Ev. Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen
Ihre evangelische Kirche in Hessens Norden

Zum Weiterdenken

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die Texte zur Verfügung, die - zumeist - aus der Mitte unseres Kirchenkreises für die Hofgeismarer Allgemeine und die Wolfhager Allgemeine erstellt werden - zum Nachlesen, Nachdenken und Weiterdenken.


22. Februar

Wort zum Sonntag / Glaubenssache:
Für eine andere Kultur

Von Pfarrer Gerd Bechtel

Gerd Bechtel ist evangelischer Pfarrer und war bis Ende 2019 Geschäftsführer des Diakonischen Werks Region Kassel.

Manchen Narren bleibt in diesen Faschingstagen das Lachen im Halse stecken. Einmal mehr hat sich in dieser Woche eine unfassbare Mordtat ereignet, verübt von einem Täter mit „zutiefst rassistischer Gesinnung“. Es ist sicher richtig, dass in Hanau Karnevalsveranstaltungen abgesagt werden und auch an anderen Orten Menschen nicht fröhlich feiern wollen, weil sie erschüttert und traurig sind. Ich verstehe aber auch, wenn andere trotzdem feiern. Sie wollen sich von solchen schlimmen Taten und Tätern nicht den Lebensstil diktieren lassen. Und sie wollen das fröhliche Beisammensein gerade als friedliches Zeichen unserer offenen und toleranten Gesellschaft demonstrieren, in der die ganze menschliche Vielfalt ihren Platz hat.

Solche Statements sind wichtig. Denn längst schon sind rassistische und nationalistische Hetze sowie große Gewaltbereitschaft an der Tagesordnung. Der Schritt zur Tat ist offensichtlich klein, insbesondere wenn sich politisch motivierter Terrorismus und psychische Störung ergänzen. Die Kultur des Miteinanders in unserem Land hat sich verändert und dem müssen wir dringend alle etwas entgegensetzen.

Wir dürfen uns nicht gewöhnen an menschenverachtende Reden im Bekanntenkreis wie in den neuen Medien. Wir dürfen uns nicht gewöhnen an diffamierende Schwarz-Weiß-Malereien und schamlose Lügen als Mittel der politischen Auseinandersetzung. Auch wenn wir ernsthaft und sachorientiert streiten, brauchen wir eine Kultur der Wertschätzung, die mein Gegenüber als Menschen mit Würde und Gottes Geschöpf ansieht.

Und selbst wenn mir solche Wertschätzung nicht begegnet, ist es an mir, darin ein Vorbild zu sein. Die Bibel nennt das „Nächstenliebe“, die selbst dem Feind gilt. Ob sie in diesem Jahr Fasching feiern oder nicht: Lassen Sie uns gemeinsam für eine solche Kultur eintreten!


15. Februar

Wort zum Sonntag:
Was ist der Mensch?

Von Pfarrerin Ulrike Bundschuh

Ulrike Bundschuh ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Grebenstein.

Diese Woche an der Bushaltestelle. Ich sitze im Auto und lese auf dem Plakat: „Jeder Mensch ist etwas wert. Entscheide Du, wie viel.“ Damit wird eine Sendung im Fernsehen beworben. Ich bin schockiert: „Jeder Mensch ist etwas wert“?

Und jemand anderes soll darüber entscheiden dürfen, wie viel jemand wert ist?

Offensichtlich funktioniert das über ein Bewertungsraster mit fünf Punkten, so wie man im Internet alles bewerten kann: Hotels, Dienstleistungen, Ärzte.

Hier kommen also Menschen in die Situation, dass sie bepunktet werden, und andere kommen in die Situation, dass sie Punkte geben.

Mir fallen die Kämpfe ein, die Christen und Christinnen im Römischen Reich zur Zeit der Christenverfolgung in der Arena führen mussten gegen wilde Tiere. Der Kaiser konnte den Daumen rauf oder runter senken. Dann war das Schicksal besiegelt.

Wie fühlt sich wohl jemand, der beweisen muss, dass er einen Wert hat?

Warum bewerten andere so gerne? Sie kommen da vermutlich in die Rolle, Macht zu bekommen über andere. 

