Ev. Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen
Ihre evangelische Kirche in Hessens Norden

Zum Weiterdenken

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die Texte zur Verfügung, die - zumeist - aus der Mitte unseres Kirchenkreises für die Hofgeismarer Allgemeine und die Wolfhager Allgemeine erstellt werden - zum Nachlesen, Nachdenken und Weiterdenken.


27. November

Seid unverzagt!

Wolfgang Heinicke ist Dekan des Ev. Kirchenkreises Hofgeismar-Wolfhagen.

Zugegeben: „Verzagt“ ist ein altertümliches Wort. Aber in diesen Tagen drängt es sich mir auf. Ich merke an mir, wie mich die gegenwärtige allgemeine Lage müde macht. Ich möchte nicht schon wieder über Corona-Einschränkungen nachdenken. Manch lange Debatte über den Sinn von Impfungen habe ich satt. Sind Menschen denn überhaupt nicht lernfähig, frage ich mich zwischendurch.

Verzagtheit macht sich breit, Rückzug in das Persönliche oder in den November-Blues. Dabei weiß ich doch, Mut und Entschlossenheit sind nötig. Auch der Mut, Fehler zu machen. Die Entschlossenheit, ohne Angst loszugehen - „unverzagt“ eben, mit aufrechtem Blick und kraftvoll. Nicht leichtsinnig, aber leichten Sinns. Beschwingt wäre gut, mit weniger Anstrengung. Aber wie komme ich dahin, gerade jetzt? Allein mit eigener Anstrengung wird das nichts. Ich brauche dazu etwas von außen, das dann in mir zum Klingen kommt.

Während ich das schreibe, habe ich einen Ohrwurm: „Seid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Tür; der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier“. So singe ich innerlich mit einem alten Adventslied (EG 11, Vers 6). Ob es mir auch in diesem Jahr wieder die Augen öffnet, wie schon so oft? Ob ich spüre, dass Hilfe vor der Tür ist, dass ich nicht allein auf weiter Flur bin? Klug wäre es, dann die Hilfe auch einzulassen in mein Leben, sie anzunehmen. Dann könnte sich mein verzagtes Herz „laben“, sich erfrischen und stärken lassen. Von Gott und von den Menschen, die er mir im Advent begegnen lässt. Also: Seid unverzagt, Gott ist euch nahe!

 

20. November

Gedanken zum Sonntag:
Loslassen?- Erinnern!

Von Pfarrerin Irmhild Heinicke

Irmhild Heinicke ist Pfarrerin für die Aus- und Fortbildung von Prädikantinnen und Prädikanten am Ev. Studienseminar Hofgeismar und Vakanzvertreterin für das Kirchspiel Liebenau.

Du musst loslassen! Haben Sie diesen Satz nach dem Tod eines Angehörigen auch zu hören bekommen? Meinem Mann und mir wurde er in der Zeit nach dem Tod unserer Tochter öfter gesagt. Mit diesem Rat wollten Menschen uns helfen, unseren Weg durch die Trauer zu gehen und zu neuem Leben zu finden.

Loslassen? Um Himmels willen nein!

Ich will bewahren, was gut und wichtig war. Wenn schon ein Stück aus meinem Leben herausgerissen ist, dann will ich mich doch wenigstens erinnern dürfen an die gemeinsame Zeit. Natürlich kann ich die verstorbene Person nicht festhalten, aber sie ist doch bei mir. In meinen Gedanken, in meinen Gesprächen, in meinen Träumen. Und da soll sie doch auch einen Platz behalten.

Nach meinem Verständnis geht es in der Trauer nicht um ein Loslassen, sondern um eine Verwandlung der Beziehung. Aus dem lebendigen Gegenüber und Miteinander wird ein „Erinnern“, die Verstorbene ist präsent in meinem Inneren.

Also: Wer in der Erinnerung lebt, der ist nicht tot?

Da ist ja etwas dran, aber so ist es mir zu wenig. So wichtig mir meine Erinnerung an einen geliebten Menschen ist, so schwach und vergänglich ist sie doch. Vieles aus der gemeinsamen Zeit vergesse ich. Und andere auch. Es ist tröstlich, dass nicht nur ich mich erinnere, sondern dass auch Gott sich erinnert. Bei Gott gibt es ein ewiges Gedenken. Unsere Namen und alles, wofür diese Namen stehen, sind im Himmel aufgeschrieben, im Buch des Lebens. Mein begrenztes Erinnern bleibt in Gottes Gedenken aufgehoben, umhüllt. In diesem Sinne sagt Jesus: Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind! (Lukas 10,20)


Glaubenssache:
Vorsicht Nebel

Von Pfarrer i.R. Ulrich Trzeciok

Nebelung – Nebelmonat, so haben unsere Vorfahren nicht ohne Grund den November genannt. Vieles von dem, was noch im bunten Oktober unser Leben bestimmt hat, verschwindet nun oft hinter grauen Nebelschwaden. Ja, das Leben überhaupt, es verschwindet im Tod wie im Nebel, und wir wissen nicht wohin. Diese Gedanken haben Menschen seit Urzeiten bewegt. Bei uns stand am Anfang November der Allerseelentag, in der Mitte der Volkstrauertag, und nun zum Ende der Totensonntag.

Auf die Frage nach den Verstorbenen können wir viele  Antworte und Vermutungen finden. Wachen die Toten, die Ahnen, noch über die Lebenden, kommen sie gar als Wiedergänger zurück, um den Lebenden etwas anzutun? (Halloween lässt grüßen).  Oder ist mit dem Tod alles aus und vorbei?   Oder geht es doch irgendwie weiter?  Es ist wie ein Stochern im Nebel.

Wer im dichten Nebel mit dem Auto unterwegs ist, muss langsam und vorsichtig fahren. Dann entdeckt er aber am Wegesrand auch Hinweiszeichen und Wegweiser, die ihm zeigen, wo es lang geht. Der christliche Glaube gibt uns solche Zeichen auf dem Lebensweg. Jesus Christus sagt: „Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden.“ – „Jeder, der an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ – „Wer –in der Feier der Eucharistie unter den Zeichen von Brot und Wein- mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tag.“   Es läuft darauf hinaus: glaube ich , dass es Gott gibt oder glaube ich es nicht. So oder so, es ist eine Glaubenssache.

Beim Nebel machen wir die Erfahrung: Wenn ich durch die dicke Suppe durch bin, ist die Sicht wieder klar, scheint sogar die Sonne.

Ulrich Trzeciok ist Stadtpfarrer im Ruhestand und Geistlicher Rat aus Naumburg.


13. November

Gedanken zum Sonntag:
Dialog ist Leben - von Christen aus Tripoli lernen

Von Pfarrerin Christina Schnepel

Pfarrerin Christina Schnepel (rechts) mit Pfarrerin Rola Sleiman in Beirut.

Normalerweise hört man aus dem Libanon nicht unbedingt frohe Botschaften. Wenn der Libanon in den Nachrichten ist, dann mit Katastrophen oder Krisen. Heute kommt die „Frohe Botschaft“ aus dieser Region. Ich bin als Pfarrerin der Akademie Hofgeismar für einen dreimonatigen Studienaufenthalt in Beirut mit dem Schwerpunkt Christlich-Islamischer Dialog. Letzte Woche haben wir die evangelische, libanesische Pfarrerin Rola Sleiman in Tripoli besucht. Inmitten der von Sunniten geprägten Stadt, gleich neben den Souks liegt die evangelische Kirche und Pfarrerin Rola ist eine hoch anerkannte und geschätzte Autorität in der muslimischen Nachbarschaft. 2% Christen schätzt sie, leben in der Kernstadt Tripoli.

Rolas Mission ist heute die gute Nachricht für uns: „Bildung und Begegnung sind Schlüsselwörter unserer Kirche. Wir betreiben zwei Schulen für Kinder jeglicher religiöser Herkunft. Wenn meine Nachbarin Muslimin ist, lerne ich von ihr, wachse mit ihr zusammen, sie gehört zu meiner Welt und umgekehrt. Leben ist Dialog. Was in der Vergangenheit hier passiert ist, war kein Krieg der Religionen, aber es wurde einer daraus gemacht. Der religiöse Dialog ist überall grundlegend für Frieden, die tägliche Bewegung aufeinander zu öffnet mir durch den anderen Zugang zu Gott. Unsere Kirche ist ein Ort des Dialogs und Dialog ist Leben.“

Chrstina Schnepel ist Pfarrerin und Studienleiterin für nachhaltige Entwicklung, weltweite Ökumene, Landwirtschaft und Soziales an der Evangelischen Akademie Hofgeismar.


Glaubenssache:
Ein Friedenszeichen

Von Lektorin Anja Mueller-Opfermann

Anja Mueller-Opfermann ist Lektorin in der Ev. Kirchengemeinde Wolfhagen.

Mit 16 Jahren bekam ich die Möglichkeit, in den Sommerferien mit der Kriegsgräberfürsorge zu verreisen. Die Fahrt stand unter dem Motto „Versöhnung über den Gräbern“ und ging nach Arras in Frankreich. Dort sollten wir auf einem Soldatenfriedhof arbeiten. Zusätzlich gab es die Möglichkeit französische Jugendliche kennenzulernen. Auch Ausflüge nach Verdun und Paris wurden angeboten. Eine gute Gelegenheit, für wenig Geld ins Ausland zu reisen, dachte ich, und entschied mich mitzufahren.

Als ich dann auf dem riesigen Friedhof St. Laurent Blangy stand, stockte mir der Atem, die vielen, vielen Kreuze haben mir so richtig vor Augen geführt, wie schrecklich Krieg ist und welche Folgen er für die Menschen hat.

Klar, wir hatten in der Schule über die Toten des 1. und 2. Weltkriegs gesprochen, doch dieser Anblick hat mich mehr berührt als die Zahlen und Bilder in meinem Geschichtsbuch.

Unter jedem Kreuz ruhen 4 Männer, denen die Zukunft mit Gewalt genommen wurde. Lebenspläne und Träume einer ganzen Generation wurden durch den Krieg zerstört. Wir heute haben keine Schuld an den Kriegen der Vergangenheit, aber eine große Verantwortung, Lehren aus diesen Kriegen zu ziehen. Dazu gehört es, sich immer wieder zu erinnern, kritische Fragen zu stellen, Verständnis füreinander zu entwickeln und Konflikte gewaltfrei zu lösen. Die Bibel beschreibt genau dies in Psalm 34:15 „Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche den Frieden und jage ihm nach.“

Der Volkstrauertag erinnert uns jedes Jahr erneut an diese Verpflichtung.

Die Arbeitsfreizeit in Frankreich war keineswegs nur ernsthaft und traurig, wir haben ganz viel gelacht und neue Freundschaften geknüpft, auch deshalb ist mir diese Reise und die Arbeit auf dem Soldatenfriedhof bis heute in Erinnerung geblieben.


6. November

Gedanken zum Sonntag

Von Diakon Jürgen Jaklin

Am heutgen 32. Sonntag im Jahreskreis wird einigen von uns ihr Leben, sowohl im privaten, als auch im beruflichen Umfeld,  von Jesus im Spiegel vorgehalten!

Im Evangelium sonnen sich die Schriftgelehrten in Ihrer Beliebtheit! Sie stellen ja etwas dar!

Wie oft erleben wir im Beruf, dass der, der sich am lautesten darstellt, den besten Arbeitsplatz bekommt, obwohl er wenig Ahnung hat! Viele Mitarbeiter werden durch solche Kollegen oft psychisch krank!

In der Familie muss es ja auch die beste Kleidung, eine teure Uhr und ein schnelles Auto sein. Wir wollen ja zeigen, dass wir es zu etwas gebracht haben!

Jesus sagt ganz klar: Hütet euch vor solchen Menschen! Für viele von uns ist es nicht ganz leicht, im täglichen Leben aus diesem Sog herauszukommen. Einige werden dadurch krank! Um an eine gesundheitliche ärzliche Fachberatung zu kommen, muss man über ein Jahr warten und was dann?!

Als Christen haben wir einen Kompass : z.B.das Evangelium, die heilige Dreifaltigkeit und die vielen Heiligen, die unsere Fürsprecher bei Gott sind! An die können wir uns wenden und mit Ihnen über die vielen Probleme reden, die uns bedrücken! Sie hören uns zu! Unser Herz wird wieder frei und wir können den Alltag meistern, trotz der oft widrigen Umstände. Glauben  sie mir, mir hat das auch öfters geholfen!

Bleiben sie ihrer Familie und Gott treu! Seien sie sich ihrer Verantwortung im famliären als auch im beruflichen Umfeld bewusst!

Gottes Segen!

Ihr Diakon Jaklin

Jürgen Jaklin ist Diakon der katholischen Kirchengemeinde St. Peter in Hofgeismar.


Glaubenssache:
Winken Richtung Zimmerdecke

Von Gemeindereferent Alexander von Rüden

Alexander von Rüden ist Gemeindereferent im katholischen Pastoralverbund St. Heimerad Wolfhager Land.

Jeden Abend ca. 19:45 Uhr beim Zubettgehen unserer Kinder (5 + 2 Jahre): „… und bitte, lieber Gott, grüß die Oma und den Opa im Himmel von uns.“ Noch ein kurzes Winken Richtung Zimmerdecke, dann legen die beiden Jungs sich (meist) zufrieden schlafen.

Was vielleicht den Anschein hat, vorgegeben und eingeübt worden zu sein, das haben unsere Söhne selbst als ihre Form am Schluss des gemeinsamen Abendgebets entwickelt – auf Grundlage des christlichen Backgrounds, den meine Frau und ich ihnen weiterzugeben versuchen. Ich finde es ein tröstliches Ritual: Wir vergessen die nicht, die nicht mehr unter uns sein können, weil sie schon gestorben sind. Und wir vertrauen darauf, dass sie bei Gott weiterleben.

Paulus, der erste große Theologe der Christenheit, betont klipp und klar: Wer stirbt, der ist bei Christus (vgl. Röm 14,7-9). Da, wo man nicht mehr weinen muss. Wo alles Leid zu Ende ist. Aufgehoben in Gottes guten Händen.

Ich habe festgestellt: Kinder sind in ihrer unkomplizierten Art offen für diese Deutungsmöglichkeit: Ja, Oma und Opa sind sicherlich nun dort im Himmel und freuen sich, dass es ihnen gut geht und sie alte Freunde treffen können. Und wir sind mit ihnen weiterhin verbunden. Jetzt, wo wir an sie denken und ihnen zuwinken, erwidern sie das möglicherweise mit einem liebevollen Lächeln und winken zurück.

Der November ist durch einige kirchliche und weltliche Gedenktage geprägt, die uns unsere Toten mehr als sonst ins Gedächtnis rufen. Erinnerungen werden wach, Beziehungen von früher vor dem geistigen Auge wieder lebendig. Vertrauen wir – wie die Kinder – darauf, dass wir mit unseren Verstorbenen auch weiterhin verbunden sind und dass Gott auch nach unserem Tod noch ein gutes Leben für uns bereithält.


30. Oktober

Gedanken zum Sonntag:
Freiheit des Gewissens

Von Pfarrer Karl Waldeck

Karl Waldeck ist Pfarrer und Direktor der Ev. Akademie Hofgeismar. (Foto: medio.tv/schauderna)

Am Sonntag ist Reformationstag. Er erinnert an ein folgenreiches Datum: Am 31. Oktober 1517, dem Vorabend des Allerheiligenfestes, veröffentlichte der Wittenberger Professor und Augustinermönch Martin Luther 95 Thesen. Er forderte, Missstände in der Kirche abzustellen. Das war der Beginn der Reformation.

Folgenreich war auch ein Ereignis vier Jahre später. Vor 500 Jahren wurde Luther nach Worms vor den Reichstag, vor Kaiser und Fürsten geladen. Er sollte sich dort von seinen Schriften distanzieren und seine Thesen widerrufen. Luther tat das nicht. Er berief sich dabei auf sein Gewissen. Ein Einzelner widerstand so den Mächtigen seiner Zeit, ein Individuum bot der Institution die Stirn.

Auch in unsere Zeit gilt es, das Gewissen und die Gewissenfreiheit des Einzelnen zu achten. Dem eigenen Gewissen zu folgen, bedeutet dabei mehr als zu sagen „Ich stehe zu meiner Meinung“. Das Gewissen lebt davon, dass es einen doppelten Orientierungspunkt hat. Woran richte ich mein Gewissen aus? Für Luther war dies ausdrücklich Gott. Gewissenhaft handelt, wer die Konsequenzen seines Tuns für seine Mitmenschen mitbedenkt. Das Gewissen ist stets auf ein Du, ein Gegenüber angewiesen. Nur so bleibt es frei – und lebendig.


Glaubenssache:
Du bist Mensch

Von Pfarrerin Kathrin Wittich-Jung

Kathrin Wittich-Jung ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Wolfhagen.

Mit historischen Persönlichkeiten ist das so eine Sache: Schnell werden sie zu Idolen oder Vorbildern gemacht. Sie werden vergöttert und zu Heiligen erhoben. Ihnen werden Denkmäler gebaut und Tage gewidmet. Am Sonntag ist so ein Tag: Reformationstag. Wir erinnern uns an Martin Luther, der die Kirche reformiert und dazu beigetragen hat, dass die evangelische Kirche entstand. Und er hat in der Bibel entdeckt:  Gott ein gnädiger Gott. Einer, der Fehler vergibt. Seine Lehre von der Rechtfertigung der Sünder war und ist ein Meilenstein. Und so wurde er auf einen Sockel gehoben. Manchmal ist er fast schon ein Heiliger.

Aber das wollte er nie sein. Er hat gesagt: „Wir sollen Menschen und nicht Gott sein.“

Nach diesem Satz hat er gelebt. Er hat gerne gegessen und getrunken, war laut und hat gelacht. Und er hat nie ein Blatt vor den Mund genommen. In seinem Tun war er sich immer bewusst, dass er Mensch ist, der eben auch Fehler macht. Als Mensch ist man eben unperfekt. Anders ist das mit Gott. Der ist perfekt. Mich entlastet die Erkenntnis. Denn eigentlich bin ich eine Perfektionistin.

Martin Luther würde mir jetzt sagen: „Aber du bist ein Mensch und schon allein deswegen nicht vollkommen.  Du kannst also ganz entspannt an dein Leben heran gehen, es wird so oder so nicht perfekt. So sehr du es auch erzwingen willst. Wärst du Gott, wäre das ganze etwas anderes. Aber Gott hat dich nun mal als Mensch geschaffen und so liebt er dich. Also mach dich mal locker.“ Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis des Reformators. Und vielleicht hat man ihm deswegen Denkmäler gebaut. Aber er war Mensch, wie du und ich.


23. Oktober

Gedanken zum Sonntag:
Den Horror feiern

Von Arno Backhaus

Porträt Arno BackhausArno Backhaus ist christlicher Liedermacher und Autor aus Meimbressen.

Waren Sie schon mal in eine Massenkarambolage auf der Autobahn mit 5 Toten und 12 Schwerstverletzten verwickelt? Wurden Sie als Kind von ihrem Onkel sexuell missbraucht? Waren sie schon mal an der Gedenkstätte Dachau, in dem Ort an dem die Nationalsozialisten eines ihrer brutalen Konzentrationslager eingerichtet hatten? Kennen sie das Gefühl, vom Arzt mitgeteilt zu bekommen, dass sie durch Gehirntumor noch etwa ein Jahr Lebenserwartung haben? All das ist Horror pur!

Anbetracht der Horror-Ereignisse von Hanau, Volkmarsen, dem unsäglichen Leid durch häusliche Gewalt angesichts der Quarantäne, ist Halloween, das „Fest des Horrors“, eine extreme Zumutung und Herausforderung.

Das Trauma, das sich bei vielen Menschen mit schrecklichen Bildern im Kopf festgesetzt hat, wird auf brutale, unmenschliche und scheinbar „spielerische“ Weise wieder hervorgeholt.

Weil ich ein Freund von Spaß und Lebensfreude bin, halte ich nichts von der Lust am Horror! Wie wäre es, Sie würden ihre Kinder wieder neu motivieren, Freude am Leben, an der Schöpfung, an Spiel und Spaß, und auch an Gott zu haben?!

Martin Luther (das ist der, der meistens so grimmig guckt), hat am Tag vor Allerheiligen 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg angebracht (das sollte sich heute mal einer wagen!!). Wir brauchen nicht unsere Schuld, unser Versagen selber zu bezahlen, Jesus Christus hat sich eine Lösung ausgedacht. Eine Auslösung der Schuld.

Wer daraus lebt, kann wieder durchatmen, auflachen, tanzen und singen, kann den feiern, der das Copyright auf Freude und Leben hat: Gott persönlich.


Glaubenssache:
„Bitte wenden!“

Von Jürgen Krackrügge

Porträt Jürgen KrackrüggeJürgen Krackrügge ist Mitarbeiter in der Freien evangelischen Gemeinde in Ippinghausen.

Der Wecker gibt seinen Signalton pünktlich ab, und vor den ersten Nachrichten des Tages höre ich die letzten Einspielungen der Radiowerbung. Da tönt es fast an jedem Morgen: „Bitte wenden!“. Vermutlich kennen Sie auch diesen Werbespruch, mit dem eine Matratzenfirma ihr Produkt im Radio und im Fernsehen anpreist.

