Sie das. So viele Mütter in Russland und in der Ukraine und in der ganzen Welt werden es Ihnen danken. Und so viele Menschen, die sich darauf verlassen, dass wir, die wir in Christus verbunden sind, Boten des Friedens sind. »Du sollst nicht töten« hat der allmächtige Gott der Welt befohlen. Wie will Präsident Putin einst in der Ewigkeit vor dem lebendigen Gott sein Tun verteidigen? Ich weiß es nicht. Ich bin ratlos. Bitte tun Sie etwas für den Frieden. Bitte tun Sie etwas für Ihre und  meine Schwestern und Brüder in Christus. Bitte helfen Sie, dass – wie die Propheten des Alten Testamentes verheißen haben – Schwerter zu Pflugscharen werden.

Danke für Ihren Einsatz für den Frieden, Eure Heiligkeit!


5. März

Gedanken zum Sonntag

Von Pfarrerin Ulrike Bundschuh

Ulrike Bundschuh ist Diakoniepfarrerin im Landkreis Kassel.

Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein – so sagten es drei Jahre nach dem 2. Weltkrieg Christinnen und Christen. Das Leid und die Zerstörungen wirkten fort. Bis heute! Nun schauen wir mit Entsetzen auf den Krieg, der seit dem 24. Februar in der Ukraine stattfindet. Nein: Krieg SOLL nicht sein – nach Gottes Willen! Damals nicht und heute nicht. Und doch findet er statt. Die Gewalt eskaliert, Menschen sind zu Tode gekommen, Soldaten und Zivilbevölkerung. Häuser, Städte und Lebensgrundlagen werden zerstört. Hunderttausende von Menschen sind auf der Flucht.

Was können wir tun, damit es wieder Frieden werden kann? Der Wochenspruch für den ersten Sonntag in der Passionszeit weist uns den Weg: „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ (1. Johannesbrief 3, 8b). Zu den Werken der Macht, die Verwirrung stiftet und Böses hervorbringt, gehören die Versprechungen, dass man sich mit Gewalt durchsetzen kann. Dass Größe sich in Brutalität und Erbarmungslosigkeit zeige. Das Gegenteil ist der Fall: Jesus lebt gewaltfrei. Die, die Frieden stiften, werden von ihm gepriesen.

Unsere Aufgabe ist es, alles zu tun, damit die Spirale der Gewalt beendet wird: mit Friedensgebeten, mit Gesprächen hier bei uns, mit Unterstützung für die Opfer dieses Krieges.
Wir sind mit den Christinnen und Christen in Osteuropa durch unseren Glauben verbunden. Lassen Sie uns füreinander und miteinander in dieser Passionszeit beten: Gott, richte unsere Füße auf den Weg des Friedens!


Glaubenssache:
Er ist unser Friede

Von Jürgen Krackrügge

Jürgen Krackrügge ist Mitarbeiter in der Freien evangelischen Gemeinde in Ippinghausen.

In großen Buchstaben prangte dieses Zitat aus dem Epheserbrief ( Eph.2,14) an der Kopfwand des Gemeindesaales meiner Heimatgemeinde. Dieses Bibelwort kam mir in den Sinn, als ich mir Gedanken für diesen Artikel der „Glaubenssache“ machte.
Mit großer Erschütterung und Trauer verfolge ich das furchtbare Kriegsgeschehen in der Ukraine, und mir kommen die Tränen, wenn ich im Fernsehen die zerrissenen Familien sehe, die getrennt auf der Flucht sind. Ich versuche mich, in ihre Lage hineinzuversetzen. Der Vater bleibt zurück, um sein Land gegen den Aggressor zu verteidigen, die Mutter mit den kleinen Kindern versucht sich, über die Grenze ins Nachbarland in Sicherheit zu bringen. Was ist das doch für eine große Not!

