Ev. Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen
Ihre evangelische Kirche in Hessens Norden

Zum Weiterdenken

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die Texte zur Verfügung, die - zumeist - aus der Mitte unseres Kirchenkreises für die Hofgeismarer Allgemeine und die Wolfhager Allgemeine erstellt werden - zum Nachlesen, Nachdenken und Weiterdenken.

Zudem haben wir die Seite ab dem 15. März um Videos und Texte ergänzt, die anlässlich der Schließung der Kirchen aufgrund der Corona-Virus-Pandemie erstellt wurden.

08. August

Gedanken zum Sonntag:
Ein kleiner Punkt, der es in sich hat...

Von Pfarrerin Kristina Bretschneider

Kristina Bretschneider ist Pfarrerin in der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Hofgeismar

Finden Sie nicht auch, dass auf ein leckeres Stück Erdbeertorte – gewissermaßen als i-Tüpfelchen – noch ein Sahnehäubchen gehört? So schmeckt Sommer pur. Vielleicht sind Sie aber eher ein Sahneverächter und besagtes i-Tüpfelchen ist für Sie der Klecks Senf auf der Bratwurst oder die frische Petersilie auf dem dampfenden Eintopf. Jenes i-Tüpfelchen kann aber genauso gut auch ein Sommerblumenstrauß sein, der beim Spaziergang gepflückt wurde und nun die Wohnung ziert. Oder ein Kinderlachen, das Ihnen im Vorübergehen geschenkt wurde, einfach so.

Ein Gefühl des Wohlseins stellt sich in derartigen Momenten ein. Dieses i-Tüpfelchen verwandelt etwas Normales in etwas Besonderes. Meistens ist dies etwas sehr Einfaches und im Grunde ist es nie etwas Kostspieliges. Und wir spüren in solchen Momenten, wie wenig nötig ist, damit das Leben schön ist. Gerade in diesem Coronasommer, in dem die großen Ziele in die Ferne gerückt sind, gewinnen die kleinen Glücksmomente an Bedeutung.

Es gibt ein altes Wort, in dem für mich der Ursprung alles Guten liegt: Gottes Güte. In seiner grenzenlosen Güte ist Gott der Urheber alles Guten. Gottes Güte setzt allem Guten die Krone auf. Gottes Güte ist gewissermaßen wie ein doppeltes i-Tüpfelchen auf allem Guten, das uns widerfährt.

Weil der i-Punkt auf dem Buchstaben i tatsächlich leicht übersehen werden kann, malen manche stattdessen gern ein kleines Herz. Ich finde, dies ist ein schönes Bild für das, was die i-Tüpfelchen unseres Lebens ausmacht. Sie kommen von Herzen und sie gehen zu Herzen. Welches ist Ihr i-Tüpfelchen in diesem Sommer?


 01. August

Gedanken zum Sonntag:
Das Puzzlespiel des Lebens

Von Pfarrer Jonathan Bergau

Jonathan Bergau ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Oedelsheim und Gieselwerder.

Ich bewundere Menschen, die Puzzle spielen. Sie nehmen Teile aus dem Karton und versuchen, sie zum Bild zusammenzufügen. Wenn es nicht passt, kommt das Teil wieder in die Kiste. Manchmal passt ein Teil – weiter geht‘s.

Neulich sagte mir jemand, dass das ganze Leben ein Puzzle sei. Immer wieder scheint es, als erhalten wir Teile aus der Puzzlebox unseres Lebens. Manche passen ganz exakt, andere scheinen sich gar nicht ins Lebensbild einzufügen. Zurücklegen kann man kein Teil.

Ich muss im Leben damit umgehen, dass ich nicht alle Teile zusammenpuzzeln kann. Dann schlägt meine Ungeduld zu. Vielleicht geht es Ihnen wie mir. Gerade in der Zeit der Krise halten wir Teile unseres Lebenspuzzles in den Händen. Vieles, was geplant war und ist, muss ausfallen oder lässt sich anders in Angriff nehmen. Im Puzzlespiel würde ich die unpassenden Teile weglegen.

Unser Leben können wir nicht zur Seite legen. Gottes Zuge gilt: „Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Jer. 29,11.)

Manche Teile, die im ersten Moment nicht zu passen schienen, waren im Nachhinein für mein Leben hilfreich. Ein Grund zur Hoffnung, der hilft weiterzupuzzeln.





Glaubenssache:
Bunte Vögel

Von Pfarrer Dr. Michael Dorhs

Dr. Michael Dorhs ist evangelischer Pfarrer und Referatsleiter für Schule und Unterricht der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. (Foto: medio.tv/Schauderna)

Er war mir schon öfter aufgefallen, weil er so vor sich hin kümmerte, zwar groß und stattlich gewachsen, aber doch ohne rechten Lebensgeist. Im Sommerurlaub in der Provence fahre ich oft an ihm vorbei. Unübersehbar ragt er aus einem Weinberg heraus – ein Feigenbaum. Aber während das Laub und die Trauben an den Weinreben vor Gesundheit strotzen, scheint er immer weniger Kraft zum Leben zu haben.

Verschrumpelte Blätter, nur wenige Früchte – umgeben von lauter Weinstöcken fällt es ihm ganz offenbar schwer, sein Eigenes auszubilden. Dabei hätte er durchaus etwas zu geben. Seine Früchte schmecken nicht weniger süß und saftig als die Weintrauben. Und wie gut sitzt es sich im Schatten eines solchen Baumes, an den man sich anlehnen und ausruhen kann! Weinstöcke können da nicht mithalten. Auch Menschen können so vor sich hin kümmern, weil um sie herum alle Anderen zu wissen scheinen, wie „man“ zu sein hat.

„Bunte Vögel“, Menschen, die anders fühlen oder handeln, die bekommen da schnell ihr Gefieder gestutzt. Am Ende wollen sie selbst nur noch eines: Nicht mehr auffallen, sondern so sein wie alle. Und das bekommt ihnen sichtlich schlecht. Den Anderen übrigens auch. Denn auch ihr Leben würde reicher, wenn mehr Querdenker, Lebenskünstler oder einfach nur wache und empfindsame Freunde um sie wären.

Jesus wusste etwas vom „Mehrwert“ des Anders-Seins. „Gib ihm noch ein Jahr Zeit!“ (Lukas 13, 6-9), das war seine Devise, wenn er mit Menschen zu tun bekam, die vor sich hin kümmerten. Nicht ausgrenzen, nicht gleichmachen und schon gar nicht abholzen. Sondern dafür sorgen, dass jeder das bekommt, was er braucht, um sich entfalten zu können. Am Ende blieben dann weniger Menschen auf der Strecke. Und das wäre ganz in Gottes Sinne!

 25. Juli

Geistliches Wort:
Anfassen verboten

Von Schulpfarrerin Anne Hammann

Kürzlich gratulierte ich einem Kollegen zum Geburtstag und umarmte ihn dabei – für diesen Moment die Regeln des social distancing völlig vergessend…

Hinterher machte ich mir Gedanken über meinen „Ausrutscher“: Einerseits war ich froh, dass ich die Gesten der Nähe noch nicht völlig verlernt zu haben scheine, andererseits plagten mich natürlich Gewissensbisse. Wie kommen Sie, liebe LeserInnen, mit der berührungsarmen Zeit, in der wir dieser Tage notgedrungen leben müssen, zurecht? Jesus war auf jeden Fall kein Mensch, der sich durch soziale Distanz auszeichnete. Ganz im Gegenteil. Kaum eine seiner Heilungen geschieht ohne eine Berührung des Patienten bzw. der Patientin. Einmal nimmt er sogar seinen Speichel zur Hilfe, um einem Blinden das Augenlicht zu schenken.Dabei fällt mir eine Geschichte ein, die ich in diesem Zusammenhang sprechend finde:

In einem Juwelierladen staunten zwei Kunden über die Schönheit der ausgelegten Steine. Plötzlich aber stutzten sie. Vor ihnen lag ein Stein, matt und ohne Glanz. Der Juwelier las die Gedanken seiner Kunden und sagte zu einem der beiden: „Nehmen sie diesen Stein für ein paar Augenblicke in ihre Hand.“ Als dieser wenig später die Hand wieder öffnete, strahlte der vorher glanzlose Stein in herrlichen Farben: „Wie ist das möglich?“ Der Fachmann wusste die Antwort: „Das ist ein Opal. Er braucht nur die Berührung einer warmen Hand, und schon zeigt er seine Farben und seinen Glanz. Erst in der Wärme entzündet er leise sein Licht.“ Und er schloss: „Es gibt so viele Menschen auf der Erde, die alle nur der Berührung einer warmen Hand, eines lieben Wortes, einer kleinen Zärtlichkeit, einer helfenden Tat bedürfen, um aufzustrahlen und hell zu werden.“

Hoffen wir, liebe LeserInnen, dass wir solche Nähe bald wieder einander schenken und voneinander empfangen dürfen!

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sonntag!

Anne Hammann ist Schulpfarrerin an der Arnold-Bode-Schule in Kassel.


18. Juli

Glaubenssache:
Walter-Lübcke-Schule

Von Prädikant Günther Dreisbach

Kirchenrat Günther Dreisbach ist Prädikant in der Evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen.

Dass die Wilhelm-Filchner-Schule umbenannt worden ist in Walter-Lübcke-Schule, ist eine gute Sache. Damit wird ein Christ und Politiker geehrt, der sich für die Gesellschaft, in der er lebte und wirkte, voll eingesetzt hat. An ihm sollte man sich ein Beispiel nehmen.

Ein Beispiel zum Beispiel: Es war bei der Eröffnung der Luther-Ausstellung 2017 in der Wolfhager Stadtkirche. Der Regierungspräsident hatte einen beinahe schon theologischen Vortrag gehalten. Die Zuhörer waren angetan. Man konnte sein christliches Engagement spüren. Später gesellte er sich zu einigen Mitarbeitern an einem der Stehtische und kam mit ihnen ins Gespräch. Es war die Zeit, in der darüber diskutiert wurde, dass in Amtsstuben kein Kreuz als Symbol des christlichen Glaubens, der unser Land geprägt hat, aufgehängt werden soll. Wir diskutierten kurz darüber. Und dann sagte »der RP«: »Wissen Sie, was ich gemacht habe? Ich habe in mein Dienstzimmer ein Kreuz gehängt. Das lasse ich mir von niemandem verbieten.« Wir waren tief beeindruckt. »Trotz allem Widerstreit«, wie wir in einem unserer Gesangbuchlieder singen, hat Dr. Lübcke das getan und hat damit das Evangelium von Jesus Christus in den Mittelpunkt seines Handelns gestellt.

Davon kann die Schule lernen, wenn sie es will. Sich daran ein Beispiel nehmen, am Christen Walter Lübcke. Könnte »ein offenes Bekenntnis trotz allem Widerstreit« ablegen und die Klassenzimmer mit Kreuzen ausstatten. Im Jahr 2020 nach Christus, dem Mann, der am Kreuz ermordet wurde. Auch für seine Gesinnung. Das wäre eine gute Entscheidung. Darüber sollte man nachdenken. Und vielleicht im Unterricht darüber diskutieren. Ich bin gespannt, ob die Schule die Idee im Sinne von Walter Lübcke weiterverfolgt.

 11. Juli

Gedanken zum Sonntag:
Gott ist ein Navi

Von Pfarrer Axel Nolte

Axel Nolte ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Hofgeismar-Gesundbrunnen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser! Es sind Ferien! Das Reisen ist wieder möglich und in diesen Tagen ist Urlaub in Deutschland mit dem eigenen Auto besonders angesagt. Wer dabei ein unbekanntes Ziel ansteuert, muss sich mit der Route vertraut machen oder verlässt sich auf sein Navi.

Schließlich schlägt keiner gern einen falschen Weg ein – weder auf der Straße noch sonst im Leben! Wer an der entscheidenden Stelle die falsche Abfahrt nimmt, merkt bald: Hier geht’s nicht weiter! Jetzt habe ich mich in etwas rein manövriert und sehe keinen Ausweg mehr.

Da ist es gut zu wissen: Bei Gott gibt es keine Sackgassen! Umkehr, die Suche nach einem neuen Weg, ist immer möglich – ohne, dass uns unsere alten Fehler ständig vorgehalten würden. Gott ist wie ein Navi! Auch wenn ich mich 100mal verfahre, das Navi berechnet unermüdlich immer wieder einen neuen Weg für mich und ist niemals nachtragend oder genervt – nach dem Motto: „Hey, du Depp am Steuer, jetzt reiß dich mal zusammen!“ Nein, kein böses Wort, immer wieder die gleiche freundliche Stimme, so, als wäre nichts gewesen. Genau so ist Gott.