Bei mir löst dieser gut gemachte Werbeslogan Erinnerungen wach an Durchsagen einer freundlichen Stimme meines Navigationssystems im Auto. Denn dort hatte ich ein Ziel angegeben, zu dem mich das Navi leiten sollte. Nun übersah ich aber einen Abzweig und fuhr in die falsche Richtung. Wie gut, dass mich dann das „Bitte wen-den!“ wieder in die notwendige Richtung lotste.

Momentan beraten die politischen Parteien in Berlin über eine mögliche neue Regierungskoalition. Auch in diesen Beratungen wird es darum gehen, dass die zukünftige Regierung einen neuen Kurs einschlagen muss, um die Probleme, vor denen unser Land steht, in den Griff zu bekommen. Übrigens: Wir tun gut daran, für diese Ge-spräche und für die dann neu gebildete Regierung zu beten.

Auch Gott fordert die an ihn Glaubenden immer wieder mal zu einer Wende auf. In seinem Wort lese ich: „Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, aller Welt Enden; denn ich bin Gott und sonst keiner mehr!“ (Jesaja 45, 22)

Was Gott damals zu sagen hatte, das gilt auch heute. Es ist gut, wenn wir uns persönlich fragen, wie Gott wohl unser Handeln beurteilt. Für eine gute Lebensführung nach Gottes Willen gibt die Bibel Orientierungshilfe, in ihr finden wir Maßstäbe für ein gelingendes Leben.

Ich will ehrlich gestehen, dass ich schon oft im Leben ein solches: „Bitte wenden!“ nötig hatte.


16. Oktober

Gedanken zum Sonntag:
Woran können wir uns orientieren?

Von Pfarrer Karl Christian Kerkmann

Karl Christian Kerkmann ist evangelischer Pfarrer und war bis zum Eintritt in den Ruhestand Seelsorger für die Ev. Altenhilfe Gesundbrunnen sowie das Ev. Krankenhaus in Hofgeismar. (Foto: Blofield)

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist“ schreibt  der Prophet Micha im Alten Testament. Denn damals schon, fragten die Menschen danach, woran sie sich orientieren können. Das gilt für uns heute, in dieser turbulenten, undurchschaubaren Zeit, noch viel mehr. Dies ist zugleich der Wochenspruch für die neue Woche. Und Micha führt es weiter aus, was das für ihn bedeutet, nämlich: Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott (Micha 6,8).

Für unsere Ohren heutzutage hört sich das fordernd und nicht einladend an,

so wie wir es etwa von Jesus kennen: „Kommt her zu mir“, und nicht: „Wenn du das und das tust und erfüllst, dann bist du bei mir, bei Gott willkommen …!“

Was aber könnte es für uns heute konkret bedeuten?

„Gottes Wort halten“ heißt für mich: mich an Gottes Wort fest-halten; und auch, mich von Gott gehalten und getragen wissen.

„Liebe üben“, d.h. zum einen: Liebe aus-üben und tun. Zugleich aber auch, mich darin zu üben, mir selbst jeden Tag zu sagen: Ich bin von Gott geliebt! Und: ich darf mich selbst lieben, denn nur dann kann ich auch wirklich meinen Nächsten aus einem offenen Herzen lieben.

„Demütig sein vor deinem Gott“, d.h. anerkennen: Gott ist Gott – und ich bin ein Kind Gottes, und damit zugleich ein Teil Gottes, ein Teil des Einen Seins.

Dahinein darf ich mich fallen lassen, nämlich in das Vertrauen:

Ich bin ein Kind Gottes – und als solches bin ich geliebt und darf Liebe aus-üben und weitergeben. Und wie sehr hat dies unsere Welt heute nötig.

So kann und darf ich mich selbst und meine Nächsten mit den liebenden Augen Gottes sehen. Das macht unsere Welt menschlicher und liebe-voller.

Und es gibt mir den Mut und die Zuversicht, als sein Kind in dieser Welt zu leben – als ein Ausdruck der Liebe Gottes.


Glaubenssache:
Pavarotti and friends

Von Pfarrer Dr. Michael Dorhs

Dr. Michael Dorhs ist evangelischer Pfarrer und Referatsleiter für Schule und Unterricht der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. (Foto: medio.tv/Schauderna)

Die CD ist schon älter, aber ich höre sie immer noch gerne. Ein gemeinsames Konzert des Operntenors Pavarotti und des Popsängers Sting. Und andere wirken mit, Mike Oldfield, Patricia Kaas, Zucchero – Pavarotti „and friends“ eben! Was für ein schönes Symbol für Freundschaft: Der Freund lässt dem Freund die eigene Stimme. Er übertönt sie nicht, und er bringt sie auch nicht zum Schweigen.

In der Ergänzung des Verschiedenen liegt ein ungeheurer Reiz, eine sogar hörbare Spannung. Davon lebt die Freundschaft. Und Freundinnen braucht der Mensch. Darum seht zu, dass ihr euch Freunde schafft, sagt Jesus, und lasst euch die Freundschaft etwas kosten.

Erfrischend, wie nüchtern er dieses Thema angeht. Keine Poesie-Album-Sprüche, sondern eine Erinnerung an die Kostenfrage. Wer nichts einsetzt, der wird auch nichts gewinnen. Das war Jesu Überzeugung. Freundschaft darf etwas wert sein! Man soll nicht sparen, wenn es um Essen, Trinken und Geselligkeit geht. In Nordhessen weiß man das eigentlich… Aber Freundinnen kosten auch Zeit. Da mag mancher die Stirn runzeln und die Verschwendung von Zeit kritisieren, wenn wir Freunden den Vorzug vor angeblich Wichtigerem geben.

Oft sind es die gleichen, die sich wundern, wenn sie im Ruhestand nach einem arbeitsreichen Leben einer freundlosen Zeit entgegen gehen. Freundinnen sind ein Reichtum, der die Rechnung „Zeit ist Geld“ bei Weitem übersteigt. Und manchem lindert die Freundschaft auch die Angst, die man beim Älterwerden spürt. „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“, rät Jesus nüchtern, „damit ihr jemanden habt und sie euch aufnehmen, wenn es zu Ende geht. (Lukas 16,9)“


9. Oktober

Gedanken zum Sonntag:
Lichter in der dunklen Zeit

Von Gemeindereferentin Julia Wenigenrath

Julia Wenigenrath ist Gemeindereferentin im katholischen Pastoralverbund St. Peter Hofgeismar-Weser-Diemel.

Die Zeit, sie rast und wir befinden uns mal wieder im Herbst, in dem die Tage kürzer werden und die dunklen Nächte zunehmen. Die Sommerzeit endet, die Winterzeit beginnt. Blätter verfärben sich und fallen. Das Wetter wird windiger und kälter.

Jeder hat jetzt seine eigene Methode, um es sich etwas gemütlicher zu machen und die Kälte und Dunkelheit zu bewältigen. Sei es eine kuschlige Decke, ein heißer Tee oder Kerzenlicht. Gerade die Kerze kann uns jetzt Licht und Wärme schenken. Das Licht der Kerzen kann uns ein Gefühl der Geborgenheit geben. Der Schein erfüllt schnell den Raum und macht ihn gemütlicher. Aber nicht nur das Licht der Kerze kann uns diese Zeit verschönern und erhellen.

Familie, Freunde, eine Begegnung können auch kleine Lichter in unserem grauer werdenden Alltag sein. Sie heben häufig schon mit einem Lächeln oder einem guten Gespräch die Stimmung an den kälteren und dunkleren Tagen. Und wir alle haben einen gemeinsamen Begleiter der unseren Tag erhellen möchte. Jesus selbst ist und kann für uns alle das Licht der Welt sein. Er gibt uns Mut, wenn wir traurig oder wütend sind. Er schenkt uns Wärme durch seinen Zuspruch, wenn es in und um uns herum kalt ist. Er schenkt uns Licht in der Dunkelheit, wenn wir in der dunklen Zeit innehalten und uns Erkenntnisse und Ideen wünschen. Ich wünsche Ihnen allen den Glauben an diesen lichtbringenden Begleiter und seinen Segen gerade jetzt für die dunklere Jahreszeit!


Glaubenssache:
Gesundheitsvorsorge

Von Pfarrer Friedemann Rahn

Liebe Leser und Leserinnen,

Friedemann Rahn ist Pfarrer für die Ev. Kirchengemeinde Zierenberg.

sind Sie gesund? Eine wichtige Frage, in diesen Zeiten besonders. Wir wünschen anderen, dass sie gesund bleiben oder wieder werden mögen. Der Wunsch gesund zu sein bewegt wohl alle Menschen.

Dieser Sonntag geht der spannenden Frage nach, was Gesundwerden und der Glaube miteinander zu tun haben. In den Gottesdiensten werden biblische Heilungsgeschichten anklingen, die erzählen: Es ist Gott keineswegs gleichgültig, wie es uns geht. Jesus verdeutlicht das zeichenhaft, wenn er Kranke an Leib oder Seele heilt. Kontakt mit Gott kann Menschen heil machen.

Ich finde das deswegen spannend, weil Christen ja nicht von schlimmen Krankheiten verschont bleiben. Das hat den Glauben von Menschen zu allen Zeiten herausgefordert. Auf der anderen Seite sollen Glaubende wohl im Schnitt gesünder sein als andere Menschen. Sie haben weniger psychischen Stress, heißt es, und bessere Wege der Verarbeitung. Wahrscheinlich stimmt das. Was mich belastet, kann ich in ein Gebet legen. Auch meine Verzweiflung kann ich Gott vor die Füße werfen. Das hilft.

Und es hilft, wenn Christen sich anderen Christen zuwenden. Wenn sie aushalten und mitzutragen versuchen, was ihren Geschwistern widerfahren ist. Mit allen Zweifeln und allen Fragen. Dann liegt in ihrer Zuwendung die immer neue Zuwendung Gottes zu seinen Menschen. Da kann Glaube heilsam werden für einen Menschen an Seele und Leib.

Mir zeigt das, wie menschlich unser Glaube ist und wie menschenfreundlich unser Gott. Treten Sie in Kontakt mit anderen, die das auch so sehen. Tun Sie‘s für sich und Ihre Gesundheit!


2. Oktober

Gedanken zum Sonntag:
Danke

Von Pfarrerin Irmhild Heinicke

Irmhild Heinicke ist Pfarrerin für die Aus- und Fortbildung von Prädikantinnen und Prädikanten am Ev. Studienseminar Hofgeismar.

„Danke“ kann Moritz schon sagen. Moritz ist mein Enkel und 16 Monate alt. “Danke“ sagt er, wenn man ihm etwas gibt. Aber „Danke“ sagt er auch, wenn er etwas haben will. Das Wort ‚Bitte‘ kommt bei ihm noch nicht oft vor. Und er geht ziemlich selbstverständlich davon aus, dass er auch das bekommt, was er will. Wie das bei ersten Kindern, ersten Enkelkindern so ist.

Ich ertappe mich dabei, dass ich im Grunde so ähnlich denke, wenn ich Gott danke.

Ja, ich sage ‚Danke‘ bei den Tischgebeten oder auch jetzt im Gottesdienst am Erntedankfest. Aber eigentlich weiß ich doch, dass ich all das bekomme, was ich zum Leben brauche. Es ist da oder ich kann es mir kaufen. Und ich erwarte von Gott doch ganz selbstverständlich, dass er für die notwendigen ‚Rahmenbedingungen‘ sorgt. Dass es auch weiter Sommer und Winter, Tag und Nacht gibt – und damit auch Saat und Ernte und alles, was ich zum Leben brauche.

Aber das alles ist nicht selbstverständlich. Unwetter haben für viele Menschen in Deutschland Lebensgrundlagen zerstört. Und wenn man den Klimawandel ernst nimmt, dann ist diese Bedrohung noch weit größer. Unsere Lebensgrundlagen sind nicht einfach für mich und für meine Selbstbedienung da.  Daran erinnert der Erntedanktag.

Die Erde und meine Lebensgrundlagen sind Gottes Schöpfung. Sie sind geliehen, uns anvertraut mit dem Auftrag, sie zu bewahren. Erntedank ist ein Anlass zum Umdenken, zur Umkehr.  Das braucht es im Großen und im Kleinen, damit Moritz und alle Kinder dieser Welt auch in Zukunft noch Grund haben, ‚Danke‘ zu sagen und ein Erntedankfest zu feiern.


Glaubenssache:
Vielen Dank!

Von Pfarrer Dr. Oliver Schmalz

Dr. Oliver Schmalz ist Pfarrer und Leiter des Referats Diakonie im Landeskirchenamt

Es ist nur ein kleines Wort, aber wann haben Sie es zum letzten Mal ausgesprochen? Wann haben Sie einfach „Danke“ gesagt? Das Wort „Danke“ richtet sich immer eine andere Person: Innerhalb der Familie, unter Freunden, aber auch an den Krankenpfleger, den Handwerker oder die Verkäuferin. Ich bedanke mich für ein Geschenk, aber auch für ein freundliches Wort, eine helfende Hand oder eine Geste.

Wer sich bedankt, bekommt einen anderen Blick auf das Leben. Dankbare Menschen sind nach meiner Wahrnehmung zufriedenere und glücklichere Menschen: Sie sehen eher auf das Positive, auf das, wofür sie danken können, auf das, was ihr Leben reicht macht, auf das, was nicht selbstverständlich ist. Es gibt so vieles, für das wir dankbar sein können! Was fällt Ihnen als Erstes ein? Probieren Sie es mit einem Dankbarkeitstagebuch. Notieren Sie sich einfach alles, für das Sie dankbar sind: Der erste Sonnenstrahl am Morgen, die Tasse Kaffee zum Frühstück, das Gespräch mit Ihrer Partnerin. Sie werden erstaunt sein, wie schnell sich die Seiten dieses Buches füllen.

Morgen wird in den evangelischen Kirchen ein Fest begangen, das der Dankbarkeit Raum gibt: Erntedank. In den festlich geschmückten Kirchen ist all das zu sehen, zu riechen und zu schmecken, wofür wir danken können: Brot, Äpfel, Birnen, Kartoffeln und sicher auch eine Flasche Wein. Erntedank erinnert uns daran, dass unsere Dankbarkeit Gott gilt. Ihm verdanken wir alles, er ist der Geber alles Guten. Eine Liedstrophe bringt das sehr schön zum Ausdruck: „Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn.“


25. September

Gedanken zum Sonntag:
Vom Sammeln

Von Pfarrerin Adelheid Römer-Bornmann

Adelheid Römer-Bornmann ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Niedermeiser und der Kreisklinik Hofgeismar.

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Sammeln ist eine weit verbreitete Leidenschaft. Von Kronkorken, Bierdeckeln und Briefmarken bis hin zu Plüschtieren, Porzellanfiguren und Comics gibt es fast nichts, was als Sammelobjekt ausgeschlossen ist. Mal ehrlich, was sammeln Sie? Wenn ich mich in meinem Büro umsehe, entdecke ich neben schönen Steinen und Muscheln von der See noch zahlreiche andere Urlaubsandenken. Auch schöne Kartons finden sich; in ihnen lassen sich noch mehr hübsche Dinge verstauen. Und in den kürzer werdenden Herbsttagen ertappe ich mich beim Sammeln von Kastanien. Ohne so recht zu wissen, was ich hinterher damit anfangen soll, kann ich sie einfach nicht liegenlassen. So zieren sie dann unseren Esszimmertisch und die Kommode.

Jedes Jahr im Herbst fällt mir dazu wieder die Geschichte von der Maus Frederik ein. Während die anderen Mäuse Futter für den Winter sammeln, sammelt er Sonnenstrahlen, Farben und Geschichten. Ein Hinweis darauf, dass es mehr braucht als Essbares und Praktisches, um dunkle, kalte Tage zu überstehen. So versuche ich jeden Tag aufmerksam zu sein für das, was meiner Seele gut tut und möglichst viel davon in mir aufzunehmen.

Und ich wünsche mir für alle Menschen, dass sie ebenfalls gute Erfahrungen sammeln können. Erfahrungen, die davon erzählen, wie bunt und schön das Leben ist. Erfahrungen von wärmenden Umarmungen, ermutigenden Worten, stützenden Händen. Erfahrungen, die helfen, dunkle Tage und schwere Zeiten zu überstehen. Erfahrungen, die davon erzählen, dass Gott uns niemals allein lässt, sondern für uns sorgt. So, wie für die Vögel am herbstlichen Himmel, die nichts sammeln…und dennoch ernährt werden von Gott (und den Menschen, die in seinem Sinne handeln).


Glaubenssache:
Du hast die Wahl!

Von Pfarrer Jens Holstein

Jens Holstein ist Pfarrer in der Ev. Klinikseelsorge in den Kliniken der Vitos Kurhessen.

Während ich diese Zeilen schreibe, befinde ich mich fern der Heimat auf Kreta, dem südlichsten Punkt Europas. Das aktuelle Geschehen um die Bundestagswahl ist weit weg. Aus dem Auge, aus dem Sinn? Mitnichten!  Obwohl ich hier die Seele baumeln lasse,  denke ich an die Wahl und deren Folgen. Wichtige Themen stehen in den nächsten Jahren an. Klimapolitik, die soziale Frage hinsichtlich Pflege und  Renten, die weiteren Auswirkungen der Pandemie und anderes mehr.

Das Wahlrecht ist ein hohes Gut. Das merkt man, wenn man auf Länder schaut, in denen es keine freien und unabhängigen Wahlen gibt. Dieses Recht sollten auch Christen nutzen, um mit ihrer Werthaltung Einfluss auf das politische Geschehen zu nehmen. Und sei es nur mit dem gelegentlichen Gang zur Wahlurne. Bei den morgigen Wahlen wird uns dieses Angebot gemacht. Nutzen wir also unsere Chance zumindest ein kleines Wörtchen mitzureden.

Übrigens,  ich habe schon vor Wochen per Brief gewählt und genieße umso mehr die Tage unter der Sonne Griechenlands.


18. September

Gedanken zum Sonntag:
Jüdisch beziehungsweise christlich - näher als du denkst

Von Pfarrerin Kristina Bretschneider

Kristina Bretschneider ist Pfarrerin in der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Hofgeismar.

In diesem Jahr wird deutschlandweit an 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland erinnert. Anlass dafür ist eine Erwähnung der jüdischen Gemeinde in Köln in einem Edikt des römischen Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321. Es ist gut, dass wir immer wieder ‚Erinnerungshilfen‘ wie diese bekommen, um uns der bleibenden Nähe zum Judentum zu vergewissern, als Deutsche sowieso, aber vor allem auch als Menschen christlichen Glaubens.

Der christliche Glaube ist ohne seine Verwurzelung im Judentum gar nicht denkbar. Bereits die Bezeichnung ‚christlich‘ verdankt sich allein dem jüdischen Zimmermannssohn Jesus aus Nazareth, der von seinen Anhängern und Anhängerinnen als Christus bekannt wurde.

Mit einer ökumenischen Plakatkampagne erinnern die Evangelische und die Katholische Kirche in Deutschland in diesem Jubiläumsjahr deshalb an diese nahen Beziehungen zwischen jüdischer und christlicher Religion. Sie tun dies mit einer Gegenüberstellung der jüdischen und christlichen Feste, jeden Monat mit einem anderen Fest. Wenn wir demnächst in unseren Kirchen wieder das Erntedankfest feiern und unsere Kirchenräume mit bunten Erntegaben schmücken, dann werden Jüdinnen und Juden weltweit – in unserem Land allerdings nur sehr zurückhaltend – ihre Laubhütten (Sukkot) bauen und sieben Tage lang in ihnen essen und fröhlich sein und ebenfalls Gott danken für alle guten Gaben und für allen Schutz bis zu diesem Tag. Leider haben wir kaum Möglichkeiten, unsere Beziehungen aktiv zu pflegen. Doch mit der ökumenischen Plakataktion möchten wir in unseren Schaukästen darauf hinweisen. Schauen Sie doch einmal hinein!


11. September

Gedanken zum Sonntag:
2G im Gottesdienst?

Von Pfarrer Martin Schöppe

Martin Schöppe ist Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Peter in Hofgeismar.

Bis jetzt ist es für die Kirchen ein heißes Eisen: 3G oder 2G auch im Gottesdienst? Durch die Verfassung ist die freie Religionsausübung geschützt, selbst in schwierigen Zeiten wie einer Pandemie. Deshalb gelten für die Gottesdienste nur wenige Auflagen, während andererseits über Monate Veranstaltungen nicht stattfinden konnten, Museen und Kultureinrichtungen geschlossen waren. Menschen haben in modernen Gesellschaften immer mehr und schnellere Kontakte, ausgeprägtere berufliche und private Lebenssituationen.

Sich impfen zu lassen ist der zur Zeit vernünftigste und einzige Weg im Umgang mit den sozialen Herausforderungen einer weltweiten Pandemie. Und das gilt ohne wenn und aber auch aus gläubiger Perspektive.

Kirchen und Kirchengemeinden dürfen sich nicht in einer Blase bewegen, sondern sollten sich der Wirklichkeit stellen. Sich impfen zu lassen schützt nicht nur mich selbst, sondern auch die Menschen, mit denen ich zusammen lebe. Krankheiten machen vor der Kirchentür keinen Halt. Meine eigene Freiheit hat seine Grenze am Leben des Anderen.