Ich bekomme es mit der Angst zu tun gerade im Blick auf die Generation meiner Kinder und Enkelkinder, wenn ein Präsident Putin seinen Finger an den Abzugshebel des tödlichen Atomwaffenarsenals legt. Wie ohnmächtig komme mir vor!
Und dann fällt mir ein Zitat des evangelischen Pfarrers Reinhold Schneider ein, der in der Zeit der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus in unserem Land das Gedicht schrieb: „Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unseren Häuptern aufzuhalten und diese Welt den richtenden Gewalten durch ein geheiligt Leben abzuringen.“

Im Kern spricht Schneider hier genau das aus, was Jesus Christus seiner Gemeinde aufgetragen hat. Wir sind zum Gebet für den Frieden aufgerufen. Und ich möchte Sie einladen, dass Sie persönlich oder auch in Gemeinschaft mit anderen Christen für den Frieden beten. Seien Sie sicher: Gott hört Ihr Gebet.


26. Februar

Gedanken zum Sonntag:
Gedanken zum Krieg

Von Pfarrer Martin Schöppe

Martin Schöppe ist Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Peter in Hofgeismar.

Es fällt mir schwer diese Gedanken zum Sonntag zu schreiben. Es fällt mir schwer, Gedanken über den Ruhetag der Woche, die aufblühende Natur im Frühling oder das Miteinander der Menschen zu schreiben. Ich tue es nicht.

Russland hat die Ukraine angegriffen und in Europa ist Krieg. Menschen sind an Leib und Leben bedroht, sind auf der Flucht und ihrer Existenzgrundlage beraubt. Ich bin erschüttert und erinnere mich daran, dass wir Menschen leider genau so sind. Allzuoft siegt die Lüge und das Unrecht des Stärkeren über die Stärke des Rechts und der Freiheit.

Was kann ich tun? Demokratie und Freiheit in meinem Alltag fördern, Menschen in der Ukraine unterstützen, besonder die, die jetzt flüchten müssen. Und wenn ich an einen Gott glaube, ganz gleich in welcher Religion: ein Gebet sprechen.


Glaubenssache:
Gib Frieden!

Von Pfarrerin Kathrin Wittich-Jung

Kathrin Wittich-Jung ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Wolfhagen. (Foto: medio.tv/schauderna)

Als ich am Donnerstagmorgen die Nachrichten hörte, stockte mir das Herz: In Europa fallen Bomben!
Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Ukraine von mehreren Seiten angegriffen. Ich höre von Bomben und Explosionen. Der Kriegszustand ist ausgerufen. Krieg in der Ukraine. Krieg in Europa. Mir stockt das Herz. Und ich verstehe die Welt nicht mehr.

Bis jetzt habe ich in einem friedlichen Europa gelebt. Auf einmal befällt mich Angst und Wut. Dass da einer den Krieg befeuert und nicht mehr für gute Worte und Diplomatie zugänglich war, kann ich kaum verstehen. Mein Herz stockt und ich denke an die Menschen im Kriegsgebiet. Menschen, wie Du und ich. Ihr Leben ist aus den Fugen geraten. Sie haben Angst ums Überleben und um die Menschen, die kämpfen. Viele Menschen versuchen, die Ukraine, ihre Heimat, zu verlassen. Der Krieg zerstört alle ihre Hoffnung. Hoffnung auf Freiheit, Demokratie und Frieden in der Ukraine. Die geordnete Welt zerbricht in tausend Scherben.

Können wir eigentlich nichts lernen aus der Geschichte? Müssen wir immer wieder Krieg befeuern? Am Rad von Hass und Gewalt drehen? Es ist zum Verzweifeln!
Ich bete heute und in diesen Tagen aus tiefstem Herzen für die Menschen in der Ukraine. Dass sie die Hoffnung nicht verlieren. Gott möge ihnen Kraft und Trost geben. Und ich bete für die Kriegstreiber: Dass sie Einsicht finden und ihre Herzen weich werden. Dass sich der Friede in ihren Köpfen und Herzen breit machen möge.

