Ev. Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen
Ihre evangelische Kirche in Hessens Norden

Zum Weiterdenken

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die Texte zur Verfügung, die - zumeist - aus der Mitte unseres Kirchenkreises für die Hofgeismarer Allgemeine und die Wolfhager Allgemeine erstellt werden - zum Nachlesen, Nachdenken und Weiterdenken.

20. Februar

Gedanken zum Sonntag:
Von der Wiederkehr der Präsenz

Von Pfarrerin Christina Schnepel

Chrstina Schnepel ist Pfarrerin und Studienleiterin für nachhaltige Entwicklung, weltweite Ökumene, Landwirtschaft und Soziales an der Evangelischen Akademie Hofgeismar.

Nun warten wir schon eine ganze Weile auf die Wiederkehr von Präsenz: Tanzen mit vielen, Essengehen, Umarmungen in der Clique, das Sitzen im Theater, Gemeindefeste. Wir leben in dürren Zeiten und die Sehnsucht wächst, bei manchen gar die Unruhe, bis Ungeduld.

Das ist gut so. Wer jetzt keine Sehnsucht, keinen Hunger nach Präsenzkultur und Kulturpräsenz spürt, der hat viel vergessen. Die Empfindung des Mangels hält uns wach für die Erwartung.

Wir sehnen uns neu nach der feierlichen Präsenzkultur von Kirche mit Gemeindegesang, Segen und Abendmahl. Das wartet auf mich, ich spüre das – und sehne mich. Die ersten Christ:innen lebten in einer lebendigen Naherwartung. Sie sehnten die Wiederkehr Jesu Christi herbei und speisten ihre Energie aus dem Empfinden der Gegenwart Jesu.

Mit der Kunst des Wartens und Ausharrens kennt sich die theologische Tradition seitdem gut aus, pflegt Fastenzeiten oder stilles Gebet. Aber wie ist es mit der Kunst der Ungeduld? Die Jünger der Emmausgeschichte haben ihre Ungeduld zum Anlass genommen, haben sich auf den Weg gemacht und sind gerade dabei überraschend der Präsenz Jesu begegnet.

Bis dahin pflege ich weiter Fastenzeit mit Abstand, mache mich innerlich auf den Weg und erwarte ungeduldig die Wiederkehr der Präsenz.

(nach einer Idee von Prof. Dr. Philipp Stoellger)

13. Februar

Hahl dunne!

Von Dekan Wolfgang Heinicke

Wolfgang Heinicke ist Dekan des Ev. Kirchenkreises Hofgeismar-Wolfhagen.

Ich bin zwar nicht am Rosenmontag geboren. Und schon gar nicht wie Margot Sponheimer in Mainz am Rhein, sondern in Ippinghausen an der Elbe. Aber ich vermisse ihn wirklich, den Karneval. Angesteckt haben mich die „Numburjer“ aus unserer Klasse mit ihrem „In Numburg do eß Karneval, Hansnarren sitt me üwerall/ in duller Fastnachtslunne“. Rosenmontag war Ausnahmezustand, weil ganz Naumburg närrisch auf den Beinen oder auf den Festzugswagen war, Mengen von Zuschauern die Straße säumten; und wir als Feuerwehrspielmannszug in Karvenalskostümen mitten drin im Getümmel, manchmal auch bei Eis und Schnee. Dann hieß es: Durchhalten! Das ist schließlich der Schlachtruf der Naumburger Narren, uff Numburjer Platt „Hahl dunne!“.

Uffs Dunnehahlen, auf’s Nicht-Nachlassen, auf’s Festhalten kommt es nicht nur für Karnevalisten gerade an: Für alle, für die die jetzigen Beschränkungen wirklich schmerzhaft sind, finanziell oder an Leib und Seele. Für alle, die „auf Sicht“ Entscheidungen treffen müssen, die immer auch Nebenwirkungen haben. Für eine Gesellschaft, in der die Meinungen heftig aufeinanderprallen. „Dunnehahlen“, aneinander festhalten, sich selbst und andere nicht aufgeben, das ist die Aufgabe.

Woher die Kraft dazu nehmen, wenn sie zu schwinden droht? „Die da harren auf den Herrn, kriegen neue Kraft“, weiß die Bibel. Und „Harren auf den Herrn“, das ist nichts anderes als „Dunnehahlen, weil häh uns hält“.