Träger öffentlicher Veranstaltungen müssen sich neu orientieren und Modelle entwickeln, die vielfältiges Leben in Freiheit ermöglichen und zugleich Sicherheit bieten. 2G wäre da auch für die Kirchen ein Weg, um möglichst schnell wieder in die Normalität zu kommen.


Glaubenssache:
Erschrecken

Von Pfarrer Karl-Alfred Dautermann

Nicht nur das heutige Datum erinnert uns daran. Es hört gar nicht mehr auf. Schreckensnachrichten allenthalben. Man mag es gar nicht mehr aufzählen. Ermüdet ziehen die einen sich völlig zurück, andere tanzen auf dem Vulkan. Nach mir die Sintflut, was soll´s. Die Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft ist längst im privaten Raum angekommen. Es gibt keine Rückzugsräume mehr. Die Mutmachgeschichten verlieren ihre Wirksamkeit, und denen „da oben“ fällt auch nichts Richtiges ein. Was soll man bloß tun? Wo ist Gott? fragen sich manche.

Ich bin auch müde, aber als Pastor kannst du dich nicht einfach verdrücken. Ich hab‘ versprochen, Verantwortung zu übernehmen für andere Menschen; sie verlassen sich auf mich. Da wird es Zeit, seinen eigenen Wertekanon neu zu justieren. Was zählt wirklich im Leben?

Seit Wochen geht mir ein Bibeltext aus dem Propheten Amos nicht aus dem Kopf. Altes Testament, auch so eine verrückte Zeit, wir sind lange nicht die Ersten. Und was setzt Amos dem entgegen? „Suchet den Herrn, euren Gott, so werdet ihr leben.“ Und: „Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr leben könnt.“ (Kap. 5,4+14)

Da steht es wieder: Das Richtige bleibt das Richtige, das Gute bleibt das Gute, der Glaube bleibt der Glaube, Mut bleibt Mut, Hoffnung bleibt Hoffnung. Auch wenn alles um mich herum zu explodieren scheint, die alten Werte behalten ihre Gültigkeit, jetzt erst recht. Ich kann doch etwas tun! Ich bin dem allem nicht ohnmächtig ausgeliefert! Im Tun des Guten bin ich immer auf der richtigen Straße und im Glauben an Gott niemals alleine.

Und so steige ich weiter Woche für Woche auf die Kanzel und verkündige die Gute Nachricht von Jesus Christus, dem Erlöser. Er stand mit seinem Leben ein für das Gute, das Richtige und den Glauben an Gott.

Und so versuche ich weiter meinen Weg durch diese Zeit zu gehen, als ein Nachfolger Jesu, in seinen Spuren. Bei aller Müdigkeit, und offen gestanden oft auch Ratlosigkeit, ist mir der Weg Jesu lieber als alles andere, was mir sonst angeboten wird.

Morgen, im Gottesdienst am Sonntag, ist wieder eine Gelegenheit, sich darauf zu besinnen. Gott - und dem Grundgesetz - sei Dank, dass wir das die ganze Zeit durften. Ein großes Privileg. Verpassen Sie es nicht!

Pfarrer Karl-Alfred Dautermann ist Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Wolfhagen-Ippinghausen und Bad Arolsen.


4. September

Gedanken zum Sonntag

Von Pfarrerin Ulrike Bundschuh

Ulrike Bundschuh ist Diakoniepfarrerin im Landkreis Kassel.

„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2)

Immer wenn mir der Kanon zu diesem Vers aus dem Psalm 103 in den Sinn kommt und ich ihn vor mich hin summe, bin ich danach guter Laune. „…der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen…“

Die Worte des Lobliedes geben mir neue Kraft, gerade jetzt nach der langen Zeit der Pandemie mit ihren Schrecken von Krankheit, Einsamkeit und sozialer Not. Gott meint es gut mit uns! Das haben viele nach dem Ende des zweiten Weltkrieges erlebt, als die Care – Pakete kamen und die Hilfen vom Ökumenischen Rat der Kirchen für den Aufbau von Kirchen. Das haben wir in Corona-Zeiten erfahren, wie viele Menschen bereit waren, füreinander zu sorgen. Das haben die Menschen, die von den Überflutungen betroffen waren, erlebt: Hilfe von Anderen, die einfach gekommen sind und mitgeholfen haben, aufzuräumen.

Gottes Versprechen macht Mut, sich selbst auf den Weg zu machen und anderen zu helfen, in unseren Städten und Dörfern, in unseren Kirchen und Nachbarschaften. Was wir daraus aus Corona lernen, wie das zukünftig aussehen kann, darüber wollen gemeinsam nachdenken.  

Sie sind herzlich eingeladen zum Diakonieforum „Corona – und dann? Einblicke und Ausblicke aus Kirche und Diakonie, am 15. 9. um 19 Uhr in die Stadthalle Hofgeismar.

Unsere Bischöfin Dr. Beate Hofmann wird das Impulsreferat halten und wir werden gemeinsam weiterdenken, wie wir nach Corona in Zukunft miteinander leben wollen. „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat.“


Glaubenssache:
Liebe deinen Nächsten

Von Lektorin Maryam Parikhahzarmehr

Maryam Parikhahzarmehr ist Lektorin in der Ev. Kirchengemeinde Wolfhagen.

Ob Jesus wohl eingeschult wurde? Damals, in Nazareth, in der Grundschule? Bestimmt! Er war doch ein Junge wie alle anderen auch. Erst als er Zwölf war, merkten die Eltern, Maria und Josef, und die Menschen, die in der Synagoge etwas zu sagen hatten, dass er etwas Besonders war. Aber davor, so um das Einschulungsalter herum, war Jesus ein Junge wie alle anderen auch. Und bestimmt hat er mit Maria und Josef am synogalen Einschulungsgottesdienst teilgenommen. Und der wird ähnlich lebendig gewesen sein wie unsere Einschulungsgottesdienste heute.

Naja, sie werden nicht mit einer Handpuppe gearbeitet haben. Und ökumenisch wird’s auch nicht gewesen sein. Und digital sowieso nicht. Aber sie werden wie wir in Wolfhagen und in so vielen anderen Gemeinden unserer Region Gottesdienst gefeiert haben. Und sie werden Gott gelobt haben. Den Gott, der uns ans Herz gelegt hat: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.«

So wie das Mädchen, das in Wolfhagen in dieser Woche eingeschult wurde. Im Einkaufswagen beim t-gut steckte ein Euro. »Den Wagen dürfen wir nicht nehmen«, bemerkte sie. Das Geld gehört uns nicht. Das müssen wir abgeben. Und weil das ein bisschen umständlich war, hat sie den Euro in der Kirche, in der sie getauft wurde, in den Opferstock geworfen. Damit wird doch andern Menschen geholfen. Das hat sie gewusst. Einen Tag später ist sie eingeschult worden. Und vielleicht hat sie für ihr Leben begriffen: Du sollst deinen Nächsten lieben. Und das ist alles passiert in der Woche nach dem Diakoniesonntag. Da hat die evangelische Gemeinde über das Wort des erwachsenen Jesus nachgedacht: »Was ihr getan habt einem von meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.« Damals in Nazareth. Und heute in unseren Gemeinden.


 28. August

Glaubenssache:
Die Drehscheibe

Von Pfarrer Emil Schlichter

Emil Schlichter ist Pfarrer für die Ev. Kirchengemeinde Balhorn-Altenstädt.

Seine eleganten Hände umschließen meinen zierlichen Körper. Ich spüre seine Wärme, die durch seine Hände in meinen Bauch und meine Schulter strömt. Sie treibt mich an, ich fühle mich aufgeladen und habe wieder Mut, den Tag zu meistern. Mutig, auf die stahlglänzende Drehscheibe zu steigen. Mit meinen nackten Füßen spüre ich ihre kleinen Erhebungen. Ich kann nahezu selbständig auf ihr stehen. Mein verunsicherter Blick schwenkt nach unten zu den Sonnenstrahlen, die sich im Stahl der Scheibe spiegeln und ein gelbes Licht auf meine dunklen Augen werfen.

Die verblasste Farbe der Drehscheibe wirkt plötzlich lebendig. Sie wirft ein wärmendes Licht auf sein so ernstes Gesicht. Seine riesigen Hände bewegen meinen Oberkörper. Ich schwebe in der Luft und vergesse die Zeit, ein Windstoß, ein Hauch von Fülle bewegt mein Herz. Meine Augen treffen auf seine. Es ist, als ob ich in seinen Augen neu entstehe. Ich fühle es: es gibt mich, weil seine Augen mich wollten. Zum späteren Zeitpunkt wird mir klar: hier begann die Liebe zu ihm, sie fand Heim in unseren Blicken, in der Wärme seiner Stimme und der Güte seiner Augen. Ich brauchte nur in sein rundes Gesicht zu blicken und da war sie. Das war das Einzige was mir von ihm blieb. Ein Zauber einer kurzen Sekunde, vielleicht einer zwischen Himmel und Erde. Es war, als würde er mich bis ans Ende der Zeit halten, als würde die Sonne immer ein wärmendes Licht auf unsere Augen werfen.

33 Jahre später erinnere ich mich immer noch an diese Begegnung mit meinem Vater. Angenommen, es gäbe einen Himmel. „Gott“, würde ich dann fragen, wenn ich dorthin käme, „darf ich wieder und bis in alle Ewigkeit auf der drehenden Scheibe stehen und die Hände meines Vaters auf meinen Schultern spüren?“


21. August

Gedanken zum Sonntag:
Hilfst du mit?

Von Pfarrer Daniel Fricke

Daniel Fricke ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Bad Karlshafen-Helmarshausen.

Ich war 17 Jahre alt als mich die junge und attraktive Vikarin fragte, ob ich ihr helfe. Sie suchte noch einen Mitarbeiter für eine kirchliche Zeltfreizeit. Ich hatte damals überhaupt keine Vorerfahrungen und auch keine besondere Qualifikation dafür. Sie hat mich trotzdem gefragt und ich habe zugesagt. Ein paar Tage waren wir mit einigen Jugendlichen an einem See im Wald. Ich habe ganz sicher nicht alles richtig gemacht, aber es war trotzdem eine wichtige Erfahrung. Da hat jemand mehr in mir gesehen, als ich mir selbst zugetraut habe. Im Rückblick hat mir das wahnsinnig gutgetan.

In meiner Arbeit versuche ich das nun weiter zu geben. Ich möchte das Potenzial heben, das in anderen schlummert. Ich versuche Schätze zu heben, von denen die Besitzer noch nichts wissen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wenn Menschen entdecken, was in ihnen steckt. Meistens fängt es mit Vertrauen an. „Ich traue dir das zu!“ „Du kannst das!“ Es sind für mich keine Sätze aus einem Selbsthilfebuch. Es sind Sätze, die bei Gott ihren Ursprung haben. „Ich danke dir dafür, dass ich so unglaublich wunderbar geschaffen bin. Ich weiß, wie wundervoll deine Werke sind.“ So heißt es in der Bibel (Psalm 139,14).

Gott hat uns alle einmalig geschaffen. Er hat jedem von uns eine besondere Gabe mit auf den Weg gegeben. Etwas, das wir besonders gut können. Wir müssen es „nur“ noch finden. Manchmal braucht es Hilfe von außen bei der Suche, wie bei mir.

Ich wünsche dir, dass du weißt, wie wundervoll du gemacht bist.


 14. August

Glaubenssache:
Höchste Zeit!

Von Pfarrerin Katharina Ufholz

Katharina Ufholz ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Wolfhagen.

Was ist im Urlaub das Wichtigste? Natürlich Sonnenschein! Gutes Wetter, gute Laune! Jetzt brauche ich nur noch einen Sonnenschirm und genug Sonnencreme.

Das ging Jona damals auch nicht anders. Endlich Urlaub! Job erledigt, Sonne und ein schattiges Plätzchen unter einer Staude, und schon ist die Welt in Ordnung. Oder doch nicht?

Jona ist sauer. Der letzte Auftrag Gottes hatte es in sich. Die Menschen aus Ninive sollten umkehren und aufhören, Unrecht zu tun. Wenn nicht, würde die Stadt zerstört werden. Das sollte Jona ausrichten. Und wer hätte es gedacht – die Menschen hören auf ihn! Von einem auf den anderen Tag ändern sie ihr Leben. Gerade nochmal Glück gehabt – die Katastrophe ist abgewendet.

Wenn das nur immer so einfach ginge… Mal ehrlich: Wie lange brauche ich, um bei falschem Verhalten wirklich etwas zu verändern? Wie viele Jonas müssen mir noch sagen, dass unsere Welt auf den Abgrund zurast? Wie viele Klimaforscher müssen mir noch ihre Hochrechnungen vorlegen, bevor ich vom Auto öfters aufs Fahrrad umsteige? Wie viele Flutkatastrophen und Waldbrände muss es denn noch geben, bevor ich bereit bin, meinen Lebensstil zu ändern?

Als Ninive verschont wird, ist Jona irgendwie sauer. Er findet, die Menschen hätten einen Denkzettel verdient. Nur er selbst tut sich leid, als seine schattenspendende Staude vertrocknet und die Sonne ihm nun auf den Pelz brennt. Wie egoistisch, finde ich! Mir gibt die Geschichte Hoffnung in all den Katastrophen, die wir gerade erleben. Menschen können sich ändern und einen anderen Weg einschlagen, wenn sie an einem Strang ziehen. Wenn sie nicht nur sich selbst sehen, sondern zusammenhalten. Ich glaube, dass Gott dabei an unserer Seite ist und uns die nötige Kraft zur Veränderung gibt. Also lasst uns keine Zeit verlieren und neue Wege einschlagen!


7. August

Glaubenssache:
Gott im Schlamm

Von Pfarrer Martin Jung

Martin Jung ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Wolfhagen.

„Gut, dass ihr da seid. Ich wollte das nur kurz sagen.“ Der Bürgermeister steht vor ein paar Frauen und Männern im Schlamm, die Schaufeln und Eimer tragen. Sie sind gekommen, um zu helfen - wie so viele. Das Wasser ist weg, aber die Katastrophe bleibt:  der Schlamm in den Häusern, aufgebrochene Straßen, kaputte Existenzen und zerbrochene Träume. Nicht alles können die Helferinnen und Helfer aufräumen, und doch geben sie den Menschen im Chaos Hoffnung. Wir alle haben die Bilder im Fernsehen gesehen. Wir sahen die Wassermassen alles wegdrücken, waren erschüttert, wie Menschen mit Tränen vor den Trümmern standen und hörten von Vermissten und Toten. Die Eifel, die Ahr – das ist alles nicht weit weg und plötzlich rückte das Leid ganz nah an uns heran.

Und vielleicht war auch der Gedanke, dass uns das auch hätte treffen können. Irgendwas passierte bei uns in Deutschland und auch im Wolfhager Land: Feuerwehren radelten und sammelten über 100.000 €. Spendendosen in jedem Lokal und Geschäft, Extra-Kollekten in den Kirchengemeinden, Rettungskräfte, Notfallseelsorge und andere Hilfsorganisationen fuhren in die überschwemmten Gebiete. Helfen, Solidarität, Nächstenliebe – jeder mag es anders nennen. Ich glaube, dass Gott in uns alle eine Kraft gelegt hat, die uns als Menschen zusammenschweißt und mit der wir spüren, dass wir nur gemeinsam mit den Herausforderungen und Krisen unserer Zeit umgehen können.

Diese Kraft ist der Geist Gottes, sein Odem, wie die Bibel sagt, der uns alle verbindet. Er macht mich dankbar, für alles was ich in meinem Leben habe, und er drängt mich zur Hilfe für meinen Nächsten. Gottes Kraft wirkt in mir und dir: In jedem Euro, den wir geben, in jedem Gebet, das wir sprechen, und in jeder Schaufel im Schlamm.


31. Juli

Gedanken zum Sonntag:
Du bist wunderbar von Gott gemacht

Von Pfarrerin Johanna Fischer

Johanna Fischer ist Pfarrerin im Ev. Kirchspiel Ehrsten und Studienleiterin im Ev. Studienseminar Hofgeismar.

Wir feiern „Du bist wunderbar von Gott gemacht“.

Seit letztem Jahr waren sie eher zögerlich, abwartend, hoffend auf bessere Zeiten. Seit ein paar Wochen fragen ein paar Mutige an, ob Taufen wieder möglich seien. Ja, das sind sie. In manchen Gemeinden gab es sogar schon wieder kleine Tauffeste. Und so taufen und segnen wir in Kirchen, im Freien, in Gärten und an Seen und überall hören wir das „Ja“ der Eltern und Pat*innen, sogar der Täuflinge, wenn sie schon sprechen können und lesen dieselben Worte aus der Bibel:

Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt 28,18-20)

Taufkerzen werden entzündet, Taufsprüche verlesen und wir alle werden daran erinnert, dass wir getauft sind und dankbar sein dürfen, dass wir wunderbar gemacht und von Gott gesegnet sind. Mit seiner Zusage, dass er immer bei uns ist, gehen wir in den Sommer.


 

24. Juli

Gedanken zum Sonntag:
Neue Kraft aus dem Urlaub

Von Arno Backhaus

Arno Backhaus ist christlicher Liedermacher und Autor aus Meimbressen.

Wir alle sind geschockt, sprachlos und fühlen uns ohnmächtig gegenüber der menschenverachtenden Brutalität die wir fast täglich durch das Fernsehen ins Wohnzimmer übertragen bekommen. „Die Ursachen müssen beseitigt werden“ sagte ein Politiker. Heißt das nicht, den Menschen an sich zu beseitigen? Jeder Einzelne ist doch die Ursache für Neid, Eifersucht, Streit, Hass, in jedem von uns steckt das Potential für Schlimmes.

Täglich werden Menschen vergessen, misshandelt, getötet, gequält und gefoltert. Tausende kommen vor Hunger um – und kaum ein Medium berichtet darüber. Man gewöhnt sich halt zu schnell an das Leid und den Tod. Ich will mich nicht zufrieden geben mit meinem individuellen Glück und mich immer wieder herausfordern lassen zum Frieden, zur Vergebungsbereitschaft und mich wach machen lassen zur Hilfe für andere die meine Zeit und Kraft, meine Kreativität und mein Geld brauchen.

Vielleicht haben Sie ja auch, wie ich, gerade Urlaub gemacht und haben frische Kraft getankt, in Ihrem Umfeld mit anzufassen, dass nicht der Hass, die passive oder aktive, kleine oder große Gewalt überhandnimmt, sondern die Barmherzigkeit, Großzügigkeit, Freundlichkeit und Gelassenheit. Die anstehenden Wahlen wäre da doch ein lohnendes Übungsfeld…

 

Glaubenssache:
Fürchte dich nicht!

Von Lektorin Maryam Parikhahzarmehr

Maryam Parikhahzarmehr ist Lektorin in der Ev. Kirchengemeinde Wolfhagen.

Es war am Samstag um 14.20 Uhr. Ich las meine Predigt für Sonntag. Plötzlich habe ich die Kirchenglocken gehört. Es war eine Taufe. Jemand wird Kind Gottes. Im Predigttext, den ich gerade memorierte, hieß es: »Fürchtet euch nicht.« Das hat mich an meine kullernden Tränen erinnert damals, als ich getauft wurde.

Fürchte dich nicht! - diesen Satz habe ich zum ersten Mal in meinem Taufgottesdienst gehört: »Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden.« Genau in diesem Moment war ich voller Angst. Mein Leben war leer. Ein unbekanntes Schicksal hatte uns vor ein paar Monaten ereilt. Was erwartet uns in dieser fremden Welt? Es gingen mir viele Fragen durch den Kopf. Was wird aus uns? Was wird die Taufe an mir ändern?

Der gewünschte Moment war da. Wir standen vor dem Taufstein. Wir waren aufgeregt. Es war alles vorbereitet. Das Wasser, das Zeichen der Reinheit und das Gotteswort, der Wegweiser. Pfarrerin Ufholz hat uns mit Worten gesegnet, die unsere Seele glänzen ließen und einen ewigen Platz in unserem Gedächtnis gefunden haben: »Fürchte dich nicht.« Das war der Moment, als ich die Tränen nicht mehr verbergen konnte. Ich habe gespürt, wie große Angst ich hatte. Angst vor der Zukunft, Angst, was aus unserem Leben wird. Aber in diesem Moment, als ich mich leer und einsam fühlte, wurde mir eines klar: Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der mich durch den Sturm des Lebens in Sicherheit gebracht hatte, lässt mich nicht im Stich. Er hält mich in seiner Hand. Er ist da. Ich kann ihn spüren. Jeden Tag. Er nimmt mir die Angst. Sein »Fürchte dich nicht« gehört seit jenem Weihnachtstag unauslöschlich zu meinem Leben.


17. Juli

Glaubenssache:
Schimpfverweigerer

Von Kai M. Scheiding

Kai Scheiding ist Pfarrer für das evangelische Kirchspiel Ehringen und Altenheimseelsorger in Wolfhagen.