Und noch etwas macht das Navi zu einem passenden Bild für Gott. Beide führen uns nicht immer auf direktem Weg zum Ziel. Wege verlaufen anders als gedacht. Aber manchmal kann man im Rückblick sogar sagen, dass sich ein Umweg richtig gelohnt hat. Kommen Sie gut an!

Glaubenssache:
,,Woher kommst du?"

Von Lektorin Maryam Parikhahzarmehr

Maryam Parikhahzarmehr ist Lektorin in der Ev. Kirchengemeinde Wolfhagen.

In der Bibel gibt es viele Geschichten, die davon erzählen, dass Menschen ihre Heimat verlassen mussten. Gleich zu Beginn wird von Abraham erzählt, den Gott am Ende nach Hebron in der Negev-Wüste schickte. Wie hat er sich damals in einem fremden Land gefühlt? Ob er Heimweh gehabt hat nach Ur in Chaldäa? Hat er wieder ein Zuhause gefunden?

Ich kann die Situation gut nachvollziehen. Als ich versucht habe, mich vor fast sieben Jahren in eine neue Kultur zu integrieren, habe ich festgestellt, dass ich vor einem steinigen Weg stehe. Ich habe mittlerweile mehrfach versucht, Teil der Gesellschaft zu werden. Doch die Frage „Woher kommst du?“ kommt mir immer wieder in den Sinn. Gehöre ich wirklich hierher?

Beim Nachdenken kommt mir die Geschichte von dem Jungen Jesus in den Sinn, der mit seinen Eltern nach Jerusalem gereist war. Er war auf der Suche nach der Wahrheit. So hatte er für einen Moment nichts anderes im Sinn als Gott, seinen Vater. Von ihm war er fasziniert. So sehr, dass er seine leiblichen Eltern für eine Weile vergessen hat und in den Tempel ging.

Gott Vater nennen zu dürfen, das war für mich als Christin vor mehr als sieben Jahren eine ganz neue Erfahrung. Ich war auch bei der ersten Begegnung mit dem Vater fasziniert. Das Wort „Vater“ ist für mich der stärkste Begriff in meinem Leben. Wie ein Vogel, der aus seinem Nest flüchtet, weil er Freiheit und Sicherheit sucht, haben wir damals unsere Heimat verlassen. Der Vater, Gott, unsere wahre Sicherheit, hat uns nicht fallen lassen. Das bedeutet nicht, dass das Heimweh uns nicht schmerzt. Aber dagegen gibt es ein Heilmittel: Gottes Vertrauen. Das ist für mich Sicherheit. Darum frage ich: Ist Heimat nicht der Ort, an dem man sich in Sicherheit fühlt?


 4. Juli

Glaubenssache:
Ferienwünsche

Von Pfarrer Günter Schramm

Günter Schramm ist Pfarrer für die Ev. Kirchengemeinde Burghasungen-Ehlen.

Fast vier Monate mit einschneidenden Veränderungen unseres Alltagslebens liegen jetzt hinter uns. Der Wunsch nach Normalität ist groß. Viele intelligente Maßnahmen, mit einer latent vorhandenen Erkrankungsgefahr unaufgeregt umzugehen, werden gerade in den Wind geschlagen. Die anfängliche Solidarität bröckelt. Das „Präventionsparadox“ zeigt seine Wirkung: Je weniger Corona-Erkrankte, desto mehr wird die Gefahrenlage als solche unterschätzt oder gar bestritten. Wie labil diese Annahme ist, zeigen die Fälle in Göttingen oder Gütersloh.

Hauptsache zurück in die Zeit vor Corona. Dieser Wunsch allein führt zu keiner klugen Politik. Sicher, die vielen wirtschaftlich weitreichenden Folgen sind unübersehbar. Gott sei Dank ist unser Staat sehr bemüht, wirksame Hilfen auf den Weg zu bringen.

Plötzlich steht vieles auf dem Prüfstand: Verkehr und Mobilität, Tourismuskonzepte, neue Einsichten zu systemrelevanten Berufszweigen, Ernährung und Landwirtschaft, Umgang mit dem Klimawandel. Digitalisierung in den Schulen und Arbeiten im Homeoffice.

Wenn ich bald Urlaub habe, freue ich mich auf die Auszeit nach so vielen außerplanmäßigen Aktivitäten neben allem, was der Dienst alltäglich fordert. Endlich wieder die Ruhe genießen, den selbstgewählten Tagesrhythmus, die liegen gebliebene Lektüre, hoffentlich mal eine OpenAir-Klassik-Veranstaltung und die weite Natur an langen hellen Abenden in Mecklenburg-Vorpommern, wohin wir nach Ostern nicht reisen durften.

Ich reibe mir die Augen, wenn ich sehe, wer sich da ohne ideologische Berührungsängste zusammentut, um gegen die Präventionsmaßnahmen Protest zu erheben. Ja, auch das gehört zur Demokratie. Aber schon die Verwerfungen nach 2015 haben unsere Gesellschaft sichtbar verändert. Hass, Gewaltbereitschaft, Ausgrenzung und Rassismus sind in unserer Gesellschaft gewachsen.

Ich wünsche mir, dass wir jetzt die Ferienzeit ohne Stress genießen können und dann gestärkt und konstruktiv in den Alltag wieder einsteigen. Mich motiviert als Christ die Zusage: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim 1,7)


27. Juni

Wort zum Sonntag:
Der nächste Schritt

Von Pfarrerin Renate Wollert

Renate Wollert ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Immenhausen-Espenau.

„Was soll ich jetzt nur machen?“ Das fragt sich Anna, die Schwester von Königin Elsa im Film „Eiskönigin II“. Sie ist auf sich alleine gestellt, traurig und verzweifelt. „Mach nur den nächsten Schritt“, rät ihr eine innere Stimme. „Ich denk’ nicht zu weit voraus, denn dafür fehlt mir die Kraft. Ich atme ein und gehe voran, nur ein Stück.“

Sie spricht mir damit aus dem Herzen. Seit Monaten ist es nicht möglich, weit voraus zu planen. Immer wieder muss ich mich neu orientieren. Was ist erlaubt und möglich? Was ist sinnvoll? Wie schütze ich andere und mich selbst am besten vor dem Virus? Was kann ich tun? Was sollte ich lassen? Manchmal ist es schwer, dabei gute Laune zu behalten.

Mich begleitet seit Wochen eine Liedstrophe: „Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das deine nur getreu“. Wie die Zeiten auch sind: Ich kann das tun, was gerade anliegt. Meine Sorgen werden mich nicht weiterbringen. Ich kann sie Gott anvertrauen und Schritt für Schritt leben, Tag für Tag in den Blick nehmen.

   „Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht“, so endet das Lied. Ich muss nicht ständig gute Laune haben. Aber den Lebensmut bewahren, das ist mir wichtig. Gott ist bei mir. So kann ich gehen, Schritt für Schritt.

Glaubenssache:
„Sommer ist, wenn man trotzdem lacht ...“

Von Pfarrerin Katharina Ufholz

Katharina Ufholz ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Wolfhagen.

Sommer – das ist für mich Eis essen, Sonne tanken, eine frische Brise am Meer, Picknick im Grünen, auf einen Berg steigen oder in der Hängematte liegen und die Seele baumeln lassen. Sommer – das ist ein langer Abend am Lagerfeuer, ein Glas Rotwein mit einem guten Freund und den Grillen beim Zirpen zuhören. Sommer ist Leichtigkeit und Freiheit.

Seit Sonntag ist Sommer, ganz offiziell. Die Sonne hat diese Woche schon um die Wette gestrahlt. Trotzdem ist der Sommer bei mir noch nicht richtig angekommen. Corona macht mir einen Strich durch die Rechnung. Die geplante Reise ist abgesagt, meine Stoffmaske ist zu meiner ständigen Begleiterin geworden, und ebenso die Sorge. Sorge um meine Familie. Sorge, krank zu werden. Vor allem aber Sorge, das Virus weiterzutragen und andere anzustecken. Sorge um Menschen, die jetzt vor dem Aus stehen. Sorge um die Zukunft in unserer Gesellschaft. 

Seit ein paar Tagen begleitet mich ein Ohrwurm. „Jetzt ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert, Sommer ist, was in deinem Kopf passiert. Es ist Sommer, ich hab' das klar gemacht, Sommer ist, wenn man trotzdem lacht.“ So hat das die Acapella-Gruppe Wise Guys 2001 gesungen.

Trotzdem lachen... das ist nicht leicht im Moment. Aber ich wünsche mir tatsächlich eine Sommerpause für meinen Kopf, mal aussteigen aus dem Sorgenkarussell. Und zum Glück gibt es Momente, in denen das gelingt: Wenn ich trotz Abstand mit lieben Menschen einen unbeschwerten Abend verbringe. Wenn ich spüre, wir sitzen alle im selben Boot und passen aufeinander auf. Wenn ich rausgehe in die Natur und mein Hund sich daran freut, durch die Pfützen zu springen. Und auch, wenn ich ein Gebet zum Himmel schicke und spüre: Da ist jemand, der mir Halt gibt und mich trägt, gerade in dieser Zeit. In diesen Momenten kann ich lachen... trotzdem! Und dann kommt der Sommer auch in meinem Kopf an.

 

14. Juni

Videoandacht mit Pfarrer Daniel Fricke


Videoandacht mit Pfarrer Sven Wollert


Videoandacht der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck aus dem Kirchenkreis Kinzigtal


13. Juni

Wort zum Sonntag:
Über den Wolken. Über die nötige Distanz

Von Pfarrer Daniel Fricke

Daniel Fricke ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Bad Karlshafen-Helmarshausen.

Neulich habe ich bei einer Beerdigung in Helmarshausen etwas Einmaliges erlebt. Drei Propellermaschinen sind von Langenthal aus über den Friedhof geflogen. Mit ihrer perfekten Flugformation haben sie Abschied von ihrem Freund und Vereinskameraden genommen. Es war ein beeindruckendes und bewegendes Schauspiel am Himmel. 

Natürlich musste ich gleich an das Lied von Reinhard Mey denken: „Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein… Und dann würde was hier groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.“ Wenn man von oben auf die Welt herunterschaut, dann sieht sie ganz anders aus. Ein Satellitenbild vom eigenen Garten eröffnet zum Beispiel ganz neue Perspektiven.

So kann es im Leben auch sein. Sorgen und Probleme schnüren uns derart ein, dass wir weder vor noch zurück wissen. Dann hilft auch eine andere Perspektive und etwas mehr Distanz, manchmal auch mehr als die vorgeschriebenen 1,50m. Was hilft ist eine himmlische Perspektive auf das, was bei uns geschieht. „Der Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.“ (1. Samuel 16,7) Denn nicht alles was wir hier groß und wichtig nehmen, ist es am Ende auch. Unser Blick geht manchmal einfach zu kurz. Wie gut ist es, wenn wir dank Gott das Wesentliche erkennen können.


Glaubenssache:
Ein Herz und eine Seele

Von Pfarrer Oliver Jusek

Oliver Jusek ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Elbenberg.

Hand in Hand dem Sonnenuntergang entgegen. Schallend lachend nachts um drei am Küchentisch sitzen. „Die beiden sind ein Herz und eine Seele“. So wird man gern beschrieben. Das ist ja auch eine ganz wunderbare Vorstellung. Jemanden zu finden, der mich versteht. Die mich so akzeptiert, wie ich bin. Der den gleichen Humor hat. Die auch meine Ecken und Kanten zu schätzen weiß. Das klingt wundervoll.

In der Apostelgeschichte wird so sogar die erste Gemeinde beschrieben. Und ganz ehrlich: Schon bei Paaren, Geschwistern oder Freunden machen mich solche Sätze skeptisch, aber eine ganze Gemeinde? Das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Zumal die Bibel ja auch Geschichten über diese Gemeinde kennt, die ein ganz anderes Bild zeichnen. Und so ist es ja auch in meinem eigenen Leben. Ich bin ganz sicher nicht mit allen ein Herz und eine Seele.

Die Gemeinschaft aber liegt mir sehr am Herzen. Natürlich komme ich auch allein klar, aber gemeinsam ist es einfach schöner. Und die Gemeinschaft der Christen ist etwas Besonderes. Nicht, weil man sich besonders wenig streitet oder sich besonders ähnlich ist, sondern weil es nicht nur um die Beziehung zu anderen Menschen geht.