 6. Februar

Gedanken zum Sonntag:
Manchmal bleibt es dunkel

Von Arno Backhaus

Arno Backhaus ist christlicher Liedermacher und Autor aus Meimbressen.

Warum finden Menschen eigentlich den Psalm 23 („Der Herr ist mein Hirte…“) so toll - oder hören und lesen sie ihn nur oberflächlich? Denn in dem Psalm können wir nicht lesen: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du wirst es wieder hell machen“. Nein, steht da nicht! In meiner und auch in ihrer Bibel nicht. Da steht „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.“

Gott macht es nicht immer wieder hell, Krankheit bleibt, finsteres Tal bleibt, finanzielle Schwierigkeiten bleiben, aber Gott ist in allem Leid an meiner Seite. Ich bin nicht allein und verlassen. Ich habe einen Halt und Trost und kein billiges Vertrösten auf Helligkeit.

Das erinnert mich an den kleinen Jungen, der mit seinem Papa im Zug sitzt und sie durch einen Tunnel fahren. Plötzlich verschwindet nicht nur das Tageslicht, auch das Licht im Wagen geht aus. Stockdunkel. Nur gut, dass der Papa neben dem Kleinen sitzt. Für das Kind ist es nicht zuerst wichtig, dass es wieder hell wird, sondern dass der Papa neben ihm sitzt, der gibt dem Kind Schutz, Geborgenheit und Sicherheit.

Das wünsche ich uns, dass wir in allen Schwierigkeiten uns an Gott festhalten, er will uns stark machen, trotz mancher Dunkelheit

Glaubenssache:
Meer des Lebens

Von Pfarrerin Pille Heckmann-Talvar

Pille Heckmann-Talvar ist Pfarrerin für die Ev. Kirchengemeinde Naumburg-Ippinghausen.

Für uns Kinder gab es nichts Schöneres, als im Winter auf dem zugefrorenen Meer Schlittschuh zu laufen. Wir haben das genossen: Die weiße Weite, die Wintersonne. Die Minusgrade haben das Eis dick gemacht.

Im Januar und Februar musste man sich um unsere Sicherheit keine Sorgen machen. Am Anfang März konnte man vom Meer her mächtigen Krach hören. Das Meer bewegte sich. Am nächsten Morgen konnten wir die ersten Risse sehen. Nun war uns verboten, auf das Eis zu gehen. Weh dem Menschen, der die Macht der Naturgewalt verachtete. Es dauerte nicht lange, da haben sich die Eisblöcke voneinander getrennt. Der Wind jagte sie zum Strand. Sie häuften sich übereinander an und bildeten riesengroße Berge.

Besonders in der Nacht konnte man hören, wie sie ächzend und krachend aneinander stießen. Was für ein Sinnbild für unser Leben: Ein Riss, der plötzlich alles voneinander zu trennen droht. Sorgen, Zweifel, Angst, Unsicherheit, Hoffnungslosigkeit, Müdigkeit und vieles mehr häufen sich wie Eisblöcke an und bauen eine Mauer.

In dem Gesangbuch meiner Heimatkirche in Estland gibt es ein Lied: „Das Leben ist wie ein Meer, das mir Angst macht, wenn es braust und schäumt. Wo finde ich Trost, wenn meine Seele unruhig ist, wen rufe ich zur Hilfe, wenn ich unglücklich bin?“, fragt der Dichter. Er erhebt seine Hände zu Gott und betet: „Himmlischer Vater, segne mich auf meinem stürmischen Lebensmeer.“ Die Eismauer am Strand trennte uns vom Meer. Aber nach ein paar Tagen war sie verschwunden. Das Meer war frei! Der Frühling war gekommen!

Er kommt jedes Jahr, das wussten wir, wir mussten nur geduldig abwarten. Und wenn er kommt, dann ist er auch da wie Gottes Segen über uns und über unserem Lebensmeer, ob es gerade stürmt oder still steht. 


30. Januar

Glaubenssache:
Mürbe geworden

Von Pfarrerin Dr. Gisela Natt

Mürbe…

...dieses Wort höre ich oft.

Dr. Gisela Natt Ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Bad Emstal-Sand.

