Ev. Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen
Ihre evangelische Kirche in Hessens Norden

Zum Weiterdenken

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die Texte zur Verfügung, die - zumeist - aus der Mitte unseres Kirchenkreises für die Hofgeismarer Allgemeine und die Wolfhager Allgemeine erstellt werden - zum Nachlesen, Nachdenken und Weiterdenken.


18. Januar

Glaubenssache:
Wir brauchen Frieden

Von Lektorin Maryam Parikhahzarmehr

Maryam Parikhahzarmehr ist Lektorin in der Kirchengemeinde Wolfhagen.

Leid kennen wir alle aus unserem Leben und aus dem Leben der Menschen, die uns nahestehen. Wir Christen wissen, was Leid ist, auch aus dem Leben unseres Herrn Jesus Christus. Schmerz und Leid gehören zum Leben dazu. In diesen Wochen gehen meine Gedanken noch stärker als sonst in meine iranische Heimat. Die Menschen dort erleben zurzeit schmerzhafte Momente. Der Tod unschuldiger Menschen lässt die Herzen der Staatsmänner im Iran kalt; das iranische Volk verspürt aber ein tiefes Leid in ihren Herzen.

Meine Glaubensworte in dieser Woche können deshalb nicht anders sein, als der Trauer um den Tod von 176 unschuldigen Menschen in einem ukrainischen Flugzeug in Teheran Ausdruck zu geben. Durch das Militär der islamischen Regierung ist das Flugzeug abgeschossen worden. 

Ich möchte Sie bitten, in diesem Moment eine Kerze in Ihrem Herzen anzuzünden mit dem Licht des Friedens, den Jesus uns geschenkt hat: für alle Menschen die im Krieg sind und unter Gewalt und Hass leiden, für alle Menschen, die wir geliebt haben und die nicht mehr unter uns sind. Falten wir die Hände, verbinden wir unseren Herzen miteinander und bauen eine Brücke aus Mitgefühlen, damit die leidenden und getroffenen Menschen die große Krise ihres Lebens überwinden können.

Ich träume von einer Welt, in der die Religion und die Hautfarbe Menschen nicht mehr trennen. Und ich träume auch davon, dass wir als Menschen nie aufhören, füreinander Mitleid zu haben. Das ist ein guter Beitrag für ein friedliches Zusammenleben.

Denn: Wir brauchen Frieden.

11. Januar 2020

Gedanken zum Sonntag:
Rettungsanker

Von Pfarrer Sven Wollert

Sven Wollert ist Pfarrer für die Kirchengemeinde Obermeiser-Westuffeln und Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises.

Elf Tage ist das neue Jahr nun alt und spätestens am Montag, wenn auch Hessens Schulferien zu Ende sind, hat uns der Alltag wieder. Heute werden in vielen Orten die Weihnachtsbäume eingesammelt. Kurz: Die Zeit „zwischen den Jahren“ ist endgültig vorbei.

Bei vielen wird es wieder so sein, dass die guten Vorsätze aus der Neujahrsnacht diese ersten Tage schon nicht überlebt haben. Das ambitionierte Bewegungsprogramm ist irgendwo zwischen schlechtem Wetter und Vierschanzentournee auf dem Sofa verschütt gegangen. Der aufmerksamere Umgang mit dem Partner wurde von ganz Alltäglichem erstickt. Der Plan, sich endlich nach einem besseren Job umzusehen, endet in einem nie gepflegten Profil eines beruflichen Netzwerks.

Für viele ist das auch mit einem Gefühl verbunden, versagt zu haben: Ich entspreche nicht dem, was ich eigentlich von mir selbst erwarte. Ich muss doch besser, anders, zufriedener sein als ich es gerade bin. Und ich habe es wieder nicht geschafft. 2020 sieht 2019 schon wieder verblüffend ähnlich – obwohl es doch ganz anders werden sollte.

Solche Gefühle sind nicht neu, sind kein Privileg von uns heute.

„Ich bin getauft!“ Dies hielt sich zum Beispiel Martin Luther schon vor 500 Jahren oft vor Augen, wenn er mal wieder mit sich selbst so schrecklich unzufrieden war. Und er war oft unzufrieden mit sich. Aber sich daran zu erinnern, getauft zu sein, war wichtig. Denn es sagte ihm: „Ich bin Gottes Kind – auch jetzt. Niemand wird das von mir nehmen.“ Es war auch in den schwierigen Stunden sein Rettungsanker: „Da ist jemand, der zu mir steht – komme was da wolle. Auch, wenn ich versage.“

Denn: „Ich bin getauft!“

Glaubenssache:
Im Namen Gottes ...