So langsam darf man gespannt sein auf das Leben „nach“ Corona. Werden die Menschen wirklich manche Lebensgewohnheiten nachhaltig verändert haben? Oder wird bald erschreckend vieles wieder so sein wie vorher? Damit meine ich nicht nur die Frage Video-Konferenz contra Dienstreise. Sondern auch, ob wir neu gelernt haben werden, dankbarer zu sein, aufmerksamer für Kleinigkeiten und respektvoller, wertschätzender im Umgang miteinander.

Denn mittlerweile drängen sich ja jene alten Themen neu auf die Tagesordnung, die schon früher das Hauen und Stechen in Kommentarspalten und (a)sozialen Netzwerken eröffneten: die klimatischen Veränderungen und wie darauf zu reagieren sei. Die sprachlichen Neuerungen und ob man sie mitmachen sollte, vom Gendern bis zum Zigeunerschnitzel. Manche denken quer, andere denken queer. Der Zündstoff für eine Gesellschaft scheint nie auszugehen. Und dann? Was tue ich, wenn ein Mensch, mit dem ich befreundet bin, Meinungen vertritt, bei denen sich mir alles sträubt? Die Freundschaft beenden und jeder zieht sich in die eigene Echo-Blase zurück, wo man schultergeklopft Andersdenkende „haten“ kann?

Die Schriftstellerin Juli Zeh beschreibt in ihrem aktuellen Gesellschaftsroman „ÜberMenschen“ einen anderen Weg: deutlich, aber ohne missionarischen Drang die eigene Meinung sagen und dann andere, verbindende Themen und Gemeinsamkeiten (wieder) entdecken. Denn die gibt es ja auch. So geht mentaler Klimawandel. Unterschiedliche Ansichten wird es immer geben. Die Frage ist, worauf wir uns konzentrieren.

Auch die Bibel rät uns, nicht das Trennende stark zu machen, sondern das Verbindende. Und manchmal hilft schon, einfach zu schweigen: „Hast du böses Gerede gehört, lass es in dir sterben. Keine Angst, wirst schon nicht davon platzen.“ (Sirach 19,10)


15. Juli

Hör-Bar für die Seele:
Gott ist nicht ferne

Von Pfarrer Sven Wollert

Sven Wollert ist Pfarrer für die Evangelische Kirchengemeinde Obermeiser-Westuffeln.


10. Juli

Gedanken zum Sonntag:
Reisezeit

Von Pfarrer Christian Brandt

Christian Brandt ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Wilhelmshausen und Knickhagen.

Sommerzeit ist Reisezeit. Viele nutzen die Sommerferien, um mit der Familie in den Urlaub zu fahren. Nach den Monaten des Lockdowns ist die Sehnsucht umso größer. Die Einen bleiben lieber in Deutschland, die Anderen zieht es dann doch weiter weg. Man möchte die neuen Möglichkeiten nutzen. Wer weiß, wie lange das so bleibt. Das Reisen hat übrigens viel mit dem christlichen Glauben gemeinsam. Wenn man einmal unter dem Stichwort „Reisen“ in der Bibel blättert, dann könnte man den Eindruck gewinnen, dass man es hier mit so einer Art Reisebericht zu tun hat. Die Mütter und Väter des Glaubens sind ständig auf Reisen. Sie sind unterwegs mit Gott, in Gottes Auftrag und unter seinem Schutz. Und in der Bibel wird von ihren vielfältigen Gotteserfahrungen auf ihren Reisen erzählt: Abraham verlässt seine Heimat und macht sich auf eine lange Reise in das Land, das Gott seinen Nachkommen verheißen hat. Das Volk Israel ist 40 Jahre unterwegs in der Wüste. Jona reist auf Umwegen nach Ninive. Amos reist von Tekoa nach Samaria. Dann im Neuen Testament lesen wir von Jesus. Er reist durch das Land und predigt von Gottes neuer Welt. Er ruft Menschen, ihm nachzufolgen – sich also auch auf eine Reise zu begeben und es ihm gleich zu tun: ihm nach – nach ihm.

Wer Christus nachfolgen will, der kann vielleicht gar nicht immer nur an einem Ort bleiben, sondern muss sich dann und wann in Bewegung setzen, sich auf den Weg machen. Die Apostel haben sich auf den Weg gemacht von Jerusalem nach Samarien bis an die Enden der Erde. „Christus nachfolgen“ heißt also „Sich-auf-den-Weg-machen“, weil der Auferstandene in Bewegung ist und Menschen in Bewegung setzt durch seinen Geist, damit der Glaubende auf seiner Reise reicher werden kann – reich an Erfahrungen – in Gottes Auftrag und unter seinem Schutz. Christus spricht: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28,20b). In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine erfahrungsreiche Reisezeit, und dass Sie vor allem wieder gesund nach Hause kommen.


Glaubenssache:
Ein Stück Ewigkeit

Von Pfarrerin Katharina Ufholz

Katharina Ufholz ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Wolfhagen.

Mit einem leckeren Eis in der Hand durch die Straßen schlendern, mit Freunden im Garten grillen, bis in die Nacht hinein unterm Sternenhimmel sitzen, Johannisbeeren von den Sträuchern im Garten naschen, barfuß über den Strand laufen – das ist für mich Sommer. Leichtigkeit und Lebensfreude sind angesagt. Da will ich alle Sorgen hinter mir lassen und einfach den Moment genießen. Will alle Farben in mich aufsaugen: das Sonnengelb und Beerenrot, Meeresblau und satte Blattgrün. Und wenn im Radio der aktuelle Sommerhit läuft, will ich unbeschwert mitsummen.

In der Kirche gibt es keinen Sommer, in dem nicht das Sommerlied schlechthin gesungen wird: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit“. Ich male mir aus, mein Herz hopst in die Welt hinein und entdeckt, was das Leben zu bieten hat: die Bäume voller Laub, die Lerche in der Luft, das Summen der Bienen und der goldgelbe Weizen – sie alle sind Gaben Gottes. Ich muss nur rausgehen und die Augen aufmachen.

Der Sommer könnte ewig so weitergehen: hell und warm, voller Kraft und Leben. Gerade in diesem Sommer ist unsere Sehnsucht danach so groß.
Viele Lieder und Gedichte stellen sich die Ewigkeit so vor: als einen nie endenden Sommertag. Leicht, luftig und sonnendurchflutet. Ich weiß nicht, wie die Zukunft aussieht. Ich weiß nicht, was der Herbst uns bringt und vor welche Herausforderungen er uns stellt. Aber für diesen einen Moment will ich ganz im Hier und Jetzt sein. Und der Sommer legt mir ein Stück Ewigkeit ins Herz.


3. Juli

Gedanken zum Sonntag:
Holy days

Von Pfarrerin Silke Kohlwes

Silke Kohlwes ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Liebenau.

Auf dieses Wochenende haben sich die Schülerinnen und Schüler, die aus unseren Gemeinden in Nordrhein-Westfalen zur Schule gehen, schon lange gefreut: An diesem Wochenende beginnen in NRW nämlich die Sommerferien. Hier in Hessen ist das in zwei Wochen auch der Fall. „Ferien“, „Urlaub“ – für viele sind das Worte mit großem Sehnsuchtsfaktor. Sehnsucht nach einer Auszeit; Sehnsucht nach freier Zeit, um einfach mal die Seele baumeln zu lassen.                                      

So, wie es auch in dem französischen, spanischen und amerikanischen Wort für „Urlaub“ steckt. Die gehen nämlich alle auf das lateinische Wort „vacare“ zurück, was so viel bedeutet wie „leer / frei / unbesetzt sein“. Frei von allen Ansprüchen und Anstrengungen des Alltags. Kein Stau, keine Hektik, keine Termine. Sich einfach wie der Mann aus der Jever-Werbung in den Dünensand fallen lassen und dort so lange liegen bleiben, wie es einem gefällt. Eine heilsame Unterbrechung des Alltags, die sich mit Blick auf den Sonntag schon im ersten biblischen Schöpfungsbericht findet, wenn es heißt: „Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn zu einem heiligen Tag. Denn an diesem Tag ruhte Gott aus von all seinen Werken, die er geschaffen und gemacht hatte.“ (1. Mose 2,3).  

In der englischen Version des Wortes Urlaub – „holidays“ - lässt sich diese Verbindung übrigens in besonderer Weise entdecken. Das Wort „holidays“ geht nämlich zurück auf „holy days“ – „heilige Tage“. Und das darin enthaltene Wort „holy“ – „heilig“ hat im Altenglischen dieselbe Wurzel wie das Wort „whole“ – „ganz, heil“. Insofern ist die Urlaubs- und Ferienzeit, wenn man so will, eine Zeit zum Ganz- und Heilwerden; eine heilige Zeit.

In diesem Sinne wünsche ich uns gesegnete Urlaubs- und Ferientage - holy days.


Glaubenssache:
Seid barmherzig!

Von Prädikant Günther Dreisbach

Kirchenrat Günther Dreisbach ist Prädikant in der Evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen.

Das ist das Motto, mit dem wir als Christen durch dieses Jahr gehen. Es ist ein Wort Jesu. Und es ist die Jahreslosung für das Jahr 2021. Das ganze Jahr denken wir darüber nach. Es ist ein Motto, das unter die Haut geht. Jesus sagt das Wort nicht einer kleinen Gruppe von Menschen, sondern allen, »die auf freiem Feld zusammengekommen waren«. Er sagt es dem Volk. Damals. Und uns heute. Und es ist ein schönes Klimaziel.

Aber ist dieser Umgang mit den Nächsten überhaupt realistisch? Passt das überhaupt in unsere Zeit? In der Politik wird uns doch vorgeführt, dass Barmherzigkeit nicht gerade oben auf der Tagesordnung steht. Und der Bundestagswahlkampf macht es doch deutlich. Wo kommen wir denn hin, wenn wir plötzlich barmherzig mit den Menschen aus den Parteien umgehen, mit denen wir uns sonst so gern anlegen? Barmherzig mit der AfD? Ach, Jesus, was bist du weltfremd!

Aber der weltfremde Jesus geht sogar noch einen Schritt weiter. »Liebt eure Feinde« gibt er uns als Zusatzaufgabe auf. Als Christen stellen wir uns dem, auch wenn es uns manchmal schwerfällt. Damit lieben wir nicht das, was unsere »Feinde« machen. Aber: Wir hassen sie nicht. Um Gottes Willen nicht!

Übrigens: Die Jahreslosung geht noch weiter: Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist. Dem kann man sich als Christ kaum entziehen: Barmherzigkeit um Gottes Willen. Dem Wahlkampf würde es ein wenig die Luft nehmen. Und das wäre gut fürs Klima im Land – und für uns alle! Na, das ist vielleicht ein schönes Klimaziel. Das zwischenmenschliche Klima und die Sorge um das, was wir sonst als Klima bezeichnen, gehören zusammen. Barmherzigkeit braucht das Land. Nicht nur im Wahlkampf. Aber da eben auch. Auch in den kleinen zwischenmenschlichen Kämpfen.


26. Juni

Gedanken zum Sonntag:
Siebenschläfer

Von Pfarrer Karl Waldeck

Karl Waldeck ist Pfarrer und Direktor der Ev. Akademie Hofgeismar. (Foto: medio.tv/schauderna)

Das erste Sommer-Wochenende!  – Eine schöne Aussicht, doch manche schauen mit verhaltener Sorge auf den morgigen Tag: 27. Juni ist Siebenschläfertag. Eine alte Bauernregel besagt: Regnet’s am Siebenschläfertag, so regnet’s noch sieben Wochen danach.

Wie ist nur der Siebenschläfer, dieser Nager lebt auch bei uns, in den Kalender gekommen? Was hat er mit dem Sommerwetter zu tun? Es geht tatsächlich am Siebenschläfertag nicht um das possierliche Tier, das lange Winterschlaf hält, sondern um eine Geschichte aus dem alten Rom. Sieben junge Männer, Christen, werden von einem Kaiser zum Tode verurteilt, in einer Höhle eingemauert. Sie haben den sicheren Tod vor Augen. Die Zeit vergeht, neue Kaiser kommen. Da wird die Höhle geöffnet – und siehe da: die jungen Männer leben. Die Zeit ist an ihnen vorbeigegangen, als hätten sie nur geschlafen. Ein Wunder, eine Legende! In Erinnerung an diese sieben jungen Männer hat der Siebenschläfertag Einzug in den Kalender gefunden

Auf das Wetter haben allerdings die Heiligen keinen Einfluss. Die Meteorologen sagen jedoch, dass Ende Juni die Weichen für das Sommerwetter gestellt werden. Ein Sommer mit Sonne, aber auch ab und an Regen – der täte Mensch und Natur gut! Ich wünsche Ihnen ein schönes erstes Sommerwochenende.

 

19. Juni

Gedanken zum Sonntag:
Eine Tüte Glück

Von Gemeindereferent Peter Happel

Viele Menschen klagen darüber, dass wir zurzeit zu viele Stunden vor dem Computer oder mit dem Handy verbringen. Konferenzen und Veranstaltungen finden oft noch digital statt. Vieles davon wird sich vermutlich auch nach der Pandemie erhalten, spart somit Zeit, Energie und endliche Ressourcen. Auch im privaten Bereich wären viele Kontakte mit Familie und Freunden ohne digitale Kommunikationsmittel in den vergangenen Monaten gar nicht möglich gewesen.  

So bin ich zurzeit mit machen Menschen digital öfter im Gespräch als vorher; eine der wenigen positiven Begleiterscheinungen in diesen Tagen! Eines ist schon jetzt klar, unser aller Leben hat sich und wird sich immer wieder radikal verändern. Unter diesen Veränderungen leiden viele Menschen, gleichzeitig setzen sie bei einigen aber auch enorme Energie und Kreativität frei. Das ist es, glaube ich, was Jesus in einem meiner Lieblingsätze im Johannesevangelium Kapitel 10 Vers 10 seinen Zuhörern versprochen hat. Wenn wir seiner frohen Botschaft glauben und auf ihn vertrauen, verspricht er uns ein „Leben in Fülle!“ Das bedeutet natürlich nicht, dass Christinnen und Christen, gleich welcher Glaubensrichtung und Konfession keine Schwierigkeiten und Schicksalsschläge im Leben zu bewältigen haben. Auch das gehört zu einem „Leben in Fülle“ immer dazu! In den vergangenen Monaten durfte ich erfahren, dass ich gerade dann neue Zuversicht geschenkt bekommen habe, wenn ich mal nicht weiterwusste.

Sei es, weil mir jemand unerwartet Hilfe angeboten hat oder weil mich eine Tüte mit einer kleinen Aufmerksamkeit an meiner Haustür überrascht hat. Das sind für mich nicht nur freundliche Gesten lieber Menschen, sondern der „Beweis“, dass ich in einem größeren Zusammenhang lebe, wie es meine Augen gerade überblicken können. Ich wünsche Ihnen und ihren Familien auch solche Erfahrungen und ab und zu einfach mal „eine kleine Tüte Glück“ an Ihrer Haustür!  

Peter Happel ist Gemeindereferent der katholischen Kirchengemeinde St. Peter in Hofgeismar.


12. Juni

Gedanken zum Sonntag:
Atem schöpfen

Von Pfarrerin Renate Wollert

Renate Wollert ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Ehrsten.

Schon lange geht sie den Berg hinauf, immer einen Fuß vor den anderen. Hinter jeder Biegung ahnt sie den Gipfel, und doch geht es immer noch ein Stück weiter hinauf. Ganz außer Atem kommt sie endlich oben an. Mit einem tiefen Atemzug wirft sie den Rucksack ins Gras und lässt sich auf der Bank nieder. Durstig trinkt sie das kühle Wasser aus der Flasche und lässt den Blick ins Tal schweifen: geschafft! Jetzt ist Zeit, sich zu erholen, Zeit zum Genießen.

Jesus hat einmal gesagt: „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Ich will euch Ruhe schenken.“

Wir schleppen so manche Lasten mit uns herum, und gehen auf Wegen, die mühsam sind. Dabei den Blick zu heben ist gar nicht so leicht. Oft scheint der Berg vor uns unendlich hoch, und der Rucksack wird immer schwerer. Was wir vom Wandern kennen, hilft auch im Alltag weiter: Pausen einlegen, die Last ablegen, den Durst stillen. Das ist leichter gesagt als getan.

Doch immer wieder erinnere ich mich daran, dass ich mein Leben nicht alleine in der Hand habe. Im Gottesdienst, in der offenen Kirche, oder auch mitten im Alltag bringe ich vor Gott, was mich beschäftigt. Ich muss nichts alleine tragen. Bei Gott kann ich meine Lasten fallen lassen, Ruhe finden, Kraft tanken.

 

Glaubenssache:
Das gibt Kraft

Von Pfarrer Oliver Jusek

Oliver Jusek ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Elbenberg.

Die letzte Zeit war wirklich anstrengend. Ein Termin jagte den nächsten. Nach drei Wochen ohne echten freien Tag bin ich heute das erste Mal wieder etwas entspannter unterwegs. Ich gehe ohne Hektik einkaufen. Heute keine Termine mehr. Auf dem Rückweg fahre ich bei Freunden vorbei. Einfach mal gucken, ob sie da sind. Tatsächlich. „Magst du einen Kaffee?“ Die Sonne scheint. Die Terrasse ist hergerichtet. „Wirklich gerne.“ Eine Stunde einfach sitzen, erzählen, lachen und ein Stückchen Schokolade. Die Zeit verfliegt. Ich fahre völlig entspannt und gut gelaunt nach Hause.

Es gibt einfach so Zeiten, in denen man all seine Kraft aufbringen muss. In denen alle Reserven aufgebraucht werden und wir merken, dass wir nur noch auf Sparflamme laufen. Spätestens dann wird es Zeit für unsere eigenen kleinen Ruheoasen.

Gott spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken.

Dieser spontane Besuch war für mich so erholsam wie ein Kurzurlaub. All der Stress war vergessen und ich konnte mit neuer Kraft an meine Aufgaben gehen. Die Kreativität sprudelte wieder. Gott hat mir Kraft geschenkt auf eine Weise, wie ich es nicht besser hätte planen können. Nicht das erste Mal. Und sicher nicht das letzte Mal. Er findet immer wieder Wege meine leeren Akkus aufzuladen. Manchmal ist es recht offensichtlich. Manchmal bekommt man es kaum mit.

Vielleicht fällt Ihnen ja auch so ein Erlebnis ein. Wann waren Sie das letzte mal „mühselig und beladen“ und wie hat Gott Ihnen neue Kraft geschenkt?


5. Juni

Gedanken zum Sonntag:
Vom Aufstehen

Von Pfarrerin Irmhild Heinicke

Irmhild Heinicke ist Pfarrerin und Studienleiterin für die Aus- und Fortbildung von Prädikantinnen und Prädikanten am Ev. Studienseminar Hofgeismar.

Bautz! Da hat er sich wieder auf seinen Hosenboden gesetzt. Mein Enkel Moritz lernt gerade das Laufen. Da gehört das Hinfallen dazu. Manchmal gibt es auch kleinere Blessuren. Aber er steht wieder auf und nimmt fröhlich die nächsten Schritte in Angriff. Was für eine Lebenskraft in so einem kleinen Kerlchen steckt.

Au! Wenn ich länger gesessen habe, merke ich bei den ersten Schritten meine Gelenke. Ich werde älter. Das Aufstehen hat sich verändert, ist mühsamer geworden. Erst recht das Aufstehen, wenn ich wirklich mal irgendwo hingefallen bin. Von meiner Lebenskraft ist offenkundig schon einiges verbraucht. Und das gilt auch für das innere Aufstehen: Ich bin so erschöpft von dieser langen Pandemiezeit und von dieser langen, kalten Frühlingszeit. Mir ist deutlich, dass auch meine inneren Kräfte nachgelassen haben.  

Ich spüre, ich brauche eine andere Kraftquelle. Eine Kraftquelle, die außerhalb von mir liegt, für die ich nicht selbst sorgen muss. Das wärmere Wetter der letzten Tage tut gut. Aber ich brauche etwas, was auch bei schlechtem Wetter hilft. Für mich ist diese Kraftquelle der Glaube. Das Vertrauen auf Gott hilft mir, neue Kraft zu tanken. Gegen das Nachlassen meiner Kräfte finde ich bei Christus die Perspektive der Auferstehung. Auch wenn ich noch so oft falle, auch wenn ich selbst gar nicht mehr aufstehen kann, am Ende hilft Christus mir auf. Am Ende wartet ein Aufstehen, ein Auferstehen – mit neuer Kraft, neuem, ewigem Leben.  

Dieser Blick auf dieses Ende gibt mir heute schon Kraft, hilft mir heute schon beim inneren und äußeren Aufstehen. Bei dem Propheten Micha gibt es ein Wort, das dieses Vertrauen für mich treffend ausdrückt: „Wenn ich auch daniederliege, so werde ich wieder aufstehen; und wenn ich auch im Finstern sitze, so ist doch der HERR mein Licht.“ (Micha 7,8).

Ich wünsche Ihnen, dass diese Kraft und dieses Licht Sie begleitet und auch Ihnen beim inneren und äußeren Aufstehen hilft!

 

Glaubenssache:
Wellengang

Von Gemeindereferent Alexander von Rüden

Alexander von Rüden ist Gemeindereferent im katholischen Pastoralverbund St. Heimerad Wolfhager Land.