Ich habe meine eigene persönliche Beziehung mit Gott. Mit allen Hochs und Tiefs. Mit allen Zweifeln und Glücksmomenten. Und das ist es, was mich in die Gemeinschaft bringt mit jedem anderen, der eine Beziehung zu Gott hat, egal, wie anders oder ähnlich die auch ist. Und auch, wenn wir dadurch nicht automatisch beste Freunde werden, so ist die Gemeinschaft dadurch doch etwas ganz Besonderes.


10. Juni

Audioandacht des Kirchenbezirks Wilhelmsthal-Liebenau mit Pfarrer Sven Wollert


7. Juni

Videoandacht mit Pfarrer Axel Nolte


Aufzeichnung des Gottesdienstes der Kirchengemeinde Obermeiser-Westuffeln mit Pfarrer Sven Wollert


Videogruß zum Jubiläum des Sander Posaunenchors mit Pröpstin Katrin Wienold-Hocke und Pfarrerin Dr. Gisela Natt


6. Juni

Wort zum Sonntag:Gott ist Beziehung

Von Pfarrer Karl Waldeck

Trinitatis – so heißt der Sonntag nach dem Pfingstfest. Trinitatis ist ein Fremdwort, übersetzt meint es das Fest der Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit Gottes. Das ist zwar Deutsch; doch der Sache nach auch nicht unbedingt leicht zu verstehen. Es geht darum, dass Christen Gott als Vater, als Sohn (Jesus Christus) und als Heiligen Geist erleben und bekennen: als drei, die doch eins oder eine/r sind. Wie das genau zu beschreiben ist, darüber macht sich die Christenheit seit jeher Gedanken. Auch heute im Gespräch mit anderen Religionen, etwa Islam und Judentum, ist das Bekenntnis zum dreieinigen Gott Anlass für Rückfragen.

Für mich hat die Vorstellung des dreieinigen und dreifältigen Gottes etwas Schönes, Belebendes: Gott ist Beziehung: Er ist nicht ein weltfremdes, selbstgenügsames höheres Wesen. Gott sucht und lebt in Beziehung mit uns Menschen; und er ist bereits in sich selbst Beziehung. Gerade in den letzten Wochen haben wir erlebt, wie wichtig lebendige Beziehungen sind - und wie schmerzhaft es ist, wenn wir sie nicht leben können. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, so hat es der große jüdische Denker Martin Buber ausgedrückt. Das gilt für Menschen - und auch für Gott. Ein guter Grund, Trinitatis zu feiern.

Karl Waldeck ist Direktor der Evangelischen Akademie in Hofgeismar.


31. Mai

Videoandacht mit Oberlandeskirchenrätin Claudia Brinkmann-Weiß


Videogottesdienst des Teams des Kirchenbezirks Wilhelmsthal-Liebenau


Videogottesdienst mit Pfarrerin Ursula Breul

Routenbeschreibung zur Pilgerwanderung im Kirchspiel Trendelburg
Pilgerwanderung Kirchspiel Trendelburg.pdf
Routenbeschreibung zur Pilgerwanderung im Kirchspiel Trendelburg
Pilgerwanderung Kirchspiel Trendelburg.pdf


Erklärvideo zu Pfingsten mit Pfarrer Oliver Jusek


30. Mai

Wort zum Sonntag:
Wer die Wahl hat, hat die Qual

Von Pfarrerin Nina Marie Nadolny

Nina Marie Nadolny ist Pfarrerin im Kirchenkreis und derzeit als Elternzeitvertretung im Kirchspiel Ehrsten.

Wer kennt das Problem nicht? Jeden Tag müssen wir Menschen viele Entscheidungen treffen. Mit mehr oder weniger weitreichenden Folgen für uns selbst, aber auch für andere Menschen. Zieh ich die rote oder die gelbe Bluse an? Wechsel ich meinen Job? Ziehen wir um? Welchen Ausbildungsplatz wähle ich?

Ich meine, alles was ich tue, sollte mir selbst guttun, aber letztendlich auch denen, deren Leben ich mit meinem Handeln beeinflusse.

Wie treffen Sie solche Entscheidungen?

Ich wäge dann Pro und Contra ab, überlege, male mir Szenarien mit Folgen aus. Und dann versuche ich eine Entscheidung zu treffen. Aber oft bleiben da Zweifel: Habe ich alles und alle bedacht? Was ist richtig? Was falsch? 

Was machen Sie dann, an diesem Punkt der Entscheidungsfindung? 

Meistens schauen wir dann weiter auf die Gefühle - das Bauchgefühl.

Aber auch da bleiben oft Zweifel in mir:  Sind es meine Ängste, die mich leiten? Sind es nur die Erwartungen von anderen, die ich erfüllen will? Oder denke ich nur an mich und vergesse die Folgen für die anderen? 

Ich bitte an diesem Punkt, Gott um Hilfe und Eingebung. Denn er allein kann alle Folgen für mich und andere sehen:  Gott ist die Liebe, die Kraft, der Heilige Geist, der uns alle verbindet. Und dann … hoffe ich auf die richtige Antwort und erwarte sie im Herzen.


Glaubenssache:
Vieles zu selbstverständlich

Von Pfarrerin Pille Heckmann-Talvar

Pille Heckmann-Talvar ist Pfarrerin für die Ev. Kirchengemeinde Naumburg-Ippinghausen

„Herr, unsre Not ist deine Zeit; und mag uns immer grauen: Du bist der Herr und bist nicht weit und hilfst, wenn wir vertrauen.“

Ich habe diese Verse in einem Lied gelesen. Sie haben mich angesprochen. Wenn ich meine jetzigen Zeilen schreibe, dann weiß ich noch nicht, was uns die nächsten Wochen und Monate bringen werden. Kann das sogenannte „normale Leben“ wieder beginnen? Ich meine, so, wie es war? Mich beschäftigt diese Frage, mich persönlich und als Mitglied und Pfarrerin einer kleinen Gemeinde.

Ist das nicht so, dass für uns vieles zu selbstverständlich geworden ist/war? Wir müssen nicht hungern, unsere Rechte für alles Mögliche sind vom Staat her weitgehend garantiert. „Wohlstand“ nennt man das. Nichts dagegen, aber es ging uns so gut, dass wir vergessen haben: Es kann auch ganz anders sein. Viele haben in diesen Tagen gebetet, dass uns die böse Krankheit nicht persönlich betrifft. Viele haben gebetet um Vernunft und Weisheit für die Menschen und um Vertrauen zueinander und zu Gott. „Du bist der Herr und bist nicht weit und hilfst, wenn wir vertrauen."

Für mich sind die Stichworte unserer Zeit: Demut, Dankbarkeit und ja, auch Vertrauen. So zu leben, bedeutet eigenes und anderes Leben wahrzunehmen und zu schätzen. Ich möchte nicht, dass alles so wird, wie es war. Ich möchte aber, dass wir aus dem, was wir erlebt haben, für die Zukunft, nein, nicht nur für die Zukunft, für hier und jetzt schon lernen und das Gelernte in das Leben umsetzen. Mit den Worten des Apostels Paulus: „Prüft aber alles und das Gute behaltet“ (1. Thess. 5, 21).

Am Sonntag feiern wir Pfingsten. Damit sind die großen Kirchenfeste erst mal wieder vorbei.

Die Trinitatiszeit nach Pfingsten gilt als Zeit der praktischen Bewährung. Das heißt, alles, was wir erlebt, gesehen, gehört und wahrgenommen haben, wird in das Leben umgesetzt. Manches lassen, aber das Gute, was sich bewährt hat, behalten. Wir haben genug Gelegenheiten, diesen Ratschlag zu beherzigen. Ein Zeichen, ein Symbol der guten Hoffnung ist für mich der Apfelbaum, den unsere Kindergartenkinder am Mittwoch vor der Kirche in Ippinghausen eingepflanzt haben. Ein Geschenk zu Pfingsten an unsere Gemeinde. Dieser Baum wird einmal Früchte tragen. Das hoffe ich auch für uns.

Bleiben Sie möglichst gesund und behütet.


24. Mai

Videoandacht mit Pfarrer Stephan Bretschneider


Videoandacht mit Pfarrer Sven Wollert


Videoandacht mit Pfarrerin Annegret Zander


23. Mai

Wort zum Sonntag:
Und plötzlich hängt alles in der Luft?

Von Gemeindereferentin Julia Wenigenrath

Julia Wenigenrath ist Gemeindereferentin im katholischen Pastoralverbund St. Peter Hofgeismar-Weser-Diemel.

Wir wissen nicht genau, wie es weitergeht, was für ein Ausmaß die Konsequenzen haben, wie die Perspektive jedes Einzelnen aussieht. Ich glaube jeder würde nur allzu gerne im Moment dem Ganzen entfliehen. So manche Frustration staut sich an und die Ängste wachsen täglich. Wie geht es weiter?

Eine Frage, die sich damals wohl auch die Jünger gestellt haben, nachdem sich Jesus wiederholt von ihnen verabschiedete und zu seinem Vater in den Himmel auffuhr. Sie waren ohne Jesus orientierungslos und mutlos.

Die Jünger wussten nicht, wie das Ganze gut weitergehen konnte. Doch sie dachten um und ließen sich von dieser aufkommenden Angst nicht länger leiten. Sie fanden dadurch ihr Selbstvertrauen und das Vertrauen in Gott, der den Jüngern letzten Endes die nötige Kraft gegeben hat weiter zu machen und an der Aufgabe zu wachsen.

Auch wir dürfen nicht müde darin werden uns darin zu ermutigen, dass auch unsere gegenwärtige Situation nur ein weiterer Zeitabschnitt ist, den es gemeinsam zu überwinden gilt. Und mit Gott an unserer Seite bekommen wir ähnlich wie die Jünger die nötige Kraft das Ganze durchzustehen.

Glaubenssache:
Gute Reise?

Von Pfarrer Jens Holstein

Jens Holstein ist Pfarrer in der Klinik in Bad Emstal-Merxhausen.

Nach Ostern wollte ich mit meiner Familie in die Berge in den Urlaub fahren. Wir hatten uns auf gemeinsames Wandern und gesellige Abende gefreut. Der Virus hat das alles zunichte gemacht. Nun ist ein Monat vergangen. Aktuell steht in unserem Land die Frage an, wie wir es in den kommenden Wochen und Monaten mit dem Reisen halten. Ist das nun eine Glaubensfrage oder doch eher eine Vernunftentscheidung?

Manche kleine Reise wird bereits wieder unternommen. Die örtlichen Gasthöfe und Restaurants öffnen allmählich. Der Besuch des Gottesdiensts ist mit mancherlei Einschränkung wieder möglich.  All das geschieht im bildlichen Sinne aber immer noch mit angezogener Handbremse. In all dem schwingt für mich die Sehnsucht mit, zum normalen Alltag zurückzukehren. Ich möchte die Begrenzungen und den Verzicht hinter mir lassen. Mein Arbeitsalltag in einem Krankenhaus ist stark eingeschränkt. Besuche und die wöchentlichen Gottesdienste sind mir auf den Stationen der Klinik nicht möglich. Die Pandemie wird nach langer Geduld zunehmend lästig.

Gern möchte ich mich auf die Reise begeben, befreit von den Zwängen des Corona-Alltags. Und sei es nur ein kleiner Auszug ins gelobte Land am vertrauten Urlaubsort. Zwei Herzen schlagen in meiner Brust. Vernunft walten lassen oder die Sehnsucht stillen? Diese beiden Pole spiegeln sich auch in der Politik wider. Außenminister Maas möchte die europäischen Grenzen bald wieder öffnen, Weltärztepräsident Ulrich Montgomery warnt vor einer Belebung des Auslandstourismus.

Für Christen geht es darum verantwortlich zu entscheiden. Reisen bedeutet derzeit Wandern durchs dunkle Tal mit noch offenem Ziel. Ich selbst habe den Flug nach Griechenland im Herbst schon lange vor der Pandemie gebucht. Dort treffe ich jedes Jahr Freunde und erhole mich am vertrauten Ort. Aber wird es möglich sein, dicht gedrängt mit dem Flugzeug Richtung Süden zu starten? Oder ist es klüger in diesem Jahr eine Alternative in Deutschland zu suchen oder gar einmal mehr zu verzichten?

In diesen Zeiten gibt es keine schnelle und für alle Zukunft gültige Antwort. Wir stehen jeden Tag vor neuen Entscheidungen. Dabei müssen wir gründlich prüfen, damit es uns zum Segen geschieht, wir uns mit dem Reisesegen auf den Weg machen.