Von Pfarrer Lars Bachmann

Was bestimmt mein Leben? Zunächst einmal mein Name und zwar in doppelter Weise: zum einen ist da der Nachname, der mir deutlich macht, dass ich in eine Familie hineingeboren bin. Zum anderen ist da der Vorname, den ich mir nicht selbst ausgesucht habe, sondern den mir meine Eltern gegeben haben. Ob ich meinen Vornamen mag oder nicht, ob er gewöhnlich ist oder kurios, mein Vorname lässt mich exemplarisch erfahren, dass ich als Mensch umfassend abhängig bin. Jeder Mensch kann in seinem Leben entdecken, sofern er sich darauf einlässt, dass es Dinge gibt, die ihm ungefragt zuteil wurden – wie mein Geschlecht, meine Familie, meine Talente, meine Gesundheit. Auch wenn ich mein Leben durch eigene Entscheidungen bestimmen kann – wie den Beruf, meine Lebenspartnerin, die Dinge, die ich täglich tue oder lasse –, so weiß ich doch, dass ich in einer alles umfassenden Abhängigkeit lebe. Denn alles, was es in der Welt gibt, ist in irgendeiner Weise abhängig.

Doch wovon bin ich abhängig?

Der morgige Sonntag, der uns an die Taufe Jesu erinnern will, stellt mich vor die Entscheidung, ob ich mein Leben, unabhängig davon welchen Namen ich trage,  bewusst als ein Kind Gottes führen will, weil Gott für mich die Alles bestimmende Wirklichkeit ist. Was das bedeutet, hat Martin Luther in seinem Großen Katechismus in folgende Worte gefasst: „Was heißt einen Gott haben, oder was ist Gott? … allein das Vertrauen und Glauben des Herzens etwas macht etwas sowohl zu Gott als zu einem Abgott. Woran du nun dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.“

Und wer ist unser Gott? Es ist der Gott Jesu, es ist der Gott, der Liebe ist.

Ich jedenfalls will mich vom Gott Jesu bestimmen lassen. Ich will als Kind Gottes zu seiner Menschenfamilie gehören. In seinem Namen will ich leben.

Lars Bachmann ist Pfarrer an der Herwig-Blankertz-Schule in Wolfhagen.


4. Januar 2020

Gedanken zum Sonntag:
Neues Jahr als Chance

Von Pfarrer Thomas Steinrücken

Thomas Steinrücken ist Pfarrer der kath. Gemeinden St. Michael, Bad Karlshafen-Trendelburg, und Hl. Geist, Wesertal.

Als Jesus von Nazareth vor etwa 2000 Jahren zur Welt kam und sich 30 Jahre später auf den Weg machte, das Reich Gottes zu verkünden, da war es eine überraschende Erfahrung für seine Zeitgenossen, dass er niemanden abschrieb und verachtete: weder die Leistungsfähigen noch die Schwachen, auch nicht die Aussätzigen, die von der Gesellschaft Ausgesetzten. Gott sagt zu jedem: „Ich kann mit dir was anfangen. Du bist mir wichtig, auch wenn du weder der Schönste noch der Stärkste oder der Klügste bist“.

Das neue Jahr 2020 muss mich nicht ängstigen oder verzagt machen. Es ist die Chance, mein Leben in die Hand zu nehmen, zu gestalten und zu meiner Zeit, zu meinem Leben zu machen. Es ist meine Chance, immer mehr der Mensch zu werden, der ich vor Gott sein darf, den Gott im Sinn hatte, als er mich schuf.

Gehen wir also voll Zuversicht in dieses neue Jahr. Tragen wir das Unsrige dazu bei, dass es ein geglücktes, glückliches Jahr wird.

Glaubenssache:
Wut und Mut der Verzweiflung

Von Dekan Wolfgang Heinicke

Wolfgang Heinicke ist seit 1. Januar 2020 Dekan des neuen Kirchenkreises Hofgeismar-Wolfhagen.

Der Schrei des Vaters geht durch Mark und Bein. Er hatte Hilfe gebraucht. Hilfe für sein krankes Kind. Deswegen war er gekommen. Der, den er eigentlich gesucht hatte, war nicht da. Die, die er antraf, waren unfähig. Jedenfalls helfen konnten sie nicht. Und dann stritten sie untereinander und mit denen, die immer alles besser wussten. Woran hat es gelegen? Gibt es weitere Ursachen? Wer ist daran schuld? Darüber lässt sich leicht streiten, wenn man keine Ahnung hat, wie sehr die verfluchte Ohnmacht schmerzt, dachte er bitter.

Jesus kommt, und der Vater spricht ihn an: „Wenn du etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!“ Und dann diese Antwort: „Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ Das ist mehr, als er ertragen kann. Das klingt für ihn zu sehr nach „Denk positiv“ und „Vertrauen ist der erste Schritt“ und all dem anderen, was er weiß, aber nun gerade nicht kann. Es gibt eine Grenze, was auszuhalten ist. Und die ist definitiv überschritten. Darum schreit er. Schreit aus der Tiefe. Aus der Tiefe der Not. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“

Wie gut, wenn man so schreien kann. In dem Schrei höre ich die Not und die Wut der Verzweiflung. Ja, ich kann nicht mehr! Nein, das ist nicht gerecht! Ja, ich bin es leid, solche allgemeinen Weisheiten zu hören! Gleichzeitig hält der Schrei Gott fest, lässt ihn nicht los. Beides ist das ungemein Starke an dem Satz, das Stärkende. Manchmal wandelt sich dann die Wut der Verzweiflung in den Mut zum Leben.