Die Wellen schlagen hoch. Nein, Rhein oder Isar führen gerade kein Hochwasser! Aber seit Monaten rumort es in Köln, Deutschlands größtem Erzbistum. Gravierende Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen werden dem Kardinal sowie weiteren Personalverantwortlichen vorgeworfen. Die Austrittszahlen sind in die Höhe geschnellt. In München sieht ein anderer Kardinal die Kirche „an einem toten Punkt“ angelangt und will durch sein Rücktrittsangebot ein Zeichen gegen ein „Weiter so“ setzen. Und was in diesen beiden Beispielen wie unter einem Brennglas deutlich wird, ist landauf landab auch in anderen Bistümern, Landeskirchen und Gemeinden spürbar: Durch Fehlverhalten und Machtmissbrauch Einiger verliert Kirche immer mehr an Glaubwürdigkeit. Das ist umso tragischer, als dass sich viele Ehrenamtliche über die Maßen in ihren Gemeinden engagieren – und manche Mühe mittlerweile immer vergeblicher scheint.

Vor ca. 1.300 Jahren stellte schon der heilige Bonifatius, dessen Gedenktag wir heute begehen, fest: „Die Kirche fährt über das Meer dieser Welt und wird von Wogen - das sind die Anfechtungen dieses Lebens - hin und her geworfen.“ Heute wie damals ist es wichtig und notwendig, dass Menschen Fehlverhalten in ihrer Kirche nicht sang- und klanglos hinnehmen, sondern zur Sprache bringen, damit über angetanes Leid nicht der Deckmantel gelegt wird. Unrecht muss benannt werden! – Ich bin nur froh, dass sich Christen zu keiner Zeit entmutigen ließen, sondern die Botschaft von Jesus Christus weitergetragen haben. Und das bis heute und hoffentlich noch in langer Zukunft!

Bonifatius merkte seinerzeit an: „Die Wahrheit kann zwar niedergehalten, aber weder besiegt noch getäuscht werden.“ – Möge in diesem Sinne der Geist der Wahrheit die Aufklärungsbemühungen in Deutschland konsequent begleiten und mögen wir wieder in ruhigere Fahrwasser gelangen – in Konzentration auf das, was Jesus uns Wahres sagen möchte.


29. Mai

Gedanken zum Sonntag:
Beziehungsweisen

Von Pfarrer Sven Wollert

Sven Wollert ist Pfarrer für die Ev. Kirchengemeinde Obermeiser-Westuffeln und Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises.

Es war ein wichtiger Termin in meiner zu Ende gehenden Woche: Das Gespräch mit den Konfirmandeneltern. In diesem Jahr nicht nur als Pfarrer, sondern auch als Vater. Und schon seit Beginn der Konfirmandenzeit ist klar: Der Jahrgang 2021 wird wenig von dem erleben, was „normal“ und im Prinzip gar nichts von dem, was „besonders“ ist. Als Verantwortlicher für den Unterricht gefällt mir das nicht und als Vater schmerzt es mich.

Und so geht der Blick jeden Morgen auf die Inzidenz-Zahl für den Landkreis Kassel. Und die bange Frage lautet: Schaffen wir es dauerhaft unter „die 50“ zu kommen? Und: Bleiben wir dann auch da? Denn davon hängt ab, mit wem die Konfirmation gefeiert werden kann.

Feste machen Beziehungsnetzwerke offensichtlich. Wen möchte ich einladen? Wen muss ich einladen? Wen darf ich nicht einladen, wenn es ein schönes Fest werden soll? Das ist schon in normalen Zeiten oft nicht einfach. In Zeiten mit Kontaktbeschränkungen ist es doppelt schwer.

In vielen Konfirmandengruppen werden sich in diesem Jahr kaum neue Beziehungsnetzwerke gebildet haben. Wie auch, wenn der Unterricht entweder mit Maske und Abstand oder als Videokonferenz stattfindet? Wie werden die Jugendlichen von heute in 25 oder 50 Jahren auf ihre Konfirmandenzeit zurückblicken? Von gemeinsamen Streichen werden sie kaum erzählen können …

Aber wenn ich auf meine Gruppe schaue, bin ich mir sicher: Sie werden ihre Beziehungen knüpfen. Denn das, so hoffe ich, haben sie auch in der Pandemie mindestens gehört: Gott ist Beziehung und will Beziehungen – zwischen den Menschen und mit ihm.


Glaubenssache:
Bewusst genießen

Von Pfarrer Marek Prus

Marek Prus ist Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Zum Heiligen Kreuz in Zierenberg und Seelsorger der katholischen Kirchengemeinde St. Maria in Wolfhagen.

Nach dem Pfingstmontag in der letzten Woche, gibt es am kommenden Donnerstag wieder einen freien Tag, den Fronleichnamstag. Das Wetter soll auch besser werden. Wenn man nun irgendwie einen arbeitsfreien Freitag bekäme, könnte man sich auf ein verlängertes Wochenende oder anders gesagt auf vier freie Tage freuen. Vielleicht werden demnächst noch die Corona-Regel gelockert, dann könnte man etwas, in der sich wunderschönen Natur, unternehmen. Eben dank dem Fronleichnamstag.

Vor einem Jahr konnte man an diesem Festtag ein Tweet bekannten TV Senders finden. Es begann mit den Worten:„Am Feiertag Fronleichnam gedenken viele ihrer Toten. Ich dachte: Es könnte jeder wissen: Fronleichnam leitet sich von „Vron“= Herr und „lichnam“ = lebendiger Leib her. Der Spott ließ nicht lange auf sich warten. Die Redaktion beeilte sich, von einem Fehler bei der Formulierung des Tweets zu sprechen. Auch das war knapp daneben. Prozessionen endeten schon früher nicht wie von ihr behauptet auf Friedhöfen, sondern mit einer Schlussandacht in der Kirche. Ferner gehört der im Beitrag behauptete Besuch nach der Prozession auf dem Friedhof nicht zu den bekannten katholischen Bräuchen.

Fronleichnam ist einer der wichtigsten Feiertage im römisch-katholischen Kirchenjahr, der auch das Hochfest des heiligsten Leibes und Blutes Christi genannt wird. In anderen Sprachen wie z.B. Englisch, Französisch oder Italienisch heißt der Feiertag ganz einfach »Corpus Christi«. „Nehmet und esset, das ist mein Leib…“, sagte Jesus zu seinen Jüngern beim letzten Abendmahl und „Tut dies zum meinem Gedächtnis“.

Aufgrund der Corona-Pandemie sind Fronleichnamsprozessionen mit dem Leib Christi in der Monstranz in diesem Jahr fast unmöglich. In den meisten Gemeinden wird daher ausnahmsweise keine Prozession durchgeführt. Freuen Sie sich trotzdem und genießen Sie bewusst die Freien- und Feiertage.


22. Mai

Gedanken zum Sonntag:

Von Pfarrer Andreas Schreiner

Der Mai ist mein Lieblingsmonat. Auch wenn er in diesem Jahr von der Witterung her eher ein verlängerter April ist. Aber es ist einfach ein schönes Gefühl, die im Frühling erwachende Natur zu erleben. Wenn ich morgens die Rollläden öffne, ist es inzwischen schon hell. Die im Winter traurig kahlen Sträucher vor meinem Schlafzimmerfenster haben sich in eine wunderschöne grüne Pracht verwandelt, in der die Vögel sitzen und fröhlich ihre Lieder singen und miteinander zwitschern.

Kein Wunder, dass der Mai sogar seine eigenen Lieder bekommen hat. Ein neuer Frühling ist angebrochen, das Leben erwacht, die Natur wird bunt und hell und froh, und wir Menschen mit ihr.

Wir feiern Pfingsten meistens im Mai, auch in diesem Jahr. Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Für uns in der katholischen Kirche ist der Mai außerdem der klassische Marienmonat. Die Kirchen werden mit den ersten bunten Frühlingsblumen geschmückt, es gibt eigene Maiandachten, und so wie es die weltlichen Lieder zum Mai gibt, gibt es auch die kirchlichen Lieder zum Monat Mai.

„Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort – diese Worte Marias sind wesentlich im Plan Gottes für die neue Schöpfung, die erlöste Schöpfung.

 Kein Wunder, dass die Kirche seit frühester Zeit Maria im Mai besonders verehrt hat. Schließlich ist auch ihre Geschichte untrennbar verbunden mit diesem Ja Marias.

Am Sonntag, am Pfingstfest, wird die Kirche ihren eigenen Geburtstag feiern. Etwas völlig Neues hat begonnen damals in Jerusalem, als der Heilige Geist aus dem Häuflein der getreuen Jünger die Kirche geformt hat. Und das begann, als über 30 Jahre vorher dieser Geist Gottes einer jungen Frau in Nazareth den Mut und die Zuversicht gab, zu Gottes Plan mit ihr Ja zu sagen.

„Alles neu macht der Mai heißt es. Und vielleicht denken wir beim Pfingstspaziergang in der erwachenden Natur daran, Gott zu danken, dass nicht nur die Natur zu neuem Leben erwacht, sondern dass seit damals eine ganz neue Schöpfung erwacht ist, denn er, der mit Marias Ja in die Welt kommt, spricht: „Seht, ich mache alles neu!

Andreas Schreiner ist katholischer Pfarrer in Immenhausen und in Vellmar.


Glaubenssache:
In Bewegung kommen

Von Pfarrerin Katja Friedrichs-Warnke

Katja Friedrichs-Warnke ist Pfarrerin in der Ev. Kirchengemeinde Dörnberg.

„Mir fehlt der Antrieb, zu nichts habe ich Lust.“, so sagte dieser Tage ein junges Mädchen zu mir. „Wenn doch das Homeschooling endlich aufhören könnte! Ich will mal wieder in die Schule gehen, zusammen lernen, lachen, reden.“ Und wie sehr wünschte sie sich Freunde zu treffen oder eine Reise zu machen : sich auf den Weg machen, in Bewegung kommen, der Antriebslosigkeit etwas entgegensetzen. Morgen feiern wir das Pfingstfest. Dieses Fest hat mit Bewegung zu tun, mit Aufbruch und Aufwind. Ist uns das eigentlich noch bewusst, auch wieviel Kraft, Trost und Ermutigung sich mit ihm verbindet?

Seit Jahren nutzen viele Menschen die Feiertage, um sich auf den Weg zu machen, verlassen für eine Zeit ihr Zuhause, vereisen. Und auch in dieser Corona-Zeit ergeben sich dafür wieder erste Möglichkeiten. Eine große Reisewelle wird sogar zu Pfingsten erwartet. Solche Voraussagen hat man lange nicht mehr gehört.

Aufbruchstimmung in der Krise – die vertraute Umgebung verlassen, eine Auszeit vom Alltag nehmen, fällt mir dazu ein. Damit verbindet sich auch die Chance, den Kopf frei zu bekommen und offen zu werden für neue Perspektiven.

Wohin führt uns die Corona Krise? Welche Wege können und werden wir zukünftig gehen?

Welche Aufbrüche gibt es zu Neuorientierung?

Ich bin dankbar, wo in dieser schweren Zeit schon Wege, und seien es ganz kleine, aufleuchten, die auch Aufwind geben können, Altes zu überdenken und Neues auszuprobieren.

Das Pfingstfest erzählt davon, wie Menschen Bewegung kommen. Die Jünger*innen Jesu  befinden sich nach Christi Himmelfahrt in einer Situation der Antriebslosigkeit und Kraftlosigkeit. „Was soll nur werden, jetzt da wir endgültig Abschied von nehmen mussten von Jesus? Wie sollen wir weitermachen?“

Wie gut, dass Bewegung in die Sache kommt. Jesu Geist wird bei den Menschen sein und sie begleiten. Da wird die Krise nicht kleingeredet, aber um Hoffnung und Aufwind geht es.

In Bewegung kommen, die Menschen damals und wir heute – frohe Pfingsten!


15. Mai

Gedanken zum Sonntag:
Beten oder Meditieren?

Von Pfarrer Christian Trappe

Christian Trappe ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Lippoldsberg.

Es ist seltsam: Wenn die Rede aufs Beten kommt, werden Menschen oft äußerlich still, aber innerlich unruhig. Einerseits weil Religion ins Intime abgewandert ist und man nicht darüber redet. Anderseits weil es oft eine Art schlechtes Gewissen aus Kindertagen gibt: Wir sollten´s wohl, tun´s aber nicht. Weil uns die Worte fehlen und vertraue Formen weggebrochen sind.

Dabei wird mehr gebetet, als man glaubt. Ich bin überzeugt, dass die meisten Menschen von Zeit zu Zeit in Bewusstseinszustände geraten, die man Beten nennt. Dass hat nichts mit Worten zu tun, sondern mit einem vertieften Dasein.

Wenn man zur Ruhe kommt, die Hände in den Schoß legt, einmal gar nichts will, sondern loslässt - und auf einmal das Leben wieder spürt, das ja immer da ist. Die Grenze zwischen innen und außen wird unwichtig, man fühlt sich eins mit der Welt. Aus solchen Momenten, kann auch ein Seufzen erwachsen, ein Singen, ein Gebet...

Das klingt nach Meditation - ein Wort, das übrigens aus der christlicher Spiritualität stammt. Natürlich kann man auch von fernöstlichen Meistern etwas übers Beten lernen. Aber man kann natürlich auch die Anstöße der eigenen Tradition aufnehmen. Den Sonntag Exaudi zum Beispiel als eine kleine Adventszeit vor Pfingsten: Ein Tag zum still werden und zu sich zu kommen. Denn man muss erst leer sein, bevor man Neues aufnehmen kann.

Passen Sie auf sich auf - und bleiben Sie behütet.


Glaubenssache:
Ei horsche mal

Von Pfarrer Joachim Pothmann

Joachim Pothmann ist Pfarrer, Referatsleiter des Spendenwesens der Landeskirche und stellv. Dekan im Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen.

Richtig. So würde man hier in Nordhessen nicht sprechen. Könnte man ja gleich auf dem Hanauer Wochenmarkt „‘s schicket“ zur eifrig abwiegenden Obstverkäuferin sagen. Aber in dieser „Zwischenzeit“ von Himmelfahrt bis Pfingsten darf der Verfasser dieser Zeilen etwas Sprachverwirrung schaffen. „Zwischenzeit“ übrigens, weil nach Christi Himmelfahrt das Kirchenjahr eine gewisse Zäsur macht. Christus ist – platt gesagt – weg. Und Gott noch nicht im Heiligen Geist mitten unter uns. Zugegeben: Pfingsten steht im Terminkalender. Wird nicht ausfallen. Das ist kein Thriller-Spannungs­bogen. Aber das Gefühl kennen wir: Dass wir als Menschen – auch als Christen – in dieser Welt phasenweise auf uns selbst geworfen sind oder es zumindest so empfinden. Dass Gottes Nähe nicht so unmittelbar spür- oder gar vermittelbar ist. Dass manches, was so selbstverständlich war, sich plötzlich als unverfügbar herausstellt.

Dann ist es wichtig, nicht die Orientierung zu verlieren. Nach links und rechts gucken. Die Menschen um sich herum wahrnehmen. Sich gegenseitig zuhören. „Horsche mal!“. Etwas „Fremdsprache“ kann da durchaus helfen, wenn wir nur den Mut finden, nachzufragen: Was meinst Du mit dem, was Du sagst? Was möchtest Du? Was brauchst Du? Wir müssen aufeinander hören, uns zuhören, uns verständigen, uns (zumindest versuchen zu) verstehen – sonst wird es schwer, aus dieser langen Virus-Krise als Gemeinschaft heil herauszu­kommen. Und wir müssen unsere Ohren spitzen, um auch die noch hören zu können, die eh schon immer nur eine leise Stimme hatten und jetzt fast unhörbar geworden sind.

Ebenso wichtig: Wir dürfen auch uns Gehör verschaffen. Exaudi, der Name des morgigen Sonntags, heißt ganz frei übersetzt: „horsche mal“ (aber das konnten Sie sich vielleicht schon fast denken). Gemeint ist damit übrigens Gott: „Herr, höre meine Stimme!“ Und da bin ich mir sicher – auch in dieser Zwischenzeit: Er hört uns!


8. Mai

Gedanken zum Sonntag

Von Pfarrer Jonathan Bergau

Jonathan Bergau ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Oedelsheim und Gieselwerder.

„Ich bete für Dich.“ Hat das schon mal jemand zu Ihnen gesagt?

Wie haben Sie sich dabei gefühlt? Hat Sie das gefreut oder haben Sie Ihr Gegenüber – mit Verlaub – für einen Spinner gehalten?

Gebet kommt bei uns in der Öffentlichkeit eher selten vor. Gebet ist ganz persönlich und bleibt so häufig Privatsache.

Das Gebet ganz privat ist, ist an sich auch gar nicht schlecht. Im Gebet kann ich das, was mir auf dem Herzen liegt, vertrauensvoll zu Gott bringen. Ob laut oder in Gedanken ich kann zu Gott kommen, wie zu einem Freund. Dabei braucht es weder ausgefeilte Worte noch eine besondere Form. Ich kann reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Ich darf meinen Dank, meine Freude aber auch meine Zweifel und meine Klage an ihn richten. Das tut mir gut und hilft mir durch die Zeit, nicht nur durch die Pandemie.

„Ich bete für Dich.“ Das ist die Aufgabe nicht nur von Pfarrerinnen und Pfarrern sondern von allen Christinnen und Christen. Nicht nur meine persönlichen Anliegen sollen vor Gott kommen, sondern auch die der anderen Menschen. Darunter zählen nach Jesu Botschaft auch die, die mir das Leben schwer machen.

Der Satz „Ich bete für Dich.“ gehört ernst gemeint in die Öffentlichkeit. Er ist eine Hoffnungsbotschaft.

Ich wünsche Ihnen nicht nur an diesem Sonntag, der Rogate (lat. Betet!) heißt, dass Sie für andere beten können und, dass wenn Sie nicht beten können, andere für Sie beten.


Glaubenssache:
Sich sehen lassen können

Von Pfarrer Dr. Michael Dorhs

Dr. Michael Dorhs ist evangelischer Pfarrer und Referatsleiter für Schule und Unterricht der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. (Foto: medio.tv/Schauderna)

Das ungläubige Erstaunen stand der Schülerin ins Gesicht geschrieben: „Ich, gewollt und wertvoll? Nein, ganz bestimmt nicht!“ So hatte sie sich offenbar noch nie wahrgenommen – vielleicht weil es ihr so auch noch niemand gesagt hatte. Im Unterricht ging es um ein heißes Eisen: „So, wie ich bin – so, wie ich sein möchte“.

Mag sein, dass für uns Ältere die Frage, ob der Po zu dick, der Busen zu klein oder der Körper muskelbepackt genug ist, an Wichtigkeit verloren hat. Aber ob wir Erwachsenen deshalb eher bereit sind, uns so anzunehmen, wie wir sind? Verschweigen wir den Anderen unsere Träume vom gelingenden Leben, oder erzählen wir ihnen davon? Muten wir ihnen unsere tiefsten Überzeugungen zu, auch, wo es mit uns keine Kompromisse gibt? Ich finde, das ist die Frage, die sich prinzipiell kaum von der jener Schülerin unterscheidet: Ob wir uns trauen, uns zu zeigen, weil nur so sichtbar werden kann, was Gott selbst in uns angelegt hat, wodurch wir unverwechselbar werden, nämlich unverwechselbar wir selbst! Das heißt nicht, dass alles an uns „schön“ wäre.

Wir wissen sehr gut, wo wir hinter uns zurückbleiben oder schuldig werden. Aber das ändert nichts daran, dass wir von Gott her „gut“ gemeint sind. Und dass das auch zur Entfaltung kommen soll – selbst, wenn’s nur fragmentarisch gelingt. Manchmal geschieht das zur Freude aller. Manchmal auch auf merkwürdig krummen Wegen, so dass es Befremden, ja sogar Ablehnung auslöst. Und trotzdem „stimmt“ es! Wichtig ist nur, dass es passiert! Und wir uns gegenseitig ermutigen, wenn wir wieder an uns zweifeln:

Ich gewollt und wertvoll? – Ja, Du! Gerade Du!


 1. Mai

Gedanken zum Sonntag:
Zeit zumMäusemelken

Von Pfarrerin Adelheid Römer-Bornmann

Adelheid Römer-Bornmann ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Niedermeiser und der Kreisklinik Hofgeismar.

Gerade nochmal so davongekommen, dachte ich. Die zwei Wochen Quarantäne kriegen wir schon rum! Schließlich haben wir ein geräumiges Haus und einen großen Garten. Das heißt: genug zu tun. Solange sich bei unserem Sohn die Symptome in Grenzen halten: alles gut! Kaum hatte ich mich erfolgreich selbst beruhigt (und alle anderen natürlich auch), da kränkelt mein Mann. Noch trägt mich die Hoffnung, dass es nur eine normale Erkältung ist. Der PCR Test wird uns in wenigen Tagen Gewissheit verschaffen. Bei dem Gedanken, dass wir doch noch länger zuhause bleiben müssen, sträuben sich mir die Nackenhaare. Was ist, wenn wir nun alle der Reihe nach erkranken? Wir können nichts dagegen tun und natürlich wollen wir andere vor einer Infektion schützen. Darum bleiben wir zuhause, wie angeordnet.