21. Mai

Videoandacht mit Pfarrerin Dr. Maike Westhelle und Theologiestudentin Lea-Katharina Müller


Ökumenischer Videogottesdienst im Kooperationsraum Nachbarschaft Oberes Warmetal


20. Mai

Audioandacht des Kirchenbezirks Wilhelmsthal-Liebenau mit Pfarrerin Johanna Fischer


17. Mai

Videoandacht mit Prälat Bernd Böttner


Videoandacht mit Pfarrer Jürgen Schiller


Aufzeichnung des Livestreams der Gottesdienstlichen Feier mit Pfarrer Sven Wollert


16. Mai

Glaubenssache:
Wa(s)chet und betet

Von Pfarrer Friedemann Rahn

Friedemann Rahn ist Pfarrer für die Ev. Kirchengemeinde Zierenberg.

Na, haben Sie es auch satt, beim Händewaschen ständig zwei Mal „Happy birthday to you“ zu singen? Das war der Tipp der WHO, um auf die geforderten 30 Sekunden zu kommen. Im Prinzip ein guter Hinweis, aber etwas bittersüß, denn der Anlass ist so fröhlich ja nicht.

Da finde ich diesen Ratschlag besser: Während des Waschvorgangs in aller Ruhe das Vaterunser beten. Es gibt im Netz sogar eine Waschanleitung, die die einzelnen Bitten des Vaterunser mit den Handbewegungen verknüpft. Das bringt eine gründliche Reinigung in 30 Sekunden – und mehr als einmal am Tag eine bewusste Verbindung mit Gott.

Der Name des kommenden Sonntags ist auch so ein Hinweis: „Rogate!“ – „Betet!“ Er erinnert daran, dass das Beten zum Alltag dazugehört. Wie das Händewaschen darf es in Fleisch und Blut übergehen. Wie das Händewaschen wird es manchmal vergessen und sollte bewusster und häufiger gepflegt werden. Gerade jetzt – weil es hilft.

Freilich hilft Beten nicht gegen die Ansteckungsgefahr, genauso wenig, wie Corona-Viren durch 5G-Funkmasten übertragen werden. Das ist mir klar. Aber das Gebet, in den Himmel gerichtet, erdet mich. Es zentriert mich neu auf das, was wirklich lebensnotwendig ist. Zwar kann ich aktiv vieles tun, um gesund zu bleiben. Dennoch, dass ich gesund bleibe oder wieder werde, ist letztlich unverfügbar. Es ist eine Gabe Gottes, um die sich zu bitten lohnt.

Deswegen ist die wichtigste Bitte für mich zurzeit: Dein Wille geschehe. Denn ich glaube, dass Gott Gutes für mich will. Das Gute kann zum Beispiel bedeuten, dass ich in Krankheit besondere Zuwendung erfahre. Dass ich getragen werde von Menschen, und dass Gott mich stärkt. Seinem Willen setze ich mich vertrauensvoll aus – und achte im Gebet darauf, was Gott mir heute Gutes sendet. Danke, Gott, für diese Gelegenheit!


13. Mai

Audioandacht des Kirchenbezirks Wilhelmsthal-Liebenau mit Pfarrerin Nina Marie Nadolny


10. Mai

Videoandacht mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann


Videoandacht mit Pfarrer Markus Schnepel


Videoandacht mit Pfarrer Sven Wollert


9. Mai

Wort zum Sonntag:
Lieder der Hoffnung

Von Pfarrer Jonathan Bergau

Jonathan Bergau ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Oedelsheim.

Vor einigen Jahren hatten meine Frau und ich das zweifelhafte Vergnügen jeden Urlaubsabend mit derselben Musikauswahl einer benachbarten Bar beschallt zu werden. Das war am ersten Abend noch angenehm, doch die Dauerschleife bis in die Nacht nervte irgendwann. Heute lächeln wir, wenn sich eins dieser Lieder mal wieder ins Radio verirrt und erinnern uns an diese trotzdem schöne Reise.

Ich erinnere mich aber auch an Lieder, die meine Oma summte und dabei an die Bombennächte der letzten Kriegstage dachte oder an das Lieblingslied eines jung verstorbenen Freundes, welches er sich für seine Beerdigung wünschte.

Ob bewusst oder unbewusst, Lieder lösen etwas in uns aus.

„Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.“ So sagte es Paulus im Römerbrief.

Lassen wir uns am Singesonntag Kantate dazu anregen über Lieder nachzudenken, die uns gut tun! Welche Lieder sind das für Sie? Auch wenn wir sie nicht gemeinsam in der Kirche oder im Verein singen können, Lieder der Hoffnung sind ein Gottesgeschenk. Sie am Telefon, vom Balkon oder über den Gartenzaun weiterzusagen oder weiterzusingen ist auch Gottesdienst.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie an diesem Sonntag von Liedern der Hoffnung erreicht und so erbaut werden.


6. Mai

Audioandacht des Kirchenbezirks Wilhelmsthal-Liebenau mit Pfarrer Sven Wollert


3. Mai

Videoandacht mit Pfarrerin Dr. Gudrun Neebe


Videoandacht mit Pfarrer Axel Nolte


Videoandacht mit Pfarrer Sven Wollert


1. Mai

Wort zum Sonntag:Jubilate – jubelt! - ?

Von Pfarrerin Silke Kohlwes

Silke Kohlwes ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Liebenau.

Heute am 1. Mai ist der „Tag der Arbeit“. Nach § 32 der Verfassung des Landes Hessen versinnbildlicht dieser Tag „das Bekenntnis zur sozialen Gerechtigkeit, zu … Frieden … und Völkerverständigung“.

In diesem Sinne, wenn man so will, sind zur Zeit mehrere Transporter mit Nahrungsmitteln von Liebenau-Ostheim und Calden-Westuffeln nach Fagaras in Rumänien unterwegs. Nach Kartoffeln, Mehl und Zucker sollen jetzt Möhren, Zwiebeln, Nudeln und Reis an die Bedürftigsten der Bedürftigen in Fagaras verteilt werden. Wenigstens für eine gewisse Zeit ist auf diese Weise hoffentlich das Überleben der Menschen in den Elendsvierteln dort gesichert. Viele von ihnen arbeiten normalerweise als Tagelöhner, andere leben von der Prostitution oder suchen in den Mülltonnen nach Lebensmitteln. Durch die Ausgangssperre im Zuge der Corona-Pandemie fallen diese Möglichkeiten, an Geld und an Nahrungsmittel zu kommen, nun weg. Außerdem sind in den vergangenen Wochen Hunderttausende von Rumänen aus Italien, Spanien und Deutschland in ihre Heimat zurückgekehrt. Viele hatten schwarzgearbeitet und sind nun durch die Pandemie ohne Arbeit; anderen ist der Arbeitsvertrag gekündigt worden. Ohne Ersparnisse und ohne eigene Unterkunft sind sie auf die Aufnahme bei Verwandten und Bekannten angewiesen, deren Armut sich dadurch noch einmal verschärft. So ist in Rumänien durch Covid-19 „das Hungertuch wieder sprichwörtlich geworden“, wie Johannes Klein, ein Kollege aus dem Pfarramt im Fagaras, in einer Mail schreibt. Da ist die Freude über die Nahrungsmittelspenden aus Nordhessen in Fagaras groß.

Der morgige Sonntag trägt den Namen „Jubilate“ – „jubelt!“. Auf den Bildern, die der Kollege aus Fagaras geschickt hat, sehe ich Kinder, die angesichts dieser Nahrungsmittelspenden zu jubeln scheinen, während ich angesichts dieser Bilder und Informationen eher heulen könnte. Dass Menschen in einem Mitgliedsland der EU in solch existenzieller Weise Not leiden, finde ich erschütternd und eigentlich einen Skandal! Da liegt auf dem Weg zu sozialer Gerechtigkeit, Frieden und Völkerverständigung, wie sie die hessische Verfassung für den 1. Mai propagiert, mit Blick auf Europa noch ein großes Stück Arbeit vor uns.

Nein, jubeln kann ich da nicht. Aber ich bin dankbar dafür, dass viele Menschen hier in der Region auch in diesen für manche von ihnen selbst schwierigen Zeiten mithelfen, die aktuelle Not in Rumänien etwas zu lindern.

26. April

Videoandacht mit Pröpstin Sabine Kropf-Brandau


Videoandacht mit Pfarrerin Kristina Bretschneider


Videoandacht mit Pfarrer Sven Wollert


19. April

Videoandacht mit Prälat Bernd Böttner


Videoandacht mit Pfarrer Sven Wollert und Konfirmand/in/en


Videoandacht mit Vikarin Aline Seidel und Gemeindereferent Markus Schneider


18. April

Glaubenssache:
Ist der christliche Glaube alltagstauglich?

Von Pfarrerin Katja Friedrichs-Warnke

Katja Friedrichs-Warnke ist Pfarrerin für die Evangelische Kirchengemeinde Dörnberg.

„Was habe ich davon, an der Konfi-Zeit teilzunehmen? Regelmäßige Treffen dienstags oder monatliche Konfi-Tage, Freizeiten, kirchenkreisweite Konfi-Tage, Exkursionen - lohnt sich das?

Na ja, die "alten Konfis" haben erzählt, dass diese Zeit ziemlich viel Spaß macht und die Gemeinschaft toll ist. Aber: "Hat denn das, was ich da lerne, auch mit meinem Leben zu tun? Kann ich es für meinen Alltag gebrauchen? Gibt mir der Glaube Halt - gerade, wenn die Welt Kopf steht?" Das mögen sich zurzeit besonders die Konfis fragen, die mit viel Freude das Fest ihrer Konfirmation vorbereitet haben. Nun hat die Corona Krise auch ihre Pläne durcheinandergebracht. Nichts scheint mehr wie es war. Die Konfirmationen müssen verschoben werden! Manche Gemeinden haben schon Ausweichtermine für den Herbst festgelegt. Andere wollen warten, bis es mehr Planungssicherheit gibt. Aber gibt es die denn überhaupt und wie? Hat die Corona Krise uns nicht in ganz besonderer Weise mit der Frage konfrontiert: Was gibt uns Sicherheit, Stabilität und Halt? Gibt es eine Antwort? Was sagt der christliche Glaube?

Kleinreden lassen sich die Unsicherheiten dieser Zeit nicht. Aber ich bin mir gewiss: mit "Sicherheit" will Jesus uns helfen, Wege zu finden, gerade in schwierigen Zeiten. Auch in der Corona Krise ist Ostern nicht ausgefallen. Die Botschaft von Jesu Auferstehung will uns Hoffnung geben, die trägt und hält zu allen und in allen Zeiten.

Die Konfirmationen werden gefeiert werden, da bin ich mir gewiss. Die Zeit bis dahin werden wir gestalten - gemeinsam – wo und wie immer das geht.

Die neuen Konfi-Gruppen werden starten, um sich auf Entdeckungsreise zu machen, ob der Glaube für ihr Leben Relevanz hat. Vielleicht etwas später als geplant, oder nur anders als geplant. Auch diese Wege werden sich finden, mit Sicherheit!


15. April

Audioandacht des Kirchenbezirks Wilhelmsthal-Liebenau mit Pfarrerin Dr. Ursel Wicke-Reuter


12. April

Videoandacht mit Pfarrer Lars Hillebold und Studienleiter Thomas Hof


Videogottesdienst des Kooperationsraums Nachbarschaft Oberes Warmetal


Videogottesdienst des Kooperationsraums Wilhelmsthal-Liebenau


Osterbotschaften aus dem Kirchspiel Bad Karlshafen-Helmarshausen


Videogottesdienst der Ev. Kirchengemeinde Hofgeismar


Videogottesdienst der Ev. Kirchengemeinde Lippoldsberg


Videogottesdienst der Ev. Kirchengemeinde Wolfhagen


Grußbotschaft zum Ostersonntag mit Pfarrerin Ulrike Bundschuh


10. April

Videoandacht mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann für den Karfreitag


Videoandacht mit Pfarrer Daniel Fricke


Videoandacht mit Pfarrer Axel Nolte


Streaminggottesdienst mit Pfarrerin Katharina Ufholz


Video-Andacht zur Todesstunde mit Pfarrer Sven Wollert und Kirchenvorsteherinnen der Ev. Kirchengemeinde Obermeiser-Westuffeln


Grußbotschaft zum Karfreitag mit Pfarrerin Marianne Biskamp-Dotzert


5. April

Videoandacht mit Propst Helmut Wöllenstein für den Palmsonntag


Grußbotschaft von Pfarrer Jonathan Bergau zum Palmsonntag


Videoandacht mit Pfarrer Stephan Bretschneider zum Palmsonntag


Streaming-Gottesdienst mit Pfarrer Daniel Fricke zum Palmsonntag

Der Gottesdienst steht aus rechtlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung.


