22.05.26 0 Kommentaarid
In meiner Sprache
In meiner Sprache
# Zum Weiterdenken

In meiner Sprache
Von Pfarrer Friedemann Rahn

Das Pfingstwunder. Morgen werden wir uns wieder an diese Begebenheit erinnern. Der Heilige Geist erfüllt die Jünger Jesu, sie fangen inmitten von Leuten aus aller Welt an zu reden, und das Unwahrscheinliche passiert: Sie werden verstanden. Denn „ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden“, wie es in der Pfingstgeschichte heißt.
Was das für Sprachen sind, kennen alle, die Pfingstgottesdienste besuchen. „Phrygien und Pamphylien“ sind die Klippen, die in der Lesung umschifft sein wollen, und noch ein paar exotische mehr. Aber um die geht es gar nicht. Es geht um ein bestimmtes Wort: In seiner eigenen Sprache. Das ist das eigentliche Wunder an der Geschichte.
Es gibt Menschen, mit denen fällt reden leicht. Oft sind das gute Freunde von uns. Da sind wir sofort „in touch“, weil wir dieselbe Sprache sprechen. Wir verstehen uns und fühlen uns verstanden. In der Partnerschaft braucht das dagegen manchmal ein bisschen Übung. Vielleicht haben Sie schon von den „Fünf Sprachen der Liebe“ gehört. Danach hat jeder Mensch seine eigene Art, Liebe und Anerkennung auszudrücken. Wen beide die Liebes-Sprache des oder der anderen kennen und sie bewusst einsetzen, fühlen beide sich besser geliebt und verstanden.
Die Pfingstgeschichte erzählt, dass das im Prinzip mit jedem Menschen auf dieser Welt möglich wird. Wenn Gottes guter Geist uns erfasst, fangen wir an zu denken und zu reden wie von Mensch zu Mensch. Es klingt zu einfach, fast ein bisschen verrückt. Aber es ist die Lösung. Liebe ist Gottes universelle Sprache für diese Welt. Und die eigene Sprache wird zur gemeinsamen.
Friedemann Rahn ist Pfarrer für die evangelische Kirchengemeinde Zierenberg.
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