16.01.26 0 Kommentaarid
Grenzerfahrung
Grenzerfahrung
# Zum Weiterdenken

Grenzerfahrung
Von Pfarrer Jonathan Bergau

Ich sitze dösend im Fernbus, draußen zieht die verschneite Landschaft an mir vorbei, manchmal sehe ich sogar ein Reh. Plötzlich stoppt der Bus, ich werde aus meinen Gedanken gerissen. „Ausweis bitte! Grenzkontrolle.“ Ich bin wieder wach, die Formalitäten sind schnell erledigt, der Bus fährt weiter durch die verschneite Landschaft und manchmal sehe ich ein Reh.
Meine Gedanken gehen an den Kontrollpunkt zurück. Was hat sich seitdem geändert? Ich muss genau hinschauen. Mit fallen andersfarbige Verkehrsschilder auf, aber die Landschaft und die Menschen sehen unverändert aus. Dennoch bin ich in einem anderen Land. Vor meinen Augen liegen trotzdem kaum Unterschiede. Hätte es keine Kontrolle gegeben, wäre mir die Grenze wohl gar nicht aufgefallen.
Wenn ich im bequemen Reisebus durch die Landschaft fahre, fällt mir das Überqueren von Grenzen ganz leicht. Manche meiner inneren Grenzen und Denkblockaden überwinde ich nicht so leicht. Oft beherrscht das Trennende meinen Sinn stärker als das Verbindende. Mir fehlt der Sinn für die Weite dieser Welt.
Ich denke an ein Lied: „Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht, bringe ich vor dich. Wandle sie in Weite: Herr, erbarme dich.“
Mit der Liedzeile bitte ich Gott um diese Weite für mich, für dich, für unser Land und für unsere Welt.
Jetzt genieße ich erst einmal weiter die an mir vorbeiziehende verschneite Landschaft, döse ein und träume von grenzenloser Weite für unsere Welt, für unser Land, für dich und auch für mich.
Jonathan Bergau ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Oedelsheim für die Kirchengemeinden Gieselwerder, Heisebeck-Arenborn und Oedelsheim.
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