Es ist zum „Mäusemelken“ denke ich, und dazu wäre jetzt ja auch genügend Zeit und Muse vorhanden. Allein die Mäuse fehlen. Und gehörte ich auch einst zu denen, die sich hin und wieder eine Auszeit gewünscht haben, fühlt es sich nun kaum entspannend und erholsam an. Was ich mir für eine Ruhephase ausgemalt hatte, was ich immer schonmal machen wollte, das könnte ich jetzt tun. Leider fehlen mir in dieser Zwangspause einfach die Energie und die Lust dazu. Trotzdem will ich versuchen, für mich und meine Familie das Beste daraus zu machen. Was das sein kann, weiß ich noch nicht so genau. Doch irgendetwas Gutes muss aus der Situation zu gewinnen sein. Dieser Überzeugung möchte ich Raum geben.

Dabei fallen mir viele Begegnungen mit Menschen ein, deren Situation nichts, absolut nichts erkennbar Gutes abzugewinnen war. Die Bilder vom Wüten der Pandemie in Indien lassen mich sprachlos werden.-
Uns geht es gut! Wir werden von allen Seiten versorgt und gute Wünsche und Gebete begleiten uns. Also kein Grund zu verzweifeln, sondern ein Grund zu danken. Und das möchte ich gerne tun, wenn ich genügend gejammert, geklagt und geschimpft habe.
Alles, was ich denke und fühle, findet bei Gott seinen Raum. Am Ende bleibt ein „Gott sei Dank“ dafür!


Glaubenssache:
Etiketten

Von Pfarrer i.R. Ulrich Trzeciok

Etiketten finden wir an Kleidungsstücken und auf vielen Verpackungen in den Kaufläden. Sie sollen den Kunden zeigen, was da alles drinsteckt. Aber stimmt das immer? Es wird auch vor Schwindeletiketten gewarnt.

Der 1. Mai trägt gleich mehrere Etiketten, die ihm im Lauf der Zeit aufgeklebt wurden. Wie steht es damit? 1. Mai, Tag der Arbeit. Er hat seinen Ursprung in Amerika. Nicht als staatlicher Feiertag mit Lohnfortzahlung, sondern als Streik- und Kampftag für die Rechte der Arbeiterschaft und bessere Arbeitsbedingungen. Ab 1890 gab es auch im deutschen Kaiserreich am 1. Mai Streiks und Demonstrationen. Er wurde als internationaler Tag der Arbeiterbewegung ausgerufen. Arbeitgeber reagierten mit Aussperrungen und Entlassungen. Klassenkampf.
Die Nationalsozialisten haben ihn dann ab 1933 als „Tag der nationalen Arbeit“ zum Staatsfeiertag gemacht, aber zugleich ein Schwindeletikett aufgedrückt: Entmachtung und Zerschlagung der Gewerkschaften, Vereinnahmung und Gleichschaltung der Arbeiterbewegung im nationalsozialistischen Unrechtssystem. 

In der Demokratie der Nachkriegszeit ist der Feiertag geblieben, aber wieder zum Tag der Gewerkschaftskundgebungen geworden.
Heute freilich hat sich ein anderes Etikett am 1. Mai durchgesetzt: Beginn des „Wonnemonats“, hinaus in die aufblühende Natur. „Der Mai ist gekommen … .“ haben die Romantiker im 19. Jahrhundert gedichtet und gesungen. – Von der Romantik beeinflusst ist auch ein weiteres Etikett: „Maria, Maienkönigin“. Die katholische Kirche hat diesen Monat der Verehrung der Mutter Jesu gewidmet. Ich erinnere mich noch gut an die feierliche Eröffnung der Maiandachten am 1. Mai , als ich noch Messdiener in Kassel war. – Im Jahr 1955 hat dann Papst Pius XII noch ein weiteres Etikett hinzugefügt: 1. Mai, Gedenktag des heiligen Josef, des Arbeiters. Der irdische Vater Jesu war nach dem Zeugnis des Evangeliums ein „Tekton“, ein Bauarbeiter, Zimmermann. Hier schließt sich der Kreis wieder zur Arbeiterbewegung. 

Der 1. Mai ist ein Tag mit vielen Etiketten. Da wird wohl jeder etws passendes Finden. Wenn man ihn nur noch als zusätzlichen Urlaubstag sieht, passen Etikett und Inhalt nicht mehr zusammen.

Ulrich Trzeciok ist Stadtpfarrer im Ruhestand und Geistlicher Rat aus Naumburg.


24. April

Wort zum Sonntag:
Der gute Hirt

Von Diakon Jürgen Jaklin

1987 war ich mit meiner Familie zu Besuch in der Eremitage in Leningrad.

Dort sah ich das schönste Bild, was ich je gesehen habe.

Am Ende des Flures hing ein Bild in Türgrösse. Mir kam eine Schafherde aus dem Nebel entgegen. Das Bild war so imposant und friedlich, dass ich mich von dem Bild gar nicht trennen konnte.

Jesus will auch unser gute Hirt sein. Ich bin die Tür zu den Schafen - steht im heutigen Evangelium. Viele von uns kennen die Schafe nur aus der Zeitung, wenn berichtet wird, dass ein Wolf sie gerissen hat. Ja, auch wir leben unter Wölfen und können uns oft nicht wehren!

Das Angebot Jesu an uns: Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe! Unsere Osterliturgie hat uns dies wieder einmal mehr in Erinnerung gerufen!

Wir leben momentan in unruhigen Zeiten! Oft wissen die Leute alles besser! Wir wissen, dass wir einen haben, nämlich Jesus, der wie mit den Emmausjüngern an unserer Seite geht und immer für uns da ist. Lieber guter Hirte wir danken dir dafür!

Jürgen Jaklin ist Diakon der katholischen Kirchengemeinde St. Peter in Hofgeismar.


Glaubenssache:
„Berühr mich nicht!“

Von Pfarrer Jens Holstein

Jens Holstein ist Pfarrer der Klinik in Bad Emstal-Merxhausen.

Sexualisierte Gewalt. Die evangelische Kirche will auch in der Region Betroffene ermutigen. So war es letzte Woche in der Wolfhager Ausgabe der HNA zu lesen. Ist das Thema nun auch bei uns angekommen? Offenkundig, und das ist gut.

Sexualisierte Gewalt löst schweres Leid aus. In einer psychiatrischen Einrichtung wie in Merxhausen wird das vielfach deutlich. Opfer solcher Gewalt sind an ihrer Seele schwer verletzt, sind auch im Nachhinein ohnmächtig gegenüber dem, was ihnen widerfahren ist. Deshalb können sie kaum ihre eigenen Belange öffentlich vertreten. Denn zu allem Leid kommt obendrein die Scham über die zugefügten Verletzungen. Oftmals ist das Leben der Opfer auf Dauer beschädigt oder gar zerstört. Und da sind die Täter, die nicht von ihrem zerstörerischen Tun ablassen können. Meist gehen sie heimtückisch vor, suchen sich arglose und schutzbedürftige Opfer. Dabei zerstören sie häufig auch ihr eigenes Leben.

Nun ist nicht jeder Übergriff ein schwerer Missbrauch. Aber es gilt zu erkennen, wo eine Grenze überschritten, die körperliche Selbstbestimmtheit des Gegenübers nicht respektiert wird. Und es gilt, nicht wegzuschauen. Wo Grenzüberschreitungen bemerkt werden, muss das sofort angesprochen und klar benannt werden. Deshalb ist es gut, dass die Kirche in unsere Region dieses durchaus unangenehme Thema aufgreift und dafür sensibilisiert, um Schaden abzuwenden. Kirche muss die Betroffenen unterstützen und stärken, umso mehr wenn die Übergriffe im Kontext von Kirche geschehen sind. Denn nur dann ist Kirche eine Gemeinschaft, die von gegenseitigem Vertrauen bestimmt ist und zu der sich Menschen zugehörig fühlen.


17. April

Gedanken zum Sonntag:
...und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Von Pfarrerin Ulrike Bundschuh

Ulrike Bundschuh ist Diakoniepfarrerin im Landkreis Kassel.

Morgen am Sonntag des guten Hirten gedenken wir in einem großen ökumenischen Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin der Menschen, die in den letzten 13 Monaten an Covid-19 gestorben sind. Fast 80 000 Menschen sind es inzwischen in Deutschland, fast 3 Millionen weltweit. Um jeden einzelnen Menschen trauern Angehörige, jede und jeder wird von Freundinnen und Freunden vermisst.

Wir gehen in dieser Pandemie durch ein finsteres Tal und hoffen doch, dass Gott mit uns geht – wie ein guter Hirte. Er achtet darauf, dass die Herde zusammenbleibt. Er nimmt jedes einzelne Schaf aufmerksam wahr. Er geht auch dem einen nach, das sich verlaufen hat.

Dieses Vertrauen gibt uns die Kraft, Schritt um Schritt gelassen und tapfer unseren Weg zu gehen und füreinander einzutreten, so dass alle mitkommen: Die Trauernden, die vielleicht nicht einmal Abschied nehmen konnten. Diejenigen, die seit über einem Jahr unermüdlich für die Kranken sorgen; es wird Zeit, dass ihre Arbeit endlich mehr Anerkennung findet! Die, die allein leben und unter der Einschränkung der Kontakte besonders leiden. Die, die es mit sich oder in ihren Familien, in der Schule oder im Beruf schon schwer hatten und nun noch mehr unter Druck geraten. Die Kinder und Jugendlichen, die ihre Freundinnen und Freunde vermissen; die jungen Erwachsenen, die gerade richtig loslegen wollen – und nun steht alles still.

Ich vertraue darauf, dass Gott als guter Hirte mit ihnen allen und mit uns durch diese Krise geht und niemanden zurücklässt, auch nicht im Tod. So wie es der 23. Psalm verspricht: „Der Herr ist mein Hirte …und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“


Glaubenssache:
Alles hat ein Ende...


Von Jürgen Krackrügge

Jürgen Krackrügge ist Mitarbeiter in der Freien evangelischen Gemeinde in Ippinghausen.

Sie wissen vermutlich, wie dieses geflügelte Wort weitergeht. Mir soll es bei diesem Artikel nicht um die Wurst mit den zwei Enden gehen, die in einem Lied als Bild für eine zerbrechende Beziehung genommen wird. Es geht auch nicht um das von allen herbeigesehnte Ende der Pandemie. Ich möchte von einer menschlichen Hoffnung schreiben, die eben kein Ende hat.

Morgen ist der zweite Sonntag nach Ostern. Das Osterfest sollte uns auch über die Feiertage hinaus immer wieder zur Freude anregen, dass Christus mit seiner Auferstehung Hoffnung für unser Leben gibt. Diese Hoffnung, hat ihren Grund in dem großartigen Versprechen Jesu, das er seinen Freunden gab.

Bei einem Gespräch mit ihnen sagte er, nachzulesen im Johannesevangelium Kap.14 Vers 19: „Die Welt wird mich schon bald nicht mehr sehen, doch ihr werdet es. Denn ich werde leben, und ihr werdet auch leben.“

Zu der Zeit, als Jesus das sagte, war es für seine Jünger kaum zu verstehen, was er damit meinte. Sterben und Tod, das passte nicht in ihre Vorstellung von einem Leben mit Jesus. Dann mussten sie den furchtbaren Karfreitag erleben mit einem sterbenden Herrn am Kreuz. Erst nach der Auferstehung Christi war für sie klar, was ihr Herr mit seinem Versprechen auf die Zukunft gemeint hatte. Und diese Hoffnung verkündigten sie später der gesamten Welt.

So lebe ich auch damit, dass dieses Versprechen Jesu mir Hoffnung gibt für das Leben heute und auch für meine Zukunft in Gottes neuer Welt. Diese Hoffnung hat kein Ende, sie führt alle Menschen, die ihr Leben Jesus Christus anvertrauen, in eine ewige Zukunft im Himmel. Das ist wirklich eine großartige Perspektive, Gott sei Dank dafür!


10. April

Gedanken zum Sonntag:
Nur Liebesbriefe

Von Schulpfarrerin Anne Hammann

Liebe Leser*innen, kommt es Ihnen auch so vor? In der Corona-Zeit werden wieder mehr Briefe geschrieben. Nein, ich spreche nicht von E-Mails, sondern von „richtigen“ Briefen auf Papier, vielleicht sogar mit Tinte verfasst. Ich könnte mir vorstellen, dass es Ihnen da genauso geht wie mir: Einen Brief zu bekommen, geschrieben in der vertrauten Handschrift der alten Schulfreundin, ist immer eine große Freude! Und wenn man den Schwung solcher Freude auslebt, setzt man sich gleich hin und schreibt ihr zurück.

Wenn ich meine geschriebenen und frankierten Briefe zum nahegelegenen Briefkasten bringe, um sie einzuwerfen, leuchten mir schon von Ferne die großen schwarzen Buchstaben entgegen, die ein Sprayer darauf gesprüht hat: Nur Liebesbriefe!

Ich gestehe, dass ich diese 2 Worte einfach genial finde. Ja, wir sollten nur liebevolle, aufmunternde, erfreuliche Briefe schreiben - Liebesbriefe im weitesten Sinn (im engeren Sinn natürlich auch!). Briefe, die vielleicht mehrmals gelesen und in der „Schatzkiste des Lebens“ aufbewahrt werden.

Am genialsten wäre es natürlich, wenn wir selbst – in Person gewissermaßen – Liebesbriefe wären. Menschen also, die einfach durch ihr So-Sein lesbar wären als von Christi Liebe und Auferstehung zeugend.

So hat sich das jedenfalls der Apostel Paulus vorgestellt und von seinen Gemeinden gewünscht: „Ihr seid unser Brief, in unser Herz geschrieben, erkannt und gelesen von allen Menschen! Ist doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, nämlich eure Herzen.“ (2. Korinther 3, 2f.)

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sonntag!

Anne Hammann ist Schulpfarrerin an der Arnold-Bode-Schule in Kassel.


Glaubenssache:
Wie neu geboren

Von Lektor Günter Schnellenpfeil

Günter Schnellenpfeil ist Lektor der Gemeinden Balhorn/Altenstädt in der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche.

So richtig freuen? Nein. Es war und ist immer noch nicht ausgestanden. Die Pandemie – Sie wissen schon. Wir warten auf Freiheit und Durchatmen.

Im 1.Petrusbrief 1v 3 stimmt der Schreiber eine andere Melodie an: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ Es ist die Melodie der Freude und der Hoffnung - der Auferstehung Jesu. Aber das Osterfest hat es nie leicht gehabt. Schon immer gab es Zweifel. Es ist eine Zumutung für den Jünger Thomas. Er zweifelt, will es begreifen. Auch ich erlebe Zweifel. Zweifel und Glauben sind dicht beieinander.

Aber das Petruswort ist das Bekenntnis zu einem neuen Leben. „Wie neu geboren“ haben sich die Christen nach Ostern erlebt. Dass, was am Ostermorgen geschehen ist, hat eine Kraft, Menschen zu verändern. Diese Botschaft hat die Kraft, Hoffnung und Glaube entstehen zu lassen, obwohl noch nicht alles gut ist. „Wie neu geboren“ haben sich vermutlich die zwei Jünger gefühlt, als sie am Abend in Emmaus mit dem auferstandenen Jesus zusammensitzen und er das Brot bricht. Ihre dunkle Welt der Trauer und des Todes bricht auf, weil er lebt und den Tod besiegt hat. „Wie neu geboren“ laufen sie zurück und sagen es weiter: Er ist auferstanden! Nun wird für sie auf einmal alles sinnvoll: Das Sterben Jesu und ihre Nachfolge. Der Tod hat verloren, eine neue Welt ist versprochen.

Es macht Sinn, sich schon heute darauf zu freuen. Wie neu geboren fühlen sich Menschen bis heute, die die Osterbotschaft hören und ihr Vertrauen! Trotz aller Zweifel bleibt es dabei:  Er ist auferstanden. Gott lässt uns nicht allein. Am Ende wird wirklich alles gut.


4. April - Ostersonntag

Video-Andacht aus dem Kirchenbezirk Wilhelmsthal-Liebenau


Video-Andacht aus dem Kirchspiel Oedelsheim


Geistlicher Impuls zum Hören aus dem Kirchenbezirk Wilhelmsthal-Liebenau


3. April

Gedanken zum Sonntag:
Aktivierungsprogramm

Von Pfarrer Daniel Fricke

Daniel Fricke ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Bad Karlshafen-Helmarshausen.

Wenn Träume platzen, dann ist man am Boden. Wenn Erwartungen sich nicht erfüllen, dann ist man enttäuscht. Wenn alles gegen einen läuft, dann verliert man die Lust.

So geht es den Freunden von Jesus damals. Sie haben alle Hoffnung auf ihn gesetzt. Sie haben ihr altes Leben an den Nagel gehängt und sind Jesus gefolgt. Was haben sie nicht alles hinter sich gelassen, um mit ihm unterwegs zu sein: Familie, Freunde, Besitz. Jetzt ist die Reise zu Ende. Jesus ist tot. Niedergeschlagen und traurig gehen sie aus Jerusalem weg. Sie haben alles verloren. Mühsam setzten sie einen Schritt vor den anderen. Sie trotten von dannen.

In der Bibel lesen wir von zwei Jüngern denen Jesus kurz nach seinem Tod begegnet. Sie erkennen ihn nicht. Sie sind zu traurig. Erst als Jesus am Abend mit ihnen zusammensitzt, merken sie, wer es ist. Dann kann sie nichts mehr halten. Den langen Weg nach Jerusalem rennen sie im Eiltempo zurück. Ostern ist auch dieser fröhliche Wandel: vom gebückten Schleichen zum freudigen Sprint. Ostern ist Hoffnung auf Auferstehung. Dort wo nichts mehr ging, geht mit Gott noch was.

Ich wünsche uns diese Aktivierung: Hoffnungssprünge gegen den Coronablues. Wenn du glaubst es geht nichts mehr, kommt von irgendwo der Auferstandene her. In diesem Sinne: frohe Ostern!


Glaubenssache:
Karsamstag

Von Lektorin Anja Mueller-Opfermann

Anja Mueller-Opfermann ist Lektorin in der Ev. Kirchengemeinde Wolfhagen.

Karsamstag der Tag, über den es im Glaubensbekenntnis heißt „hinabgestiegen in das Reich des Todes.“ Die Gefangennahme, Verurteilung und Kreuzigung Jesu liegen hinter uns. Ein dicker Stein wurde vor das Grab gewälzt. Jesus ist tot, nichts geht mehr.

Karsamstag, Zeit der Stille, der Traurigkeit und des Nachdenkens. Und doch geschieht etwas, ganz im Verborgenen. Im Johannesevangelium heißt es „Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“

Das Weizenkorn liegt unter der Erde. Die Vorbereitung des Bodens und das Säen sind beendet. Jetzt kann niemand mehr etwas tun. Nichts passiert, alles ist still, die Zeit des Wartens beginnt. Doch unter der Erde tut sich etwas. Das Weizenkorn hat Wurzeln gebildet. Es hat die dunkle Erde durchdrungen und ein kleiner grüner Halm schiebt sich ans Licht, Welch eine Veränderung!

Und Jesus hinter seinem dicken Stein? Es gibt eine Geschichte, von der man selten im Gottesdienst hört, die aber besonders Künstler, wie zum Beispiel Albrecht Dürer, in ihren Bildern aufgreifen. Darin steigt Jesus nach seinem Tod hinab in das Totenreich und bringt ein Licht dorthin, wo es immer dunkel ist. Er durchdringt die Finsternis und bringt allem, was tot ist, die frohe Botschaft „Gott hat den Tod besiegt.“ Es wird der Tag kommen, an dem alles voller Licht und Leben ist.

Im Glaubensbekenntnis heißt es weiter „auferstanden von den Toten“ Jesus hat den Tod überwunden und das Tor zum Leben aufgestoßen. Er kommt auch zu uns, um uns allen das Licht der Hoffnung und des Lebens zu bringen

Ostern - schon morgen ist es soweit, Halleluja.


Karfreitag - 2. April

Video-Andacht aus dem Kirchenbezirk Wilhelmsthal-Liebenau


Video-Andacht aus dem Kirchspiel Oedelsheim


Video-Andacht aus dem Kirchspiel Bad Karlshafen-Helmarshausen


Gründonnerstag - 1. April

"Augenblick"- Botschaft der Klosterkirche Lippoldsberg zum Gründonnerstag - das Miteinander feiern

Anregung für ein häusliches Jesusmahl am Gründonnerstag:
Augenblick 57 – Gründonnerstag HANDREICHUNG.pdf (231.17KB)
Anregung für ein häusliches Jesusmahl am Gründonnerstag:
Augenblick 57 – Gründonnerstag HANDREICHUNG.pdf (231.17KB)



27. März

Gedanken zum Sonntag:
Stille statt Jubel und doch ist er da

Von Gemeindereferentin Julia Wenigenrath

Julia Wenigenrath ist Gemeindereferentin im katholischen Pastoralverbund St. Peter Hofgeismar-Weser-Diemel.