Im Psalm 8 heißt es: „Was ist der Mensch, dass Du – Gott – seiner gedenkst, … Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.“

Das gilt für alle Menschen, jede und jeden - von Beginn an - ohne unser Zutun. Wir sind wertvoll als Geschöpfe Gottes. Wir brauchen uns von anderen nicht bewerten zu lassen, um uns wertvoll zu fühlen.

Wir brauchen andere nicht zu bewerten, um uns besser zu fühlen. Auf Augenhöhe können wir gemeinsam unterwegs sein – ohne Oben und Unten. Als Königinnen und Könige von Gottes Gnaden.

Glaubenssache:
Keine Angst!

Von Pfarrerin Kathrin Wittich-Jung

Kathrin Wittich-Jung ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Wolfhagen.

Heute treffen sich wieder um 11.05 Uhr Menschen auf dem Marktplatz in Wolfhagen zur Mahnwache.

Seit einem guten halben Jahr findet in Wolfhagen an jedem dritten Samstag im Monat eine Mahnwache für Demokratie, gegen Hass, Hetze und Rechtsextremismus statt. Ihren Anfang haben die Mahnwachen im Juni des vergangenen Jahres genommen, als Walter Lübcke von Rechtsextremisten ermordet wurde. Schüsse auf eine Synagoge in Halle. Morddrohungen vom rechten Spektrum gegen Politiker. Schüsse auf das Büro eines Politikers in Halle. Die Kommentarspalten bei Facebook und Co sind voll von rassistischen, homophoben, antidemokratischen, völkischen und sexistischen Äußerungen. Auf einmal ist es salonfähig geworden, sich offen fremdenfeindlich zu äußern. Mich erfüllt das mit Ohnmacht und dem Gefühl: „Wie soll das weitergehen? Was kann ich tun?“ Und ich habe Angst. Angst, irgendwann in einer Gesellschaft leben zu müssen, in der rechte Gewalt und Politik an der Tagesordnung sind. Was, wenn die Rechtspopulisten an die Macht kommen und unser Land regieren?

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht. Sondern der Liebe und der Besonnenheit.“ Das ist ein Vers aus der Bibel. Er begleitet mich schon lange. Immer, wenn ich mich klein fühle, ohnmächtig und ängstlich. Mir macht der Vers Mut: Gott hat mir Liebe und Besonnenheit ins Herz gelegt. Nicht Angst. Und die soll mich auch nicht regieren. Ich will mich leiten lassen von Zuversicht und Liebe. Und deswegen gehen wir samstags auf den Marktplatz. Und weil bei Gott eben alle Menschen Platz haben - egal woher sie kommen, oder welche Religion sie haben. Gott hat den Geist der Liebe ins Herz gelegt. Und nicht mit Hass oder Häme.

Dafür stehen wir auf. Und zeigen Gesicht. Vielleicht sehen wir uns ja auf dem Marktplatz?


8. Februar

Wort zum Sonntag:
Ein neues – bitte: was?

Von Pfarrer Stephan Bretschneider

Stephan Bretschneider ist Pfarrer für die Ev. Stadtkirchengemeinde Hofgeismar.

Vor kurzem las ich in einer Zeitschrift davon, dass unsere Gesellschaft ein neues „Narrativ“ benötigt. Doch was bitte ist ein „Narrativ“?

Mit einem Narrativ ist eine Grunderzählung, eine Grundidee gemeint, auf die z.B. eine Gesellschaft ihr Denken und auch ihre gemeinsame Motivation gründet. Und als Grunderzählung für unsere Gesellschaft, eben als Narrativ, wurden in jenem Artikel der Fortschritt und die Machbarkeit genannt: Alles ist machbar und alles muss immer besser und größer und schneller werden. Und die Zahlen müssen stimmen.

Doch ist dieses Narrativ wirklich noch tragfähig in einer Zeit, in der wir überall an die Grenzen des Fortschritts und der Machbarkeit stoßen? Müssen wir diese Geschichte wirklich immer weiter erzählen und womöglich sogar glauben?

Ja, auch ich denke, dass wir ein neues Narrativ für unser Miteinander in dieser Zeit brauchen, z.B. Geschichten von mehr Gerechtigkeit in der Welt, von Maßhalten und Verzicht, von Rücksichtnahme und Zuwendung zu denen, die unter die Räder zu geraten drohen.