Videoandacht mit Pfarrer Sven Wollert zum Palmsonntag


4. April

Wort zum Sonntag:
Liebe ist das Gegenteil von Angst

Von Pfarrer Karl-Christian Kerkmann

Karl-Christian Kerkmann ist evangelischer Pfarrer und war bis zum Eintritt in den Ruhestand Seelsorger für die Ev. Altenhilfe Gesundbrunnen sowie das Ev. Krankenhaus in Hofgeismar. (Foto: Blofield)

PALM-Sonntag – der Sonntag zu Beginn der Karwoche: Gedenken an Jesu Einzug in Jerusalem … in sehr besonderer Zeit!
Dazu fiel mir ein: P=Passion, A=Angst, L=Liebe, M=Miteinander.

P steht für PASSION, d.h. Leiden und Leidenschaft. Wir denken an das (Mit-) Leiden Jesu, an seine Leidenschaft für das Leben, besonders für die Kranken und Ausgeschlossenen.

ANGST haben viele Menschen  auch in diesen Wochen: Angst vor Ansteckung, vor Krankheit, vor Ausgeliefertsein, vor Einsamkeit, vor Tod.

LIEBE ist das Gegenteil von Angst. Jesus zeigte den Menschen, bis heute, auch mir und dir, dass Gott uns Menschen liebt. Dass seine Liebe uns hält und trägt und uns mit ihm und miteinander verbindet – trotz aller äußeren Umstände!

MITEINANDER – Ich bin immer wieder und immer mehr berührt von Zeichen und Aktionen des Miteinanders in unseren Gemeinden und Kommunen, in unserer  Gesellschaft:  da kaufen jüngere Nachbarn für ältere Nachbarn ein; da wird, auch in Hofgeismar, zu bestimmten Zeiten aus den Fenstern musiziert und gesungen und Gottesdienste online gestellt; da werden – zum Glockenläuten – Lichter in den Fenstern angezündet. Und Licht ist Ausdruck für Liebe und Leben. Jesus sagt: "Ich bin das Licht der Welt!" Und: "Ihr seid das Licht der Welt! Lasst euer Licht  leuchten vor den Menschen" (Matthäus 5).

Und: noch ein S für (Palm-) Sonntag: S steht für mich für Segen; für Ge-Segnet-Sein und für Schutz. Wer zieht ein am Palmsonntag? Der Segnende und Barmherzige! Das lädt ein zum Gebet mit dem Liedvers: "Zieh in meinem Herzen ein, lass es deinen Tempel sein!" Denn ER gibt mir und uns Halt und Kraft.

Lassen Sie uns in diesen Zeiten bei  jedem Glockenläuten innehalten: als Einladung zu persönlichem Gebet, zur Fürbitte für andere und für diese unsere Schöpfung. Wir spüren, dass wir Beziehungswesen sind – in Beziehung zu Gott und zueinander. Gott schenke uns weiter Phantasie, guten Mut und Zuversicht. Denn: "Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit", so der Apostel Paulus (2.Tim.1,17). 

Seien und bleiben Sie gesegnet und beschützt!


1. April

Audioandacht mit Pfarrerin Johanna Fischer


29. März

Videoandacht mit Pröpstin Ktrin Wienold-Hocke für den Sonntag Judika


Videoandacht mit Pfarrer Sven Wollert zum Sonntag Judika


Videoandacht mit Vikarin Aline Seidel zum Sonntag Judika


28. März

Wort zum Sonntag:
Zeitenwende

Von Pfarrer Dr. Michael Dorhs

Dr. Michael Dorhs ist evangelischer Pfarrer und Referatsleiter für Schule und Unterricht der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. (Foto: medio.tv/Schauderna)

Der christliche Glaube beginnt mit einer Krise. Dass das Leben Jesu am Kreuz endete, hatte seinen Anhängerinnen und Anhängern buchstäblich den Boden unter den Füßen weggerissen. Die Welt, wie sie sie kannten, begann sich von einem Tag auf den anderen aufzulösen. Das war ein Schock! Aber schon in dieser Krise schien eine Ahnung davon auf, dass und wie es anders weitergehen würde. 

Vertraute Welten können sich auflösen. Und scheinbar unverrückbare Gewissheiten können ins Wanken geraten. Das müssen wir gerade schmerzhaft wieder neu lernen. Die Generationen vor uns wussten das noch. Wer Weltkriege, Bombennächte, Flucht und Vertreibung oder Geldentwertungen am eigenen Leib erfahren hat, der weiß, dass wir unser Leben niemals in der Hand haben. Und wir? Derzeit überschlagen sich die Nachrichten mit Hiobsbotschaften im Blick auf weiter steigende Infektionszahlen, einbrechende Aktienmärkte und drohende Firmenpleiten. Und manch einer fragt sich besorgt: War’s das? 

„Der Wolken, Luft und Winden, gibt Wege Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann“ (EG 361). So hat es meine Großmutter mit den Worten von Paul Gerhardt singen und glauben können. Obwohl sie alles verloren hatte und mit 47 noch einmal ganz von vorne anfangen musste! Sie sang gegen die Angst und für das Leben. So, wie Menschen das auch jetzt Abend für Abend auf Balkonen, Terrassen oder einfach am offenen Fenster um 19 Uhr tun und „Der Mond ist aufgegangen“ singen oder musizieren. Für mich ist das ein schönes Zeichen unserer Hoffnung auf einen Gott, der nicht will, dass wir untergehen, sondern leben. 

Andere entdecken gerade, welche neuen Möglichkeiten uns die aufgezwungenen sozialen Verzichte bescheren. Ich habe zum Beispiel schon lange nicht mehr so viele persönliche Gespräche geführt wie jetzt – ohne direkten Kontakt, nur am Telefon, und trotzdem nah, verbindlich, echt. Und ich spüre neu, was mir wirklich wichtig ist und mit wem ich auch in Zukunft gerne mehr und intensiver Zeit verbringen möchte. Auf einmal beschäftigen sich viele Menschen wieder mit der Frage, wie solidarisch wir in unserer Gesellschaft miteinander umgehen wollen. Ohne Hetze, ohne Ausgrenzung, ohne „Fake-News“. Aber dafür mit Wertschätzung für Politiker, Ärztinnen, Wissenschaftler, Pflegerinnen, Rettungsfahrer, Seelsorgerinnen und all die anderen, die derzeit manchmal mehr Verantwortung schultern müssen, als sie tragen können. So viele tun ihr Bestes, damit wir mit möglichst wenig Blessuren durch diese Krise kommen! Es sind zutiefst humane Fragen, die derzeit gestellt und ganz praktisch beantwortet werden, wenn beispielsweise jüngere, gesunde Nachbarn Ältere und Kranke schützen, indem sie für sie einkaufen. Alles hoffnungsvolle Zeichen dafür, dass und wie es weitergehen wird! 

Als Christinnen und Christen wissen wir: Nichts ist von Dauer. Alles könnte auch ganz anders sein – aber eben nicht nur schlechter, sondern auch besser! Noch brauchen wir fast unsere ganze Kraft für den so anders gewordenen Alltag. Noch bestimmen uns viele existenzielle Ängste – um den eigenen Arbeitsplatz oder um die Gesundheit derer, die wir lieben. Aber es wird die Zeit kommen, da werden wir auch darüber reden und streiten müssen, was wir aus der Krise gelernt haben und wie wir nach Corona leben wollen. Wie gut, dass uns Gott dafür nicht den Geist der Furcht gegeben hat, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (2.Timotheus 1,7)


22. März

Videoandacht mit Pfarrerin Andrea Wöllenstein für den Sonntag  Lätare


Liturgische Videoandacht mit Pfarrer Sven Wollert zum Sonntag Lätare


21. März

Wort zum Sonntag:
Wenn die Hoffnung wieder Oberhand gewinnt

Von Pfarrerin Kirsten Bingel

„Lätare. ‚Freue dich!’, heißt der 4. Sonntag der Passionszeit. In drei Wochen feiern wir schon Ostern“, beginne ich meine Andacht im Frauenkreis. 

Doch noch bevor ich weiter sprechen kann, erhebt sich ein Gemurmel das immer lauter wird. „Freuen, feiern?“ „Worauf soll ich mich denn freuen? Haben Sie mal die Nachrichten gelesen? Es wird immer schlimmer mit unserer Welt!“

Und plötzlich liegen dunkle Wolken im Raum. Die gerade noch heitere Stimmung kippt. Alle stimmen ein in das Lied der Klage.  

Alle? Nein, nicht alle. Unsere älteste Teilnehmerin bleibt gelassen. Ich habe den Eindruck, dass sich sogar Lachfältchen um ihre Augen bilden, während die fast 100-Jährige den aufgebrachten Schilderungen der anderen lauscht.

Schließlich hört man ihre Stimme leise durch allen Lärm hindurch „Kinders, wir haben doch schon ganz andere Dinge überlebt und ein bisschen Gottvertrauen hat noch niemandem geschadet.“  

Es wird still im Raum. Ganz ruhig sitzt sie da und hält den fragenden Blicken der anderen mit erstaunlicher Kraft stand.

Wir spüren, wie die Hoffnung wieder Oberhand gewinnt.Jemand beginnt, die Melodie des Liedes auf dem Andachtszettel zu summen. Schließlich stimmen wir mit ein: In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesu Christ (EG 398).

Kirsten Bingel ist evangelische Pfarrerin für die Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen Hofgeismar e. V.


15. März

Videoandacht mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann für den Sonntag  Okuli

Angesichts der weitgehend ausgesetzten Gottesdienste im Land hat die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck eine Videoandacht mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann veröffentlicht.

 

14. März

Wort zum Sonntag:
Gemeinschaft pflegen

Von Pfarrerin Christina Schnepel

Christina Schnepel ist Pfarrerin und als Studienleiterin für nachhaltige Entwicklung, weltweite Ökumene, Landwirtschaft und Soziales an der Evangelischen Akademie Hofgeismar.

Konnten wir bisher noch staunend aus der Ferne beobachten, wie das Coronavirus Teile der Welt zum Stillstand bringt, sehen wir diesen nun auf uns zukommen.

Ich möchte mich hier nicht mit medizinischen Fragen beschäftigen. Das ist nicht mein Feld. Ich frage mich vielmehr, wie sich unser Zusammenleben in der nächsten Zeit gestalten wird.

Wir Menschen sind auf soziale Kontakte, auf Kommunikation und Begegnung ausgelegt. Die Bibel erzählt von Jesus, dass er Kranke in die Gemeinschaft holt - unvorstellbar damals - und gerade darum wunderbar: gerade die Teilhabe an Gemeinschaft ist ein wesentlicher Aspekt von ganzheitlicher Heilung.

Große Veranstaltungen, Sportevents etc. werden abgesagt, weil sich in großen Gemeinschaften die Verbreitung des Virus beschleunigen kann. Das habe ich verstanden.

Aber wie pflegen wir in der kommenden Zeit Gemeinschaft, Kontakt und Teilhabe? Glücklich, wer eine kleine Gemeinschaft zu Hause hat.

Ich bitte und bete, dass wir die Einsamen nicht vergessen, die Bedürftigen, die Pflege oder Zuwendung brauchen, dass Ideen und Wunder entstehen für Gemeinschaft zwischen Gott und den Menschen. Ich bitte und bete um Heilung für Erkrankte. Und dass wir nicht vergessen, ein großes Fest alle miteinander zu feiern, wenn es wieder Zeit dafür ist. Das wird wunderbar.

 

7. März

Wort zum Sonntag:
Wahrheit

Irmhild Heinicke ist Pfarrerin und als Studienleiterin für die Aus- und Fortbildung von Prädikantinnen und Prädikanten am Ev. Studienseminar Hofgeismar.

Die Wahrheit liegt nicht immer in der Mitte!

Wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe sterben müssen, dann ist das durch nichts zu rechtfertigen. Die Wahrheit liegt nicht irgendwo in der Mitte zwischen der Achtung vor Menschen und der Verachtung von Menschen. Wer die Wahrheit dort sucht, gibt sie auf.

In unserem Land verschieben sich die Maßstäbe dafür, was Wahrheit ist. Propaganda und Falschinformationen, die in Blasen der SocialMedia gezüchtet werden, versuchen Wahrheiten zu verschleiern. Gemeinerweise werfen sie allen anderen ‚Unwahrheit‘ vor.

Wahrheit ist: Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben und auf Achtung seiner Würde. Niemand ist mehr oder weniger wert, weil seine Hautfarbe heller oder dunkler ist.

Wahrheit ist: Niemand hat das Recht, über das Lebensrecht eines anderen zu urteilen. Wer das mit Worten tut, bereitet Gewalttaten und Morde vor.