Gib Frieden, Gott! Wir bitten! Aus vollem Herzen und mit ganzer Seele. Ach, Gott!


19. Februar

Gedanken zum Sonntag:
Wirklich Zuhören

Von Pfarrerin Renate Wollert

Renate Wollert ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Ehrsten.

„Sag mal, hörst du mir überhaupt zu?“ Bestimmt haben Sie das auch schon bei einem Gespräch gefragt, wenn ihr Gegenüber den Blick zu lange aus dem Fenster hat schweifen lassen. „Klar, natürlich!“ ist dann die empörte Antwort. Ob das dann auch so war, sei mal dahin gestellt.

Wenn wir etwas erzählen, dann möchten wir gehört werden. Zuhören – das geschieht scheinbar automatisch, ist aber nicht selbstverständlich. Und wenn wir ehrlich sind, kennen wir das nicht nur von unserem Gesprächspartner. Wie schnell sind wir in Gedanken bei uns selbst und nicht mehr beim anderen.

Auch auf Gottes Wort zu hören ist nicht selbstverständlich. „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet euer Herz nicht.“, so beschreibt dies der Hebräerbrief. Mit Gottes Stimme ist das ja nicht so einfach wie mit einem Menschen, der uns gegenüber sitzt.

Um auf Gott zu hören, muss ich mir Zeit nehmen und Ruhe gönnen. Dabei darf ich dann ruhig aus dem Fenster schauen. Ich kann einmal die Bibel zur Hand nehmen. Ich kann in eine Kirche gehen, kann einen Gottesdienst mitfeiern, in diesen Zeiten auch digital.
Zuhören, um mehr bei mir selbst zu sein ist kein Widerspruch. Mit einem offenen Herzen und offenen Ohren bin ich ganz bei mir, und gleichzeitig ganz bei Gott.


Glaubenssache:
„Es lebe die Freiheit!“

Von Pfarrer Lars Bachmann

Es gibt letzte Worte, die einem durch Mark und Bein gehen. Diese Worte in Verbindung mit einem Leben und Wirken können zur authentischen Orientierung werden. Vor allem dann, wenn sie im Angesicht von „grauenvollstem und jegliches Maß unendlich überschreitendem Verbrechen“ gerade und frei durch’s Leben gegangen sind. Und wenn sie es geschafft haben, durch einen harten Geist ein weiches Herz zu bewahren. Hans Scholl und seine Schwester Sophie waren dazu vor 79 Jahren in der Lage.

Als bekennende Christen sind sie aufrecht vor ihren Ankläger getreten, wohl wissend, dass das Urteil in diesem Schauprozess bereits feststand. Wie befreiend kann es sein, wenn solche Worte, solche Menschen wie ein Stachel in meinem Kopf und Herz sind. Verhindern sie nicht, dass das Mark aus meinem Innersten gesogen wird? Sind sie nicht „lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert“, das die Dornen des Zorns und des Neids zerschlägt? Bewahren sie uns nicht davor, vom Liberalen ins Libertäre abzugleiten? Schenken sie uns nicht Hoffnung und Zuversicht, so dass es gelingen kann, mich selbst und meinen Nächsten zu lieben?

Vielleicht bin ich aber auch nur wie der Apostel Paulus ein Narr, der davon überzeugt ist, dass Gesundheit und Freiheit keine Gegensätze sind und dass das eine nicht über dem anderen steht.
Das sprechende Zeugnis von Menschen der Geschwister Scholl möge immer wieder mein Herz und meinen Geist erfüllen, damit es aufgeht und hundertfach Frucht bringt. Oder wie es Jesus uns im Evangelium sagt: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ (Lukas 8,8)

Lars Bachmann ist evangelischer Pfarrer an der Herwig-Blankertz-Schule in Wolfhagen.

12. Februar

Gedanken zum Sonntag:
Ist „dabei sein“ alles?