Übrigens: Die Bibel ist voll von genau solchen Geschichten. Wir müssen sie nur wiederentdecken. Am besten gemeinsam.

Glaubenssache:
Nur ein Traum ?

Von Pfarrer Stefan Kratzke

Stefan Kratzke ist Pfarrer für die Ev. Kirchengemeinde Balhorn-Altenstädt.

Wie schön, dass Woche für Woche mehr Leute in unsere Gottesdienste kommen. Alt und Jung freuen sich auf den Sonntagmorgen. Der Parkplatz vor der Kirche reicht nicht mehr. Die Reihen in den Kirchenbänken werden voller und voller.

Stammplätze gibt es nicht mehr, weil sich so viele auf den Weg machen. Und wer da alles kommt: nicht nur die üblichen, sondern alle möglichen Leute. Was wollen die alle hier? Sie spüren: Gottesdienst betrifft mein Leben. Es geht um mich. Im Gottesdienst dient Gott mir. Ich muss nichts tun, ich werde beschenkt.

Das wollen sich die Leute nicht entgehen lassen. Sie hören Gottes Wort, nehmen es auf, denken darüber nach, bewegen es in ihrem Herzen. Sie lassen ihr Leben neu von Gott ausrichten. Sie wollen nicht verpassen, welche Früchte Gott in ihnen reifen lässt und wie sich ihr Leben verändert. Liebe und Geduld, Verständnis und Besonnenheit, Stärkung und Mut, Hoffnung und Frieden.

Gottes Geist wirkt in den Menschen, bewegt sie, erfüllt ihren Alltag, hilft bei der Bewältigung der vielen Aufgaben, die uns gestellt sind. In Familie, Nachbarschaft, Freundeskreis, Vereinen, Gemeinden, Beruf.

Und sie kommen, weil sie spüren, wie gut es tut, gestärkt zu werden, Orientierung zu bekommen, mit Gottes Segen in die neue Woche zu gehen.

Kaum ist die Woche um, gehen sie wieder in den Gottesdienst, an den heiligen Ort, der Stärkung, Trost, Hoffnung, Mut, Liebe und Frieden spendet. Und schon wieder sind mehr Leute gekommen, um sich beschenken zu lassen. Der Kirchenvorstand überlegt, ob bei solch einem Andrang nicht eine Erweiterung der Kirche dran wäre ...

Nur ein Traum? Ob er Wirklichkeit werden kann, das liegt an uns. Jede und jeder kann selbst entscheiden, sich von Gott beschenken zu lassen und sein heilsames Wirken zu erfahren. Jeden Sonntag. Die Gottesdienst-Stammgäste werden hoffentlich zur Seite rücken und mit freundlichem Blick sagen: „Herzlich willkommen. Schön, dass Sie da sind.“


1. Februar

Wort zum Sonntag:
Das 11. Gebot

Von Pfarrer Martin Schöppe

Martin Schöppe ist Pfarrer der katholische Kirchengemeinde St. Peter in Hofgeismar​.

Zur Gedenkfeier der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz sprach einer der Überlebenden des Holocaust vor allem die jungen Menschen an. Er wolle nicht von dem unvorstellbaren Grauen sprechen, nicht vom Leid und nicht vom Tod.

Er nahm die Zuhörer mit in die Zeit bevor es zur organisierten Tötung von Millionen Menschen kam. Auf dieser Parkbank dürfen Juden nicht sitzen war auf einem Schild zu lesen. Nun gut, es gibt ja auch noch andere Bänke. In diesem Schwimmbad dürfen Juden nicht schwimmen. Nicht so schlimm, es gibt viele Gelegenheiten zum Schwimmen.

Tag für Tag wurden so Menschen ausgegrenzt, ihrer Würde beraubt und der Massenmord vorbereitet. Schleichend wurde dem Bösen Tür und Tor geöffnet in einem Land, das so stolz ist auf seine christlichen Gebote.

Deshalb fügte der Redner den 10 jüdisch-christlichen Geboten ein 11. Gebot hinzu: Du sollst nicht gleichgültig sein. Damit denke ich können nicht nur junge Menschen etwas anfangen, damit wurden die Anfänge des Holocaust verstehbar und schlagartig der Sinn von Gedenken aktuell: Du sollst nicht gleichgültig sein!

