06.03.26 0 Kommentaarid
Lahme Flügel
Lahme Flügel
# Zum Weiterdenken

Lahme Flügel
Von Pfarrer Jens Holstein

In der letzten Woche hat meine Kollegin Wittich-Jung an dieser Stelle mit einem Lied weiße Tauben als Symbol des Friedens aufsteigen lassen. Gleichzeitig sind beim Erscheinen des Artikels in der Nacht in Israel und im Iran todbringende Raketen aufgestiegen. Wo wir nach vier Jahren Ukraine-Krieg auf Frieden hoffen, eskaliert der nächste Krieg. Bislang spüren wir das nur durch steigende Benzinpreise. Ein Freund, der in Dubai lebt, berichtet mir, dass selbst dort kaum etwas vom Krieg zu spüren ist. Trotzdem bleibt dieser Krieg mit seinen Opfern schrecklich.
Auch mir ist zu all dem ein Lied von weißen Tauben eingefallen. 1982 hat Hans Hartz gesungen: „Die weißen Tauben sind müde. Sie fliegen lange schon nicht mehr. Sie haben viel zu schwere Flügel.“ Diese bleierne Schwere fühle auch ich in diesen Tagen. Der Krieg im Nahen Osten ist offensichtlich nicht vom Völkerrecht legitimiert. Ob er das Terrorregime im Iran beseitigt, ist sehr fraglich. Und die Überlegung, ob Krieg die bloße Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln ist, wäre an dieser Stelle nur zynisch.
Abermals kommen mir Verse von Hans Hartz in den Sinn: „Jedoch die Falken fliegen weiter. Sie sind so stark wie nie vorher; und ihre Flügel werden breiter. Und täglich kommen immer mehr.“ So scheint es sich derzeit zu verhalten. Die Falken, die mit Gewalt agieren, haben die Oberhand.
Am Ende des Liedes heißt es dann: „Die weißen Tauben fliegen nicht mehr.“ Das sollte und darf nicht das Ende sein. Wir dürfen uns trotz aller Widrigkeiten die Hoffnung auf Frieden nicht nehmen lassen. Der von Gott verheißene Frieden ist das Licht für unser Leben.
Jens Holstein ist Klinikpfarrer in Bad Emstal-Merxhausen.
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