Von Pfarrer Daniel Fricke

Daniel Fricke ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Bad Karlshafen-Helmarshausen.

Ein bekanntes olympisches Motto lautet: „Dabei sein ist alles“. Es wird ganz häufig denjenigen gesagt, die nicht als erste ins Ziel kommen. Manche Teilnehmer sagen es sich auch selbst zum Trost.

Wer sportlichen Ehrgeiz hat und wer sich mit anderen messen will, der will auch gewinnen. „Dabei sein“ ist sicher etwas Besonderes gerade bei Olympia. Nicht jeder schafft die Qualifikation. Man kann sich mit den Weltbesten messen. Da ist ein besonderes Flair. Alle kommen friedlich zusammen. Die Eindrücke nimmt einem keiner. Auch wenn es dieses Mal viele Störfeuer außerhalb des Sports gibt. Dennoch kann nur einer oder eine ganz oben stehen.

Ich erinnere mich an die Sommerspiele im letzten Jahr. Eine sehr junge chinesische Schützin kam ins Finale. Sie war gut und wurde am Ende zweite. Aber da war keine Freude und kein Jubel. Man merkte nur eine ganz große Verunsicherung. Sie war angetreten, um zu siegen, das erwarteten alle von ihr. Verlieren war nicht vorgesehen. Verlieren war nichts.
Es platzen wohl deutlich mehr Träume bei Olympia, als sie sich erfüllen. Ich wünsche allen Verlierern, dass sie jemanden haben, der sie hält. Geborgensein ist alles, ist mein Motto. So lesen wir in den Psalmen über Gott: „Von allem Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ (Psalm 139,5)


Glaubenssache:
Totholz

Von Pfarrer i.R. Ulrich Trzeciok

„Mein Vater hat mir einst beigebracht, dass Holz frühzeitig gesägt und gespalten werden müsse, um zu trocknen und seine Heizkraft zu erhalten. Holz, das dagegen lange im Wald liegt, habe als Brennholz keinen Wert.“ So habe ich es dieser Tage in einem Zeitungsbeitrag gelesen.

In der Kirche hat sich im Lauf der Zeit eine Menge an „totem Holz“ angesammelt, das noch dasteht oder schon herumliegt und vermodert. Wenn man es aufarbeiten würde, könnte es Energie für notwendige Erneuerungen liefern. Die ersten Christen sind ja nicht unter dem Bild einer Holzplantage angetreten, sondern wurden von den anderen als „Der neue Weg“ bezeichnet (Apostelgeschichte). Einen neuen Weg muss die Kirche jetzt weiter gehen. Er kann auch zurück führen zum Anfang –verheiratete Priester und Bischöfe, synodale Verfassung, das gab es schon- aber auch weiterführen –Gleichstellung der Frauen bei den Weiheämtern.  Und was schon vermodert ist, Sexualstraftaten an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, das muss gründlich aufgearbeitet und fortgeschafft werden.

Ich wünsche unserer katholischen Kirche –nicht nur in Deutschland- dass sie auf einem neuen Weg mutig vorangeht. Das wird nur gelingen, wenn wir mitgehen und nicht austreten.

Ulrich Trzeciok ist Stadtpfarrer im Ruhestand und Geistlicher Rat aus Naumburg.

 5. Februar

Gedanken zum Sonntag:
Licht empfangen und sein     

Von Pfarrer Karl Waldeck

Karl Waldeck ist Pfarrer und Direktor der Ev. Akademie Hofgeismar. (Foto: medio.tv/schauderna)

In diesen Wochen werden die Tage länger; das Licht gewinnt die Überhand. Es ist das Licht, das Gott als erstes schafft, folgt man der Bibel bereits auf ihren ersten Seiten, Ohne Licht gibt es kein Leben, weder Pflanze, Tier oder Mensch. Diese Erkenntnis verbindet Wissenschaft und Religion.

