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Trink ein Weizen!
Trink ein Weizen!
# Zum Weiterdenken

Trink ein Weizen!
Von Pfarrer Dr. Michael Dorhs

Letzten Samstag, da musste ich nichts. Kein Großeinkauf, kein Fitness-Studio, auch keine Balkonpflanzen im Gartencenter besorgen. Während ringsum To-do-Listen abgearbeitet wurden, saß ich da und genoss das Nichtstun.
Unvorstellbar für viele. Denn das „Müssen“ hat längst auch das Wochenende erobert. Der Keller muss entrümpelt und die Verwandtschaft besucht werden. Besonders beeindruckend ist die Spezies der Ikea-Pilger: „Wir schauen nur mal kurz“, heißt es beim Aufbruch. Stunden später kehren sie abgekämpft zurück – samt Küchenschrank und Aufbauanleitung, die wie die Abschlussprüfung eines Ingenieurstudiums wirkt.
Dabei wäre die Alternative skandalös einfach: sitzen. Im Schatten. Mit einer Zeitung oder einem Buch. Dem Himmel beim Blau-Sein zusehen. Ohne dabei Kalorien zu verbrennen oder soziale Medien zu füttern.
Merkwürdigerweise fällt genau das vielen schwer. Selbst die Freizeit wird durchgetaktet wie der Ablauf eines Pflegedienstes. Wer zugibt, nichts Besonderes vorzuhaben, erntet schnell erstaunte Blicke.
Vielleicht steckt im biblischen Gebot, den Feiertag zu heiligen, mehr Weisheit, als man zunächst vermutet. Nicht weil Arbeit schlecht wäre. Sondern weil Menschen mehr sind als das, was sie leisten, kaufen oder erledigen müssen. Selbst Gott, so berichtet die Bibel, ruhte am siebten Tag.
Deshalb ein unzeitgemäßer Vorschlag: Lassen Sie am nächsten Wochenende ruhig etwas bleiben. Mindestens ihr schlechtes Gewissen. Denn manchmal ist das Wertvollste, was man am Wochenende tun kann, schlicht: nichts! Oder, um eine kluge Freundin zu zitieren: „Lass gut sein – und trink ein Weizen. Oder besuche einen Gottesdienst. Am besten beides.“
Pfarrer Dr. Michael Dorhs ist Schulreferent der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.
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