Es ist wieder soweit, mit dem heutigen Palmsonntag wird wie jedes Jahr die Karwoche eröffnet. An diesem Sonntag erinnern wir uns an den Einzug Jesu in Jerusalem. Er ritt damals auf einem Esel in die Stadt ein und wurde dabei bejubelt wie ein König. Die Menschen damals empfingen ihn voller Hoffnung, einige legten ihm ihre Kleidung zu Füßen und andere schwenkten Palmenzweige zum Gruß.

Jesus der König der Könige, der die Menschen liebt, ihnen Hoffnung schenkt und sich ihnen zuwendet. Aber auch in diesem Jahr bleibt die gemeinsam nachempfundene Freude vor Ort aus. Wir müssen die Karwoche im Geiste vereint begehen und es bleibt still und verhalten in unseren Kirchen beim Osterfest. Orte in denen gerade dann Jubel und Gesang herrschen sollte, werden von Angst und trauriger Stille gefüllt. Doch auch unserem Osterfest geht das Leid Jesu und die Trauer seiner Freunde und Mutter voraus.

Nur durch seinen Leidensweg können wir auch heute noch auf ein Leben nach dem Tod hoffen. Das allein macht ihn für mich gerade jetzt zu einem guten Wegbegleiter. Durchhalten – in einer Zeit, in der wir Vieles aushalten müssen, machtlos sind und für einander mehr Verzicht üben müssen denn je.


Glaubenssache:
Segen für alle

Von Pfarrerin Kathrin Wittich-Jung

Kathrin Wittich-Jung ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Wolfhagen.

Manchmal wünsche ich mir einen Ort, an dem ich ganz ich selbst sein kann. Einen Ort, an dem keine etwas von mir will. Wo ich keiner Rolle gerecht werden muss, kein Klischee erfüllen oder nicht erfüllen muss. Ich wünsche mir einen Ort, wo ich so angenommen bin, wie ich bin. Mit all meinen Ecken und Kanten und all dem liebenswerten. Es ist ein Ort, der uneingeschränkten Akzeptanz.

Ich glaube, einen solchen Ort finde ich beim Segen. Der Segen wird mir am Ende des Gottesdienstes zugesprochen. Gott wirkt den Segen. Nicht der Pfarrer oder die Pfarrerin oder der Priester.

Wenn ich gesegnet werde ist das immer ein besonderer Moment. Gerade, wenn der Segen mir persönlich gilt. Da werden Hände aufgelegt und alte Worte gesagt und ich fühle mich so behütet und bin berührt.

Und ich merke, dass sein Segen im Leben wirkt. Nicht, dass er alles heil macht. Aber er stärkt mich.

Als Pfarrerin spreche ich Menschen oft den Segen zu. An ganz unterschiedlichen Momenten im Leben. Bei der Taufe, der Konfirmation, der Trauung und auch am Sterbebett und am Grab.

In aller Offenheit und ohne Vorbehalte. Die Menschen, die zu mir kommen und um einen Segen bitten, sind willkommen. Egal, ob fest glauben oder zweifeln. Egal, ob sie in einer hetero- oder homosexuellen Beziehung leben, die gesegnet werden soll. Egal, wo sie herkommen und was für eine Geschichte sie haben. Sie sind willkommen. Denn so verstehe ich den Segen: Die Unterschiede, die wir Menschen häufig machen, sind im Segen nicht wichtig. Da zählt allein der Mensch. Der Segen ist ein Raum der absoluten Akzeptanz, in den ich hineingenommen werde und in dem ich so angenommen bin, wie ich bin.  Gottes Segen gilt uns allen. Denn in der Bibel sagt Gott: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“


20. März

Gedanken zum Sonntag:
Frühlingsglaube

Von Pfarrer Dr. Jochen Gerlach

Dr. Jochen Gerlach ist leitender Pfarrer in der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen.

Die linden Lüfte sind erwacht, / Sie säuseln und weben Tag und Nacht, / Sie schaffen an allen Enden. O frischer Duft, o neuer Klang! / Nun, armes Herze, sei nicht bang! / Nun muss sich Alles, - Alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag, / Man weiß nicht, was noch werden mag, /Das Blühen will nicht enden. Es blüht das fernste, tiefste Thal: / Nun, armes Herz, vergiss der Qual! / Nun muss sich Alles, Alles wenden. (Ludwig Uhland 1787-1862)

Ja, ich mache die wunderschönen Frühlingsspaziergänge. Ja, ich mache sie in Coronazeiten auch mehr als sonst. Ja, ich spüre die linden Lüfte, den frischen Duft. Die Welt wird schöner mit jedem Tag, ja!

Ganz gegenläufig lese und höre ich jeden Tag von den steigenden Infektionszahlen. Sie ziehen mich runter. Ich wünsche und hoffe: Nun muss sich Alles, Alles wenden. Ich bin Realist: Unser alle Kontakte ermöglichen dem Virus den Sprung von Mensch zu Mensch. Mein Frühlingsglaube ist erschüttert. Vielleicht hilft mir der Osterglaube. An Jesu Weg sehe ich wie Gott durch das Leiden zur Auferstehung führt. Gott mutet uns dieses Virus zu, ja. Es bleibt mir nur ein realistisches Hoffen. Realistisch: es kommt auf unser aller Handeln an. Hoffen: nach viel Geduld wird sich Alles, Alles wenden.


Glaubenssache:
Reset - Alles auf Anfang!

Von Pfarrer Karl-Alfred Dautermann

Irgendwie ist es in diesem Jahr anders, das Warten auf den Frühling. Die Pandemie erzwingt von uns ein langes geduldiges Warten. Warten auf die Impfung, Warten auf langvermisste Kontakte, Warten auf den Neustart in Arbeit, Familie und Freizeit. Auf die Großwetterlage haben wir eben nur sehr bedingt Einfluss.  

Vielleicht bin ich deshalb diesmal so empfindsam für die kleinen Anfänge. Als im Februar nach der großen Kälte mit herrlichem Schnee die Sonne mit voller Macht und rekordverdächtigen Temperatursprüngen von fast 40 Grad Unterschied hervorkam, da zog es die Menschen magisch nach draußen. Was soll man auch sonst tun in Pandemiezeiten? Und so war es ein Leichtes, die kleinen wunderschönen Neuanfänge zu entdecken. Das erste Schneeglöckchen, den ersten Winterling oder Krokus, den ersten Lerchengesang auf dem Feld. Das tut der Seele unendlich gut. Kein Wunder, dass man die Lebensjahre auch nach „Lenzen“ zählt. Bei manchem Hochbetagtem habe ich es schon erlebt. Wenn erst einmal der Winter und die Dunkelheit überstanden sind, dann gibt es wieder einen neuen Aufschwung, neue Lebenskraft.

Das kommende Osterfest spricht dabei von einem noch viel größeren Neubeginn, einem Reset, der alle Frühlingsgefühle übersteigt und auch das Ende der Pandemie. Eines Tages werden wir über Corona reden als wäre es lang vergessen. Aber den Neustart Gottes in Jesus Christus, dieser Sieg über Hölle, Tod und Teufel, der bleibt bis in Ewigkeit. Der Sieg der Liebe, die stärker ist als der Tod, wird uns noch dann begleiten, wenn wir das Zählen nach unseren Lenzen bereits aufgehört haben und man die Zahlen unseres Lebens in einen Grabstein gemeißelt hat.

In meiner alten Heimat gibt es am Rand des Teutoburger Waldes die sogenannten Waldgräber. Betuchte Mitbürger durften ihre Ruhestätten mit grandioser Aussicht auf das westfälische Land gestalten. In jedem Frühjahr wächst auf diesen Gräbern ein Meer von Winterlingen. Was für ein wunderbares Bild. Der Sieg des Frühlings über den Winter vereint mit der Hoffnung der Ewigkeit. Da kann man durch- und aufatmen. Dieses Durchatmen, diese Freude über Jesus, wünsche ich Ihnen für die kommenden Tage. Dann lässt sich auch das Warten gut ertragen.

Pfarrer Karl-Alfred Dautermann ist Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Wolfhagen-Ippinghausen und Bad Arolsen.


 13. März

Gedanken zum Sonntag:
Und alles bekam einen Sinn

Von Pfarrer i.R. Karl Christian Kerkmann

Karl Christian Kerkmann ist evangelischer Pfarrer und war bis zum Eintritt in den Ruhestand Seelsorger für die Ev. Altenhilfe Gesundbrunnen sowie das Ev. Krankenhaus in Hofgeismar. (Foto: Blofield)

An einem Vorfrühlingstag war ich allein im Wald und lauschte seinem Rauschen. Ich dachte an meine Unruhe während der letzten drei Jahre, an mein Suchen nach Gott, an mein dauerndes Schwanken zwischen Freude und Verzweiflung. Und plötzlich sah ich, dass ich nur lebte, wenn ich an Gott glaubte. Wenn ich nur an ihn dachte, erhoben sich in mir die frohen Wogen des Lebens. Alles ringsum belebte sich, alles bekam einen Sinn. Aber sobald ich nicht mehr an ihn glaubte, stockte plötzlich das Leben. – „Was suche ich also noch?“ rief eine Stimme in mir. „ER ist es doch, ohne den man nicht leben kann! Gott kennen und leben ist eins. Gott ist das Leben …“ Seitdem hat mich diese Leuchte nie mehr verlassen. (Gedanken des Schriftstellers Leo Tolstoi).

„Sobald ich nicht mehr an ihn glaubte“, könnte bedeuten:
Wenn der Sinn, der mich trägt, überdeckt wird durch sorgenvolle Gedanken – oder auch nur durch das Gefühl, durch die Gewohnheit: Alles ist doch selbstverständlich …

Und plötzlich ist vieles, sehr vieles nicht mehr selbstverständlich – in Zeiten von Corona.
Und wir erkennen vielleicht sogar: nichts ist selbst-verständlich. Jeder Vogel, jede Sonnenstunde, jeder Regentag. Alles erinnert uns an die Sinnhaftigkeit des Lebens.
Erst recht jedes Lächeln, das man trotz Maske in den Augen erkennt, jede schöne Begegnung im Alltag, auf der Straße, beim Einkaufen.
„Gott ist das Leben…“, und alles bekommt einen Sinn.
Möge „diese Leuchte“ uns immer begleiten, er-heitern und er-mutigen!


6. März

Gedanken zum Sonntag


Von Pfarrer Stephan Bretschneider

Stephan Bretschneider ist Pfarrer für die Ev. Stadtkirchengemeinde Hofgeismar.

Seit mittlerweile ziemlich genau einem Jahr prägt „Corona“ unseren Alltag – ein eher bedrückendes „Jubiläum“. Nein, zum fröhlichen Feiern dieses ersten Jahrestages besteht wahrhaftig kein Anlass. Und es zeichnet sich ab, dass „Corona“ uns auch weiterhin beschäftigen und mancherlei Mühe machen wird. Das sind ehrlich gesagt nur bedingt gute Aussichten. Doch wir müssen uns dem stellen und können nicht so tun, als gäbe es das alles nicht.

Aber eins möchte ich dann doch nicht: mich von „Corona“ beherrschen lassen. Ja, „Corona“ schränkt mich ein, es bedrückt mich auch - das ist wohl wahr. Aber beherrschen lassen will ich mich auch weiterhin viel lieber von anderen Dingen, z.B.

- von den Aufbrüchen des Frühlings, die wir in diesen Tagen in der Natur erleben können,

- von freundlichen Begegnungen, die auch jetzt möglich sind,

- von der Wohltat der Reduzierung von mancherlei, das einfach zu viel geworden war (und das „Dank Corona!“ zurückgefahren werden musste),

- von der Barmherzigkeit Gottes, die ich noch immer an so vielen Stellen im Leben entdecken  kann.

Und dann fällt es auch gar nicht mehr so schwer, das Leben im Sinne jenes Jesuswortes zu leben und zu gestalten, das für dieses Jahr die Jahreslosung ist: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Lk 6, 36). Ja, davon will ich mich wohl beherrschen und leiten lassen.


Glaubenssache:
Nach vorne sehen

Von Pfarrer Friedemann Rahn

Friedemann Rahn ist Pfarrer für die Ev. Kirchengemeinde Zierenberg.

Die Lage ist ernst, und das schon seit einem Jahr. Für manche ist sie mittlerweile bitterernst. Und das wird nicht weggehen.

Ob glaubende Menschen besser durch diese Zeit kommen? Auch Christen leiden an fehlenden Begegnungen. Auch Christen müssen in Kurzarbeit, auch ihnen wird gekündigt. Auch Christen verlieren plötzlich liebe Menschen. Da kann das ganze Leben ins Schlingern geraten. Kommen glaubende Menschen damit besser klar?

Vielleicht haben sie einen anderen Fokus. Der Wochenspruch spricht auch vom Ernst, dem „Ernst der Nachfolge“. Jesus sagt da: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Ein klares Bild für eine klare Haltung. Wer geradeaus pflügen will, braucht die richtige Technik. Die Aufgabe ernst nehmen. Nicht an den Furchen orientieren. Sondern einen Punkt am Horizont fixieren – und anfangen.

So soll es auch in einem Leben mit dem Glauben sein: Das Leben ernst nehmen, wie es jetzt gerade ist. Und dann nach vorn gehen, ohne sich daran zu orientieren, ob die Spur bis eben noch geschlingert hat. Das ist ganz schön radikal. Heißt das, es spielt keine Rolle, was mein Leben bisher ausgemacht hat? Die schönen, die gesunden Jahre? Das, was ich erreicht und mir aufgebaut habe?

Doch, schon. Aber nicht der Schmerz über Verlorenes soll mich bestimmen. Sondern die Hoffnung. Wichtig ist, wie ich die Furchen meines Lebens ab jetzt ausrichte, selbst wenn da Brüche oder ungerade Etappen hinter mir liegen. Der Punkt am Horizont: das Vertrauen, dass Gott noch Gutes für mein Leben bereithält. Da soll die Reise hingehen.

Das macht den Unterschied aus zwischen Hierbleiben und Aufbrechen, zwischen Verharren bei den Bruchstücken meiner Lebensgeschichte – und einen Fuß in die Zukunft setzen. Auch für glaubende Menschen ist das Leben eine ernste Sache. Aber der Fokus ist ein anderer.


27. Februar

Gedanken zum Sonntag:
Veränderung

Von Pfarrer Martin Schöppe

Martin Schöppe ist Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Peter in Hofgeismar.

Die Umfrage auf einem Internetportal zeigt ein für mich unerwartetes Ergebnis. Für die überwiegende Mehrheit der Menschen in unserem Land ist die Vorstellung von Veränderung eher negativ belegt, so die Umfrage.

Erfahrungen in meinem beruflichen Alltag bestätigen mir das. Ich denke, dass ein großer Teil Unzufriedenheit während der Corona-Pandemie auch daher kommt, dass sich Menschen in vielen Lebensbereichen verändern müssen aber es meistens nicht wollen.

Die Krise zeigt wie unter einem Vergrößerungsglas das atemberaubende Tempo mit dem sich die Gesellschaft verändert: soziale Beziehungen, berufliche Perspektiven, Digitalisierung, Freizeit. Auch Kirche, Religion und Wertvorstellungen sind davon nicht ausgenommen.

Andererseits gibt es die Erfahrung, dass eine Krise hilfreich sein kann Schritte im Leben zu unternehmen, zu denen ich vorher nicht den Mut gehabt hätte. Ich denke, Veränderung heißt nicht Überzeugungen aufzugeben, sondern sie neu zu buchstabieren. So versuche ich es gerade jetzt positiv zu sehen, das Einzige was im Leben immer bleibt: die Veränderung.


Glaubenssache:
#Hoffnunghamstern

Von Pfarrerin Kathrin Wittich-Jung

Kathrin Wittich-Jung ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Wolfhagen.

Ich hamstere seit neustem. Aber keine Dosentomaten, Nudeln oder Toilettenpapier. Ich hamstere Hoffnung: Unter dem Hashtag #hoffnunghamstern finden sich unzählige Bilder, die von Hoffnung erzählen. Die Aktion stammt aus der Arbeit mit Konfirmanden und soll den Jugendlichen helfen, durch die Krise zu kommen. Die Konfirmanden erstellen Hoffnungsbilder und posten sie dann unter dem Hashtag #hoffnunghamstern. Und es entstand so eine richtig tolle Bilderwand voller Hoffnung:

Bilder, die gute Laune machen. Sie zeigen mir, dass das Leben schön ist – trotz Pandemie und Kontaktbeschränkungen. Sie zeigen, was das Leben lebenswert macht: Ein schöner Sonnenuntergang. Mutworte mit Kreide auf die Straße gemalt. Manche erzählen, worauf sie sich nach der Corona-Pandemie freuen: Auf Reisen und unbeschwerte Familienbesuche. Auf einen schönen Abend mit Freunden im Restaurant.

Ich stöbere durch die Bilder und Texte und merke, wie es mir guttut. Für diesen Moment gibt es keine neuen Corona-Fallzahlen oder neue Todeszahlen. Hoffnung schleicht sich in mein Herz.

Das sind oft eher die kleinen Momente: Der Milchkaffee in der Sonne auf der Terrasse oder das Videotelefonat mit Freunden. Während wir da so sitzen und reden, wächst die Hoffnung, dass wir uns wiedersehen werden. Auch wenn überhaupt nicht klar ist, wann. Aber wir werden uns wiedersehen, zusammen essen und feiern. Und dann versuche ich das gute Gefühl zu hamstern und mir so einen Vorrat Hoffnung für die schlechten Tage aufzubauen. Davon zehre ich. Und immer, wenn wieder ein schöner Moment direkt vor mir liegt, nehme ich in mir mit – in meinen Hoffnungsvorrat.


20. Februar

Gedanken zum Sonntag:
Von der Wiederkehr der Präsenz

Von Pfarrerin Christina Schnepel

Chrstina Schnepel ist Pfarrerin und Studienleiterin für nachhaltige Entwicklung, weltweite Ökumene, Landwirtschaft und Soziales an der Evangelischen Akademie Hofgeismar.

Nun warten wir schon eine ganze Weile auf die Wiederkehr von Präsenz: Tanzen mit vielen, Essengehen, Umarmungen in der Clique, das Sitzen im Theater, Gemeindefeste. Wir leben in dürren Zeiten und die Sehnsucht wächst, bei manchen gar die Unruhe, bis Ungeduld.

Das ist gut so. Wer jetzt keine Sehnsucht, keinen Hunger nach Präsenzkultur und Kulturpräsenz spürt, der hat viel vergessen. Die Empfindung des Mangels hält uns wach für die Erwartung.

Wir sehnen uns neu nach der feierlichen Präsenzkultur von Kirche mit Gemeindegesang, Segen und Abendmahl. Das wartet auf mich, ich spüre das – und sehne mich. Die ersten Christ:innen lebten in einer lebendigen Naherwartung. Sie sehnten die Wiederkehr Jesu Christi herbei und speisten ihre Energie aus dem Empfinden der Gegenwart Jesu.

Mit der Kunst des Wartens und Ausharrens kennt sich die theologische Tradition seitdem gut aus, pflegt Fastenzeiten oder stilles Gebet. Aber wie ist es mit der Kunst der Ungeduld? Die Jünger der Emmausgeschichte haben ihre Ungeduld zum Anlass genommen, haben sich auf den Weg gemacht und sind gerade dabei überraschend der Präsenz Jesu begegnet.

Bis dahin pflege ich weiter Fastenzeit mit Abstand, mache mich innerlich auf den Weg und erwarte ungeduldig die Wiederkehr der Präsenz.

(nach einer Idee von Prof. Dr. Philipp Stoellger)


13. Februar

Hahl dunne!

Von Dekan Wolfgang Heinicke

Wolfgang Heinicke ist Dekan des Ev. Kirchenkreises Hofgeismar-Wolfhagen.

Ich bin zwar nicht am Rosenmontag geboren. Und schon gar nicht wie Margot Sponheimer in Mainz am Rhein, sondern in Ippinghausen an der Elbe. Aber ich vermisse ihn wirklich, den Karneval. Angesteckt haben mich die „Numburjer“ aus unserer Klasse mit ihrem „In Numburg do eß Karneval, Hansnarren sitt me üwerall/ in duller Fastnachtslunne“. Rosenmontag war Ausnahmezustand, weil ganz Naumburg närrisch auf den Beinen oder auf den Festzugswagen war, Mengen von Zuschauern die Straße säumten; und wir als Feuerwehrspielmannszug in Karvenalskostümen mitten drin im Getümmel, manchmal auch bei Eis und Schnee. Dann hieß es: Durchhalten! Das ist schließlich der Schlachtruf der Naumburger Narren, uff Numburjer Platt „Hahl dunne!“.

Uffs Dunnehahlen, auf’s Nicht-Nachlassen, auf’s Festhalten kommt es nicht nur für Karnevalisten gerade an: Für alle, für die die jetzigen Beschränkungen wirklich schmerzhaft sind, finanziell oder an Leib und Seele. Für alle, die „auf Sicht“ Entscheidungen treffen müssen, die immer auch Nebenwirkungen haben. Für eine Gesellschaft, in der die Meinungen heftig aufeinanderprallen. „Dunnehahlen“, aneinander festhalten, sich selbst und andere nicht aufgeben, das ist die Aufgabe.