Wahrheit ist: Wir leben in einem sehr reichen Land. Und wir haben die Möglichkeiten, vielen anderen Menschen zu helfen. Wer Menschen, die Hilfe suchen, ertrinken, erfrieren oder verhungern lässt, handelt unchristlich und unmenschlich.

Die Losung für den heutigen Samstag steht bei dem Propheten Sacharja (8,16): Rede einer mit dem anderen Wahrheit und richtet wahrhaftig und recht, schafft Frieden in euren Toren!


29. Februar

Wort zum Sonntag:
Und, welchen Vorsatz hast Du?

Von Gemeindereferentin Julia Wenigenrath

Julia Wenigenrath ist Gemeindereferentin im katholischen Pastoralverbund St. Peter Hofgeismar-Weser-Diemel.

Mit dem letzten Mittwoch hat die Fastenzeit 2020 begonnen. Wir Christen schauen dann konkret auf unser Leben und auf die Gelüste und Dinge, die uns vom glücklichen Leben abhalten und die wir ändern wollen.

Jesus ging 40 Tage in die Wüste, um sich auf seine Aufgabe vorzubereiten. Wir bereiten uns auf das Osterfest vor. Ein Weg, der mit diversen Vorsätzen verbunden ist. Von dem Verzicht aufs Süße bis zu ökologischen Maßnahmen entscheidet jeder individuell, wie er oder sie die Fastenzeit gestaltet.

Diese Zeit ist zudem eine Möglichkeit, zu prüfen wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen und den Wert des Einzelnen wertschätzen. Gerade das Gebot der Nächstenliebe ist heutzutage wichtiger denn je. Die Nachrichten der letzten beiden Wochen zeigen dies nochmal eindringlich!

Egal aus welchem Dorf, welcher Nation oder R

eligion der Einzelne stammt, wir brauchen mehr Achtung und Liebe untereinander. Könnten wir uns denn besser auf das Fest der Erlösung von allen Sünden (Ostern) vorbereiten, als genau das zu unserem wichtigsten Vorsatz zu machen?

Ihnen allen eine gute und gesegnete Fastenzeit!

Glaubenssache:
Es ist entschieden …

Von Pfarrer Jens Holstein

Jens Holstein ist Pfarrer in der Klinik in Bad Emstal-Merxhausen.

Helfen oder nicht helfen? Das ist die Frage. Im Alltag sollten da keine Zweifel sein, wenn jemand die Hilfe eines anderen braucht. In dieser Woche ging es vor dem Bundesverfassungsgericht um eine besondere Art der Hilfe. Ist es rechtens, einem Menschen zu helfen sein Leben zu beenden? Sollten oder dürfen das auch Ärzte tun? Darauf gibt es keine einfache Antwort. Das Bundesverfassungsgericht hat aber entschieden, dass das sein darf. Ein Mensch muss die Freiheit haben, sein Leben selbstbestimmt zu beenden, auch mit Hilfe eines anderen. Das Gericht hat viele Aspekte abgewogen und ist am Ende zu einer Entscheidung gekommen.

Die Kirchen, ein Teil der deutschen Politiker, Hospiz- und Palliativverbände sind darüber enttäuscht oder gar entsetzt. Die Kommentatorin der HNA hat geschrieben, manche würden das nun für die Öffnung der Höllenpforten halten. So drastisch wird es nicht sein. Aber ein bisher bestehendes Tabu wird aufgehoben. Und es wird in Krisensituationen auch nicht leichter werden. Die modernen ärztlichen Standesordnungen sehen die Tötung auf Verlangen nicht vor. Der Hippokratische Eid verbietet ausdrücklich die aktive Sterbehilfe. Ärzte sollen Leben erhalten. Werden sie nun zum Diener zwei Herren? Ihre Rolle wird in jedem Falle unklar. In psychiatrischen Kliniken ist  der Suizid die größte Bedrohung. Es bleibt immer zu prüfen, ob der Todeswunsch sich in großem Leid oder einer seelischen Erkrankung wie der Depression gründet. Das ist nicht allein eine Frage in der Psychiatrie.

Wann genau ist eine aktive Sterbehilfe angemessen? Was sind rechtfertigende Gründe? In einer Zeit, in der Ökonomie zunehmend die medizinische Versorgung bestimmt, besteht die Gefahr, dass Sterbende nicht frei entscheiden. Geldmäßige Aspekte gewinnen zunehmend Gewicht. Das wird an der Schließung des Wolfhager Krankenhauses sichtbar.

Vor allem steht eine gute palliative Versorgung. Wenn schwerkranke und sterbende Menschen hinsichtlich ihres Schmerzes gut versorgt werden, sinkt der Todeswunsch. Die aktive Sterbehilfe hingegen ist ein massives Mittel mit vielen Konsequenzen für unsere Gesellschaft. Das sollten wir auch nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes im Blick behalten. Zudem schwingt in Deutschland immer noch die Geschichte und Haltung der so genannten Euthanasie in der NS-Zeit mit.

Eine Gesellschaft weist sich darin als humanitär aus, dass sie Leid ins Leben einbezieht und bei der Versorgung schwerstkranker Menschen unterstützt und Anteilnahme lebt. Das löst nicht alle Spannungen und Krisen im Umgang mit kranken Menschen. Aber bevor man einem Menschen aktiv zum Sterben verhilft, sollte man die Alternativen bedenken.


22. Februar

Wort zum Sonntag / Glaubenssache:
Für eine andere Kultur

Von Pfarrer Gerd Bechtel

Gerd Bechtel ist evangelischer Pfarrer und war bis Ende 2019 Geschäftsführer des Diakonischen Werks Region Kassel.

Manchen Narren bleibt in diesen Faschingstagen das Lachen im Halse stecken. Einmal mehr hat sich in dieser Woche eine unfassbare Mordtat ereignet, verübt von einem Täter mit „zutiefst rassistischer Gesinnung“. Es ist sicher richtig, dass in Hanau Karnevalsveranstaltungen abgesagt werden und auch an anderen Orten Menschen nicht fröhlich feiern wollen, weil sie erschüttert und traurig sind. Ich verstehe aber auch, wenn andere trotzdem feiern. Sie wollen sich von solchen schlimmen Taten und Tätern nicht den Lebensstil diktieren lassen. Und sie wollen das fröhliche Beisammensein gerade als friedliches Zeichen unserer offenen und toleranten Gesellschaft demonstrieren, in der die ganze menschliche Vielfalt ihren Platz hat.

Solche Statements sind wichtig. Denn längst schon sind rassistische und nationalistische Hetze sowie große Gewaltbereitschaft an der Tagesordnung. Der Schritt zur Tat ist offensichtlich klein, insbesondere wenn sich politisch motivierter Terrorismus und psychische Störung ergänzen. Die Kultur des Miteinanders in unserem Land hat sich verändert und dem müssen wir dringend alle etwas entgegensetzen.

Wir dürfen uns nicht gewöhnen an menschenverachtende Reden im Bekanntenkreis wie in den neuen Medien. Wir dürfen uns nicht gewöhnen an diffamierende Schwarz-Weiß-Malereien und schamlose Lügen als Mittel der politischen Auseinandersetzung. Auch wenn wir ernsthaft und sachorientiert streiten, brauchen wir eine Kultur der Wertschätzung, die mein Gegenüber als Menschen mit Würde und Gottes Geschöpf ansieht.

Und selbst wenn mir solche Wertschätzung nicht begegnet, ist es an mir, darin ein Vorbild zu sein. Die Bibel nennt das „Nächstenliebe“, die selbst dem Feind gilt. Ob sie in diesem Jahr Fasching feiern oder nicht: Lassen Sie uns gemeinsam für eine solche Kultur eintreten!


15. Februar

Wort zum Sonntag:
Was ist der Mensch?

Von Pfarrerin Ulrike Bundschuh

Ulrike Bundschuh ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Grebenstein.

Diese Woche an der Bushaltestelle. Ich sitze im Auto und lese auf dem Plakat: „Jeder Mensch ist etwas wert. Entscheide Du, wie viel.“ Damit wird eine Sendung im Fernsehen beworben. Ich bin schockiert: „Jeder Mensch ist etwas wert“?

Und jemand anderes soll darüber entscheiden dürfen, wie viel jemand wert ist?

Offensichtlich funktioniert das über ein Bewertungsraster mit fünf Punkten, so wie man im Internet alles bewerten kann: Hotels, Dienstleistungen, Ärzte.

Hier kommen also Menschen in die Situation, dass sie bepunktet werden, und andere kommen in die Situation, dass sie Punkte geben.

Mir fallen die Kämpfe ein, die Christen und Christinnen im Römischen Reich zur Zeit der Christenverfolgung in der Arena führen mussten gegen wilde Tiere. Der Kaiser konnte den Daumen rauf oder runter senken. Dann war das Schicksal besiegelt.

Wie fühlt sich wohl jemand, der beweisen muss, dass er einen Wert hat?

Warum bewerten andere so gerne? Sie kommen da vermutlich in die Rolle, Macht zu bekommen über andere. 

Im Psalm 8 heißt es: „Was ist der Mensch, dass Du – Gott – seiner gedenkst, … Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.“

Das gilt für alle Menschen, jede und jeden - von Beginn an - ohne unser Zutun. Wir sind wertvoll als Geschöpfe Gottes. Wir brauchen uns von anderen nicht bewerten zu lassen, um uns wertvoll zu fühlen.

Wir brauchen andere nicht zu bewerten, um uns besser zu fühlen. Auf Augenhöhe können wir gemeinsam unterwegs sein – ohne Oben und Unten. Als Königinnen und Könige von Gottes Gnaden.

Glaubenssache:
Keine Angst!

Von Pfarrerin Kathrin Wittich-Jung

Kathrin Wittich-Jung ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Wolfhagen.

Heute treffen sich wieder um 11.05 Uhr Menschen auf dem Marktplatz in Wolfhagen zur Mahnwache.

Seit einem guten halben Jahr findet in Wolfhagen an jedem dritten Samstag im Monat eine Mahnwache für Demokratie, gegen Hass, Hetze und Rechtsextremismus statt. Ihren Anfang haben die Mahnwachen im Juni des vergangenen Jahres genommen, als Walter Lübcke von Rechtsextremisten ermordet wurde. Schüsse auf eine Synagoge in Halle. Morddrohungen vom rechten Spektrum gegen Politiker. Schüsse auf das Büro eines Politikers in Halle. Die Kommentarspalten bei Facebook und Co sind voll von rassistischen, homophoben, antidemokratischen, völkischen und sexistischen Äußerungen. Auf einmal ist es salonfähig geworden, sich offen fremdenfeindlich zu äußern. Mich erfüllt das mit Ohnmacht und dem Gefühl: „Wie soll das weitergehen? Was kann ich tun?“ Und ich habe Angst. Angst, irgendwann in einer Gesellschaft leben zu müssen, in der rechte Gewalt und Politik an der Tagesordnung sind. Was, wenn die Rechtspopulisten an die Macht kommen und unser Land regieren?

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht. Sondern der Liebe und der Besonnenheit.“ Das ist ein Vers aus der Bibel. Er begleitet mich schon lange. Immer, wenn ich mich klein fühle, ohnmächtig und ängstlich. Mir macht der Vers Mut: Gott hat mir Liebe und Besonnenheit ins Herz gelegt. Nicht Angst. Und die soll mich auch nicht regieren. Ich will mich leiten lassen von Zuversicht und Liebe. Und deswegen gehen wir samstags auf den Marktplatz. Und weil bei Gott eben alle Menschen Platz haben - egal woher sie kommen, oder welche Religion sie haben. Gott hat den Geist der Liebe ins Herz gelegt. Und nicht mit Hass oder Häme.

Dafür stehen wir auf. Und zeigen Gesicht. Vielleicht sehen wir uns ja auf dem Marktplatz?


8. Februar

Wort zum Sonntag:
Ein neues – bitte: was?

Von Pfarrer Stephan Bretschneider

Stephan Bretschneider ist Pfarrer für die Ev. Stadtkirchengemeinde Hofgeismar.

Vor kurzem las ich in einer Zeitschrift davon, dass unsere Gesellschaft ein neues „Narrativ“ benötigt. Doch was bitte ist ein „Narrativ“?

Mit einem Narrativ ist eine Grunderzählung, eine Grundidee gemeint, auf die z.B. eine Gesellschaft ihr Denken und auch ihre gemeinsame Motivation gründet. Und als Grunderzählung für unsere Gesellschaft, eben als Narrativ, wurden in jenem Artikel der Fortschritt und die Machbarkeit genannt: Alles ist machbar und alles muss immer besser und größer und schneller werden. Und die Zahlen müssen stimmen.