Auch im Neuen Testament spielt das Licht eine große Rolle: „Ich bin das Licht der Welt“, sagt Jesus. „Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern das Licht des Lebens hat.“ Wer Jesus, seiner Botschaft der Liebe nachfolgt, bleibt im Licht und hat eine gute Orientierung, auch wenn das Leben durch dunkle, unübersichtliche Etappen führt.

Jesus spricht von sich als Licht. Zugleich mutet und traut er es auch seinen Jüngerinnen und Jüngern zu, Licht zu sein: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Das klingt anspruchsvoll. Sollte es mir kleinem Licht gelingen gegen die Dunkelheit dieser Welt anzukommen?  Licht sein zu wollen, muss nicht überfordern. Licht vermag das Leben bereits im Kleinen verändern: Ein gutes Wort, ein strahlendes Lächeln kann die Stimmung in einem Gespräch verändern – in der Familie genauso wie am Arbeitsplatz. Es tut gut, das Licht dankbar von Gott anzunehmen und es weiterzugeben.


Glaubenssache:
Gebet und Siri

Von Lektor Günter Schnellenpfeil

Günter Schnellenpfeil ist Lektor der Gemeinden Balhorn/Altenstädt in der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche.

„Hey Siri, stell mal den Timer auf 20 Minuten!“ „20 Minuten, der Countdown läuft!“ antwortet mir eine Frauenstimme. Siri nutze ich oft, sei es zur Erstellung von Erinnerungen, Terminen oder auch zum Anrufen. Siri ist eine Sprachsteuerungsassistentin eines Elektronikherstellers. Sie erleichtert meinen Telefon-Alltag. Die aktuelle Tätigkeit muss ich nicht unterbrechen.

Wie schön wäre es eigentlich, wenn ich mich im Alltag, so mit Gott unterhalten könnte.
ER sagt mir, welchen Schritt ich zunächst gehen soll. Direkt antworten – wie Siri! Aber halt: ich spreche doch schon zu Gott in meinen täglichen Gebeten. Antwortet er mir dort etwa nicht? Natürlich antwortet Gott mir, zwar nicht immer sofort. ER ist kein Automat. Vermutlich bin ich im Alltagstrott so versunken, dass ich ihn nicht höre, geschweige denn wahrnehme. Bin ich taub oder rastlos?

Beim Nachdenken fällt mir der Bibelvers ein: Mt. 6 v 6: Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu, und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir´s vergelten. Darüber hab ich mir kaum Gedanken gemacht. Dieses Gotteswort hat etwas Beruhigendes. Einfach mal auf Gott hören und mit ihm sprechen - allein im Raum. Eine Kerze zünde ich an und setzte mich. Spüre meine Unruhe. Dann schalte ich das Handy aus, werde ruhiger und bitte Gott, dass er mir Ohren gebe, die seine Stimme hören: Zeit mit dem himmlischen Vater, ganz ohne Siri – und wesentlich wertvoller. Nach dieser Zeit denke ich: Das hat Verheißung, Gott zu suchen in der Stille meiner „Kammer“.


29. Januar

Glaubenssache:
Ihre Würde blieb!

Von Pfarrer Dr. Michael Dorhs

Dr. Michael Dorhs ist evangelischer Pfarrer und Referatsleiter für Schule und Unterricht der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. (Foto: medio.tv/Schauderna)

In der Schule musste sie immer allein in einer Ecke sitzen, getrennt von den anderen Kindern. Nur vom christlichen Religionsunterricht war sie befreit. Allerdings wurden dort ihre Mitschüler mit antisemitischen Karikaturen aus dem „Stürmer“ so aufgehetzt, dass ihr in den Stunden danach blanker Hass entgegenschlug.