Die Menschen sind mürbe geworden von der Anspannung, von dem Druck, von den Doppelbelastungen. Es ist schlimm, allein zu sein, vielleicht noch mit Partner, trotzdem allein. Es ist belastend, mit der Familie auf engem Raum tagein tagaus beinander zu hocken und sich nicht aus dem Weg gehen zu können.

Mürbe werden und klagen – davon singt auch die Bibel ein Lied. Die Psalmen sind voll davon. Aber vielleicht ist das ja genau das Richtige. Es tun wie die Psalmen und klagen über das, was so mürbe macht. Denn es muss raus, es muss gesagt werden. Punkt!

Manchmal hören die Psalmen an diesem Punkt auf. Da kommt nix Tröstendes oder Versöhnliches. Da ist die nur die Klage. Punkt. Denn da ist noch nichts anderes. Vielleicht ist es genau richtig so: Wie die Psalmen klagen und warten und ruhig eine lange Pause lassen – ohne diesen Druck, es müsste sofort alles gut werden und wir könnten schnell weitermachen und funktionieren.

Es braucht eben Zeit, bis etwas Neues kommt, ein Funke Hoffnung und auch neue Energie. Aber irgendwann kommt er, dieser Lichtstreif am Horizont und mit ihm Energie. Davon singen die Psalmen auch ihr Lied. Zum Beispiel so. „Du hast meine Klage verwandelt in einen Reigen, …, und mich mit Freude gegürtet.“ (Psalm, 30,12)

Darum singen Sie ruhig mit den Psalmen Ihr Klagelied und warten Sie. Bis das frohe Lied kommt. Und auch das dürfen Sie singen.


Videoandacht aus dem Kooperationsraum Nachbarschaft Oberes Warmetal

Mit Pfarrerin Heike Radeck


23. Januar

Wort zum Sonntag:
Ein Haushalt und eine Person

Von Pfarrer Markus Schnepel

Markus Schnepel ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Stadtkirchengemeinde Hofgeismar.

Harte Zeiten sind das. Besonders für die Menschen, die allein leben. Ein Singlehaushalt ist eben auch „nur“ ein Haushalt. Nun besagt die aktuelle Regel, dass sich ein Haushalt mit einer weiteren Person treffen darf. Mehr soll es nicht sein, um sich und andere nicht zu gefährden und die Infektionskette zu unterbrechen. Das ist für viele echt schwer. Aber diese eine Person sollten wir uns suchen. Die brauchen wir.

Am morgigen Sonntag stehen Rut und ihre Schwiegermutter Noomi im Mittelpunkt. Die beiden hatten ihre Familien verloren. Sie hatten nur noch sich. Noomi beschließt in ihre alte Heimat zurückzukehren und rät Rut aber in ihrer Heimat zu bleiben. Aber Rut ist hartnäckig: „Wo du hingehst, will ich auch hingehen!“. Wir zwei bleiben zusammen. Und so bauen sie sich eine neue Existenz auf. Wer ist die Person, mit der du jetzt Kontakt halten willst? Spazierengehen, telefonieren, skypen…. Wie auch immer. Vertrauen kann wachsen, sich vertiefen.

Wir zeigen uns unsere Schwächen, gestehen uns, wenn die Nerven blank liegen, weil die Coronazeit nicht enden will. Rut und Noomi tun das mit Gottvertrauen: „Dein Gott ist mein Gott!“. Sie wissen nicht, was die Zukunft ihnen bringen wird. Aber sie wissen, dass sie sich auf Gott und aufeinander verlassen können. Was für ein Segen!

Glaubenssache:
Die Bibel - die Basis

Von Lektorin Maryam Parikhahzarmehr

Maryam Parikhahzarmehr ist Lektorin in der Ev. Kirchengemeinde Wolfhagen.

Da liegt sie vor mir. Seit Mittwoch habe ich sie. Die neue BasisBibel. Ein dickes Buch. Auf dem violetten Buchdeckel ist ein großes weißes Kreuz gedruckt. Lange haben wir darauf gewartet. Viele Frauen und Männer haben daran gearbeitet. Sie haben die alten Texte in eine neue Sprache übersetzt. Kurz sind die Sätze. Und verständlich sind sie geschrieben. Das verstehen alle. Vor allem auch die jungen Leute. Ich bin überzeugt: Konfirmanden werden sie gern in die Hand nehmen. Und dann beim Lesen hoffentlich die alten Worte besser verstehen. Martin Luther, der große Bibelübersetzer des 16. Jahrhunderts, hat damals beim Übersetzen festgestellt: Man muss dem Volk aufs Maul schauen. Genau das passiert 500 Jahre später wieder. Das Wort Gottes wird in der Sprache der Zeit wiedergegeben. Die Basis des Glaubens wird in der Sprache der Zeit wiedergegeben. Die Glaubenssache.