In der biblischen Geschichte heilt Jesus den Sohn dieses Vaters. Wir müssen manchmal auch andere Erfahrungen machen. Und trotzdem: Es lohnt sich, gerade dann an Gott festzuhalten. Manchmal spüre ich dabei: Ich kann mich fallenlassen, weil er mich hält.


28. Dezember 2019

Gedanken zum Sonntag: Rückblick und Fazit. Gedanken zwischen den Jahren

Von Pfarrerin Christina Schnepel

Christina Schnepel, Studienleiterin für nachhaltige Entwicklung, weltweite Ökumene, Landwirtschaft und Soziales der Evangelischen Akademie Hofgeismar.

Am Ende des Jahres stehen Rückblick und Fazit.

Die Nachrichten des Jahres werden für uns so oder ähnlich zusammengefasst:

Ein Jahr Proteste in Honkong, verheerende Waldbrände auf verschiedenen Kontinenten, Fridays for Future, die Ermordung von Walter Lübke und immer wieder Brexit.

Der private Rückblick sieht freilich jeweils ganz anders, kleinteiliger, aber oft nicht weniger bewegend aus.

„Suchet Frieden und jaget ihm nach“, war die Jahreslosung für unser Jahr 2019.

Welches Fazit ziehen wir dazu?

Ich habe das Gefühl, dass diese Worte nicht ungehört verhallen. Waren die Debatten in den vergangen Jahren oft mir der Analyse einer „Spaltung der Gesellschaft“ beschäftigt, entdecke ich im zu Ende gehenden Jahr wachsende Spuren der Solidarität, Engagement für demokratische Beteiligung, gegen Rassismus und rechten Extremismus und steigendes Bewusstsein für die Notwendigkeit von fairem Handel in nah und fern.

Die Kirchenvorstandswahl ebenso wie die Wahl unserer Bischöfin Hofmann haben in diesem Jahr die Überzeugung neu geweckt, dass in Kirchen und Gemeinden Frieden, Solidarität und Gerechtigkeit wachsen und von dort ausstrahlen können. Hier sammeln sich Menschen, die sich genau dafür engagieren.

Können wir die Jahreslosung also mit dem Jahr 2019 abschließen?

Nein, natürlich nicht. Verschiedene Bischöfe und der Papst haben an Weihnachten wieder zu einem friedlichem Miteinander und vor Gleichgültigkeit gegenüber Flüchtlingen aufgerufen. Der Bundespräsident mahnte: "Derzeit braucht die Demokratie vor allem uns.“

Wir schließen die Jahreslosung 2019 nicht als erledigt ab, sondern glauben weiter daran mit der neuen für 2020: „Ich glaube - hilf meinem Unglauben!“

Glaubenssache:
Von guten Mächten

Von Prädikant Günther Dreisbach

Kirchenrat Günther Dreisbach ist Prädikant in der Evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen.

In diesen Tagen ist ein Gedicht 75 Jahre alt geworden. Zum Jahreswechsel 1944/45 hat Dietrich Bonhoeffer es geschrieben. Aufgrund seines Widerstandes gegen das nationalsozialistische Regime wurde er verhaftet und im April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Im Gefängnis des Reichssicherheitshauptamtes in Berlin, einem der gefürchtetsten Gefängnisse der Gestapo, hat er für seine Braut Maria Wedemeyer das Gedicht verfasst: »Von guten Mächten treu und still umgeben«. Seitdem hat das Gedicht eine weite Verbreitung gefunden. Vielfach wurde es vertont. Im Evangelischen Gesangbuch gehört es seit Ende des 20. Jahrhunderts zum Kernbestand der Lieder zur Jahreswende.

In den Gottesdiensten, die ich zu halten habe, leite ich den Schlusssegen regelmäßig ein mit den Worten des letzten Verses des Liedes: »Von guten Mächten wunderbar geborgen / erwarten wir getrost, was kommen mag. / Gott ist bei uns am Abend und am Morgen / und ganz gewiss an jedem neuen Tag.« Im Altersheim erlebe ich es: Fast im Chor sprechen die alten Menschen es mit. Manche nicken dazu beifällig mit dem Kopf. So, als wollten sie sagen: Das unterschreibe ich gern. Das gehört zur eisernen Ration meines Lebens.

Vielleicht kann der eine oder die andere das im Rückblick auf das Jahr 2019 auch sagen: Ja, ich habe diese Geborgenheit gespürt. Nicht immer und nicht immer so intensiv. Aber ich weiß: Gott war immer bei mir. So wie Dietrich Bonhoeffer sich dessen gewiss war. Und vielleicht nehmen Sie diese Gewissheit mit in das neue Jahr. Ich wünsche es Ihnen.

Und: Gehen Sie von guten Mächten wunderbar geborgen getroste Schritte in das Jahr des HERRN, das Anno Domini 2020.

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