Angespuckt wurde sie und ihr das Butterbrot aus der Hand geschlagen. Nein, verstanden haben wird sie es nicht. Wie hätte sie das auch sollen? Sie hatte ja nichts Schlimmes getan. Zehn Jahre lang war sie ein ganz normales „Brünsker Mäken“ gewesen. Dann, 1933, von einem Tag auf den anderen, war sie nicht mehr das „Mäken“ aus der Nachbarschaft, sondern nur noch ein „Jüdenwanst“, kein Mensch mehr, sondern ein „Untermensch“. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, wie einsam und verzweifelt sie sich gefühlt haben muss. Irma Hamberg aus Breuna – ein Schicksal von vielen in Nordhessen. Sieben Jahre dauerte ihr Martyrium. Dann entkam sie ihren Peinigern in die USA, seelisch verwundet für den Rest ihres Lebens – aber immerhin: Sie hatte überlebt!

Anders als z.B. Denny Rosenstein aus Wolfhagen, dessen nur zweijähriges Leben an der Rampe in Auschwitz endete. Anders auch als Inge Lichtenstein aus Volkmarsen, Heinz Rothschild aus Zierenberg oder Walter Plaut aus Naumburg – alle erschlagen, erschossen, vergast oder verhungert in deutschen Ghettos und Konzentrationslagern.

Ungefähr anderthalb Millionen jüdische Kinder wurden im Holocaust vernichtet und mit ihnen ihre Träume von einem gelingenden Leben. Anderthalb Millionen Jungen und Mädchen, die nie erleben durften, was es heißt, frei und menschenwürdig aufzuwachsen. „Seht, welch ein Mensch!“ sagt Pilatus angesichts des gefolterten und gedemütigten Juden Jesus (Joh 19,5). Vielleicht weil im Leiden eines Menschen etwas von seiner Menschlichkeit sichtbar wird. So, wie in den gedemütigten Gesichtern jüdischer Kinder etwas aufscheint von ihrer Würde als Gottes Ebenbilder. Freiheit und Leben konnten die Nazis ihnen nehmen – ihre Würde nicht! Wenn wir anlässlich des Holocaust-Gedenktages in ihren-unseren Orten an sie erinnern, dann zollen wir nicht nur ihnen, sondern auch Gott damit den Respekt, an dem es vielen unserer Vorväter und -mütter aus Angst oder Überzeugung mangelte.

 22. Januar

Gedanken zum Sonntag:
Grenzenlos gesund!?

Von Pfarrer Sven Wollert

Foto Pfarrer Sven WollertSven Wollert ist Pfarrer für die Ev. Kirchengemeinde Obermeiser-Westuffeln und derzeit Geschäftsführer des evangelischen Kita-Zweckverbandes. (Foto: Ev. Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen / S. Wollert)

"Hauptsache Gesundheit!" So höre ich es immer wieder. Und das war auch schon vor Corona so. Bei Geburtstagen und zu Beginn des neuen Jahres wünscht man sich alles Gute – und eben vor allem Gesundheit.

Offensichtlich wussten wir schon lange: Es ist nicht selbstverständlich, gesund zu sein. Man muss es ja nicht gleich mit Ärzten halten, die sagen: "Es gibt keine gesunden Menschen, nur welche, die noch nicht ausreichend untersucht wurden." Krankheit, bleibende Einschränkungen und selbst das Sterben gehören zum Leben dazu. Auch das macht uns als Menschen aus.

Und trotzdem wollen wir uns nicht damit abfinden. Wir tun vieles, um gesund zu bleiben oder gesund zu werden. Und oft machen wir auch Dinge, die das genaue Gegenteil bewirken. Nach dem Sport ein Bier oder eine Zigarette oder auch beides. Es gehört immer noch dazu. Bei manchen dauert die dritte Halbzeit länger als die ersten beiden zusammen.

Bin ich da anders? Nicht wirklich. Bei mir ist es selten ein Bier und nie die Zigarette. Aber weniger essen und mehr schlafen wäre besser für mich – sagt mein Arzt. "Dafür sind Sie noch ganz gut in Form …" Ich entscheide mich, vor allem das Ende des Satzes zu hören.