Woher die Kraft dazu nehmen, wenn sie zu schwinden droht? „Die da harren auf den Herrn, kriegen neue Kraft“, weiß die Bibel. Und „Harren auf den Herrn“, das ist nichts anderes als „Dunnehahlen, weil häh uns hält“.


 6. Februar

Gedanken zum Sonntag:
Manchmal bleibt es dunkel

Von Arno Backhaus

Arno Backhaus ist christlicher Liedermacher und Autor aus Meimbressen.

Warum finden Menschen eigentlich den Psalm 23 („Der Herr ist mein Hirte…“) so toll - oder hören und lesen sie ihn nur oberflächlich? Denn in dem Psalm können wir nicht lesen: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du wirst es wieder hell machen“. Nein, steht da nicht! In meiner und auch in ihrer Bibel nicht. Da steht „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.“

Gott macht es nicht immer wieder hell, Krankheit bleibt, finsteres Tal bleibt, finanzielle Schwierigkeiten bleiben, aber Gott ist in allem Leid an meiner Seite. Ich bin nicht allein und verlassen. Ich habe einen Halt und Trost und kein billiges Vertrösten auf Helligkeit.

Das erinnert mich an den kleinen Jungen, der mit seinem Papa im Zug sitzt und sie durch einen Tunnel fahren. Plötzlich verschwindet nicht nur das Tageslicht, auch das Licht im Wagen geht aus. Stockdunkel. Nur gut, dass der Papa neben dem Kleinen sitzt. Für das Kind ist es nicht zuerst wichtig, dass es wieder hell wird, sondern dass der Papa neben ihm sitzt, der gibt dem Kind Schutz, Geborgenheit und Sicherheit.

Das wünsche ich uns, dass wir in allen Schwierigkeiten uns an Gott festhalten, er will uns stark machen, trotz mancher Dunkelheit.


Glaubenssache:
Meer des Lebens

Von Pfarrerin Pille Heckmann-Talvar

Pille Heckmann-Talvar ist Pfarrerin für die Ev. Kirchengemeinde Naumburg-Ippinghausen.

Für uns Kinder gab es nichts Schöneres, als im Winter auf dem zugefrorenen Meer Schlittschuh zu laufen. Wir haben das genossen: Die weiße Weite, die Wintersonne. Die Minusgrade haben das Eis dick gemacht.

Im Januar und Februar musste man sich um unsere Sicherheit keine Sorgen machen. Am Anfang März konnte man vom Meer her mächtigen Krach hören. Das Meer bewegte sich. Am nächsten Morgen konnten wir die ersten Risse sehen. Nun war uns verboten, auf das Eis zu gehen. Weh dem Menschen, der die Macht der Naturgewalt verachtete. Es dauerte nicht lange, da haben sich die Eisblöcke voneinander getrennt. Der Wind jagte sie zum Strand. Sie häuften sich übereinander an und bildeten riesengroße Berge.

Besonders in der Nacht konnte man hören, wie sie ächzend und krachend aneinander stießen. Was für ein Sinnbild für unser Leben: Ein Riss, der plötzlich alles voneinander zu trennen droht. Sorgen, Zweifel, Angst, Unsicherheit, Hoffnungslosigkeit, Müdigkeit und vieles mehr häufen sich wie Eisblöcke an und bauen eine Mauer.

In dem Gesangbuch meiner Heimatkirche in Estland gibt es ein Lied: „Das Leben ist wie ein Meer, das mir Angst macht, wenn es braust und schäumt. Wo finde ich Trost, wenn meine Seele unruhig ist, wen rufe ich zur Hilfe, wenn ich unglücklich bin?“, fragt der Dichter. Er erhebt seine Hände zu Gott und betet: „Himmlischer Vater, segne mich auf meinem stürmischen Lebensmeer.“ Die Eismauer am Strand trennte uns vom Meer. Aber nach ein paar Tagen war sie verschwunden. Das Meer war frei! Der Frühling war gekommen!

Er kommt jedes Jahr, das wussten wir, wir mussten nur geduldig abwarten. Und wenn er kommt, dann ist er auch da wie Gottes Segen über uns und über unserem Lebensmeer, ob es gerade stürmt oder still steht.


30. Januar

Glaubenssache:
Mürbe geworden

Von Pfarrerin Dr. Gisela Natt

Mürbe…

...dieses Wort höre ich oft.

Dr. Gisela Natt Ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Bad Emstal-Sand.

Die Menschen sind mürbe geworden von der Anspannung, von dem Druck, von den Doppelbelastungen. Es ist schlimm, allein zu sein, vielleicht noch mit Partner, trotzdem allein. Es ist belastend, mit der Familie auf engem Raum tagein tagaus beinander zu hocken und sich nicht aus dem Weg gehen zu können.

Mürbe werden und klagen – davon singt auch die Bibel ein Lied. Die Psalmen sind voll davon. Aber vielleicht ist das ja genau das Richtige. Es tun wie die Psalmen und klagen über das, was so mürbe macht. Denn es muss raus, es muss gesagt werden. Punkt!

Manchmal hören die Psalmen an diesem Punkt auf. Da kommt nix Tröstendes oder Versöhnliches. Da ist die nur die Klage. Punkt. Denn da ist noch nichts anderes. Vielleicht ist es genau richtig so: Wie die Psalmen klagen und warten und ruhig eine lange Pause lassen – ohne diesen Druck, es müsste sofort alles gut werden und wir könnten schnell weitermachen und funktionieren.

Es braucht eben Zeit, bis etwas Neues kommt, ein Funke Hoffnung und auch neue Energie. Aber irgendwann kommt er, dieser Lichtstreif am Horizont und mit ihm Energie. Davon singen die Psalmen auch ihr Lied. Zum Beispiel so. „Du hast meine Klage verwandelt in einen Reigen, …, und mich mit Freude gegürtet.“ (Psalm, 30,12)

Darum singen Sie ruhig mit den Psalmen Ihr Klagelied und warten Sie. Bis das frohe Lied kommt. Und auch das dürfen Sie singen.


Videoandacht aus dem Kooperationsraum Nachbarschaft Oberes Warmetal

Mit Pfarrerin Heike Radeck


23. Januar

Wort zum Sonntag:
Ein Haushalt und eine Person

Von Pfarrer Markus Schnepel

Markus Schnepel ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Stadtkirchengemeinde Hofgeismar.

Harte Zeiten sind das. Besonders für die Menschen, die allein leben. Ein Singlehaushalt ist eben auch „nur“ ein Haushalt. Nun besagt die aktuelle Regel, dass sich ein Haushalt mit einer weiteren Person treffen darf. Mehr soll es nicht sein, um sich und andere nicht zu gefährden und die Infektionskette zu unterbrechen. Das ist für viele echt schwer. Aber diese eine Person sollten wir uns suchen. Die brauchen wir.

Am morgigen Sonntag stehen Rut und ihre Schwiegermutter Noomi im Mittelpunkt. Die beiden hatten ihre Familien verloren. Sie hatten nur noch sich. Noomi beschließt in ihre alte Heimat zurückzukehren und rät Rut aber in ihrer Heimat zu bleiben. Aber Rut ist hartnäckig: „Wo du hingehst, will ich auch hingehen!“. Wir zwei bleiben zusammen. Und so bauen sie sich eine neue Existenz auf. Wer ist die Person, mit der du jetzt Kontakt halten willst? Spazierengehen, telefonieren, skypen…. Wie auch immer. Vertrauen kann wachsen, sich vertiefen.

Wir zeigen uns unsere Schwächen, gestehen uns, wenn die Nerven blank liegen, weil die Coronazeit nicht enden will. Rut und Noomi tun das mit Gottvertrauen: „Dein Gott ist mein Gott!“. Sie wissen nicht, was die Zukunft ihnen bringen wird. Aber sie wissen, dass sie sich auf Gott und aufeinander verlassen können. Was für ein Segen!


Glaubenssache:
Die Bibel - die Basis

Von Lektorin Maryam Parikhahzarmehr

Maryam Parikhahzarmehr ist Lektorin in der Ev. Kirchengemeinde Wolfhagen.

Da liegt sie vor mir. Seit Mittwoch habe ich sie. Die neue BasisBibel. Ein dickes Buch. Auf dem violetten Buchdeckel ist ein großes weißes Kreuz gedruckt. Lange haben wir darauf gewartet. Viele Frauen und Männer haben daran gearbeitet. Sie haben die alten Texte in eine neue Sprache übersetzt. Kurz sind die Sätze. Und verständlich sind sie geschrieben. Das verstehen alle. Vor allem auch die jungen Leute. Ich bin überzeugt: Konfirmanden werden sie gern in die Hand nehmen. Und dann beim Lesen hoffentlich die alten Worte besser verstehen. Martin Luther, der große Bibelübersetzer des 16. Jahrhunderts, hat damals beim Übersetzen festgestellt: Man muss dem Volk aufs Maul schauen. Genau das passiert 500 Jahre später wieder. Das Wort Gottes wird in der Sprache der Zeit wiedergegeben. Die Basis des Glaubens wird in der Sprache der Zeit wiedergegeben. Die Glaubenssache.

Es hat einmal jemand gesagt: »Manche Leute kennen von der Bibel nur die Pappdeckel. Aber die sind das dunkelste an diesem Buch.« Ich weiß aus meinem Leben: Die Botschaft der Bibel verändert ein Leben. Mein Leben hat sich grundlegend verändert. Damals, als ich in meiner Heimat eigentlich gar keine Bibel besitzen durfte. Mit dem Kennenlernen der Bibel ist mein Leben hell geworden.

Natürlich brauchen wir die Lutherbibel weiter. Wir brauchen die Jahrhunderte alten Worte als Zeichen der Verbindung mit den Menschen, die vor uns gelebt und geglaubt haben. Wir brauchen sie gerade auch im Gottesdienst. Aber die BasisBibel kann uns – gerade auch im persönlichen Bibelstudium - helfen, die alten Worte neu zu verstehen, besser zu verstehen. Und das brauchen wir, weil der, von dem die Bibel erzählt, Jesus, die Basis unseres Glaubens ist. BasisBibel ist ein schönes Wort.


16. Januar

Wort zum Sonntag:
,,schaut hin"

Von Pfarrerin Ute Engel

Ute Engel ist Koordinatorin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck für den Ökumenischen Kirchentag.

„Gefällt Ihnen, was Sie sehen?“ Jedesmal, wenn ich den Computer aufklappe, erscheint ein Landschaftsbild und diese Frage. „Gefällt Ihnen, was Sie sehen?“ Wie ist es, wenn ich dieses neue Jahr „aufklappe“? Es liegt vor mir, ungelebt und offen, besetzt mit Hoffnungen und Befürchtungen. Gefällt mir, was ich sehe? Gefällt Ihnen, was Sie sehen? Es gab lange kein Jahr, das mit so vielen Sorgen und Befürchtungen belastet war, wie das, was gerade angefangen hat.

In der biblischen Geschichte von der Speisung der 5000 gefällt den Freunden Jesu überhaupt nicht, was sie sehen: Eine große Menge Menschen hat den ganzen Tag zugehört und diskutiert und braucht jetzt etwas zu Essen. Wie sollen die alle satt werden? Jesus schickt sie nachsehen: „schaut hin“, „geht und seht nach, was wir haben“. Sie sehen nach und finden fünf Brote und zwei Fische. Der erste Blick gilt also dem, was schon da ist. Dafür sagt Jesus „Danke“. Der zweite Blick zeigt dann: Fünf Brote und zwei Fische sind lange nicht genug für so viele. Die Geschichte erzählt ein Wunder: Von dem Wenigen werden mit Gottes Hilfe alle satt.

„schaut hin“ ist das Leitwort des 3. Ökumenischen Kirchentages in Frankfurt, der digital und dezentral gefeiert werden wird. Das Jahr 2021 – und auch der Ökumenische Kirchentag – wird nicht „normal“, nicht so, wie wir erwartet, erhofft und erträumt haben. Alles wird anders sein, als wir es „gewohnt“ sind. „schaut hin“ – lassen Sie uns auf dieses Jahr schauen mit allen Sorgen und Befürchtungen und Hoffnungen und dabei zuallererst sehen: was gibt es denn schon? Vielleicht geschieht ein Wunder und wir werden - mit Gottes Hilfe und ganz anders als gedacht – alle satt.


9. Januar

Wort zum Sonntag:
Wir sind Gottes Kinder

Von Pfarrerin Johanna Fischer

Johanna Fischer ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Ehrsten.

Wir befinden uns im Lockdown. Um die Zahlen endlich zu senken, sind die Maßnahmen nochmal strenger geworden. Das ist nicht unumstritten, aber mir persönlich leuchtet es ein. Jetzt nochmal zusammenreißen und Infektionsketten unterbrechen, um dann wieder aufzuatmen. Man darf sich als Haushalt nur noch mit einer Person treffen. Die Schulen bleiben zu, in den Kitas wird eine Minimalbetreuung angeboten für alle, die es nicht anders schaffen.

Es ist schwer das zu entscheiden. Bekommen wir die Betreuung als Familie neben der Arbeit hin?Wie kann man dabei allen gerecht werden?

Ich bin ehrlich: Kann man nicht. Es geht über unsere Kräfte, man muss Abstriche machen. Wir leben in einer Ausnahmesituation. Und es zieht sich inzwischen schon lange. Die Nerven sind keine Drahtseile mehr, sondern liegen blank. Die der Eltern, aber auch die Kinder merken das.

Sorgen Sie für sich und Ihre Lieben. Jeder kann jetzt ein gutes Wort, eine liebe Geste gebrauchen. Sprechen Sie ab, wer wann wieviel Verantwortung tragen kann. Und beten Sie füreinander. Erinnern Sie sich daran, dass Sie getauft und damit Gottes Kinder sind. Und fragen Sie sich, von welchem Geist Sie sich treiben lassen wollen. "Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder." (Römerbrief 8,14)


Glaubenssache:
Ein neues Jahr

Von Pfarrer Gerd Bechtel

Gerd Bechtel ist landeskirchlicher Pfarrer im Stadtkirchenkreis Kassel.

Das mit den guten Vorsätzen für’s neue Jahr ist einerseits schon amüsant. Ich kann mir doch zu jeder Zeit vornehmen, mein Leben ein bisschen besser zu machen. Warum also bis zum Jahreswechsel warten? Andererseits wohnt jedem Anfang ein Zauber inne, wie Hermann Hesse so schön formulierte. Und das gilt für ein neues Jahr in besonderer Weise, vergleichbar – wie bei mir in diesen Tagen – mit einem neuen Lebensjahr.

Man kommt aus dem alten und den zunehmend vielen Jahren davor, nimmt sich einen Moment Zeit zurückzublicken auf das, was gewesen ist. Was habe ich erlebt, genossen und vielleicht auch erlitten? Was habe ich selbst geschafft, was wurde mir geschenkt? Ist mir etwas nicht gelungen, habe ich vielleicht auch mal so richtig „Mist gebaut“ oder bin falsch abgebogen? Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr kommt mir in den Sinn: So viel Schönes und Gutes - und nur manches, was ich lieber vergessen hätte. So ein Rückblick hat etwas von Wertschätzung des eigenen Lebensweges. Und er macht einmal mehr deutlich, wie wertvoll unsere begrenzte Lebenszeit ist, die wir in Kalender- und Lebensjahren zählen.

Wenn ich dann das neue Jahr in den Blick nehme, liegt es vor mir wie ein mit frischem Schnee bedecktes weites Land, noch ganz weiß und unberührt. Da hinein will ich die ersten Schritte sehr bewusst gehen und eine gute Spur hinterlassen. Und dabei ist der eine oder andere gute Vorsatz vielleicht doch ganz hilfreich.

Mir hilft dabei, dass ich mich von Gott begleitet fühle in meinem Leben. Das macht die Schritte so viel leichter. Ihn bitte ich, mich weiter zu leiten in ein gutes und gesegnetes neues Jahr. Und das erbitte ich auch für Sie, liebe Leserin und lieber Leser. Das erbitte ich für unser Land und unsere Welt.


5. Januar

"Seht die Vögel des Himmels an"

Von Pfarrer in Ruhe Konrad Hammann

"Sorget euch nicht – sehet die Vögel des Himmels an…!" Ein Wort Jesu, das mir in diesen Corona-Tagen hilfreich wurde:

Es war einige Tage vor Weihnachten. Ich beobachtete vom Fenster aus in unserem Garten unsere Amsel. Sie pickte intensiv auf etwas Gelbes ein. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich:  Es war ein Apfel, den sie da bearbeitete. Aber nicht irgendein Apfel, sondern der eine Apfel, den unser kleines  Bäumchen in diesem Jahr getragen hat.

Für uns ist es ein ganz besonderes Bäumchen. Wir haben es, als wir vor fünf Jahren noch einmal heirateten, im Gedenken an Luthers Wort vom Apfelbäumchen ("... und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge ...“) uns von unseren Freunden schenken lassen, es dann in unseren Garten gepflanzt und liebevoll umsorgt. In trockenen Zeiten hat es meine Frau gegossen. Im vorigen Sommer hat es dann zum ersten Mal getragen: Fünf herrliche Cox Orange.

Aber in diesem Sommer gab es nur einen Apfel und der wurde, weil er verkrüppelt war, nicht geerntet. Doch der Amsel machte das nichts. Ihr schmeckte er auch nach acht Wochen Lagerung im Gras. Wir überlegten: Ist es ihr täglicher Nachtisch? Da es in unserer Nähe kein Fallobst gibt, bringen wir ihr von unseren Spaziergängen Äpfel mit.

 Wie es mit unserer kleinen neuen Freundschaft weiter geht? Nun, im Augenblick freuen wir uns an diesen Möglichkeiten, die Gottes Schöpfung  darbietet und hoffen auf bessere Zeiten, wenn die guten alten Freunde wieder ins Haus dürfen.

Konrad Hammann ist Pfarrer im Ruhestand und hatte seine letzte Pfarrstelle in Helmarshausen.


2. Januar

Glaubenssache:
Seid barmherzig!

Von Pfarrer Stefan Kratzke

Stefan Kratzke ist Pfarrer für die Ev. Kirchengemeinde Balhorn-Altenstädt.

Wir blicken zurück auf ein Jahr, in dem sehr vieles anders war als gewohnt. Was hatten wir zu Beginn des Jahres 2020 alles geplant, uns vorgenommen? Und was ist aus unseren Vorsätzen und Plänen geworden? Vieles kam anders. Wir mussten flexibel sein, umdenken, neue Wege gehen. Dabei besondere Rücksicht nehmen auf Menschen, die gefährdet sind. Viele Entscheidungen mit großer Tragweite mussten oft sehr schnell getroffen werden. Von Menschen, die Verantwortung tragen. In Politik, Wirtschaft, Gesundheitswesen, Bildungs­einrichtungen, Vereinen, Kirchen, Familien …

Ich denke, den meisten ist das nicht leicht gefallen. Jeder Entscheidung gingen vermut­lich Gespräche, Diskussionen, Sitzungen, Überlegungen, vielleicht auch schlaflose Nächte voraus. Danach stehen die Verantwortlichen dann im Kreuzfeuer der Kritik, der Anders­denkenden, der Querdenker, der politischen Gegner. Es hagelt Verurteilungen und Unter­stellungen.

„Seid barmherzig, wie auch euer (himmlischer) Vater barmherzig ist“, sagt Jesus im Lukasevangelium (6,36). Er bittet uns, nicht mitzumachen beim Schlechtreden, Unterstellen, Verurteilen. Seid barmherzig, weil Gott barmherzig ist. Alle Barmherzigkeit hat ihren Ursprung in Gott. Gott nimmt uns an so wie wir sind – auch mit unseren Schwächen und Fehlern. Er ist sogar „gütig gegen die Undankbaren und Bösen“ (Lukasevangelium 6,35), setzt Jesus noch einen drauf.

Wenn Gott barmherzig mit euch ist, dann seid es bitte auch mit euren Mitmenschen. Lernt Barmherzigkeit. Werdet barmherzig. Richtet nicht. Verdammt nicht. Vergebt. So Jesus weiter. In kleinerer Münze könnte das bedeuten: die Unzulänglichkeiten der Anderen anneh­men; ihre Fehler nicht zum eigenen Vorteil ausschlachten, sondern helfen, daraus zu lernen; sich eingestehen, dass wir selbst auch nicht ohne Fehler sind; anderen vergeben und nicht übersehen, dass wir alle auf Vergebung angewiesen sind. Immer wieder.

„Werdet barmherzig, wie auch euer (himmlischer) Vater barmherzig ist. – Mit dieser Jahreslosung gehen wir durch das Jahr 2021 und lernen hoffentlich in kleinen Schritten Barmherzigkeit.


Video- und Onlinegottesdienste zum Jahreswechsel

Gottesdienst zum Jahreswechsel aus Hofgeismar mit Dekan Wolfgang Heinicke


Re-Live des Gottesdienstes zum Jahreswechsel aus dem Kirchenbezirk Wilhelmsthal-Liebenau, Ev. Kirche Westuffeln

Gottesdienst zum Jahreswechsel aus Dörnberg


Neujahrsgruß aus der Nachbarschaft Oberes Warmetal


      





 

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