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Verwurzelt und vernetzt
Verwurzelt und vernetzt
# Zum Weiterdenken

Verwurzelt und vernetzt
Von Pfarrer Martin Schöppe

Die Schere geht auseinander – das sagen viele, wenn man sie fragt. Konzerte, Museen, Fachärzte, kulturelles und gesellschaftliches Leben, vielfältige Teilhabe: Das findet zunehmend in den Städten statt. Wer auf dem Land lebt, fährt weiter, wartet länger, hat weniger Auswahl.
Manchmal schwingt eine stille Frustration mit. Wenn wieder eine Praxis schließt, ein Busfahrplan ausgedünnt wird oder eine Diskussion über „die Zukunft des Landes" geführt wird, ohne dass jemand aus dem Dorf am Tisch sitzt.
Aber es gibt zwei Dinge, die ich erlebe, wenn ich mit Menschen ins Gespräch komme.
Das eine ist der Glaube – nicht als frommer Begriff, sondern als Praxis. Die Nachbarin, die nach dem Rechten schaut. Die Hilfe, wenn ein lieber Mensch verstorben ist. Das Gemeindefest oder der Gottesdienst, bei dem man sich noch in die Augen sieht. Das ist nicht selbstverständlich, und es ist mehr wert, als es auf den ersten Blick scheint.
Das andere sind – überraschenderweise – die digitalen Möglichkeiten. Eine Messenger-Gruppe organisiert die Nachbarschaftshilfe. Ein lokales Online-Portal im ländlichen Raum macht sichtbar, was Vereine planen und wer Hilfe braucht. Auch die medizinische Versorgung bietet zunehmend digitale Möglichkeiten. Digitalisierung klingt nach Großstadt und Technologie, aber gerade hier, wo die Wege weit sind, kann sie Nähe und Sicherheit schaffen.
Verwurzelt und vernetzt – das schließt sich nicht aus. Vielleicht ist das sogar eine Stärke des Landlebens: Man kennt sich. Man verlässt sich aufeinander. Man bleibt.
Für mich ist das kein Idyll. Es ist ein Fundament.
Martin Schöppe ist Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Hl. Hildegard von Bingen Nordhessen.
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