Glaubenssache:
Brügge sehen … und sterben?

Von Gemeindereferent Alexander von Rüden

Alexander von Rüden ist Gemeindereferent im katholischen Pastoralverbund St. Heimerad Wolfhager Land.

Kennen Sie den Film „Brügge sehen … und sterben“? Die Dreharbeiten zu  diesem actionreichen Krimi-Drama in mittelalterlicher Originalkulisse der wunderschönen belgischen Stadt begannen auf den Tag genau vor 13  Jahren, am 2. Februar 2007. – „Brügge sehen … und sterben?“

Machen wir einen Zeitsprung: Etwas mehr als 2.000 Jahre zurück nach Jerusalem. Ein Paar bringt sein neugeborenes Baby in den Tempel, um es dem jüdischen Gesetz entsprechend Gott zu weihen. Und dort wartet im Inneren ein alter Mann auf genau diesen Augenblick. Seit Jahren erwartet er diesen Moment, nie wissend, ob und wann er eintreffen wird.

Aber seine Sehnsucht wird wahr: Ein Paar bringt den Messias in das Gotteshaus. Maria und Josef stellen ihren kleinen Jesus im Tempel dar und legen ihn dem greisen Simeon in die Hände. Und der merkt: Der Augenblick ist gekommen. „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ (Lk 2,29-32) – Jesus sehen … und sterben?!

Der alte Simeon war mit der Gewissheit, endlich den Heiland, Retter 
und Erlöser erlebt zu haben, bereit für seinen Tod. Sicher zu sein, 
von Gott beschenkt und erfüllt worden zu sein und Jesus kennengelernt zu haben, verlieh ihm Ruhe und Gelassenheit – sogar und besonders im Blick auf sein eigenes Lebensende.

Ich für mich kann sagen, dass ich dankbar bin, Jesus nach meinen 
Möglichkeiten und aus meinem Glauben heraus 2.000 Jahre später auch kennen zu dürfen, ihn meinen Freund zu nennen und von ihm auf meinem Lebensweg begleitet zu werden. Wie für Simeon, so ist er auch für mich Heiland und Licht.

Der kirchliche „Lichtmess“-Gedenktag am 2. Februar erinnert an das 
Ereignis der Darstellung Jesu im Tempel und damit einhergehend an die erfüllte Sehnsucht des alten Simeons, nämlich Jesus sehen … und sterben.

Ein Clou, dass der Drehbeginn von „Brügge sehen … und sterben“ 2007 auf einen 2. Februar fiel.


25. Januar

Wort zum Sonntag:
Im Freizeitfieber

Von Pfarrer Thomas Schrader

Thomas Schrader ist Pfarrer im Ev. Kirchspiel Vernawahlshausen und einer der stellvertretenden Dekane des Kirchenkreises.

Die Konfirmandenfreizeiten gehen wieder los. Fragt man Konfirmanden-Eltern, dann zählen die Freizeiten zum Prägendsten aus ihrer Konfirmandenzeit. Da wird erzählt von Traubenzuckerdragees gegen nächtliches Heimweh und von heimlichen Besuchen im Nachbarzimmer.

Wer schleicht sich am geschicktesten an den wacheschiebenden Pfarrerinnen und Fahrtbegleitern vorbei? Vom Küchendienst über Spiel und Sport bis zur gemeinsamen Abendmahlsfeier reichen die Erlebnisse der Fahrt – und das ganz analog von Mensch zu Mensch.

Manche meiner Konfirmanden/Innen lerne ich bei einer solchen Fahrt von einer ganz anderen Seite kennen. Und die Konfis vielleicht auch mich und darüber hinaus auch einen Teil ihrer Kirchengemeinde. Wenn es gut läuft, dann erfährt die Gruppe ganz intensiv Mahlgemeinschaft: Schmeckt und seht, wie freundlich Gott ist. Da wird die Hingabe Gottes begreifbar und erlebbar. Und das ein Stück weg von zu Hause. Das „Ja“ Gottes zu meinem Leben. Darum geht es auf dem Weg zur Konfirmation: Gemeinsam gestärkt werden in unruhigen Zeiten.