Es hat einmal jemand gesagt: »Manche Leute kennen von der Bibel nur die Pappdeckel. Aber die sind das dunkelste an diesem Buch.« Ich weiß aus meinem Leben: Die Botschaft der Bibel verändert ein Leben. Mein Leben hat sich grundlegend verändert. Damals, als ich in meiner Heimat eigentlich gar keine Bibel besitzen durfte. Mit dem Kennenlernen der Bibel ist mein Leben hell geworden.

Natürlich brauchen wir die Lutherbibel weiter. Wir brauchen die Jahrhunderte alten Worte als Zeichen der Verbindung mit den Menschen, die vor uns gelebt und geglaubt haben. Wir brauchen sie gerade auch im Gottesdienst. Aber die BasisBibel kann uns – gerade auch im persönlichen Bibelstudium - helfen, die alten Worte neu zu verstehen, besser zu verstehen. Und das brauchen wir, weil der, von dem die Bibel erzählt, Jesus, die Basis unseres Glaubens ist. BasisBibel ist ein schönes Wort. 


16. Januar

Wort zum Sonntag:
,,schaut hin"

Von Pfarrerin Ute Engel

Ute Engel ist Koordinatorin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck für den Ökumenischen Kirchentag.

„Gefällt Ihnen, was Sie sehen?“ Jedesmal, wenn ich den Computer aufklappe, erscheint ein Landschaftsbild und diese Frage. „Gefällt Ihnen, was Sie sehen?“ Wie ist es, wenn ich dieses neue Jahr „aufklappe“? Es liegt vor mir, ungelebt und offen, besetzt mit Hoffnungen und Befürchtungen. Gefällt mir, was ich sehe? Gefällt Ihnen, was Sie sehen? Es gab lange kein Jahr, das mit so vielen Sorgen und Befürchtungen belastet war, wie das, was gerade angefangen hat.

In der biblischen Geschichte von der Speisung der 5000 gefällt den Freunden Jesu überhaupt nicht, was sie sehen: Eine große Menge Menschen hat den ganzen Tag zugehört und diskutiert und braucht jetzt etwas zu Essen. Wie sollen die alle satt werden? Jesus schickt sie nachsehen: „schaut hin“, „geht und seht nach, was wir haben“. Sie sehen nach und finden fünf Brote und zwei Fische. Der erste Blick gilt also dem, was schon da ist. Dafür sagt Jesus „Danke“. Der zweite Blick zeigt dann: Fünf Brote und zwei Fische sind lange nicht genug für so viele. Die Geschichte erzählt ein Wunder: Von dem Wenigen werden mit Gottes Hilfe alle satt.

„schaut hin“ ist das Leitwort des 3. Ökumenischen Kirchentages in Frankfurt, der digital und dezentral gefeiert werden wird. Das Jahr 2021 – und auch der Ökumenische Kirchentag – wird nicht „normal“, nicht so, wie wir erwartet, erhofft und erträumt haben. Alles wird anders sein, als wir es „gewohnt“ sind. „schaut hin“ – lassen Sie uns auf dieses Jahr schauen mit allen Sorgen und Befürchtungen und Hoffnungen und dabei zuallererst sehen: was gibt es denn schon? Vielleicht geschieht ein Wunder und wir werden - mit Gottes Hilfe und ganz anders als gedacht – alle satt.

9. Januar

Wort zum Sonntag:
Wir sind Gottes Kinder

Von Pfarrerin Johanna Fischer

Johanna Fischer ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Ehrsten.

Wir befinden uns im Lockdown. Um die Zahlen endlich zu senken, sind die Maßnahmen nochmal strenger geworden. Das ist nicht unumstritten, aber mir persönlich leuchtet es ein. Jetzt nochmal zusammenreißen und Infektionsketten unterbrechen, um dann wieder aufzuatmen. Man darf sich als Haushalt nur noch mit einer Person treffen. Die Schulen bleiben zu, in den Kitas wird eine Minimalbetreuung angeboten für alle, die es nicht anders schaffen.