Wenn Sie morgen in einen der Gottesdienste gehen, werden sie wahrscheinlich von einem Mann hören, der für die Gesundheit Grenzen übertrat, sich Unerhörtes traute. Und er tat das nicht einmal für sich selbst, sondern für einen, der ihm anvertraut war. Es war ein Hauptmann der römischen Armee, der zu Jesus ging. Ihn bat er um Hilfe. Das gehörte sich nicht.

Er tat es trotzdem. Er lebte, was wir oft sagen: "Hauptsache Gesundheit!"

Die Geschichte vom "Hauptmann von Kapernaum" finden Sie im Matthäusevangelium, Kapitel 8, Verse 5-13.



Glaubenssache:
Die kleinen Dinge

Von Pfarrer Martin Jung

Martin Jung ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Wolfhagen und Vakanzvertreter im Kirchspiel Istha.

Haben Sie´s schon gemerkt? Die Tage werden wieder länger. Und immer früher kommt die Sonne raus. In der letzten Zeit hat mich das kaum interessiert. Und ehrlich gesagt, mir ist das gar nicht aufgefallen. Ich war so in Gedanken.

Das neue Jahr hat begonnen und vieles vom alten Jahr trage ich noch mit mir: die Arbeit, die Sorgen und auch manchen Frust über die Zeit, in der wir leben. Und als ich wieder einmal in mir selbst am Nörgeln und Jammern war, da nahm ich mir den Hund und ging raus. Laufen. Den Kopf frei bekommen. Und dann passierte was: Die Sonne kam raus und das frostige Gras knirschte unter meinen Füßen. Der Hund hörte wie eine Eins, und in mir waren zwei Gedanken: Heute Mittag gibt es Spagetti und am Wochenende werden wir meine Eltern besuchen.

Eigentlich ist das nichts besonders. Alles kleine Dinge. Selbst der Besuch bei meinen Eltern kommt wieder öfters vor. Aber als ich so lief und die warmen Strahlen auf mein Gesicht fielen, da dachte ich: Die kleinen Dinge machen den Unterschied. Sie sind es, die mein Leben schön machen. Sicher, ich freue mich auch auf Besonderes: auf den nächsten Urlaub, das Konzert im Sommer und auf rauschende Feste. Aber in diesem Moment in der Sonne merkte ich, wie viel Gutes und Großes ich jeden Tag um mich habe. „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

Vieles ist immer noch anstrengend und oft kann ich nicht sehen, was Gott mir alles schenkt. Aber dann denke an diese Worte aus der Bibel. Sie stoßen mich auf die kleinen, großen Dinge, die mein Leben reich und schön machen. Die Tage werden wieder länger. Und immer früher kommt die Sonne raus. Haben Sie´s schon gemerkt?


 15. Januar

Gedanken zum Sonntag:
Vorfreude aufs neue Jahr

Von Pfarrerin Andrea Braner

Andrea Braner ist Schulpfarrerin und Dozentin am Evangelischen Fröbelseminar in Kassel. (Foto: privat)

Worauf ich mich - trotz allem - freue?

Auf heller werdende Tage und sternklare Nächte;
auf Schneeglöckchen und Schlüsselblumen;
auf Vogelgezwitscher und Blütenbäume;
auf Spaziergänge mit Kinderwagen;
auf kulturelle Vielfalt in meinen Klassen;
auf Bürgersteig-Gespräche und WhatsApp-Nachrichten;
aufs Eintauchen in Geschichten - und ins Badewasser;
auf tolle Aktionen und kleine Schritte zum Klimaschutz;
auf überraschende Unterbrechungen und vertrauten Alltag;
auf Zärtlichkeiten und Verstehen ohne Worte;
auf das Ende der Maske, aber das kann noch dauern;
aufs Singen von „Vertraut den neuen Wegen …“ (EG 395)

und noch viel mehr …

Worauf freuen Sie sich?

Alles Gute für ein neues Jahr voller Leben und mit Gottes Segen!