Doch ist dieses Narrativ wirklich noch tragfähig in einer Zeit, in der wir überall an die Grenzen des Fortschritts und der Machbarkeit stoßen? Müssen wir diese Geschichte wirklich immer weiter erzählen und womöglich sogar glauben?

Ja, auch ich denke, dass wir ein neues Narrativ für unser Miteinander in dieser Zeit brauchen, z.B. Geschichten von mehr Gerechtigkeit in der Welt, von Maßhalten und Verzicht, von Rücksichtnahme und Zuwendung zu denen, die unter die Räder zu geraten drohen.

Übrigens: Die Bibel ist voll von genau solchen Geschichten. Wir müssen sie nur wiederentdecken. Am besten gemeinsam.

Glaubenssache:
Nur ein Traum ?

Von Pfarrer Stefan Kratzke

Stefan Kratzke ist Pfarrer für die Ev. Kirchengemeinde Balhorn-Altenstädt.

Wie schön, dass Woche für Woche mehr Leute in unsere Gottesdienste kommen. Alt und Jung freuen sich auf den Sonntagmorgen. Der Parkplatz vor der Kirche reicht nicht mehr. Die Reihen in den Kirchenbänken werden voller und voller.

Stammplätze gibt es nicht mehr, weil sich so viele auf den Weg machen. Und wer da alles kommt: nicht nur die üblichen, sondern alle möglichen Leute. Was wollen die alle hier? Sie spüren: Gottesdienst betrifft mein Leben. Es geht um mich. Im Gottesdienst dient Gott mir. Ich muss nichts tun, ich werde beschenkt.

Das wollen sich die Leute nicht entgehen lassen. Sie hören Gottes Wort, nehmen es auf, denken darüber nach, bewegen es in ihrem Herzen. Sie lassen ihr Leben neu von Gott ausrichten. Sie wollen nicht verpassen, welche Früchte Gott in ihnen reifen lässt und wie sich ihr Leben verändert. Liebe und Geduld, Verständnis und Besonnenheit, Stärkung und Mut, Hoffnung und Frieden.

Gottes Geist wirkt in den Menschen, bewegt sie, erfüllt ihren Alltag, hilft bei der Bewältigung der vielen Aufgaben, die uns gestellt sind. In Familie, Nachbarschaft, Freundeskreis, Vereinen, Gemeinden, Beruf.

Und sie kommen, weil sie spüren, wie gut es tut, gestärkt zu werden, Orientierung zu bekommen, mit Gottes Segen in die neue Woche zu gehen.

Kaum ist die Woche um, gehen sie wieder in den Gottesdienst, an den heiligen Ort, der Stärkung, Trost, Hoffnung, Mut, Liebe und Frieden spendet. Und schon wieder sind mehr Leute gekommen, um sich beschenken zu lassen. Der Kirchenvorstand überlegt, ob bei solch einem Andrang nicht eine Erweiterung der Kirche dran wäre ...

Nur ein Traum? Ob er Wirklichkeit werden kann, das liegt an uns. Jede und jeder kann selbst entscheiden, sich von Gott beschenken zu lassen und sein heilsames Wirken zu erfahren. Jeden Sonntag. Die Gottesdienst-Stammgäste werden hoffentlich zur Seite rücken und mit freundlichem Blick sagen: „Herzlich willkommen. Schön, dass Sie da sind.“


1. Februar

Wort zum Sonntag:
Das 11. Gebot

Von Pfarrer Martin Schöppe

Martin Schöppe ist Pfarrer der katholische Kirchengemeinde St. Peter in Hofgeismar​.

Zur Gedenkfeier der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz sprach einer der Überlebenden des Holocaust vor allem die jungen Menschen an. Er wolle nicht von dem unvorstellbaren Grauen sprechen, nicht vom Leid und nicht vom Tod.

Er nahm die Zuhörer mit in die Zeit bevor es zur organisierten Tötung von Millionen Menschen kam. Auf dieser Parkbank dürfen Juden nicht sitzen war auf einem Schild zu lesen. Nun gut, es gibt ja auch noch andere Bänke. In diesem Schwimmbad dürfen Juden nicht schwimmen. Nicht so schlimm, es gibt viele Gelegenheiten zum Schwimmen.

Tag für Tag wurden so Menschen ausgegrenzt, ihrer Würde beraubt und der Massenmord vorbereitet. Schleichend wurde dem Bösen Tür und Tor geöffnet in einem Land, das so stolz ist auf seine christlichen Gebote.

Deshalb fügte der Redner den 10 jüdisch-christlichen Geboten ein 11. Gebot hinzu: Du sollst nicht gleichgültig sein. Damit denke ich können nicht nur junge Menschen etwas anfangen, damit wurden die Anfänge des Holocaust verstehbar und schlagartig der Sinn von Gedenken aktuell: Du sollst nicht gleichgültig sein!

Glaubenssache:
Brügge sehen … und sterben?

Von Gemeindereferent Alexander von Rüden

Alexander von Rüden ist Gemeindereferent im katholischen Pastoralverbund St. Heimerad Wolfhager Land.

Kennen Sie den Film „Brügge sehen … und sterben“? Die Dreharbeiten zu  diesem actionreichen Krimi-Drama in mittelalterlicher Originalkulisse der wunderschönen belgischen Stadt begannen auf den Tag genau vor 13  Jahren, am 2. Februar 2007. – „Brügge sehen … und sterben?“

Machen wir einen Zeitsprung: Etwas mehr als 2.000 Jahre zurück nach Jerusalem. Ein Paar bringt sein neugeborenes Baby in den Tempel, um es dem jüdischen Gesetz entsprechend Gott zu weihen. Und dort wartet im Inneren ein alter Mann auf genau diesen Augenblick. Seit Jahren erwartet er diesen Moment, nie wissend, ob und wann er eintreffen wird.

Aber seine Sehnsucht wird wahr: Ein Paar bringt den Messias in das Gotteshaus. Maria und Josef stellen ihren kleinen Jesus im Tempel dar und legen ihn dem greisen Simeon in die Hände. Und der merkt: Der Augenblick ist gekommen. „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ (Lk 2,29-32) – Jesus sehen … und sterben?!

Der alte Simeon war mit der Gewissheit, endlich den Heiland, Retter 
und Erlöser erlebt zu haben, bereit für seinen Tod. Sicher zu sein, 
von Gott beschenkt und erfüllt worden zu sein und Jesus kennengelernt zu haben, verlieh ihm Ruhe und Gelassenheit – sogar und besonders im Blick auf sein eigenes Lebensende.

Ich für mich kann sagen, dass ich dankbar bin, Jesus nach meinen 
Möglichkeiten und aus meinem Glauben heraus 2.000 Jahre später auch kennen zu dürfen, ihn meinen Freund zu nennen und von ihm auf meinem Lebensweg begleitet zu werden. Wie für Simeon, so ist er auch für mich Heiland und Licht.

Der kirchliche „Lichtmess“-Gedenktag am 2. Februar erinnert an das 
Ereignis der Darstellung Jesu im Tempel und damit einhergehend an die erfüllte Sehnsucht des alten Simeons, nämlich Jesus sehen … und sterben.

Ein Clou, dass der Drehbeginn von „Brügge sehen … und sterben“ 2007 auf einen 2. Februar fiel.


25. Januar

Wort zum Sonntag:
Im Freizeitfieber

Von Pfarrer Thomas Schrader

Thomas Schrader ist Pfarrer im Ev. Kirchspiel Vernawahlshausen und einer der stellvertretenden Dekane des Kirchenkreises.

Die Konfirmandenfreizeiten gehen wieder los. Fragt man Konfirmanden-Eltern, dann zählen die Freizeiten zum Prägendsten aus ihrer Konfirmandenzeit. Da wird erzählt von Traubenzuckerdragees gegen nächtliches Heimweh und von heimlichen Besuchen im Nachbarzimmer.

Wer schleicht sich am geschicktesten an den wacheschiebenden Pfarrerinnen und Fahrtbegleitern vorbei? Vom Küchendienst über Spiel und Sport bis zur gemeinsamen Abendmahlsfeier reichen die Erlebnisse der Fahrt – und das ganz analog von Mensch zu Mensch.

Manche meiner Konfirmanden/Innen lerne ich bei einer solchen Fahrt von einer ganz anderen Seite kennen. Und die Konfis vielleicht auch mich und darüber hinaus auch einen Teil ihrer Kirchengemeinde. Wenn es gut läuft, dann erfährt die Gruppe ganz intensiv Mahlgemeinschaft: Schmeckt und seht, wie freundlich Gott ist. Da wird die Hingabe Gottes begreifbar und erlebbar. Und das ein Stück weg von zu Hause. Das „Ja“ Gottes zu meinem Leben. Darum geht es auf dem Weg zur Konfirmation: Gemeinsam gestärkt werden in unruhigen Zeiten.

Das tun wir in unseren Gemeinden Sonntag für Sonntag.

Glaubenssache:
Geliebt und Geächtet

Von Jürgen Krackrügge

Jürgen Krackrügge ist Mitarbeiter in der Freien evangelischen Gemeinde in Ippinghausen.

Wissen Sie, was das meistverkaufte Buch aller Zeiten aber zugleich auch das am heftigsten bekämpfte Buch der Welt ist? Es ist die Bibel. Der heutige Sonntag weist als „Bibelsonntag“ auf die Besonderheit dieses Buches für Christen in aller Welt hin.

Während auch an diesem Tag Menschen in der ganzen Welt dankbar ihre Bibeln aufschlagen und darin lesen, steht die Bibeln in vielen Ländern auf dem Index der verbotenen Bücher. Leute, die beim Lesen der Bibeln oder auch bei Gesprächen über Texte der Bibel erwischt werden, landen nicht selten im Gefängnis

Seit meinem Eintritt in den Ruhestand arbeite ich in der „Gideon“ Gruppe Kassel mit. Die „Gideons“, haben es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen in der ganzen Welt die Bibel zu bringen. Seit Gründung der Organisation des „Internationalen Gideonbundes“ vor nunmehr gut 100 Jahren sind in über 190 Ländern der Erde mehr als zwei Milliarden Bibeln verteilt worden. Vielleicht kennen Sie durch einen Hotelbesuch die blaue, dreisprachige Bibel, die dort im Nachttisch auslag. In vielen Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen liegen diese Bibel auch aus.Ich selbst verteile sehr gerne die kleinen Neuen Testamente in den Schulklassen unserer Region.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass es auf jeden Fall lohnt, sich regelmäßig mit diesem Wort Gottes zu beschäftigen. Falls Sie bisher mit dem Bibellesen keine Erfahrung haben, helfen auch Gesprächsgruppen in den Gemeinden dazu, einen Zugang zum Wort Gottes zu finden. Und im Gottesdienst an diesem Sonntag steht sicherlich auch die Predigt mit der Auslegung eines Bibeltextes im Mittelpunkt.

Sie sind herzlich dazu eingeladen.


18. Januar

Glaubenssache:
Wir brauchen Frieden

Von Lektorin Maryam Parikhahzarmehr

Maryam Parikhahzarmehr ist Lektorin in der Ev. Kirchengemeinde Wolfhagen.

Leid kennen wir alle aus unserem Leben und aus dem Leben der Menschen, die uns nahestehen. Wir Christen wissen, was Leid ist, auch aus dem Leben unseres Herrn Jesus Christus. Schmerz und Leid gehören zum Leben dazu. In diesen Wochen gehen meine Gedanken noch stärker als sonst in meine iranische Heimat. Die Menschen dort erleben zurzeit schmerzhafte Momente. Der Tod unschuldiger Menschen lässt die Herzen der Staatsmänner im Iran kalt; das iranische Volk verspürt aber ein tiefes Leid in ihren Herzen.

Meine Glaubensworte in dieser Woche können deshalb nicht anders sein, als der Trauer um den Tod von 176 unschuldigen Menschen in einem ukrainischen Flugzeug in Teheran Ausdruck zu geben. Durch das Militär der islamischen Regierung ist das Flugzeug abgeschossen worden. 

Ich möchte Sie bitten, in diesem Moment eine Kerze in Ihrem Herzen anzuzünden mit dem Licht des Friedens, den Jesus uns geschenkt hat: für alle Menschen die im Krieg sind und unter Gewalt und Hass leiden, für alle Menschen, die wir geliebt haben und die nicht mehr unter uns sind. Falten wir die Hände, verbinden wir unseren Herzen miteinander und bauen eine Brücke aus Mitgefühlen, damit die leidenden und getroffenen Menschen die große Krise ihres Lebens überwinden können.

Ich träume von einer Welt, in der die Religion und die Hautfarbe Menschen nicht mehr trennen. Und ich träume auch davon, dass wir als Menschen nie aufhören, füreinander Mitleid zu haben. Das ist ein guter Beitrag für ein friedliches Zusammenleben.