Es ist schwer das zu entscheiden. Bekommen wir die Betreuung als Familie neben der Arbeit hin?Wie kann man dabei allen gerecht werden?

Ich bin ehrlich: Kann man nicht. Es geht über unsere Kräfte, man muss Abstriche machen. Wir leben in einer Ausnahmesituation. Und es zieht sich inzwischen schon lange. Die Nerven sind keine Drahtseile mehr, sondern liegen blank. Die der Eltern, aber auch die Kinder merken das.

Sorgen Sie für sich und Ihre Lieben. Jeder kann jetzt ein gutes Wort, eine liebe Geste gebrauchen. Sprechen Sie ab, wer wann wieviel Verantwortung tragen kann. Und beten Sie füreinander. Erinnern Sie sich daran, dass Sie getauft und damit Gottes Kinder sind. Und fragen Sie sich, von welchem Geist Sie sich treiben lassen wollen. "Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder." (Römerbrief 8,14)

Glaubenssache:
Ein neues Jahr

Von Pfarrer Gerd Bechtel

Gerd Bechtel ist landeskirchlicher Pfarrer im Stadtkirchenkreis Kassel.

Das mit den guten Vorsätzen für’s neue Jahr ist einerseits schon amüsant. Ich kann mir doch zu jeder Zeit vornehmen, mein Leben ein bisschen besser zu machen. Warum also bis zum Jahreswechsel warten? Andererseits wohnt jedem Anfang ein Zauber inne, wie Hermann Hesse so schön formulierte. Und das gilt für ein neues Jahr in besonderer Weise, vergleichbar – wie bei mir in diesen Tagen – mit einem neuen Lebensjahr.

Man kommt aus dem alten und den zunehmend vielen Jahren davor, nimmt sich einen Moment Zeit zurückzublicken auf das, was gewesen ist. Was habe ich erlebt, genossen und vielleicht auch erlitten? Was habe ich selbst geschafft, was wurde mir geschenkt? Ist mir etwas nicht gelungen, habe ich vielleicht auch mal so richtig „Mist gebaut“ oder bin falsch abgebogen? Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr kommt mir in den Sinn: So viel Schönes und Gutes - und nur manches, was ich lieber vergessen hätte. So ein Rückblick hat etwas von Wertschätzung des eigenen Lebensweges. Und er macht einmal mehr deutlich, wie wertvoll unsere begrenzte Lebenszeit ist, die wir in Kalender- und Lebensjahren zählen.

Wenn ich dann das neue Jahr in den Blick nehme, liegt es vor mir wie ein mit frischem Schnee bedecktes weites Land, noch ganz weiß und unberührt. Da hinein will ich die ersten Schritte sehr bewusst gehen und eine gute Spur hinterlassen. Und dabei ist der eine oder andere gute Vorsatz vielleicht doch ganz hilfreich.

Mir hilft dabei, dass ich mich von Gott begleitet fühle in meinem Leben. Das macht die Schritte so viel leichter. Ihn bitte ich, mich weiter zu leiten in ein gutes und gesegnetes neues Jahr. Und das erbitte ich auch für Sie, liebe Leserin und lieber Leser. Das erbitte ich für unser Land und unsere Welt.


5. Januar

"Seht die Vögel des Himmels an"

Von Pfarrer in Ruhe Konrad Hammann

"Sorget euch nicht – sehet die Vögel des Himmels an…!" Ein Wort Jesu, das mir in diesen Corona-Tagen hilfreich wurde:

Es war einige Tage vor Weihnachten. Ich beobachtete vom Fenster aus in unserem Garten unsere Amsel. Sie pickte intensiv auf etwas Gelbes ein. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich:  Es war ein Apfel, den sie da bearbeitete. Aber nicht irgendein Apfel, sondern der eine Apfel, den unser kleines  Bäumchen in diesem Jahr getragen hat.

Für uns ist es ein ganz besonderes Bäumchen. Wir haben es, als wir vor fünf Jahren noch einmal heirateten, im Gedenken an Luthers Wort vom Apfelbäumchen ("... und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge ...“) uns von unseren Freunden schenken lassen, es dann in unseren Garten gepflanzt und liebevoll umsorgt. In trockenen Zeiten hat es meine Frau gegossen. Im vorigen Sommer hat es dann zum ersten Mal getragen: Fünf herrliche Cox Orange.