Ihre Andrea Braner

8. Januar

Gedanken zum Sonntag:
Was bleibt?

Von Pfarrerin Irmhild Heinicke

Foto Pfarrerin Irmhild HeinickeIrmhild Heinicke ist Pfarrerin für die Aus- und Fortbildung von Prädikantinnen und Prädikanten am Ev. Studienseminar Hofgeismar und Vakanzvertreterin für das Kirchspiel Liebenau. (Foto: Ev. Kirchenkreis Hofgeismar / S. Wollert)

Heute werden traditionell die Weihnachtsbäume abgeholt. Abgeschmückt und mehr oder weniger vertrocknet stehen sie am Straßenrand. In unserer Wohnung habe ich den Christbaumschmuck für nächstes Jahr weggeräumt und die Nadeln vom Baum zusammengekehrt. Und die Figuren der Weihnachtskrippe sind jetzt auch wieder in den Karton gewandert.

Was bleibt von Weihnachten? Alles schon wieder vorbei?

Bei uns bleibt noch der Herrenhuter Stern im Flur hängen. Mindestens bis Mariä Lichtmess am 2. Februar, manchmal auch noch etwas länger. Er leuchtet abends und morgens im Fenster im Flur. Er bleibt als Erinnerung an das Licht, das weiter in die Dunkelheit scheint. Er bleibt als Erinnerung an die Orientierung und Hoffnung, für die Weihnachten steht.

Ja, das Fest ist vorbei, aber Gottes Zusagen bleiben: Gottes Liebe, die zu Weihnachten mit Jesus in die Welt gekommen ist, bleibt - bei mir, bei allen Menschen. Gottes Licht, das an unseren Weihnachtsbäumen aufgeleuchtet ist, bleibt in meinem Herzen. Und dieses Licht trotzt wie der Herrenhuter Stern den dunklen Wintertagen.

Und schließlich bleibt Gottes Geist und gibt mir Kraft für mein Leben in diesem neuen Jahr. Jesus verspricht: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." (Matthäus 28,20).

Glaubenssache:
Kein leeres Blatt

Von Pfarrerin Katharina Ufholz

Foto Pfarrerin Katharina UfholzKatharina Ufholz ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Wolfhagen. (Foto: privat)

Ich mochte sie schon immer, diese ersten Tage im neuen Jahr. Da ist alles noch so frisch und unberührt – wie ein weißes Blatt Papier, das neu beschrieben werden will. Es tut gut, einfach mal die Reset-Taste zu drücken, wieder neu zu starten. Das Vergangene lasse ich im alten Jahr zurück, vor allem das, was schlecht war. Neues Jahr, neues Glück! "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", wusste schon der Dichter Hermann Hesse.

Doch in diesem Jahr ist es irgendwie anders. Der Anfangszauber will sich bei mir nicht so recht einstellen. Und das weiße Blatt ist gefühlt auch gar nicht so weiß und unbeschrieben. Denn das alte Jahr geht mit. Die Angst vor der Omikron-Welle geht mit. Die Sorge, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt, geht mit. Die Klimakrise geht mit und so viele andere Probleme auch.

So schön es vielleicht wäre - ich kann keine Reset-Taste drücken. Aber gerade deshalb ist der Jahresbeginn für mich ein so wichtiger Zeitpunkt: Ich halte inne. Ich denke darüber nach, was gut war und was schlecht, und welche Richtung ich meinem Leben geben will.

Und neben all den Problemen entdecke ich so viel Gutes, das mit mir ins neue Jahr geht. Ich bin nicht allein unterwegs. Familie und Freunde gehen mit und so viele andere Menschen, die mir wichtig sind. Und: Auch Gott geht mit. In der Weihnachtsgeschichte wird das Kind in der Krippe einmal "Immanuel" genannt: "Gott mit uns".

Vielleicht wohnt diesem Jahresanfang ja doch ein Zauber inne. Ich mache mich auf jeden Fall auf, ihn zu entdecken.

 

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