Das tun wir in unseren Gemeinden Sonntag für Sonntag.

Glaubenssache:
Geliebt und Geächtet

Von Jürgen Krackrügge

Jürgen Krackrügge ist Mitarbeiter in der Freien evangelischen Gemeinde in Ippinghausen.

Wissen Sie, was das meistverkaufte Buch aller Zeiten aber zugleich auch das am heftigsten bekämpfte Buch der Welt ist? Es ist die Bibel. Der heutige Sonntag weist als „Bibelsonntag“ auf die Besonderheit dieses Buches für Christen in aller Welt hin.

Während auch an diesem Tag Menschen in der ganzen Welt dankbar ihre Bibeln aufschlagen und darin lesen, steht die Bibeln in vielen Ländern auf dem Index der verbotenen Bücher. Leute, die beim Lesen der Bibeln oder auch bei Gesprächen über Texte der Bibel erwischt werden, landen nicht selten im Gefängnis

Seit meinem Eintritt in den Ruhestand arbeite ich in der „Gideon“ Gruppe Kassel mit. Die „Gideons“, haben es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen in der ganzen Welt die Bibel zu bringen. Seit Gründung der Organisation des „Internationalen Gideonbundes“ vor nunmehr gut 100 Jahren sind in über 190 Ländern der Erde mehr als zwei Milliarden Bibeln verteilt worden. Vielleicht kennen Sie durch einen Hotelbesuch die blaue, dreisprachige Bibel, die dort im Nachttisch auslag. In vielen Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen liegen diese Bibel auch aus.Ich selbst verteile sehr gerne die kleinen Neuen Testamente in den Schulklassen unserer Region.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass es auf jeden Fall lohnt, sich regelmäßig mit diesem Wort Gottes zu beschäftigen. Falls Sie bisher mit dem Bibellesen keine Erfahrung haben, helfen auch Gesprächsgruppen in den Gemeinden dazu, einen Zugang zum Wort Gottes zu finden. Und im Gottesdienst an diesem Sonntag steht sicherlich auch die Predigt mit der Auslegung eines Bibeltextes im Mittelpunkt.

Sie sind herzlich dazu eingeladen.


18. Januar

Glaubenssache:
Wir brauchen Frieden

Von Lektorin Maryam Parikhahzarmehr

Maryam Parikhahzarmehr ist Lektorin in der Ev. Kirchengemeinde Wolfhagen.

Leid kennen wir alle aus unserem Leben und aus dem Leben der Menschen, die uns nahestehen. Wir Christen wissen, was Leid ist, auch aus dem Leben unseres Herrn Jesus Christus. Schmerz und Leid gehören zum Leben dazu. In diesen Wochen gehen meine Gedanken noch stärker als sonst in meine iranische Heimat. Die Menschen dort erleben zurzeit schmerzhafte Momente. Der Tod unschuldiger Menschen lässt die Herzen der Staatsmänner im Iran kalt; das iranische Volk verspürt aber ein tiefes Leid in ihren Herzen.

Meine Glaubensworte in dieser Woche können deshalb nicht anders sein, als der Trauer um den Tod von 176 unschuldigen Menschen in einem ukrainischen Flugzeug in Teheran Ausdruck zu geben. Durch das Militär der islamischen Regierung ist das Flugzeug abgeschossen worden. 

Ich möchte Sie bitten, in diesem Moment eine Kerze in Ihrem Herzen anzuzünden mit dem Licht des Friedens, den Jesus uns geschenkt hat: für alle Menschen die im Krieg sind und unter Gewalt und Hass leiden, für alle Menschen, die wir geliebt haben und die nicht mehr unter uns sind. Falten wir die Hände, verbinden wir unseren Herzen miteinander und bauen eine Brücke aus Mitgefühlen, damit die leidenden und getroffenen Menschen die große Krise ihres Lebens überwinden können.

Ich träume von einer Welt, in der die Religion und die Hautfarbe Menschen nicht mehr trennen. Und ich träume auch davon, dass wir als Menschen nie aufhören, füreinander Mitleid zu haben. Das ist ein guter Beitrag für ein friedliches Zusammenleben.

Denn: Wir brauchen Frieden.