Aber in diesem Sommer gab es nur einen Apfel und der wurde, weil er verkrüppelt war, nicht geerntet. Doch der Amsel machte das nichts. Ihr schmeckte er auch nach acht Wochen Lagerung im Gras. Wir überlegten: Ist es ihr täglicher Nachtisch? Da es in unserer Nähe kein Fallobst gibt, bringen wir ihr von unseren Spaziergängen Äpfel mit.

 Wie es mit unserer kleinen neuen Freundschaft weiter geht? Nun, im Augenblick freuen wir uns an diesen Möglichkeiten, die Gottes Schöpfung  darbietet und hoffen auf bessere Zeiten, wenn die guten alten Freunde wieder ins Haus dürfen.

Konrad Hammann ist Pfarrer im Ruhestand und hatte seine letzte Pfarrstelle in Helmarshausen.


2. Januar

Glaubenssache:
Seid barmherzig!

Von Pfarrer Stefan Kratzke

Stefan Kratzke ist Pfarrer für die Ev. Kirchengemeinde Balhorn-Altenstädt.

Wir blicken zurück auf ein Jahr, in dem sehr vieles anders war als gewohnt. Was hatten wir zu Beginn des Jahres 2020 alles geplant, uns vorgenommen? Und was ist aus unseren Vorsätzen und Plänen geworden? Vieles kam anders. Wir mussten flexibel sein, umdenken, neue Wege gehen. Dabei besondere Rücksicht nehmen auf Menschen, die gefährdet sind. Viele Entscheidungen mit großer Tragweite mussten oft sehr schnell getroffen werden. Von Menschen, die Verantwortung tragen. In Politik, Wirtschaft, Gesundheitswesen, Bildungs­einrichtungen, Vereinen, Kirchen, Familien …

Ich denke, den meisten ist das nicht leicht gefallen. Jeder Entscheidung gingen vermut­lich Gespräche, Diskussionen, Sitzungen, Überlegungen, vielleicht auch schlaflose Nächte voraus. Danach stehen die Verantwortlichen dann im Kreuzfeuer der Kritik, der Anders­denkenden, der Querdenker, der politischen Gegner. Es hagelt Verurteilungen und Unter­stellungen.

„Seid barmherzig, wie auch euer (himmlischer) Vater barmherzig ist“, sagt Jesus im Lukasevangelium (6,36). Er bittet uns, nicht mitzumachen beim Schlechtreden, Unterstellen, Verurteilen. Seid barmherzig, weil Gott barmherzig ist. Alle Barmherzigkeit hat ihren Ursprung in Gott. Gott nimmt uns an so wie wir sind – auch mit unseren Schwächen und Fehlern. Er ist sogar „gütig gegen die Undankbaren und Bösen“ (Lukasevangelium 6,35), setzt Jesus noch einen drauf.

Wenn Gott barmherzig mit euch ist, dann seid es bitte auch mit euren Mitmenschen. Lernt Barmherzigkeit. Werdet barmherzig. Richtet nicht. Verdammt nicht. Vergebt. So Jesus weiter. In kleinerer Münze könnte das bedeuten: die Unzulänglichkeiten der Anderen anneh­men; ihre Fehler nicht zum eigenen Vorteil ausschlachten, sondern helfen, daraus zu lernen; sich eingestehen, dass wir selbst auch nicht ohne Fehler sind; anderen vergeben und nicht übersehen, dass wir alle auf Vergebung angewiesen sind. Immer wieder.

„Werdet barmherzig, wie auch euer (himmlischer) Vater barmherzig ist. – Mit dieser Jahreslosung gehen wir durch das Jahr 2021 und lernen hoffentlich in kleinen Schritten Barmherzigkeit.


Video- und Onlinegottesdienste zum Jahreswechsel

Gottesdienst zum Jahreswechsel aus Hofgeismar mit Dekan Wolfgang Heinicke


Re-Live des Gottesdiensts zum Jahreswechsel aus dem Kirchenbezirk Wilhelmsthal-Liebenau, Ev. Kirche Westuffeln

Gottesdienst zum Jahreswechsel aus Dörnberg


Neujahrsgruß aus der Nachbarschaft Oberes Warmetal


      





 

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