Denn: Wir brauchen Frieden.


11. Januar 2020

Wort zum Sonntag:
Rettungsanker

Von Pfarrer Sven Wollert

Sven Wollert ist Pfarrer für die Ev. Kirchengemeinde Obermeiser-Westuffeln und Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises.

Elf Tage ist das neue Jahr nun alt und spätestens am Montag, wenn auch Hessens Schulferien zu Ende sind, hat uns der Alltag wieder. Heute werden in vielen Orten die Weihnachtsbäume eingesammelt. Kurz: Die Zeit „zwischen den Jahren“ ist endgültig vorbei.

Bei vielen wird es wieder so sein, dass die guten Vorsätze aus der Neujahrsnacht diese ersten Tage schon nicht überlebt haben. Das ambitionierte Bewegungsprogramm ist irgendwo zwischen schlechtem Wetter und Vierschanzentournee auf dem Sofa verschütt gegangen. Der aufmerksamere Umgang mit dem Partner wurde von ganz Alltäglichem erstickt. Der Plan, sich endlich nach einem besseren Job umzusehen, endet in einem nie gepflegten Profil eines beruflichen Netzwerks.

Für viele ist das auch mit einem Gefühl verbunden, versagt zu haben: Ich entspreche nicht dem, was ich eigentlich von mir selbst erwarte. Ich muss doch besser, anders, zufriedener sein als ich es gerade bin. Und ich habe es wieder nicht geschafft. 2020 sieht 2019 schon wieder verblüffend ähnlich – obwohl es doch ganz anders werden sollte.

Solche Gefühle sind nicht neu, sind kein Privileg von uns heute.

„Ich bin getauft!“ Dies hielt sich zum Beispiel Martin Luther schon vor 500 Jahren oft vor Augen, wenn er mal wieder mit sich selbst so schrecklich unzufrieden war. Und er war oft unzufrieden mit sich. Aber sich daran zu erinnern, getauft zu sein, war wichtig. Denn es sagte ihm: „Ich bin Gottes Kind – auch jetzt. Niemand wird das von mir nehmen.“ Es war auch in den schwierigen Stunden sein Rettungsanker: „Da ist jemand, der zu mir steht – komme was da wolle. Auch, wenn ich versage.“

Denn: „Ich bin getauft!“

Glaubenssache:
Im Namen Gottes ...

Von Pfarrer Lars Bachmann

Was bestimmt mein Leben? Zunächst einmal mein Name und zwar in doppelter Weise: zum einen ist da der Nachname, der mir deutlich macht, dass ich in eine Familie hineingeboren bin. Zum anderen ist da der Vorname, den ich mir nicht selbst ausgesucht habe, sondern den mir meine Eltern gegeben haben. Ob ich meinen Vornamen mag oder nicht, ob er gewöhnlich ist oder kurios, mein Vorname lässt mich exemplarisch erfahren, dass ich als Mensch umfassend abhängig bin. Jeder Mensch kann in seinem Leben entdecken, sofern er sich darauf einlässt, dass es Dinge gibt, die ihm ungefragt zuteil wurden – wie mein Geschlecht, meine Familie, meine Talente, meine Gesundheit. Auch wenn ich mein Leben durch eigene Entscheidungen bestimmen kann – wie den Beruf, meine Lebenspartnerin, die Dinge, die ich täglich tue oder lasse –, so weiß ich doch, dass ich in einer alles umfassenden Abhängigkeit lebe. Denn alles, was es in der Welt gibt, ist in irgendeiner Weise abhängig.

Doch wovon bin ich abhängig?

Der morgige Sonntag, der uns an die Taufe Jesu erinnern will, stellt mich vor die Entscheidung, ob ich mein Leben, unabhängig davon welchen Namen ich trage,  bewusst als ein Kind Gottes führen will, weil Gott für mich die Alles bestimmende Wirklichkeit ist. Was das bedeutet, hat Martin Luther in seinem Großen Katechismus in folgende Worte gefasst: „Was heißt einen Gott haben, oder was ist Gott? … allein das Vertrauen und Glauben des Herzens etwas macht etwas sowohl zu Gott als zu einem Abgott. Woran du nun dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.“

Und wer ist unser Gott? Es ist der Gott Jesu, es ist der Gott, der Liebe ist.

Ich jedenfalls will mich vom Gott Jesu bestimmen lassen. Ich will als Kind Gottes zu seiner Menschenfamilie gehören. In seinem Namen will ich leben.

Lars Bachmann ist evangelischer Pfarrer an der Herwig-Blankertz-Schule in Wolfhagen.


4. Januar 2020

Wort zum Sonntag:
Neues Jahr als Chance

Von Pfarrer Thomas Steinrücken

Thomas Steinrücken ist Pfarrer der kath. Gemeinden St. Michael, Bad Karlshafen-Trendelburg, und Hl. Geist, Wesertal.

Als Jesus von Nazareth vor etwa 2000 Jahren zur Welt kam und sich 30 Jahre später auf den Weg machte, das Reich Gottes zu verkünden, da war es eine überraschende Erfahrung für seine Zeitgenossen, dass er niemanden abschrieb und verachtete: weder die Leistungsfähigen noch die Schwachen, auch nicht die Aussätzigen, die von der Gesellschaft Ausgesetzten. Gott sagt zu jedem: „Ich kann mit dir was anfangen. Du bist mir wichtig, auch wenn du weder der Schönste noch der Stärkste oder der Klügste bist“.

Das neue Jahr 2020 muss mich nicht ängstigen oder verzagt machen. Es ist die Chance, mein Leben in die Hand zu nehmen, zu gestalten und zu meiner Zeit, zu meinem Leben zu machen. Es ist meine Chance, immer mehr der Mensch zu werden, der ich vor Gott sein darf, den Gott im Sinn hatte, als er mich schuf.

Gehen wir also voll Zuversicht in dieses neue Jahr. Tragen wir das Unsrige dazu bei, dass es ein geglücktes, glückliches Jahr wird.

Glaubenssache:
Wut und Mut der Verzweiflung

Von Dekan Wolfgang Heinicke

Wolfgang Heinicke ist seit 1. Januar 2020 Dekan des neuen Ev. Kirchenkreises Hofgeismar-Wolfhagen.

Der Schrei des Vaters geht durch Mark und Bein. Er hatte Hilfe gebraucht. Hilfe für sein krankes Kind. Deswegen war er gekommen. Der, den er eigentlich gesucht hatte, war nicht da. Die, die er antraf, waren unfähig. Jedenfalls helfen konnten sie nicht. Und dann stritten sie untereinander und mit denen, die immer alles besser wussten. Woran hat es gelegen? Gibt es weitere Ursachen? Wer ist daran schuld? Darüber lässt sich leicht streiten, wenn man keine Ahnung hat, wie sehr die verfluchte Ohnmacht schmerzt, dachte er bitter.

Jesus kommt, und der Vater spricht ihn an: „Wenn du etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!“ Und dann diese Antwort: „Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ Das ist mehr, als er ertragen kann. Das klingt für ihn zu sehr nach „Denk positiv“ und „Vertrauen ist der erste Schritt“ und all dem anderen, was er weiß, aber nun gerade nicht kann. Es gibt eine Grenze, was auszuhalten ist. Und die ist definitiv überschritten. Darum schreit er. Schreit aus der Tiefe. Aus der Tiefe der Not. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“

Wie gut, wenn man so schreien kann. In dem Schrei höre ich die Not und die Wut der Verzweiflung. Ja, ich kann nicht mehr! Nein, das ist nicht gerecht! Ja, ich bin es leid, solche allgemeinen Weisheiten zu hören! Gleichzeitig hält der Schrei Gott fest, lässt ihn nicht los. Beides ist das ungemein Starke an dem Satz, das Stärkende. Manchmal wandelt sich dann die Wut der Verzweiflung in den Mut zum Leben.

In der biblischen Geschichte heilt Jesus den Sohn dieses Vaters. Wir müssen manchmal auch andere Erfahrungen machen. Und trotzdem: Es lohnt sich, gerade dann an Gott festzuhalten. Manchmal spüre ich dabei: Ich kann mich fallenlassen, weil er mich hält.


28. Dezember 2019

Wort zum Sonntag: Rückblick und Fazit. Gedanken zwischen den Jahren

Von Pfarrerin Christina Schnepel

Christina Schnepel ist Pfarrerin und als Studienleiterin für nachhaltige Entwicklung, weltweite Ökumene, Landwirtschaft und Soziales an der Evangelischen Akademie Hofgeismar.

Am Ende des Jahres stehen Rückblick und Fazit.

Die Nachrichten des Jahres werden für uns so oder ähnlich zusammengefasst:

Ein Jahr Proteste in Honkong, verheerende Waldbrände auf verschiedenen Kontinenten, Fridays for Future, die Ermordung von Walter Lübke und immer wieder Brexit.

Der private Rückblick sieht freilich jeweils ganz anders, kleinteiliger, aber oft nicht weniger bewegend aus.

„Suchet Frieden und jaget ihm nach“, war die Jahreslosung für unser Jahr 2019.

Welches Fazit ziehen wir dazu?

Ich habe das Gefühl, dass diese Worte nicht ungehört verhallen. Waren die Debatten in den vergangen Jahren oft mir der Analyse einer „Spaltung der Gesellschaft“ beschäftigt, entdecke ich im zu Ende gehenden Jahr wachsende Spuren der Solidarität, Engagement für demokratische Beteiligung, gegen Rassismus und rechten Extremismus und steigendes Bewusstsein für die Notwendigkeit von fairem Handel in nah und fern.

Die Kirchenvorstandswahl ebenso wie die Wahl unserer Bischöfin Hofmann haben in diesem Jahr die Überzeugung neu geweckt, dass in Kirchen und Gemeinden Frieden, Solidarität und Gerechtigkeit wachsen und von dort ausstrahlen können. Hier sammeln sich Menschen, die sich genau dafür engagieren.

Können wir die Jahreslosung also mit dem Jahr 2019 abschließen?

Nein, natürlich nicht. Verschiedene Bischöfe und der Papst haben an Weihnachten wieder zu einem friedlichem Miteinander und vor Gleichgültigkeit gegenüber Flüchtlingen aufgerufen. Der Bundespräsident mahnte: "Derzeit braucht die Demokratie vor allem uns.“

Wir schließen die Jahreslosung 2019 nicht als erledigt ab, sondern glauben weiter daran mit der neuen für 2020: „Ich glaube - hilf meinem Unglauben!“

Glaubenssache:
Von guten Mächten

Von Prädikant Günther Dreisbach

Kirchenrat Günther Dreisbach ist Prädikant in der Evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen.

In diesen Tagen ist ein Gedicht 75 Jahre alt geworden. Zum Jahreswechsel 1944/45 hat Dietrich Bonhoeffer es geschrieben. Aufgrund seines Widerstandes gegen das nationalsozialistische Regime wurde er verhaftet und im April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Im Gefängnis des Reichssicherheitshauptamtes in Berlin, einem der gefürchtetsten Gefängnisse der Gestapo, hat er für seine Braut Maria Wedemeyer das Gedicht verfasst: »Von guten Mächten treu und still umgeben«. Seitdem hat das Gedicht eine weite Verbreitung gefunden. Vielfach wurde es vertont. Im Evangelischen Gesangbuch gehört es seit Ende des 20. Jahrhunderts zum Kernbestand der Lieder zur Jahreswende.

In den Gottesdiensten, die ich zu halten habe, leite ich den Schlusssegen regelmäßig ein mit den Worten des letzten Verses des Liedes: »Von guten Mächten wunderbar geborgen / erwarten wir getrost, was kommen mag. / Gott ist bei uns am Abend und am Morgen / und ganz gewiss an jedem neuen Tag.« Im Altersheim erlebe ich es: Fast im Chor sprechen die alten Menschen es mit. Manche nicken dazu beifällig mit dem Kopf. So, als wollten sie sagen: Das unterschreibe ich gern. Das gehört zur eisernen Ration meines Lebens.

Vielleicht kann der eine oder die andere das im Rückblick auf das Jahr 2019 auch sagen: Ja, ich habe diese Geborgenheit gespürt. Nicht immer und nicht immer so intensiv. Aber ich weiß: Gott war immer bei mir. So wie Dietrich Bonhoeffer sich dessen gewiss war. Und vielleicht nehmen Sie diese Gewissheit mit in das neue Jahr. Ich wünsche es Ihnen.

Und: Gehen Sie von guten Mächten wunderbar geborgen getroste Schritte in das Jahr des HERRN, das Anno Domini 2020.

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