11. Januar 2020

Wort zum Sonntag:
Rettungsanker

Von Pfarrer Sven Wollert

Sven Wollert ist Pfarrer für die Ev. Kirchengemeinde Obermeiser-Westuffeln und Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises.

Elf Tage ist das neue Jahr nun alt und spätestens am Montag, wenn auch Hessens Schulferien zu Ende sind, hat uns der Alltag wieder. Heute werden in vielen Orten die Weihnachtsbäume eingesammelt. Kurz: Die Zeit „zwischen den Jahren“ ist endgültig vorbei.

Bei vielen wird es wieder so sein, dass die guten Vorsätze aus der Neujahrsnacht diese ersten Tage schon nicht überlebt haben. Das ambitionierte Bewegungsprogramm ist irgendwo zwischen schlechtem Wetter und Vierschanzentournee auf dem Sofa verschütt gegangen. Der aufmerksamere Umgang mit dem Partner wurde von ganz Alltäglichem erstickt. Der Plan, sich endlich nach einem besseren Job umzusehen, endet in einem nie gepflegten Profil eines beruflichen Netzwerks.

Für viele ist das auch mit einem Gefühl verbunden, versagt zu haben: Ich entspreche nicht dem, was ich eigentlich von mir selbst erwarte. Ich muss doch besser, anders, zufriedener sein als ich es gerade bin. Und ich habe es wieder nicht geschafft. 2020 sieht 2019 schon wieder verblüffend ähnlich – obwohl es doch ganz anders werden sollte.

Solche Gefühle sind nicht neu, sind kein Privileg von uns heute.

„Ich bin getauft!“ Dies hielt sich zum Beispiel Martin Luther schon vor 500 Jahren oft vor Augen, wenn er mal wieder mit sich selbst so schrecklich unzufrieden war. Und er war oft unzufrieden mit sich. Aber sich daran zu erinnern, getauft zu sein, war wichtig. Denn es sagte ihm: „Ich bin Gottes Kind – auch jetzt. Niemand wird das von mir nehmen.“ Es war auch in den schwierigen Stunden sein Rettungsanker: „Da ist jemand, der zu mir steht – komme was da wolle. Auch, wenn ich versage.“

Denn: „Ich bin getauft!“

Glaubenssache:
Im Namen Gottes ...

Von Pfarrer Lars Bachmann

Was bestimmt mein Leben? Zunächst einmal mein Name und zwar in doppelter Weise: zum einen ist da der Nachname, der mir deutlich macht, dass ich in eine Familie hineingeboren bin. Zum anderen ist da der Vorname, den ich mir nicht selbst ausgesucht habe, sondern den mir meine Eltern gegeben haben. Ob ich meinen Vornamen mag oder nicht, ob er gewöhnlich ist oder kurios, mein Vorname lässt mich exemplarisch erfahren, dass ich als Mensch umfassend abhängig bin. Jeder Mensch kann in seinem Leben entdecken, sofern er sich darauf einlässt, dass es Dinge gibt, die ihm ungefragt zuteil wurden – wie mein Geschlecht, meine Familie, meine Talente, meine Gesundheit. Auch wenn ich mein Leben durch eigene Entscheidungen bestimmen kann – wie den Beruf, meine Lebenspartnerin, die Dinge, die ich täglich tue oder lasse –, so weiß ich doch, dass ich in einer alles umfassenden Abhängigkeit lebe. Denn alles, was es in der Welt gibt, ist in irgendeiner Weise abhängig.

Doch wovon bin ich abhängig?

Der morgige Sonntag, der uns an die Taufe Jesu erinnern will, stellt mich vor die Entscheidung, ob ich mein Leben, unabhängig davon welchen Namen ich trage,  bewusst als ein Kind Gottes führen will, weil Gott für mich die Alles bestimmende Wirklichkeit ist. Was das bedeutet, hat Martin Luther in seinem Großen Katechismus in folgende Worte gefasst: „Was heißt einen Gott haben, oder was ist Gott? … allein das Vertrauen und Glauben des Herzens etwas macht etwas sowohl zu Gott als zu einem Abgott. Woran du nun dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.“

Und wer ist unser Gott? Es ist der Gott Jesu, es ist der Gott, der Liebe ist.

Ich jedenfalls will mich vom Gott Jesu bestimmen lassen. Ich will als Kind Gottes zu seiner Menschenfamilie gehören. In seinem Namen will ich leben.

Lars Bachmann ist Pfarrer an der Herwig-Blankertz-Schule in Wolfhagen.


4. Januar 2020

Wort zum Sonntag:
Neues Jahr als Chance

Von Pfarrer Thomas Steinrücken

Thomas Steinrücken ist Pfarrer der kath. Gemeinden St. Michael, Bad Karlshafen-Trendelburg, und Hl. Geist, Wesertal.

Als Jesus von Nazareth vor etwa 2000 Jahren zur Welt kam und sich 30 Jahre später auf den Weg machte, das Reich Gottes zu verkünden, da war es eine überraschende Erfahrung für seine Zeitgenossen, dass er niemanden abschrieb und verachtete: weder die Leistungsfähigen noch die Schwachen, auch nicht die Aussätzigen, die von der Gesellschaft Ausgesetzten. Gott sagt zu jedem: „Ich kann mit dir was anfangen. Du bist mir wichtig, auch wenn du weder der Schönste noch der Stärkste oder der Klügste bist“.

Das neue Jahr 2020 muss mich nicht ängstigen oder verzagt machen. Es ist die Chance, mein Leben in die Hand zu nehmen, zu gestalten und zu meiner Zeit, zu meinem Leben zu machen. Es ist meine Chance, immer mehr der Mensch zu werden, der ich vor Gott sein darf, den Gott im Sinn hatte, als er mich schuf.

Gehen wir also voll Zuversicht in dieses neue Jahr. Tragen wir das Unsrige dazu bei, dass es ein geglücktes, glückliches Jahr wird.

Glaubenssache:
Wut und Mut der Verzweiflung

Von Dekan Wolfgang Heinicke

Wolfgang Heinicke ist seit 1. Januar 2020 Dekan des neuen Ev. Kirchenkreises Hofgeismar-Wolfhagen.

Der Schrei des Vaters geht durch Mark und Bein. Er hatte Hilfe gebraucht. Hilfe für sein krankes Kind. Deswegen war er gekommen. Der, den er eigentlich gesucht hatte, war nicht da. Die, die er antraf, waren unfähig. Jedenfalls helfen konnten sie nicht. Und dann stritten sie untereinander und mit denen, die immer alles besser wussten. Woran hat es gelegen? Gibt es weitere Ursachen? Wer ist daran schuld? Darüber lässt sich leicht streiten, wenn man keine Ahnung hat, wie sehr die verfluchte Ohnmacht schmerzt, dachte er bitter.

Jesus kommt, und der Vater spricht ihn an: „Wenn du etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!“ Und dann diese Antwort: „Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ Das ist mehr, als er ertragen kann. Das klingt für ihn zu sehr nach „Denk positiv“ und „Vertrauen ist der erste Schritt“ und all dem anderen, was er weiß, aber nun gerade nicht kann. Es gibt eine Grenze, was auszuhalten ist. Und die ist definitiv überschritten. Darum schreit er. Schreit aus der Tiefe. Aus der Tiefe der Not. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“

Wie gut, wenn man so schreien kann. In dem Schrei höre ich die Not und die Wut der Verzweiflung. Ja, ich kann nicht mehr! Nein, das ist nicht gerecht! Ja, ich bin es leid, solche allgemeinen Weisheiten zu hören! Gleichzeitig hält der Schrei Gott fest, lässt ihn nicht los. Beides ist das ungemein Starke an dem Satz, das Stärkende. Manchmal wandelt sich dann die Wut der Verzweiflung in den Mut zum Leben.

In der biblischen Geschichte heilt Jesus den Sohn dieses Vaters. Wir müssen manchmal auch andere Erfahrungen machen. Und trotzdem: Es lohnt sich, gerade dann an Gott festzuhalten. Manchmal spüre ich dabei: Ich kann mich fallenlassen, weil er mich hält.


28. Dezember 2019

Wort zum Sonntag: Rückblick und Fazit. Gedanken zwischen den Jahren

Von Pfarrerin Christina Schnepel

Christina Schnepel, Studienleiterin für nachhaltige Entwicklung, weltweite Ökumene, Landwirtschaft und Soziales der Evangelischen Akademie Hofgeismar.

Am Ende des Jahres stehen Rückblick und Fazit.

Die Nachrichten des Jahres werden für uns so oder ähnlich zusammengefasst:

Ein Jahr Proteste in Honkong, verheerende Waldbrände auf verschiedenen Kontinenten, Fridays for Future, die Ermordung von Walter Lübke und immer wieder Brexit.

Der private Rückblick sieht freilich jeweils ganz anders, kleinteiliger, aber oft nicht weniger bewegend aus.

„Suchet Frieden und jaget ihm nach“, war die Jahreslosung für unser Jahr 2019.

Welches Fazit ziehen wir dazu?

Ich habe das Gefühl, dass diese Worte nicht ungehört verhallen. Waren die Debatten in den vergangen Jahren oft mir der Analyse einer „Spaltung der Gesellschaft“ beschäftigt, entdecke ich im zu Ende gehenden Jahr wachsende Spuren der Solidarität, Engagement für demokratische Beteiligung, gegen Rassismus und rechten Extremismus und steigendes Bewusstsein für die Notwendigkeit von fairem Handel in nah und fern.

Die Kirchenvorstandswahl ebenso wie die Wahl unserer Bischöfin Hofmann haben in diesem Jahr die Überzeugung neu geweckt, dass in Kirchen und Gemeinden Frieden, Solidarität und Gerechtigkeit wachsen und von dort ausstrahlen können. Hier sammeln sich Menschen, die sich genau dafür engagieren.

Können wir die Jahreslosung also mit dem Jahr 2019 abschließen?

Nein, natürlich nicht. Verschiedene Bischöfe und der Papst haben an Weihnachten wieder zu einem friedlichem Miteinander und vor Gleichgültigkeit gegenüber Flüchtlingen aufgerufen. Der Bundespräsident mahnte: "Derzeit braucht die Demokratie vor allem uns.“

Wir schließen die Jahreslosung 2019 nicht als erledigt ab, sondern glauben weiter daran mit der neuen für 2020: „Ich glaube - hilf meinem Unglauben!“

Glaubenssache:
Von guten Mächten

Von Prädikant Günther Dreisbach

Kirchenrat Günther Dreisbach ist Prädikant in der Evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen.

In diesen Tagen ist ein Gedicht 75 Jahre alt geworden. Zum Jahreswechsel 1944/45 hat Dietrich Bonhoeffer es geschrieben. Aufgrund seines Widerstandes gegen das nationalsozialistische Regime wurde er verhaftet und im April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Im Gefängnis des Reichssicherheitshauptamtes in Berlin, einem der gefürchtetsten Gefängnisse der Gestapo, hat er für seine Braut Maria Wedemeyer das Gedicht verfasst: »Von guten Mächten treu und still umgeben«. Seitdem hat das Gedicht eine weite Verbreitung gefunden. Vielfach wurde es vertont. Im Evangelischen Gesangbuch gehört es seit Ende des 20. Jahrhunderts zum Kernbestand der Lieder zur Jahreswende.

In den Gottesdiensten, die ich zu halten habe, leite ich den Schlusssegen regelmäßig ein mit den Worten des letzten Verses des Liedes: »Von guten Mächten wunderbar geborgen / erwarten wir getrost, was kommen mag. / Gott ist bei uns am Abend und am Morgen / und ganz gewiss an jedem neuen Tag.« Im Altersheim erlebe ich es: Fast im Chor sprechen die alten Menschen es mit. Manche nicken dazu beifällig mit dem Kopf. So, als wollten sie sagen: Das unterschreibe ich gern. Das gehört zur eisernen Ration meines Lebens.

Vielleicht kann der eine oder die andere das im Rückblick auf das Jahr 2019 auch sagen: Ja, ich habe diese Geborgenheit gespürt. Nicht immer und nicht immer so intensiv. Aber ich weiß: Gott war immer bei mir. So wie Dietrich Bonhoeffer sich dessen gewiss war. Und vielleicht nehmen Sie diese Gewissheit mit in das neue Jahr. Ich wünsche es Ihnen.

Und: Gehen Sie von guten Mächten wunderbar geborgen getroste Schritte in das Jahr des HERRN, das Anno Domini 2020.

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